Auf dieser Seite werden in chronologischer Reihenfolge die Ursachen, die Umstände, der dynamische Prozess hin zum Konkurs und die Folgen bis zur Gründung der neuen Glashütter Uhrenfabrik A. G. , der späteren Ufag und der Uhren-Rohwerkefabrik Glashütte A. G. Urofa im Dezember 1926 im Wesentlichen anhand von Veröffentlichungen dargestellt werden.
Die gelb hinterlegten Textpassagen in den Veröffentlichungen sollen es erleichtern, die jeweils handelden Personen sowie die Abfolge der Entwicklung hin zu den beiden neuen Glashütter Aktiengesellschaften nachzuvollziehen.
* RGB: Reichsgesetzblatt * Goldmark-Eröffnungsbilanz * Rentenbank
Handelsgerichtliche Eintragung:
Firma Vereinigte Werke Deutscher Uhrmacher G. m. b. H. in Leipzig Querstr. 15. Hugo Erich Pertz ist als Liquidator ausgeschieden. Zum Liquidator ist bestellt Dr. Jur. Ernst Kurtz in Leipzig.
Die Uhrmacher-Woche 1927 Nr.12 S.195
Den Bestrebungen der im Zentralverband der Deutschen Uhrmacher organisierten Uhrmacher 1918 mit einem eigenen genossenschaftlich geführten Industriebetrieb über eine eigene fabrikmäßig gefertigte, preiswerte „Uhrmacheruhr“ zu verfügen und darüber hinaus diese in qualitativ verschiedenen Ausführungen zu einer eigenen Markenuhr bzw. Uhrenmarke zu entwickeln, waren von Anfang an in der sich nach dem 1. Weltkrieg stürmisch entwickelnden industriellen Uhrenfertigung enge Grenzen gesetzt.
Der auch durch den Krieg bedingte technologische Rückstand gegenüber der Schweizer Uhrenindustrie und die bis 1924 gültigen Ex- und Importbeschränkungen auf diesem Gebiet machten das Vorhaben, jedenfalls in der geplanten Form und aus heutiger Sicht, zu einem hoch riskanten Unternehmen.
Es wäre schon ein Quantensprung in der Entwicklung der materiell-technischen Basis nötig gewesen, um in kürzester Zeit eigene, konkurrenzfähige Produkte zu entwickeln und auf dem Markt zu etablieren. Dazu hätte es aber Investitionen in Größenordnungen bedurft, zu denen die organisierte Uhrmacherschaft allein damals weder Willens noch in der Lage gewesen wäre.
Auch der rasch wachsende Trend zur preiswerteren Armbanduhr und der damit verbundenen industriellen Massenfertigung wurde von der deutschen Uhrmacherschaft, aber auch von den Protagonisten der Glashütter Uhrenindustrie zu lange unterschätzt.
Die handwerklich gefertigte, hochwertige Präzisionstaschenuhr „fürs Leben“, die dann auch noch vom Vater auf den Sohn vererbt wurde, entsprach nicht mehr dem damaligen Zeitgeist. Die Zeit der Taschenuhr neigte sich überhaupt ihrem Ende entgegen. Schlussendlich mussten sich auch die im Zentralverband organisierten deutschen Uhrmacher und die von Ihnen gewählte Führungsebene im Verband den Gesetzen des Marktes beugen.
Es vollzieht sich in den 1920er Jahren in Glashütte, aber nicht nur dort, ein Entfremdungsprozess zwischen dem altehrwürdigen Handwerk der Uhrmacher und einer von den Banken mit entsprechendem Kapital gestützten Entwicklung von den kleineren Personengesellschaften zu größeren, mehr Rendite versprechenden Aktiengesellschaften. Es entwickeln sich mit großen Kaufhäusern und dem beginnenden Versandhandel auch für den Uhrenhandel neue Marketing- und Vertriebsformen, denen von der Uhrmacherschaft bis in die zweite Hälfte der 1920er Jahre hinein nicht genügend Beachtung geschenkt wurde.
Insofern wird dieser Wandel mit der Geschichte der Glashütter Präzisions-Uhrenfabrik bis zu ihrem Konkurs und der sich daran anschießenden, durch die Girozentrale Sachsen gestützten Etablierung einer langfristig auf Großserienproduktion ausgerichteten modernen Armbanduhrindustrie in Glashütte eindeutig dokumentiert.
Leider vollzieht sich dieser Prozess in einer für die in der ehemaligen Genossenschaft organisierten Uhrmacher und den damals Beschäftigten in der Glashütter Uhrenindustrie recht schmerzlichen Art und Weise.
Mit den durch die Direktoren der Girozentrale Sachsen am 7. Dezember 1926 in Glashütte, gegründeten Aktiengesellschaften Uhrenfabrik Glashütte (Ufag) und Uhren-Rohwerke-Fabrik Glashütte (Urofa) wird mit der ersten deutschen Rohwerke-Fabrik der Paradigmenwechsel hin zu einer größeren, arbeitsteiligeren, weitgehend automatisierten, industriellen Armbanduhrfertigung in Glashütte und in Deutschland überhaupt eingeleitet. Dies hat die sächsische Kleinstadt sowie ihre Bürger die nächsten Jahrzehnte bis in die heutige Zeit hinein geprägt und wird sie sicher auch weiter prägen.
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An dieser Stelle wird der Beitrag, der Vollständigkeit halber noch mit den zusammengefassten "Mitteilungen des Schutzverbandes für die Genossen der Präzisions-Uhrenfabrik Glashütte" ergänzt.
Das wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Bitte haben Sie etwas Geduld.
Konkursordnung des Deutschen Reiches von 1877