* 18.02.1815 † 03.12.1875
Der Begründer der Glashütter Uhrenindustrie Ferdinand Adolph Lange wurde am 18.Februar 1815 in Dresden als Sohn eines Büchsenmachers geboren. Nach der Grundschule ging er beim sächsischen Hofuhrmacher Gutkäs in die Lehre um das Uhrmacherhandwerk zu erlernen. Mit dem Besuch einer weiterbildenden Schule und privaten Sprachunterricht bildete er sich Parallel dazu weiter. Die erworbenen Sprachkenntnisse in französisch halfen ihm zur Fortbildung bei dem bekannten Pariser Uhrmacher Joseph Thaddeus Winnerl, einem Schüler des berühmten Uhrmachers Abraham-Louis Breguet, eine Anstellung zu finden. Dank seines Fleisses und seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten wurde er sogar Werkführer bei seinem Meister und Arbeitgeber. Nach 3 Jahren ging er zurück nach Dresden, heiratete die Tochter seines Lehrmeisters Gutkäs, wurde Teilhaber an der Firma seines Schwiegervaters und übte mit Meisterschaft das Uhrmacherhandwerk aus. Die ersten Uhren von Lange sind entsprechend mit „Guktäs & Lange Dresden“ signiert.
In Deutschland gab es in der ersten hälfte des 19. Jahrhunderts noch keine eigenständige Uhrenindustrie. Langes verdienst ist es, die Zeichen der Zeit erkannt zu haben und so bemühte er sich bereits 1843 bei der sächsischen Landesregierung, staatliche Mittel für den Aufbau einer moderneren, arbeitsteiligen Uhrenfertigung, bei der nicht mehr nur Einzelstücke von Uhrmachern, sondern kleine Serien fabrikmäßig gefertigt werden sollten.
Nach langwierigen Verhandlungen kam es am 31. 05.1845 zu einem Vertragsabschluss mit dem sächsischen Innenministerium und Lange. Ihm wurde darin auf 9 Jahre einem Kredit von 6700 Talern indem 1170 Taler für die Ausbildung von 15 Lehrlingen enthalten waren bewilligt.
Firmensitz von 1845 bis 1874
Am 7.12.1845 nahm die Uhrenfabrik "F. A. Lange & Cie.“ in einer Mansarde dieses Bürgerhauses in Glashütte ihre Arbeit mit 15 Lehrlingen, die bis dahin Strohflechter waren, auf. Bereits 1848 konnte Lange mit den ersten ausgebildeten Fachleuten mit den Ausgründungen von Fertigungsbereichen beginnen. Das war dann der Beginn der dann typischen Glashütter Haus- und Zulieferindustrie.
Die Lehrlinge waren vertraglich verpflichtet nach ihrer Ausbildung weitere 5 Jahre für die Firma Lange zu arbeiten und sich durch wöchentliche Abgaben sich mit insgesamt 3120 Talern an der Rückzahlung des Kredites zu beteiligen. Wie man sieht ist die Idee eines „Ausbildungskredites“ keine neuzeitliche Erfindung.
Wenn man bedenkt, dass für die Herstellung einer einzigen Taschenuhr, damals bis zu 100 Einzeleile und ca. 1000 Arbeitsgänge erforderlich waren, war die geplante Jahresproduktion der Firma Lange von 600 Uhren, schon ein nicht unbedeutendes Konjunktur- und Beschäftigungsprogramm in dieser Not leidenden Region. Es sollten aber noch 20 Jahre vergehen, bis das qualitative- und mengenmäßige Ziel erreicht wurde. Damals, wie heute, war nicht die Subvention der alten, sondern nachhaltige Investitionen in eine neue, moderne, zukunftsträchtige Industrie, der Weg aus der Krise und Schlüssel zum Erfolg.
