Uhren-Rohwerke-Fabrik Glashütte AG (Urofa)

1926-1945

Inhaltsverzeichnis

Firmengründung 1926

 

Am 17. Juni 1925 ging die Deutsche Präzisions-Uhrenfabrik Glashütte in Sachs. e. G. m. b. H. (im folgenden „Präzision“), eine 1918 gegründete Genossenschaft der im Zentralverband Deutscher Uhrmacher organisierten Uhrmacher, in Konkurs. Am 16. November 1926 wurden die zur Präzision gehörenden Grundstücke mit den Fabrik- und Wohngebäuden von der Girozentrale Sachsen, dem Hauptgläubiger der „Präzision“, auf dem Wege der Zwangsversteigerung zum Mindestgebot erworben.

 

Da die Girozentrale bereits im Besitz des gesamten Maschinenparks und Inventars einschließlich der beträchtlichen Lagerbestände an Halbfabrikaten der ehemaligen „Präzision“ war, verfügten die verantwortlichen Direktoren der Bank jetzt über die gesamte Konkursmasse der ehemaligen Genossenschaft.

 

Drei Wochen später, am 7. Dezember 1926, wurde die Firma „Uhren-Rohwerke-Fabrik Glashütte, Aktiengesellschaft in Leipzig“ gegründet.

 

Handelsgerichtliche Eintragung
Handelsgerichtliche Eintragung Urofa.pdf
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Die Gründer der Urofa, die auch den ersten Aufsichtsrat darstellen sind:

 

1. Bankdirektor Geheimrat Dr. Max Georg von Loeben in Dresden,

3. Bankdirektor Carl Heymann in Dresden, 

4. Bankdirektor Bür­germeister Dr. Wilhelm Schaarschmidt, Dresden,  

5. Bankdirektor Paul  Leopold in Dresden, 

 

Zeitgleich zur Gründung der Urofa gründeten sie drei weitere Firmen:

 

  1. die Firma „Glashütter Uhrenfabrik A.-G., Glashütte (Sa.)“
  2. Die Firma „Glashütter Uhrengroßhandlung- G. m. b. H., Leipzig“
  3. Die Firma „Zifferblattfabrik Glashütte G. m. b. H., Glashütte (Sa.)“

 

In den Eröffnungsbilanzen erscheinen nur die Maschinen und die Einrichtungen der ehemaligen „Präzision" als Eigentum der einzelnen Gesellschaften, während die Grundstücke und Gebäude Eigentum der Girozentrale Sachsen bleiben  und  von  den  neuen  Gesellschaften  nur  pachtweise  in Benutzung   genommen   werden.

 

Zum Vorstand der beiden Aktiengesellschaften Ufag und Urofa wurde Dr. jur. Ernst Kurtz bestellt.

 

Gleichzeitig ist er noch Geschäftsführer der Uhrenfabrik Hohenstein G. m. b. H. und wird durch die Verantwortlichen der Girozentrale auch noch zum Geschäftsführer der „Glashütter Uhrengroßhandlung- G. m. b. H., Leipzig“ bestellt.

 

Im März 1927 wird Dr. Kurtz nach dem Ausscheiden des Liquidators der im Konkurs befindlichen, „Vereinigte Werke Deutscher Uhrmacher G.m.b.H. in Leipzig“, deren Geschäftsführer er seit März 1925 gewesen war, auch noch als deren Liquidator eingesetzt.

 

Dr. jur. Kurtz, zu diesem Zeitpunkt 28 Jahre jung, war nach seiner Promotion kurzzeitig als Steuersyndikus in der Geschäftsstelle des Zentralverbandes der Deutschen Uhrmacher in Halle, der Interessenvertretung der im Zentralverband organisierten Deutschen Uhrmacher, der auch die Genossen der Präzision angehörten, tätig, bevor er 1925 in die Dienste der Girozentrale und des Konkursverwalters und damit der Gegenseite tritt.

