Der Firmengründer Johannes Dürrstein, 1845 - 1901
Die in Dresden, Waisenhausstraße 27, ansässige Uhrengrossistenhandlung Dürrstein & Co. vertrieb bereits Mitte der 1870er Jahre neben Schweizer Fabrikaten auch ein großes Sortiment der von Lange & Söhne gefertigten Präzisionsuhren.
Von Anbeginn an hatten die beiden Brüder Johannes und Friedrich Dürrstein bei der Firma Lange daraufhin gewirkt, Präzisionstaschenuhren aus Deutscher Produktion zu einem günstigeren Preis zu fertigen um eine breitere Käuferschicht für diese Uhren gewinnen zu können. Dabei handelte es sich um die bekannte Marke Deutsche Uhren-Fabrikation – Glashütte (DUF), die man durchaus als Erfolgsmodell der Firma Lange bezeichnen kann.
Es bedurfte einer großen Überzeugungskraft der Gebrüder Dürrstein, eines eisernen Willens, viel Geduld, Ausdauer und des notwendigen Kapitals um das Projekt einer eigenen nach moderneren Fertigungsmethoden arbeitenden Präzisionsuhrenfabrik in Glashütte zu realisieren. Seit Ende der 1870er Jahre wurden über ein Jahrzehnt lang systematisch die Voraussetzungen dafür geschaffen, mit der aus den USA stammenden, moderneren Technologie der Schablonenuhrfertigung auch Präzisionsuhren, die den Glashütter Qualitätsmaßstäben entsprachen, industriell herzustellen und damit in Konkurrenz zu den althergebrachten Fertigungsmethoden zu treten. Die Zielstellung war es, durch einen höheren Automatisierungsgrad und einer stärkeren Arbeitsteilung in höheren Auflagen und einen größeren Markt, preiswertere, qualitativ hochwertige Glashütter Präzisionstaschenuhren zu fertigen.
Die ausführliche Geschichte finden Sie im PDF
Die Uhren der Uhrenfabrik "Union Glashütte" sind nicht zu verwechseln mit der „sogenannten Glocken-Union“ mit einer von 5 Sternen umgebenen Glocke als Marken- zeichen. Diese Taschen- uhren sind von der Firma Dürrstein & Co. in ihrer Fabrik in der Schweiz als Schablonenuhr in verschiedenen Qualitätsstufen gefertigt und auch in Deutschland vertrieben worden. Sie wurden zum Teil auch nach Glashütter Bauart gefertigt, sind aber keine "Glashütter Präzisionsuhren".
Die Bestrebungen Dürrsteins gingen aber weiter und fokussierten sich auf die Errichtung einer eigenen Uhrenfabrik in Glashütte. Mit einer eigenen Fabrikation wollte Dürrstein neue Maßstäbe im Präzisionsuhrenbau setzen. Dazu war es notwendig bei der Auswahl der Mitarbeiter sehr genau darauf zu achten, dass sie möglichst alle die von den damals bekannten Uhrenherstellern geforderten technischen Graduierungen beherrschten.
In vorerst angemieteten Räumen begann man am 1. Januar 1893 bei der Uhrenfabrik Union Glashütte mit der Produktion. Damit war der Grundstein der Marke Union Glashütte gelegt. Die Werke waren mit „Glashütter Uhrenfabrik Union“, die Zifferblätter zu Beginn mit "Uhrenfabrik Union Glashütte bei Dresden" und später mit „Uhrenfabrik Union Glashütte in Sachsen“ gekennzeichnet.
Auch die Gehäuseprägung wurde gegenüber der ersten Form später verändert.
"Am 1. Mai 1893 wird aus Glashütte in Sachsen von der Gründung einer neuen Uhrenfabrik berichtet, die von dem Inhaber der allgemein bekannten Uhrengrosshandlung D ü r r s t e i n & C o. in Dresden in's Leben gerufen wurde, und deren Firma
»Uhrenfabrik Union, G l a s h ü t t e i. S.«
lautet.
