Friedrich August Adolf Schneider wurde am 14. September 1824 in Dresden geboren. Er besuchte wie Ferdinand Adolf Lange die „Technische Bildungsanstalt Dresden“ und begann 1841 eine Uhrmacherlehre in der Firma Gutkaes. Nachdem Adolf Lange 1842 seine Wanderjahre beendet hatte und als Meister, Schwiegersohn und Teilhaber wieder in der Firma seines Lehrmeisters, Hofuhrmacher Gutkaes, arbeitete, bildete er Adolf Schneider weiter zum Uhrmacher aus.
Es entstand eine enge Bindung und so folgte Adolf Schneider der Bitte von Adolf Lage ihn bei der Ausbildung von Lehrlingen für den geplanten Aufbau einer modernen Präzisionsuhrenfertigung in Glashütte zu unterstützen. Als erster Werkmeister in der Firma Lange übernahm Adolf Schneider u.a. den Unterricht in Arithmetik, Mathematik, Geometrie und technischer Mechanik. Er heiratete 1847 die jüngste Tochter der Hofuhrmachers Gutkaes, wurde damit zum Schwager von Adolf Lange und siedelte ebenfalls nach Glashütte um. Ob er auch der Geschäftspartner in der Firma Adolf Lange & Cie. war, kann vermutet werden, ist aber z. Z. nicht nachgewiesen.
Die Angaben für die Gründung einer eigenen Firma, der „Glashütter Uhren-Fabrik Adolf Schneider“, der späteren „Ankeruhren-Fabrik Adolf Schneider“ schwanken von 1851 bis 1855. Während in einer Werbeschrift das Gründungsjahr mit 1855 angegeben wird, wird in der offiziellen Todesanzeige aus dem Jahr 1878, das Jahr 1848 als Jahr der Firmengründung genannt. Dieser Widerspruch ist z. Z. noch nicht geklärt.
Gesichert ist, dass auch Adolf Schneider, was seine Uhrenfertigung betrifft, auf das von ihm mitgeschaffene „Glashütter Verlagssystem“ zurückgegriffen hat. So ist es nicht verwunderlich, dass Uhren aus der Firma Schneider denen der Firma A. Lange in Form und Qualität vergleichbar sind.
Die von Adolf Lange vorangetriebenen Entwicklungschritte bis hin zum ausgereiften Glashütter Präzisionsuhrenkaliber mit ¾ Platine, „Glashütter Ankerhemmung“, Chronometerunruh und Kronenaufzug wurden auch von der Firma Schneider nachvollzogen.
Auch was den Export nach Übersee betrifft, sind Parallelen zur Firma Lange vorhanden. So werden auch von der Firma Schneider aus steuerrechtlichen Gründen, vorrangig Neusilber-, so genannte „weiße Werke“, in die USA u. a. an die Firmen „Max Freund & Co.“ in New York und "Jon Bolland" in St. Louis geliefert.
1. Werbung von Adolf Schneider in der Deutschen Uhrmacher-Zeitung 1877
Noch 1877, rund zwanzig Jahre nach der Einführung des patentierten Kronenaufzuges, wird er in der Werbung noch besonders herausgestellt.
Präzisionstaschenuhrwerk aus der Werkstatt von Adolf Schneider
Nr. 2547
1884 übertägt die Firma den Generalvertrieb ihrer Uhren für mehrere Regionen im Süddeutschen Raum, der Darmstädter Firma Georg Rauch und gibt das mit einer Anzeige in der Deutschen Uhrmacher-Zeitung bekannt.
Uhren der Firma Schneider lassen sich u.a. neben der Signatur (nicht alle Werke wurden signiert) auch durch die quer zur Längsachse des Unruhklobens stehenden Schrauben des Chatons für den Deckstein des Unruhwellenzapfens erkennen. Bei Lange Uhren sind diese auf der Längsachse des Unruhklobens angeordnet.
Am 13. Juni des Jahres 1878 verstarb der Uhrenfabrikant und Glashütter Bürgermeister Friedrich August Adolf Schneider im Alter von nur 54 Jahren.
Sein Sohn Woldemar führte die Firma dann bis 1893 weiter. Im Anschluss war er bis 1898 bei der Firma Julius Assmann und ab 1899 bei A. Lange & Söhne tätig.
Am 14. Januar 1914 verstirbt Woldemar Schneider 56jährig in Glashütte.
Schätzungen zufolge wurden von der Firma Schneider nur etwa 3000 Glashütter Präzisionstaschenuhren gefertigt.
Das gesellschaftliche Engagement von Adolf Schneider
Neben seiner Tätigkeit als Uhrenfabrikant soll nicht unerwähnt bleiben, dass es, wie auch bei Adolf Lange, Moritz Großmann und Julius Assmann, der Gründergeneration der Glashütter Uhrenindustrie, noch zum „guten Ton“ und zum Selbstverständnis der Unternehmer gehörte, gesellschaftliche Verantwortung zusätzlich zu ihrer eigentlichen Tätigkeit, oft im Ehrenamt, zu übernehmen.
So unterrichtete Adolf Schneider nach seiner Übersiedlung nach Glashütte an einer neu eingerichteten Sonntagsschule die Lehrlinge, aber auch Glashütter Kinder in Schön- und Rechtschreibung sowie in mündlichem Ausdruck.
Bereits 1848 wurde er Stadtverordneter und später auch Stadtrat und ab 1867 auch Bürgermeister von Glashütte, nachdem Adolf Lange ein Mandat im Sächsischen Landtag übernommen hatte.
Maßgeblichen Anteil hatte er auch an der Gründung einer Spar- und Vorschußkasse in Glashütte, deren Direktor er bis zu seinem Tod blieb.
Adolf Schneider gehörte auch zu den Gründungsmitgliedern der Deutschen Uhrmacheschule. In seiner Funktion als Bürgermeister erleichterte er 1878 noch kurz vor seinem Tod, durch die vorerst kostenlose Bereitstellung von Unterrichtsräumen, den Start der neu gegründeten und bis heute bedeutenden und bekannten „Deutschen Uhrmacherschule Glashütte“.
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