 

Eine berufliche Kariere in schwierigen Zeiten

Dr. jur. Ernst Kurtz, langjähriger Vorstand der Glashütter Aktiengesellschaften UFAG und UROFA - Vom Juristen zum Unternehmer der Uhrenindustrie.
Eine auf neuesten Rechercheergebnissen basierende ausführliche Abhandlung seines beruflichen Lebensweges von der Weimarer Republik, über das dritte Reich mit dem zweiten Weltkrieg, die Nachkriegszeit in der amerikanisch besetzten Zone Deutschlands und in der Bundesrepublik Deutschland.
Dr_Kurtz eine berufliche Kariere stand 8
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Da er bereits im August 1925, als Geschäftsführer der Firma Vereinigten Werke gemeinsam mit der technischen Leitung der Präzision, Direktor Hugo Müller und dem Leiter der Gehäusefertigung und der Rohwerkeproduktion, Herrn Gesing, gestützt von dem ehemaligen Aufsichtratsmitglied der Präzision und Vorsitzenden des Gläubigerausschusses der in Konkurs befindlichen Präzision, Geheimrat Dr. von Loeben, Bankdirektor der Giro-Zentrale Sachsen,

vergeblich versucht hatte, einem Plan der Gründung einer Aktiengesellschaft zur  Weiterführung Taschenuhrenproduktion der Präzision in Glashütte, bei den im Zentralverband der Deutschen Uhrmacher organisierten Uhrmachern mehrheitsfähig zu machen, kann davon ausgegangen werden, dass er als Jurist gemeinsam mit den Verantwortlichen der Giro-Zentrale auch an der Erarbeitung der Gesellschafterverträge der beiden neuen Aktiengesellschaften maßgeblichen Anteil hatte.

Die Urofa war damit die erste und bis 1933 auch die einzige Uhren-Rohwerke-Fabrik in Deutschland.

Übersicht der Struktur der Urofa
Die Struktur der Urofa.pdf
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Werbeanzeige in der Deutschen Uhrmacher-Zeitung 1931

Aus Kostengründen wurde bei der Entwicklung noch auf ein Werk mit Zylinderhemmung zurückgegriffen und 1928 auf den Markt gebracht.

Als erstes  entwickelte man bei der Urofa, mit dem ein Kaliber 51  Damenarmbanduhrwerk.

Der Beginn der serienmäßigen Produktion von Ankerwerken 1929

Mit dem Kaliber 52 der Urofa beginnt im Herbst 1929 die Serienfertigung von Armbanduhrrohwerken mit Schweizer Ankerhemmung. Bei der Ufag wird ein kleiner Teil dieser Werke, nach Glashütter Tradition fein vollendet. Diese Uhren kommen 1930 mit der neu geschaffenen Fabrikmarke der UFAG, „Tutima“ auf dem Markt.

1930 1. Veröffentlichung eines Urofawerkes Kal 52. in Tutimaqualität

Werk- und Zifferblattseite Urofa Kal.52
Glashütter Armbanduhr „Tutima" ist die erste in Deutschland ganz hergestellte
Armbanduhr, die von der Uhrenrohwerke-Fabrik Glashütte nach dem neuesten
Fabrikationsverfahren gebaut wird.
DUZ Nr_40 1930 S_ 672.pdf
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Historie der Fabrik- und Qualitätsmarke „Tutima“ der Uhrenfabrik A.- G.- Glashütte/ SA.
Die Fabrik- und Qualitätsmarke „Tutima“ der UFAG entstand 1930, zeitgleich mit der Markteinführung des ersten 8 ¾ linigen Ankerarmbanduhrwerkes das in Deutschland von der Uhren-Rohwerke-Fabrik A.- G.- Glashütte und der Uhrenfabrik A.- G.- Glashütte/ SA. zur Großserienreife entwickelt und vollendet wurde.
Tutima Geschichte überarbeitet 17.10.10.
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Erste bisher nachweisbare Eigenwerbung der Uhrenfabrik A. G. Glashütte aus dem Jahr 1931 für die neu entwickelte Qualitätsmarke "Tutima". Zu beachten ist hierbei der Schriftzug, die Schriftart und das noch nicht vorhandene Logo "t".