Bekanntlich fabriziren die Herren Dürrstein & Co. schon seit vielen Jahren in der Schweiz eine nach Glashütter Art gebaute Taschenuhr, die unter der Spezialmarke »Union« allenthalben bekannt ist. Diese Fabrikation ist nunmehr zum Theil nach Glashütte verlegt. Die technische Leitung des neuen Etablissements ist Herrn J u l i u s B e r g t e r übertragen."
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Diese Savonette Taschenuhr im 585er Goldgehäuse mit der Werknummer 12624 wurde mit dem aus der Schweizer Uhrenfabrik von Johannes Dürrstein teilweise nach Glashütte verlagerten modernen Maschinenpark in Glashütte als komplette Glashütter Präzisionstaschenuhr in den ersten Monaten des Bestehens der neu gegründeten Dürrsteinchen Fabrik 1893 in Glashütte gefertigt. Diese ersten Uhren haben noch nicht den erst ab 1896 verwendeten stilisierten Tempel als Fabrik- bzw. Schutzmarke der Uhrenfabrik Union und wurden auf dem Zifferblatt auch noch mit „Uhrenfabrik Union Glashütte bei Dresden“ signiert. Die Glashütter Hemmungspartie mit Breguetspirale, Goldanker, Goldankerrad, Kompensationsunruh und Schwanenhals-Feinregulierung wurde wie von den anderen Glashütter Herstellern auch von der Glashütter Verlagsindustrie bezogen. Das 16-steinige, vergoldete Dreiviertelplatinenwerk mit gebläuten Werkschrauben hat einen Durchmesser von 43 mm. Das Emailzifferblatt besteht aus zwei Teilen und hat arabische Zahlen und Goldzeiger im Stiel Louis XV.
Die ausführliche Historie der Entwicklung hin zu diesem Werkkaliber und der Uhrenfabrik Union Glashütte durch die Grossistenfirma Dürrstein & Comp. Dresden finden Sie im PDF
In Nummer 6 der Uhrmacher-Zeitung von 1893 wird auch die Beteiligung der Firma Dürrstein & Cie in gebührender Weise gewürdigt.
Die 1893 änlässlich des Jubiläums der 400-jährigen Wiederkehr der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus in Chicago durchgeführten Weltausstellung World’s Columbian Exposition gezeigte, "Grande Complication", eine der damals wohl komplitziertesten Uhren der Welt.
Die Beschreibung der Uhr
Da die "Grande Complikation" bereits 1893 während der Weltaustellung in Chicago verkauft worden war, wurde auf der 1895 in Glashütte durchgeführten Austellung, anlässlich der 50. Wiederkehr des Gründungsjahres der Glashütter Uhrenindustrie, ein weiteres Exemplar der "Grande Complikation" gezeigt. Die Bezeichnung "Glashütter Jubiläumsuhr" taucht erst später auf, wie auch auf der nachfolgenden Werbeanzeige aus dem Jahr 1908 zu sehen ist. Dabei dürfte sich diese Bezeichnung zwar auf Glashütte als Uhrenstadt und da auf die Uhrenfabrik Union, aber keinesfalls auf das 50. jährige Glashütter Jubiläum allein beziehen, da eine solche Uhr ja bereits erstmals zu einem zwei Jahre früheren Jubiläum gezeigt worden war.
Beide Uhren waren noch nicht mit der erst 1896 eingeführten Schutzmarke der Uhrenfabrik Union, dem stilisierten Tempel, gekennzeichnet.
Nach zweijähriger Verwendung der ersten Schutzmarke auf den Gehäusen und der ersten Zifferblattbeschriftung mit "Uhrenfabrik Union Glashütte bei Dresden", wurde 1895/96 bei den Uhren der Uhrenfabrik "Union Glashütte" Dürrstein & Comp. Dresden, eine neue Kennzeichnung der Uhren mit der bekannteren Fabrikmarke mit dem stilisierten Tempel eingeführt.
