Die Gründung der Präzisionsuhrenfabrik resultiert aus der finanziellen Situation der Glashütter Uhrenfabrik Kassiske. Trotzt hervorragender Taschenuhren, die die Firma nach damals sehr modernen Fertigungsmethoden herstellte, war eine notwendige Expansion aus dem zur Verfügung stehenden Kapital nicht zu realisieren.
Ernst Kassiske suchte und fand in der damals prosperierenden Metropole Berlin einen namhaften Uhrengrossisten als Geschäftspartner. Mit dessen Unterstützung wurde 1904 die Glashütter Präzisionsuhrenfabrik Aktiengesellschaft gegründet.
Das Fabrikgebäude der Glashütter Präzisions-Uhrenfabrik Aktiengesellschaft.
Bei dem Fachbau auf der linken Bildseite handelt es sich um den Anbau der Gehäusefabrik.
Ernst Kassiske vertrat schon sehr früh einen neuen konzeptionellen Ansatz für den klassischen Uhrenbau, indem er großen Wert darauf legte, dass, anders als bisher mit der „Glashütter Hausindustrie“ üblich, möglichst alle Teile der Uhr in einer Fabrikationsstätte hergestellt werden sollten, um eine hochproduktive rationellere Fertigung von Präzisionsuhren überhaupt erst gewährleisten zu können. Um diesen Erfordernissen gerecht zu werden, entstand mit dem frischen Kapital unterhalb des Ochsenkopfes ein neues hochmodernes Produktionsgebäude.
Die angestrebte moderne Fertigungstechnologie sollte größere Serien bei höchsten Qualitätsstandards ermöglichen. Dazu war aber damals auch eine Beschränkung in der Sortimentsbreite erforderlich. So konzentrierte man sich in der Glashütter Präzisionsuhrenfabrik im wesentlichen auf das Kaliber 43 und erreichte immerhin einen jährlichen Produktionsausstoß von ca. 1.000 Taschenuhren.
Die Werknummerierung dieses ersten Glashütter Schablonenwerkes, das man auch, wie der spätere technische Direktor der "Präzision" Hugo Müller, mit Kaliber 1 bezeichnen kann, beginnt mit 100.000. Zum ersten mal ist es bei diesem Kaliber der Glashütter Präzisions-Uhren-Fabrik A.- G. möglich, im beschränkten Maße Werkteile untereinander auszutauschen.
Das Werk wurde in qualitativ unterschiedlichen Ausstattungsvarianten gefertigt. Eigeschalt wurden die Werke in offene Gehäuse oder Savonnette aus Gold oder Silber. Neben diesem Kaliber wurden auch im bescheidenen Umfang Damentaschenuhren mit diesem Werkaufbau, aber mit kleinerem Durchmesser gefertigt.
Bei den bisher üblichen Seriengrößen von 20 -100 Uhren für ein Modell konnte man jetzt von den ersten Anfängen einer echten Serienproduktion sprechen, die es ermöglichte bei Beibehaltung eines hohen Qualitätsstandards, preiswertere Uhren für eine breitere Käuferschicht auf den Markt zu bringen. Mit dieser Pionierarbeit wurde die Präzisionsuhrenfabrik zur ersten echten Konkurrenz für die alteingesessene Glashütter Uhrenindustrie mit der Firma A. Lange & Söhne an der Spitze.
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Die mit dem Beginn und Verlauf des ersten Weltkrieges 1914-1918 verbundenen Probleme in Deutschland, stoppten eine Weiterführung der Erfolgsgeschichte so nachhaltig, dass die Firma 1918 vor einem sich abzeichnenden Konkurs aufgegeben und mit allen Grundstücken, Gebäuden und Inventar für 500.000 Mark am 30. August 1918 an den Zentralverband der Deutschen Uhrmacher verkauft wurde.
Der Verband gründete auf dieser Basis seine eigene Uhrenfabrikation in Glashütte, die
Deutsche Präzisions-Uhrenfabrik Glashütte in Sachs. e. G. m. b. H. (DPUG).
Damit endete zwar der erster Abschnitt in der Geschichte eines industriellen serienmäßigen Glashütter Präzisionsuhrenbaus, aber nicht der Bau von Präzisionstaschenuhren an sich. Neben den immobilen Werten standen der neuen Präzisionsuhrenfabrik sowohl Rohwerke als auch der gesamte Maschinenpark der verkauften Firma und die nach dem Krieg noch zurückgekehrten Fachkräfte zur Verfügung.
Dieser Ersatzteilkasten ist einer der wenigen noch erhaltenen originalen Artefakte dieser Uhrenfabrik.
Der Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, stellt den derzeitigen Kenntnisstand dar und wird, wenn neue verifizierbare Erkenntnisse vorliegen entsprechend ergänzt.