Offensichtlich wurden diese Erkennungsmerkmale erst zu einem späteren Zeitpunkt entwickelt und auf Zifferblättern, Werken sowie in der Werbung verwendet.

 

Nur aus etwa 8% der Rohwerkeproduktion der Urofa wurden bei der Ufag Armbanduhren in verschiedenen Qualitätsstufen hergestellt.

Die veredelten Werksvarianten der Urofa bildeten die Spitzenerzeugnisse und trugen von 1930 an den Markennamen Tutima-Glashütte.

Tutima Uhrwerke wurden, bis auf eine geringe Anzahl für die Firma A. Lange & Söhne gefertigte Werke, ausschließlich für die Ufag produziert.

Die Geschäftsbilanzen der Urofa 1928 bis 1936

Anhand der Zahlen der ersten beiden Jahre ist der schwierige Anfang bei der Umstellung auf die Produktion von Armbanduhren ablesbar. Aus den Bilanzen wird ersichtlich, dass das Unternehmen auch im dritten Jahr seines Bestehens, noch nicht aus den roten Zahlen herausgekommen ist.
UROFA Geschäftsbilanz 1928 u_29.pdf
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Kurz vor dem drohenden Konkurs wird die Aktiengesellschaft mit einer "Finanzspritze" in Höhe von 70.000 Reichsmark gerettet. Mit 19%, etwa der Hälfte des Betrages beteiligt sich die Pforzheimer Firma Weber & Aeschbach an der UROFA und erhält dafür unter anderem den Posten des stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden. Die Funktion wird von Philipp Weber wahrgenommen.

Kapitalerhöhung bei der UROFA im Juli 1932

Trotzt der Finanzierungshilfe aus Pforzheim und der Einführung der kostensparenden Technologie, die Steine in den Armbanduhrwerken einzupressen, gelingt es der Urofa nicht kostendeckend zu arbeiten.

Mit einem Verlustvortrag von 122.157,40 RM aus den Jahren 1927-1935 und einem kaum erwähnenswerten Gewinn von 2.760,62 RM im Jahr 1936, steckt die Uhren-Rohwerke-Fabrik 10 Jahre nach ihrer Gründung noch immer mit einem Soll von 119.396,78 RM, tief in den roten Zahlen.

 

Geschäftsbericht für das Jahr 1936 der Uhren-Rohwerke-Fabrik Aktiengesellschaft Glashütte Sa.
Geschäftsberichtder für 1936 der Uhren-R
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Kundenübersicht

Waren die von der Uhren-Rohwerkefabrik bis 1935 gefertigten Werkkaliber bereits überwiegend an Pforzheimer Uhrenfabriken, aber auch an die großen Uhrmachergenossenschaften geliefert worden, so gab es mit der Einführung des Kaliber 58 und 581 noch einmal eine Erweiterung des Kundenstammes. In der nachstehenden Auflistung werden die zur Zeit bekannten Abnehmer aufgeführt. Es ist nicht auszuschließen und eher wahrscheinlich, dass bei den weiteren Recherchen noch Ergänzungen gemacht werden können.

Kundenübersicht der UROFA Stand 24.11.2011
Fremdfirmenübersicht.pdf
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Modellbeispiele für Uhren von Fremdherstellern, die Urofa Werke in Nickel/Chrom-, vergoldeten-, Edelstahh- und Goldgehäusen verbaut haben.

Der Hauptabsatzmarkt für die Rohwerkeproduktion der Urofa waren die in Pforzheim und Umgebung ansässigen Uhrenproduzenten.

In Gehäusen dieser Hersteller finden sich oft, aber nicht ausschließlich, verschiedene Werkkaliber der Uhren Rohwerkefabrik Glashütte (UROFA).

Fabrikmarken Pforzheimer Hersteller

Aufbau und Entwicklung notwendiger Infrastuktur

Der weiter wachsende Bedarf an Armbanduhren erforderte eine ständige Erhöhung der Produktionszahlen. Dem musste mit der Erweiterung der Gebäude, des Maschinenparks, der technologischen Voraussetzungen

und nicht zuletzt mit einer größeren Zahl von Arbeitskräften entsprochen werden. So wurden unter anderem nach 1934 ein in Glashütte 1923 begonnener aber nicht fertig gestellter Fabrikneubau vollendet und das Gebäude der Rohwerkefertigung mit einem Anbau erweitert.