1897/98 Modellkatalog & Preisliste
In den sechs Seiten dieser Preisliste werden die Präzisionsuhren, die die Uhrenfabrik Union in Glashütte fertigte, vorgestellt und so genau beschrieben, dass es heute noch möglich ist die Echtheit dieser Uhren in ihren wichtigen Bestandteilen zu überprüfen und festzustellen.
Neben verschiedenen goldenen und silbernen, offenen und Savonette, Herren und Damen Remontoirs werden auch bereits Taschenuhren mit Komplikationen in einer Preisspanne von 500,- bis 4000,- Mark (Goldmark) angeboten.
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Fünf Jahre nach Gründung machte die gute Entwicklung der Firma eine Erweiterung der Produktionsanlagen erforderlich. 1898 wurde, nachdem man in verkehrsgünstiger Lage an der Hauptstraße ein geeignetes Grundstück erworben hatte, mit dem Neubau eines Fabrikgebäudes begonnen und ein Jahr später fertig gestellt. Mit einer Belegschaft von ca. 30 bis 40 Mitarbeitern wurden Glashütter Präzisionstaschenuhren in verschiedenen Qualitätsstufen mit und ohne Komplikationen gefertigt.
Die Palette reichte von einfachen Präzisions-Taschenuhren über Chronographen und Uhren mit springender Sekunde (seconde morte), Schlagwerk oder Kalenderfunktionen bis dahin, dass man verschiedene Komplikationen kombinierte. Selbst Uhren mit höchsten Anforderungen, wie beispielsweise Taschen-Chronometer, Tourbillons und Beobachtungs- und Schiffsuhren, wurden im Laufe der Zeit bewältigt.
Werbeanzeigen in der Deutschen Uhrmacher-Zeitung 1901
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Nach dem frühen Tod von Johannes Dürrstein 1901 führte sein Bruder und Teilhaber, Friedrich Dürrstein, die erfolgreiche Firma weiter. Nach dem auch er 1903 früh gestorben war, übernahm seine Witwe, Frau Lina Helene Dürrstein, die Leitung der Geschäfte.
Auch in den folgenden Jahren wurde von Julius Bergter und dessen Mitarbeitern und dem Bereich Chronometerherstellung der Union hervorragende Arbeit geleistet.
Beobachtungsuhren und Seechronometer wurden von der Deutschen Seewarte mehrfach ausgezeichnet.
1918 - 1933 Der Niedergang der Firma in der Weimarer Republik
Wie auch andere Firmen der Glashütter Uhrenproduktion, so wirkten sich auch auf die Union Glashütte, die Folgen des Ersten Weltkrieges verheerend aus. Die Schweizer Uhrenindustrie, vom Krieg und seinen Folgen nicht betroffen, hatte ihren technologischen Vorsprung in den Kriegsjahren weiter ausgebaut nahm eine marktbeherrschende Position ein. Die große Zeit der Taschenuhren neigte sich ihrem Ende entgegen und die Armbanduhr sollte binnen eines Jahrzehnts,die Hersteller von Taschenuhren, die die Zeichen der Zeit nicht rechtzeitig erkannten, hart bestrafen. Die harten wirtschaftlichen Zeiten des Versailler Vertrags und die Inflation taten ihr Übriges.
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In geringer Auflage wurden noch Armbanduhren gefertigt, deren Ertrag aber nicht mehr ausreichte die Union wieder zu dem zu machen, was sie vor 1914 nicht nur in Glashütte darstellte. In der 1929 beginnenden Weltwirtschaftskrise konnte die Firma Union Glashütte nicht mehr bestehen und wurde 1933 geschlossen. Die Streichung aus dem Handelsregister erfolgte 1936.
1996 wurde die Marke Union mit der Union Uhrenfabrik GmbH
In Glashütte wieder ansässig und produziert seitdem bis heute in Anlehnung an die Firmenphilosophie Johannes Dürrsteins wieder Qualitätsuhren zu vergleichsweise moderaten Preisen.
Der Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, stellt den derzeitigen Kenntnisstand dar und wird, wenn neue verifizierbare Erkenntnisse vorliegen, entsprechend ergänzt.