Uhren-Fabrik Moritz Großmann Glashütte

bei Dresden 1854 -1885

Karl Moritz Großmann * 27.03.1826 † 23.01.1885

In Abstimmung mit Adolf Lange produziert die Firma Grossmann nicht nur hervorragende Präzisionsuhren, sondern erschloss sich mit der Entwicklung und dem Bau von mechanischen Messinstrumenten, Werkzeugen und Maschinen ein weiteres profitables Geschäftsfeld.

In enger Kooperation wird damit die bereits ansässige Uhrenindustrie entscheidend ergänzt, bereichert und durch die Ablösung teurer Importe nicht unwesentlich unterstützt.

Biographisches

Quelle: Klassik Uhren 6/2001

Anmerkung zur Schreib- weise des Familien- namens von Moritz Großmann. In den vielen Veröffentlichungen, kann man eine unterschiedliche Schreibweise des Namens „Großmann“ beobachten. Vielfach wird "ss" anstatt "ß" verwendet. Diese Seite orientiert sich an der Schreibweise, wie sie im Geburts-Schein von Moritz Großmann steht.

 

Die auch heute noch spannende Biografie eines bedeutenden sächsischen Uhrmachers, Fachbuchautors und Begründers der Deutschen Uhrmacherschule Glashütte
Moritz Großmann (1826-1885).pdf
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Am 1. Februar 1885 erscheint in der Deutschen Uhrmacher-Zeitung die Todesanzeige des am 23.Januar in Leipzig verstorbenen Moritz Großmann.

Zum Tod von Moritz Großmann
In bewegenden Zeilen berichtet die Deutsche Uhrmacher-Zeitung in ihrer Ausgabe Nr. 3 vom 1. Februar 1885, vom Tod Moritz Großmanns, der Überführung nach Glashütte und der Beerdigung.
Der letzte Weg von Moritz Grossmann.pdf
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Der Nachruf der ersten Schülergeneration der Deutschen Uhrmacherschule Glashütte, an deren Gründung Moritz Großmann entscheidenden Anteil hatte.

 

Die vom

"Verein Deutscher Uhrmacher in London"

gestiftete Gedenktafel in der Deutschen Uhrmacherschule, geweiht am 10. Oktober 1886

Im Seitenflügel dieses Hauses befand sich die Fabrikationsstätte

Die Produkte der Firma

Auswahl aus dem Produktangebot

  • Taschenuhren bester Art, mit Anker-, Duplex- und Chronometer-Gang, mit oder ohne Schnecke, in goldenen oder silbernen, offenen oder Jagd-Gehäusen. Aufzug und Zeigerstellung ohne Schlüssel. Sekunde aus der Mitte etc. .
  • Astronomische Pendeluhren mit Rost- oder Quecksilber-Pendel.
  • Pendeluhren aller Art.
  • Seechronometer in allen Stufen der Vollendung; Laufwerke, Teile und Vorarbeiten zu dergl.
  • Laufwerke und Gänge jeder Art und Grösse.
  • Modelle von Gängen aller Art, mit Feder gehend. gross, für den Anschauungsunterricht.
  • Sekundenzähler mit lautem Sekundenschlag und deutlichem Zifferblatt, bequem in der Tasche zu tragen, für Aerzte, Seeleute, Ingenieure etc., ganze, halbe, 1/4 und 1/5 Sekunden schlagend.
  • Kontroluhren, Geschwindigkeitsmesser, Tourenzähler etc.
  • Räder und Triebe, gerade und konische, nach Angabe von Zahnzahlen und Eingriffsentfernung, oder nach Mass.
  • Gestanzte Vorarbeiten: Kloben, Schenkelräder (22 Nummern, von 2 1/2" Durchmesser bis zu den kleinsten), Zeiger etc. Gestanzte Körper nach Modell oder Zeichnung.
  • Genaue Messinstrumente: Schublehren mit Meterteilung und Nonius, Zehntelmasse, Mikrometer (1/100 Millimeter anzeigend).  Masse zu besonderen Zwecken nach Bestellung

Taschenuhren

Die Taschenuhren von Moritz Großmann unterscheiden sich im Grundaufbau nur unwesentlich von den Uhren anderer Glashütter Uhrenfabriken.Trotzdem gibt es Besonderheiten gegenüber der sonstigen Glashütter Fertigungsweise, die allerdings nicht durchgängig bei allen Uhren zu finden sind.