Der Maschinenpark wurde durch Zukäufe aus der Schweiz und dem Aufbau eines eigenen Maschinenbaubereiches erheblich erweitert.

Die Anschaffung modernster automatischer und halbautomatischer Maschinen sowie der Ausbau des Maschinenbaubereiches zur Herstellung von Spezialmaschinen und Vorrichtungen eigener Konstruktion trug wesentlichen zur Steigerung der Produktion und gleichzeitiger Kostensenkung bei.

Bildbeispiele von Arbeitsschritten in einer modern ausgestatteten Rohwerkefabrik, bei der Entstehung eines Rohwerkes in der industriellen Fertigung zu Beginn der 1930er Jahre

 

Neben den Dreißig in Bildern gezeigten Etappen in der Fabrikation sind noch hunderte weitere Arbeitsschritte erforderlich, bis das Erzeugnis eine fertige Uhr darstellt.

Unternehmensbeteiligungen an der Urofa

Philipp Weber 1940

 

1932, also noch vor der Einführung der neuen, rationelleren Fertigungsmethode mit Einpresssteinen zu arbeiten, befand sich die Urofa in schweren finanziellen Nöten. Gelöst wurde diese existenziell bedrohliche Situation durch eine 20%ige finanzielle Beteiligung der Pforzheimer Uhrenfirma Weber & Aeschbach. Der Fabrikant und spätere (1933/34)Vorsitzende des Reichsverbandes der deutschen Armbanduhrindustrie Philipp Weber hielt danach  11% und sein Geschäftspartner und Schweizer Bürger Jakob Aeschbach 9% der Anteile an der Urofa. Während Philipp Weber gleichzeitig, vermutlich bis 1945, auch den Posten des stellvertretenden Aufsichtratsvorsitzenden der Urofa AG bekleidete, schied Jakob Aeschbach 1941 aus der Uhrenfabrik Weber aus und ging in seine Heimat Schweiz zurück. Es ist zu vermuten, dass er seine 9%ige Beteiligung an der Urofa mit in die Schweiz genommen hat. Nach dem 2.Weltkrieg kommt er 1948 nach der Währungsreform mit eigener Firma „Jakob Aeschbach Uhrenfabrik Basel“ und einer Armbanduhr mit automatischen Aufzug auf den deutschen Markt zurück. Was aus seinen Anteilen an der Urofa nach deren Verstaatlichung in der DDR geworden ist z. Z. noch nicht bekannt.

 

Technologische Entwicklung

Eine der größten Schwierigkeiten im technologischen Ablauf bei der Steigerung der Produktion stellte das sehr personal- und zeitintensive fassen der Steine dar. Dieses Problem konnte erst im Verlauf der Jahre 1932 bis 1934 mit der Einführung und Umstellung auf Einpresssteine gelöst werden.

Bis 1934 mussten allerdings noch alle Hemmungsteile aus der Schweiz importiert werden. Danach war man in der Lage, sie selbst herzustellen. Über eine aus Kostengründen modifizierte Variante, das Kaliber 53, die aber nur als eine Art „Behelfslösung“ angesehen werden muss, wurden bei steigenden Produktionszahlen - immerhin wurden 1933 monatlich schon 25.000 Rohwerke hergestellt - bis 1941 weitere Werksinnovationen erfolgreich in den Markt eingeführt.

Im Einzelnen handelt es sich dabei um die Kaliber 521, 522, 54, 542  55, 551, 58, 581 sowie um den Fliegerchronographen für die Deutsche Wehrmacht, dem Kaliber 59.

Die Kaliber 54 und 542 wurden ausschließlich für Damenarmband- uhren verwendet.

Die Behelfs- und Übergangslösungen Kali. 53, 541 und 56 sind dabei zu erwähnen, aber nicht als innovative Neuentwicklungen zu betrachten.