Langes "Zehntelmaß" bis 0,1mm ablesbar
Von Beginn an wollte Ferdinand A. Lange Uhren bauen, die sich durch eine gleich bleibend hohe Qualität und Zuverlässigkeit auszeichneten. Die Einführung des metrischen Systems in die Uhrmacherei, ein Verdienst Langes, war dazu für Lange ebenso eine entscheidende Voraussetzung wie die Einführung der ¾ Platine und die Drehstühle, bei denen mit dem Fuß ein Schwungrad in Bewegung gesetzt wurde.
Die Ausgründung von eigenständigen Unternehmen, heute würde man neudeutsch „outsourcing“ und „frenchising“ dazu sagen, die von Lange gefördert wurden, beinhalteten die Chance einer, wieder neudeutsch, „klassischen win-win Situation“. Lange war vorerst der einzige Abnehmer und brauchte nur das abzunehmen, was seinen Qualitätsansprüchen entsprach ohne das ihm weitere zusätzliche Kosten entstanden. Die ausgelagerten, auf eigene Rechnung arbeitenden Zulieferer hatten die faire Chance durch Qualitätsarbeit, innovative Produkte und Rationalisierung im Arbeitsprozess sich neue Kundenkreise zu erschließen, unabhängiger zu werden und in zunehmenden Maße auch Einfluss auf die Preisgestaltung nehmen zu können.
Das „Glashütter Verlagssystem“ von Adolf Lange
Die fortschreitende Industrialisierung und der steigende Bedarf für bestimmte Produkte, der sich auch bei Uhren für den täglichen Gebrauch in der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelt hatte, verlangte auch im Uhrmachergewerbe eine Abkehr von dem bisher üblichen Fertigungsverfahren, in dem eine Uhr von Anfang an bis zu ihrer Vollendung in einer Hand blieb und nur eine Einzelanfertigung gestattete.
Ferdinand Adolph Lange hatte, bevor er 1842 nach Dresden zurück kam, bei seinem Aufenthalt in der Schweiz ein arbeitsteiliges Fertigungsverfahren für Uhren kennen gelernt, was durch die Aufgliederung in bestimmte, eng abgegrenzte Arbeitsbereiche und die Aufteilung dieser Arbeiten auf verschiedene Spezialisten das Potential für eine wesentlich höhere Arbeitsproduktivität und Qualitätssteigerung beinhaltete.
Da ein solches Fertigungsverfahren für Taschenuhren in Deutschland noch nicht praktiziert wurde, sah Adolf Lange darin eine Chance für die Entwicklung einer eigenen Firma, aus der heraus sich eine Präzisionsuhrenindustrie entwickeln ließe. Voraussetzung war neben den entsprechenden finanziellen Mitteln aber die Ausbildung der verschiedenen Spezialisten für die einzelnen Arbeitgebiete.
Die von Adolf Lange entwickelte Aufteilung sah folgende Arbeitsbereiche als Zulieferer für die Endfertigung in einer Uhrenfabrik vor.
1. Gestellmacher, 2. Repasseure, 3. Aufzugmacher, 4. Zeigerwerkmacher, 5. Triebmacher, 6. Steinschleifer, 7. Steinfasser, 8. Schraubenmacher, 9. Gangmacher, 10. Unruhmacher, 11. Vergolder, 12. Finiseure, 13. Repetitions- bzw. Chronografenmacher, 14.Visiteure, 15. Gehäusemacher, 16. Guillocheure, 17. Graveure sowie 18. Regleure.
Diese auszubildenden Spezialisten sollten ihre Produkte aus eigenen Firmen heraus nach vorgegebenen Qualitätsmaßstäben in vereinbarten Stückzahlen und Preisen an Uhrenfabriken liefern. Die Ausbildung wollte Adolf Lange gemeinsam mit seinem Schwager Adolf Schneider selbst übernehmen. Diese Idee wurde der sächsischen Landesregierung zwecks Bereitstellung der nötigen Kreditmittel unterbreitet und schlussendlich ab dem 7. Dezember 1845 in Glashütte in die Tat umgesetzt.
Die ersten eigenständigen Firmen im Verlagssystem waren u.a.