 

Im Einzelnen handelt es sich um:

  • Die Verwendung eines Gangrades mit 16 statt der sonst üblichen 15 Zähne.
  • Eine größere Unruh.
  • Eine spezielle Rückerschraube zur Regulierung.
  • Einen mehrreihigen Sonnenschliff auf Kron- & Sperrrad.
  • Eine spezielle Großmann´sche Wippe für die Zeigerstellung & den Aufzug.
  • Eine geringere Stärke des oberen Minutenradzapfens.
  • Nicht versenkte Schraubenköpfe bei den Goldchatons.
  • Verdeckte Signaturen auch bei Gangmodellen und anderen Uhren.
  • Eine spezielle aufwendige Oberflächenbehandlung.
  • Die Verwendung von Sterrometall


Internationale Anerkennung

Der Unternehmer und Grubenvorstand Moritz Großmann

Moritz Großmann war nicht nur Uhrmacher, Uhrenfabrikant und, heute würde man es als Fachjournalist bezeichnen, er war darüber hinaus auch weiterhin unternehmerisch tätig. Dass er viel experimentierte um Metalllegierungen zu gewinnen, die sich hinsichtlich ihrer Eigenschaften noch besser als die althergebrachten, wie z.B. Messing, Neusilber und Nickel, für die Fertigung von Uhrenbestandteilen eigneten, ist spätestens bekannt, seitdem er sich mit der Verbesserung des Sterrometalls und dessen Verwendung in der Uhrenfertigung beschäftigt hatte. Es gab für ihn aber auch noch ein weiteres Betätigungsfeld. Der Silbererzbergbau im Erzgebirge ging zwar zu Ende, aber das war ja nicht das einzige Erz, was im Erzgebirge vorkam. So gab es z. B. bei Zinnwald eine Lagerstätte für Wolframerz, die sich in den 1860er Jahren im Besitz der Gewerkschaft „Verein Zwitterfeld“ zu Zinnwald bei Altenberg (Sachsen) befand. Moritz Großmann war nun auch Mitglied des Grubenvorstandes der abbauenden Gesellschaft. In dieser Funktion wickelte er in dieser Zeit sogar Aufträge und Bestellungen für dieses Grubenunternehmen ab.

Der Tüftler und Erfinder

Das Sterrometall und die Verwendung in der Uhrenfertigung

Moritz Großmann - Sterrometall
In einer seiner frühesten bisher nachgewiesenen Publikationen veröffentlicht Moritz Großmann 1862 in der Deutschen Industriezeitung einen Artikel über seine Erfahrungen bei der Verwendung von Sterrometall für die Uhrenfabrikation feinerer mechanischer Uhren.
Sterrometall 1862 von Moritz Großmann.pd
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Eine von Moritz Großmann entwickelte Hemmung mit Ausgleichsanker

Diese von Moritz Großmann entwickelte Glashütter Hemmung mit offenen Paletten, kam ab 1894 sowohl in den von der Firma J. Assmann in Zusammenarbeit mit Frederik Gruen, für den Amerikanischen Markt entwickelten neuen Werkkaliber "Fortschritt", als auch in den Brückenwerken der Firma Assmann zum Einsatz. Anfänglich wurde sie in der 9 Kt. Goldlegierung, wie sie von Adolph Lange entwickelt worden war und als Glashütter Hemmung bekannt ist, gefertigt. Später wurde sie auch in Stahl ausgeführt. Hergestellt wurde die Hemmung vom Glashütter Gangmacher Winkler. Ob  dafür auch Sterrometall verwendet wurde gilt es noch zu erkunden.

Patenterteilung:

 

1878 erhält Moritz Grossmann ein Deutsches Reichspatent auf einen       Sekundenzähler.