Auch der ab 1935 erfolgte Einbau von verschiedenen Stoßsicherungen u. a. Shock-Ressist- & Incabloc-Stoßsicherungen in Urofa Rohwerke stellte eine weitere wichtige Innovation dar. Allerdings findet der Einbau hauptsächlich bei den Werken, die für Fremdfirmen gefertigt wurden statt. Das kann durchaus der in der Präzisionsuhrenfertigung noch weit verbreiteten Auffassung geschuldet sei, dass eine Stoßsicherung, den präzisen Gang negativ beeinflusst.

So wichtig einzelne technologische Innovationen auch waren, so war doch die ständige Verbesserung der Effizienz der Produktionsabläufe und gleichzeitiger Erhöhung der Qualitätsstandards eine der wesentlichsten Voraussetzungen zur Steigerung der Produktion und notwendigen Kostensenkung. Diese Problematik hatte die Betriebsführung unter Dr. Kurtz rechtzeitig, vorausschauend erkannt, ihr höchste Priorität eingeräumt und sie auch nie aus den Augen verloren. Eine Pionierarbeit beim Brechen des Schweizer Monopols und in der Geschichte industrieller Fertigung in der deutschen Uhrenindustrie, die ihres gleichen sucht und maßgebliche Voraussetzung für den wachsenden Erfolg des Unternehmens war.

Betriebliche Ausbildung

Um dem wachsenden Problem des Fachkräftemangels Herr zu werden, entschloss sich Dr. Kurtz 1934 im eigenen Betrieb Lehrlinge auszubilden und ein Lehrlingswohnheim einzurichten.

Die Lehrlinge der Urofa durften voll am theoretischen Unterricht der Deutschen Uhrmacherschule Glashütte teilnehmen.

Von anfänglich 8-10 entwickelte sich die Zahl der Lehrlinge bis 1945

auf 30-40. Etwa ein Drittel der Lehrlinge wurde in 3 ½ jähriger Lehrzeit zu Feinmechanikern, die anderen in der gleichen Zeit zu Kleinuhrmachern ausgebildet.
Nach erfolgreich abgelegter Industriefacharbeiterprüfung vor dem Prüfungsausschuss der Industrie und Handelskammer erhielten sie ihren Facharbeiterbrief.

Die neue Satzung der Uhren-Rohwerke-Fabrik Aktiengesellschaft in Glashütte von 1938

Auf der ordentlichen Hauptversammlung der Uhren-Rohwerke-Fabrik Aktiengesellschaft in Glashütte, die am 26.Oktober 1938 in den Geschäftsräumen der Girozentrale Sachsen - öffentliche Bankanstalt - in Dresden Ringstraße 62 stattgefunden hatte, wurde unter dem Tagesordnungspunkt 4 einstimmig vom Aufsichtsrat eine neue Satzung beschlossen.

 

Der Aufsichtsrat bestand aus folgenden Personen:

  • 1. Bankdirektor Carl Heymann in Dresden; Vorsitzender
  • 2. Fabrikbesitzer Philipp Weber in Pforzheim; als stellvertretender Vorsitzender
  • 3. Bankdirektor Handelsgerichtrat Paul Leopold in Dresden
  • 4. Bürgermeister a.D. Dr. Schaarschmidt in Dresden
  • 5. Bankdirektor Albert Geupel in Dresden

 

Vorstand der Gesellschaft:

  • 1. Herr Direktor Dr. jur. Ernst Kurtz in Glashütte
  • 2. Herr Direktor Lochmann in Glashütte

 