Da die so gefertigten Einzelteile oder Baugruppen von der Langschen Idee her, allen Uhrenfabrikanten für die Fertigung ihrer Uhren zur Verfügung standen, unterscheiden sich Glashütter Präzisionstaschenuhren oft nur in geringem Maße aufgrund firmeneigener Besonderheiten bzw. Qualitätsmaßstäben, was eine eindeutige Bestimmung und Zuordnung, vor allem unsignierter Werke, erschwert.
Dieses "Verlagssystem" war die Basis für eine sich in der Folge gut entwickelnde Glashütter Uhrenindustrie, ohne die auch Lange schwerlich seine eigenen innovativen Ideen hätte umsetzen können.
Die ersten Uhrenfabrikanten, die sich nach erfolgreicher Ausbildung der Spezialisten und der Etablierung ihrer Firmen in den 1850er Jahren, des Verlagssystems in Glashütte bedienten, waren Adolf Lange & Cie, Adolf Schneider, Paul Assmann und Moritz Großmann.
1855 erscheint in einem frühen Uhrmacher Lexikon, eine der ersten in der Fachliteratur nachweisbaren Veröffentlichungen über die sich in Glashütte mit der Firma A. Lange & Cie. entwickelnde Uhrenindustrie.
In der Deutschen Industriezeitung wird zu Beginn des Jahres 1862 erstmals eine ausführliche Würdigung der durch Adolph Lange 1845 in Glashütte begründeten Uhren-Manufaktur und der sich daraus entwickelden Uhrenindustrie veröffentlicht. In dem Artikel wird erstmals auch darauf eingegangen, welche Uhren zu welchen Preisen gefertigt und wohin verkauft werden.
Schwerkrafthemmung von Adolf Lange
Wie zum Beispiel bei der nachfolgenden Entwicklung zu erkennen ist, war akribische, theoretische Vorbereitung auf wissenschaftlicher Basis, einer der wesentlichen Schlüssel für den nachhaltigen Erfolg von Ferdinand Adolph Lange.
Die Londoner Industrieausstellung 1862 verzeichnete 25.000 Aussteller. Neben der einzigen Auszeichnung in Form der Zuerkennung einer Medallie, wurde auf Antrg der Juri noch eine zweite Auszeichnung, die der "Ehrenvollrn Erwähnung" zugelassen. Insgesamt wurden 7.000 Aussteller mit einer Medallie ausgezeichnet und ca. 5.300 Aussteller erhielten eine "Ehrenvolle Erwähnung".
Schon zu Beginn der 1860 Jahre wurde von der Firma Lange der amerikanische Markt erschlossen, was wegen der damals geltenden Zollbestimmungen recht problematisch war. Es rechnete sich nur, wenn Rohwerke ohne Gehäuse geliefert wurden und die Uhren erst vor Ort vollendet wurden. Dazu bedurfte es dann aber auch der entsprechenden Partnerfirmen in Übersee. Dass dies gelang, belegen frühe, noch mit Schlüsselaufzug gefertigte Modelle. Dieser Absatzmarkt sollte dann für viele Jahrzehnte eine der wesentlichsten und stabilsten Einnahmequellen für die Firma Lange & Cie. bleiben.
Dieses frühe, in die USA exportiert Werk wurde ist noch mit einer 2/3 Platine mit chatonierten Rubinen, Diamantdeckstein und Schlüsselaufzug gefertigt. Das Federhaus ist verdeckt. Die Zeigerstellung erfolgt über eine direkte Schlüsseldrehung des Minutenrades. Die amerikanischen Gehäusemacher haben, wie in diesem Falle auch, die Goldgehäuse, dieses ist ein 750er, oft mit landestypischen Motiven versehen.
Wenn man sich die technologische Ausgangsbasis beim Beginn der Uhrenfabrik Lange und die Entwicklung in den Folgejahren betrachtet, kann man erkennen, welche Innovationsfähigkeit in den Beschäftigten in der Glashütter Uhrenindustrie steckte, die durch ein entsprechend den Erfordernissen der Zeit gestaltetes wirtschaftsfreundliches Umfeld zum Wohle aller entwickelt werden konnte.