„M. Grossmann's patentirter Secundenzähler“
Grafische Darstellung und Beschreibung des patentierten Zeitbeobachtungs-Instrumentes mit einem Taschenuhrwerk mit einer Gangreserve von zwei Stunden.
Grossmann Sekundenzähler.pdf
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Moritz Großmann zur Erfindung der Rückerschraube

Die ab den 1890er Jahren u.a. in der Glashütter Rücker–Feinregulierung zur Anwendung kommende Rückerschraube hat eine vermutlich bis in das 18. Jahrhundert zurückreichende interessante Historie. Durch einen 1879 in der Deutschen Uhrmacher-Zeitung erschienenen diesbezüglichen Artikel aufmerksam geworden, äußert sich Moritz Großmann ebenfalls in diesem Organ zur Entstehungsgeschichte der Rückerschraube in der ersten Hälfte der 1850er Jahre. Obwohl er an der Entwicklung nicht unwesentlich beteiligt war, gab es offensichtlich schon noch frühere Entwicklungen dieser Art, wie in einem weiteren Artikel berichtet wird.

Rückerschraube zur Erfindung.pdf
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Der Fachkollege und Berater

Umbau der Schlüsseltaschenuhr zur Uhr mit Kronenaufzug

Die Kollegialität von Moritz Großmann zeigt sich auch immer wieder darin, dass er als geübter Autor in der Fachpresse immer dann, wenn sich eine Gelegenheit bietet, für seine Glashütter Uhrmacher Kollegen und ihre Produkte wirbt. Im nachfolgenden Beitrag kommt er Carl Jentsch zu Hilfe, der sich unter anderem darauf spezialisiert hatte, Taschenuhren mit Schlüsselaufzug zu solchen mit Kronenaufzug umzubauen.

M. Großmann Umwandlung von Schlüsseluhre
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Der Publizist und Werbemanager

Auswahl wichtiger Veröffentlichungen von Moritz Grossmann

  • Abhandlung über die Konstruktion einer einfachen, aber mechanisch vollkommenen Uhr nebst einer Abhandlung über das Regulieren der Uhren; Autor: Karl Moritz Grossmann (Reprint); ISBN 3766706497
  •  Der freie Ankergang für Uhren. Preis- Schrift. Praktische und theoretische Abhandlung; Autor: Karl Moritz Grossmann (Reprint); ISBN 3766705822
  •  Der freie Ankergang für Uhren. Praktische und theoretische Abhandlung; Autor: Karl Moritz Grossmann (Reprint); ISBN 3746315093
  •  Das Regulieren der Uhren
  • Anfertigung einer guten Sekundenpendeluhr

Das Jahr 1877 war das Jahr der „Weichenstellung“ zur Vorbereitung der Gründung der Deutschen Uhrmacherschule des Zentralverbandes der Deutschen Uhrmacher in Glashütte, für die Moritz Großmann die entscheidende Vorarbeit leistete. Dessen ungeachtete versäumte er es nicht die Erzeugnisse seiner Firma auf den verschiedensten Ausstellungen zu präsentieren, so auch z.B. vom 6. bis 8. April in Dortmund. Seine ausgestellten Produkte fanden dann auch die entsprechende Anerkennung, was sich sicherlich auch positiv auf den geschäftlichen Erfolg ausgewirkt haben dürfte. Moritz Großmann hatte sehr früh erkannt, dass ohne eine entsprechende Werbung auch damals schon kein gutes Geschäft zu machen war. So nutze er dafür wesentlich früher und intensiver als die anderen Glashütter Unternehmer in der Uhrenindustrie u.a. auch alle damals zur Verfügung stehenden öffentlichkeitswirksamen Medien der damaligen Zeit. Dies trug nicht unwesentlich dazu bei ihn und die Produkte seines Unternehmens rasch weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt zu machen.

Moritz Großmann veröffentlicht in der Deutschen Uhrmacher-Zeitung am 18. August 1877 einen Beitrag über den Uhrensektor auf der Industrie-Ausstellung in Braunschweig.

M. Großmann zu Braunschweiger-Industriea
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Erste Werbung von Moritz Grossmann im 1. Jahrgang der Deutschen Uhrmacherzeitung 1877.

   Kopien des Druckes von 1866 der 20 originalen Bildtafeln zur Preisschrift der Freie Ankergang

Anfertigung einer guten Sekundenpendeluhr
Nach der Einstellung der eigenen Produktion von Sekundenpendeluhren wendet sich Moritz Großmann mit dem in der Deutschen Uhrmacher-Zeitung 1878 veröffentlichten Beitrag „Die Anfertigung einer guten Pendeluhr mit Secundenpendel“ an alle Deutschen Uhrmacher, mit dem Vorschlag einer weitestgehenden Standardisierung bei der Herstellung von Sekundenpendeluhren, die jedem Uhrmacher, aber auch in der Wissenschaft unverzichtbares Hilfsmittel für eine genaue Zeitmessung sind.
Anfertigung einer guten Sekundenpendeluh
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Die leihweise Überlassung von Gangmodellen

Eine der letzten Werbeanoncen der Firma Großmann in der Deutschen Uhrmacher-Zeitung im Jahr 1885.