Satzung der Uhren-Rohwerke-Fabrik AG Gla
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Nach den in den Paragraphen dieser Satzung festgelegten Befugnissen des Aufsichtsrates und der beiden Vorstände Dr. Kurtz und Lochmann, die auch 1945 noch gültig waren, erscheint die Rechtmäßigkeit des von Dr. Kurtz 1945 ohne Zustimmung des Aufsichtrates getätigten Kaufes der Maschinen und Anlagen der in Memmelsdorf in Unterfranken befindlichen Außenstelle der Uhren-Rohwerke-Fabrik Akttiengesellschaft und die damit verbundene Gründung der Uhrenfabrik Kurtz in Memmeldorf mehr als zweifelhaft. Daran dürfte auch die notarielle Beglaubigung des Erwerbs nichts ändern. Auch für die am 7. Mai 1945 erfolgte Verlagerung von Maschinen, Anlagen und Halbfabrikaten aus der Uhrenfabrik AG Glashütte und der Uhren-Rohweke-Fabrik AG Glashütte ist zumindest bis heute kein Beschluss des Aufsichtsrates aktenkundig. Da Dr. Kurtz bereits Wochen vorher seinen Wohnsitz nach Memmelsdorf verlegt hatte und dort offiziell gemeldet war, kann man aus heutiger Sicht gesehen auch nicht von einer überstürzten Flucht vor der herannahenden Roten Armee sprechen, sondern eher von einer wohl überlegten, geplanten Absatzbewegung in das absehbar von den amerikanischen Alliierten besetzte Territorium Deutschlands sprechen. Ob und inwieweit der zweite Vorstand Hans Lochmann und/oder andere leitende Angestellte oder gar Aufsichtratsmitglieder im Vorfeld davon Kenntnis hatten, ist aus den zur Verfügung stehenden Akten nicht erkennbar, kann aber bezweifelt werden.

Urofa und Ufag 1939 bis 1945 Betriebe der „Wehrfertigung“ und

kriegsbedingte Einstellung der Armbanduhr-Rohwerkefertigung 1941

Mit der 1939 erfolgten Einstufung als „Betrieb zur Wehrfertigung“ war den Betrieben Urofa und Ufag mit den beiden Vorständen Dr. Kurtz und Hans Lochmann, eine freie unternehmerische Tätigkeit nicht mehr möglich.

1940 verpflichtete sie ein Auftrag des Rüstungsministeriums zur Entwicklung eines Fliegerchronographen, dem späterem Kaliber 59. Diese Produktion band zu großen Teilen die kontinuierlich, erheblich erweiterten Produktionskapazitäten der beiden Werke bis 1945.

 

Am 28. Oktober 1942 legen die beiden gleichberechtigten Vorstände der Uhren-Rohwerke-Fabrik Glashütte Aktiengesellschaft in Glashütter, Dr. Ernst Kurtz und Hans Lochmann, der ordentlichen Hauptversammlung der Gesellschaft ihren Geschäftsbericht für das Jahr 1941 vor. Daraus geht hervor, dass im Jahr 1941 die gesamte Produktionskapazität für die Kriegsproduktion gebunden war und die Produktion der Armbanduhren des bisherigen Sortimentes eingestellt worden war. Das hatte zur Folge, dass erhebliche Teile des Rohwerke- und Halbfabrikatebestandes abgeschrieben werden mussten, was auch am Gewinneinbruch abzulesen ist. Mit Wirkung vom 12. August 1942 erlässt die Wirtschaftsgruppe Metallindustrie der Reichsregierung durch ihren Beauftragten für Kriegsaufgaben Otto Pfitzer in der Anordnung Nr. 7 ein Verbot für die Herstellung für Damen-Armbanduhren und sonstige Damenuhren aller Art für das Deutsche Reich.  Wenn man bedenkt, dass das Damenarmbanduhrkaliber 542 rund 80% der Fertigungskapazität der UROFA ausmachte, hätte das das Aus für die UROFA und UFAG bedeutet, wenn nicht 1939 durch die Einbeziehung in die Kriegswirtschaft und kriegswichtige Aufträge, wie die Fertigung des Fliegerchronographen Kaliber 59 und die Produktion von Zündern, nicht zu einer erheblichen Gewinnsteigerung geführt hätten.

 

Geschäftsbericht der UROFA für das Geschäftsjahr 1941 an die am 28.10.1942 in Dresden stattgefundene Hauptversammlung
Geschäftsbericht UROFA für 1941.pdf
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Durch die vorliegenden Originaldokumente wird die in verschiedenen Publikationen aufgestellte Behauptung der Fortführung der Produktionspalette der Armbanduhr-Rohwerkefertigung der UROFA bis zum Jahr 1945 eindeutig widerlegt.