Die Ausgangsbasis war ein Pfeilerwerk mit 40mm Durchmesser und einer Oberplatte, Schlüsselaufzug auf der Rückseite und Zeigerstellen mittels Schlüssel auf der Forderseite,
Stiftankerhemmung, bimetallische Unruh mit Regulier- und Gewichtsschrauben, rost- und magnetempfindlicher Spiralfeder, Zugfeder aus spröden Kohlenstoffstahl, 8 Steine, keine Sekunde und einem Emaillezifferblatt mit eingebrannten römischen Ziffern.
Wenn man sich dann die Lange Taschenchronometer oder gar die komplizierteste Taschenuhr aus dem Hause Lange mit ewigen Kalender, rhodiniertem ¾ Platinenwerk in 1a Ausführung, goldenen Chronographenrädern, mit einem Kalendarium, welches die Monate mit 28, 30 und 31 Tagen und in einem Schaltjahr den 29. Februar anzeigt, Minutenrepetition, Zifferblatt mit den Anzeigen für Mondphasen, Sekunden, Wochentag, Monat, Minutenzähler, Datum, Stoppzeiger mit nach springendem Schleppzeiger (Ratrappante) und Grande Sonnerie mit Abstellhebel betrachtet, wird deutlich, welche Innovationskraft in dieser Zeit freigesetzt wurde und damit den Ruhm der Glashütter Uhrenindustrie begründete.
Original erhaltene offene TU Nr. 227 von Adolf Lange um 1850
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Eine sehr frühe offene Taschenuhr mit Schlüsselaufzug, die etwa fünf Jahre nachdem Ferdinand Adolf Lange am 7. Dezember 1845 mit der Firma A. Lange & Cie. in Glashütte den Grundstein für die Glashütter Uhrenindustrie gelegt hatte, gefertigt wurde.
Sie dokumentiert den zweiten Innovationsschritt auf dem zwanzigjährigen Entwicklungsweg bis zur ausgereiften Glashütter Präzisionstaschenuhr mit Glashütter Ankergang, Kronenaufzug und der bekannten Dreiviertelplatine. Da die Firma zu dieser Zeit noch über keine eigene Gehäusefertigung verfügte, wurden diese zugekauft. Das guillochierte Silbergehäuse dieser Uhr stammt aus der Werkstatt des späteren Münchner Hofuhrmachers von König Ludwig II. Josef Biergans. Da Adolf Lange zu dieser Zeit bereits mit Moritz Großmann, dem späteren Begründer der Deutschen Uhrmacherschule in Glashütte, bekannt war und dieser 1950 kurzzeitig bei J. Biergans eine Anstellung hatte, ist nicht auszuschließen, dass die Verbindung der beiden Firmen daher rührt.
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Weitere Bildbeispiele verschiedener seltener und komplizierter Taschenuhren aus dem Hause Lange finden Sie >> hier <<
In den Jahren 1860 - 1865 wurde die Entwicklung der Glashütter Präzisionstaschenuhr im wesentlichen abgeschlossen.
Ferdinand Adolph Langes Verdienst war es, das es ihm und seinen Mitarbeitern über die Jahre hinweg gelungen war, die erste deutsche Präzisionstaschenuhr zu entwickeln, die den Schweizer Spitzenerzeugnissen ebenbürtig war.
Zifferblattsignatur einer A. Lange Uhr
Das Gebäude, in dem in Glashütte alles begann, im Jahr 2011 mit einer anlässlich des 100. Geburtstages von Ferdind Adolph Lange 1915 gestifteten Gedenktafel.
Der Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, stellt den derzeitigen Kenntnisstand dar und wird, wenn neue verifizierbare Erkenntnisse vorliegen, entsprechend ergänzt.
Fachzeitschrift: Uhren und Schmuck 1/1979 bis 4/1980
Bericht der Beurteilungskommission bei der Allgemeinen Deutschen Industrieausstellung (1854, München), Friedrich Benedict Wilhelm von Hermann, Allgemeine Deutsche Industrie-Ausstellung 1855