Der Organisator und Lehrer

Das größte Projekt von Moritz Großmann war 1877-1878 die Vorbereitung und Gründung der Deutschen Uhrmacherschule des Zentralvorstandes der Deutschen Uhrmacher in Glashütte.

Ausführliche Informationen dazu und zum Wirken von Moritz Großmann als Lehrer und Aufsichtsratsvorsitzender der Uhrmacherschule finden Sie >> hier <<

Ehrungen zum 100. Geburtstag

Der Geburtstag von Moritz Großmann jährte sich am 27. März 1926 zu 100. Mal. Neben vielfältigen Veranstaltungen zum Gedenken an ihn wurde er auch in der Fachpresse mit einer Reihe von Beiträgen gebührend gewürdigt. Die Beiträge zeichnen ein recht umfassendes Bild der außergewöhnlichen Leistungen und der Person des 1885, viel zu früh verstorbenen, hoch verehrten Fachmanns und Menschen, Moritz Großmann.

Moritz Großmann zu seinem hundertsten Geburtstage
M. Großmann zum 100..pdf
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Aus dem Leben von Moritz Großmann
Aus dem Leben v. M. Großmann.pdf
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Erinnerungen an Moritz Großmann
Erinnerungen an M. Großmann.pdf
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1926 Moritz Großmann-Gedächtnisfeier in Glashütte
1926 M. Großmann Gedächtnisfeier.pdf
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Die Grabstätte auf dem Glashütter Friedhof 1926 und 2011

Der Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, stellt den derzeitigen Kenntnisstand dar und wird, wenn neue verifizierbare Erkenntnisse vorliegen, entsprechend ergänzt.

Literatur:

  • http://www.deutsche-biographie.de/index.html
  • A. Lange & Söhne -  Eine Uhrmacher-Dynastie aus Dresden Autor:Reinhard Meis; Verlag:Callwey München; ISBN 3-7667-1286-1
  • Der freie Ankergang für Uhren. Praktische und theoretische Abhandlung; Autor: Karl Moritz Großmann (Reprint); ISBN 3746315093
  • „Glashütte Sachsen: 1506 bis 2006, 500 Jahre Stadtgeschichte" von Jörg Köhler (Autor), Titus W Mai (Autor), Dieter Mende (Autor), Edgar Rahm (Autor), Reinhard Reichel (Autor), Klaus Scheibner (Autor), Siegfried Schlichting (Autor), Jörg Wagner (Autor), Jens Weber (Autor), Günter Weidenmüller (Autor), Thomas Witzke (Autor), Stadtverwaltung Glashütte (Herausgeber) ISBN 3-937951-31-8
  • Deutsche Uhrmacher-Zeitung 1877 Nr. 23.
  • Deutsche Uhrmacher-Zeitung 1878 Nr. 13. .
  • Deutsche Uhrmacher-Zeitung 1878 Nr. 19. S. 163-164
  • Deutsche Uhrmacher-Zeitung 1885 Nr.7
  • Alte Uhren und moderne Zeitmessung 1989/5 S. 59
  • Deutsche Industrie-Zeitung 1862 Nr. 36 S. 400-401
  • Aich Metallledierung; Schmiedbares Messing; Armengaud´s Genie industriel, März 1861 S.126
  • Die Lagerstätten des Wolfram; Polytechnisches Journal1869 Bnd.13 S. 336
  • Deutsche Industriezeitung 1869 Nr.25
  • Deutsche Uhrmacher-Zeitung 1926 Nr.13 S. 245-248
  • Deutsche Uhrmacher-Zeitung 1926 Nr.13 S. 249-250
  • Deutsche Uhrmacher-Zeitung 1926 Nr.13 S. 250-251
  • Deutsche Uhrmacher-Zeitung 1926 Nr.14 S. 281-282

Aktualisiert 22.02.2012

Uhrenmuseum Glashütte (mit einem Video hinterlegt)

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