Geplante Entwicklungensvorhaben und Musterbau 1938 - 1945

Das 1938 von der Betriebsführung geplante Vorhaben aus dem Kaliber 55 heraus eine der „Glashütter Tradition“ entsprechende Qualitätsarmbanduhr mit Breguetspirale und Zentralsekunde zu entwickeln, konnte mit Kriegsbeginn nicht mehr realisiert werden. Ende 1940 musste die Produktion von Armbanduhren vollständig zu Gunsten des Tutima Fliegerchronographen Kaliber 59, von dem man dann in der Spitze in der Lage war, monatlich Einzelteile für immerhin bis zu 1200 Werke zu produzieren, eingestellt werden.

1943 wurde noch einmal, diesmal in Kooperation mit den Betrieben Gebr. Junghans Schramberg und der Pforzheimer Uhrenrohwerkefabrik (PUW), die Entwicklung einer neuen Armbanduhr in Angriff genommen. Sie sollte einen Durchmesser von 28 mm haben und mit Kupplungsaufzug, Palettenankerhemmung sowie mit 15 bzw. 16 Steinen ausgestattet sein. Die besten Erfahrungen der beteiligten Betriebe flossen in die Entwicklung des Produktes ein und so wurde sie mit dem Bau von Musterexemplaren 1944 erfolgreich zum Abschluss gebracht. Eine Einführung in die Produktion war kriegsbedingt nicht mehr möglich.

Im Verlauf des Krieges erhielten die Betriebe im zunehmenden Maße auch Aufträge zur Produktion von Zeitzündern. Gegen Kriegsende wurden diese Produktionszweige zu ihrem Schutz vor Bombenangriffen weitestgehend in kleinere Dörfer, unter anderem auch nach Memmelsdorf (Unterfranken), ausgelagert.

Am 07.05.1945, nur einen Tag vor Kriegsende, flüchtete der Vorstand und Betriebslführer der Uhrenfabriken Urofa und Ufag Glashütte/Sachsen, Dr. jur. Ernst Kurtz, mit zwei Fahrzeugen vor dem Zugriff der Roten Armee aus Glashütte. Noch 1945 gründete er in Memmelsdorf  unter seinem Namen die Uhrenfabrik Kurtz.

1945 bis 1951 Das Ende einer Ära, aber auch ein Neuanfang

Nach Kriegsende wurden im Juli/August 1945 die Produktionsanlagen der Urofa und der Ufag von der sowjetischen Besatzungsmacht demontiert, mit den noch vorhandenen Uhrenteilen als Reparationsleistung nach Moskau verbracht und in den Kirow-Werken (1. Moskauer Uhrenfabrik) aufgebaut. Zurück blieben die leeren, teilweise beschädigten Werkgebäude, die die Ufag und Urofa nur zur Pacht genutzt hatten und die aus diesem Grunde nicht zum Firmenbestanteil der beiden Aktiengesellschaften gehörten.


Während sich das gesamte Aktienkapital der Ufag in den Händen der Gründer befand, gab es bei der Urofa seit 1932 eine  Minderheitsbeteiligung. Minderheitsaktionär mit 20% war die Pforzheimer Firma Weber & Aeschbach (Uhrenhersteller). Diese Minderheitsbeteiligung war wie folgt aufgeteilt:

10% gehörten Philipp Weber, der auch stellvertretender Aufsichtratsvorsitzender war.

10% gehörten dem Mitinhaber der Firma Weber & Aeschbach, Jacob Aeschbach.

Es ist davon auszugehen, das er  seine Anteile an der Urofa 1941, bei seinem Ausscheiden aus der Firma Weber & Aeschbach, mit in die Schweiz genommen hat, wo er unter seinem Namen eine eigene Uhrenfirma gründete.


Da die beiden. Aktiengesellschaften Ufag und Urofa nur in gepachteten, nicht zu den Firmen gehörenden Immobilien tätig waren, waren sie mit der von der Siegermacht 1945 erfolgten kompletten Demontage des sich noch in Glashütte befindlichen Firmeneigentums praktisch erloschen.

Da auch die Zentrale der Sowjetischen Militäradministration in Berlin -Karshorst (SAMD) den ehemaligen Beschäftigten beider Firmen Ende 1945 nur die Genehmigung zur Aufnahme einer Produktion auf genossenschaftlicher Basis und damit in einer neuen Firma gestattete, kann nach der im August 1945 abgeschlossenen Demontage nicht mehr von einem Bestehen der beiden Firmen Urofa und Ufag, als Produktionsbetriebe ausgegangen werden.


Den Bemühungen ehemaliger Beschäftigter, wie z.B. dem Vorstand Hans Lochmann, dem Betriebsführer der Urofa, Helmut Klemmer, und der Ufag, Paul Löwe, sowie dem Werkmeister und Konstrukteur Karl Nitzsche, ist es zu verdanken, dass es Anfang des Jahres 1946 nach der Erteilung der Betriebserlaubnis durch die SMAD, zur Bildung des neuen Produktionsbetriebes Produktionsgemeinschaft Precis als Gesellschaft bürgerlichen Rechtes (G.b.R.) kam, die auf genossenschaftlicher Basis vom 3.Quartal 1946 an sowohl Uhrenrohwerke als auch Uhren bis 1951 herstellte, gab.


Erst in der DDR werden 1950 auf drängen der VVB (Z) Mechanik Dresden, denen u.a. die Betriebe der Glashütter Uhrenindustrie zugeordnet waren, die Produktionsgemeinschaft Precis Glashütte und im Besitz der ehemaligen Girozentrale Sachsen Grundstücke und Produktionsgebäude durch eine Bestallungsurkunde des Ministeriums für Maschinenbau der DDR vom 21.11.1950 zu „Volkseigentum“ erklärt und damit erst die Voraussetzung für die im Juli 1951 erfolgte Gründung des VEB Glashütter Uhrenbetriebe (GUB) geschaffen.

Der Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, stellt den derzeitigen Kenntnisstand dar und wird, wenn neue verifizierbare Erkenntnisse vorliegen, entsprechend ergänzt.

Literatur

  • Lexikon der Deutschen Uhrenindustrie 1850 - 1980 : Firmenadressen, Fertigungsprogramm, Firmenzeichen, Markennamen, Firmengeschichten; Autor: Hans Heinrich Schmid; Herausgeber: Förderkreis Lebendiges Uhrenindustriemuseum e.V.; ISBN 3927987913
  • Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden, Postfach 100444

  • Vom Reitstock zur automatischen Straße; Autor: Helmut Klemmer ; Fachzeitschrift: Uhren und Schmuck 11/1970 S. 341-342

  • Die Entwicklung der Glashütter Uhrenindustrie Teil 9; Autoren: Ing. Helmut Klemmer, Edit Klemmer; Fachzeitschrift: Uhren und Schmuck 3/1980 S. 90

  • Glashütter Armbanduhren II; Autor: Kurt Herkner; Herkner Verlags GmbH; ISBN 3-924211-06-X

  • Uhrwerke und Armbanduhren der Urofa und Ufag Glashütte/Sa.; Autor: Werner Heinrich; Fachzeitschrift: Klassik Uhren 6/2008 S. 38-44

  • Deutsche Uhrmacher-Zeitung 1930 Nr. 20 S. 350

  • Deutsche Uhrmacher-Zeitung 1930 Nr. 40 S. 672
  • Deutsche Uhrmacher-Zeitung 1927 Nr.8 S.143
  • Deutsche Uhrmacher-Zeitung 1927 Nr.12 S. 226
  • Deutsche Uhrmacher-Zeitung 1927 Nr.18 S. 338-339
  • Deutsche Uhrmacher-Zeitung 1927 Nr.25 S.481
  • Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden - Protokolle der Hauptversammlungen und Geschäftsberichte der Uhren-Rohwerke-Fabrik Glashütte Aktiengesellschaft in Glashütte /Sa.

  • Wirtschaftsgruppe Metallindustrie - Bundesarchiv Bestandssignatur R13 XXIV

Aktualisiert 05.02.2012

Uhrenmuseum Glashütte (mit einem Video hinterlegt)

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