1900
Zur Jahrhundertwende ist aus der einst verarmten Kleinstadt ohne Industrie und genügend Arbeitsplätzen dank der von Ferdinand Adolf Lage be- gründeten Glashütter Uhren-industrie und der sich im Gefolge etablierten fein- mechanischen Industrie eine wohlhabende Kleinstadt im Erzgebirge geworden, wie die Stadtansicht verdeutlicht. Der Blick vom Ochsenkopf zeigt links im Fordergrund das Wohnhaus der Familie Lange mit der dahinter liegenden Fabrikanlage und in der Mitte, frei- stehend unterhalb der Kirche, die Deutsche Uhrmacherschule.
1904 brachte Ernst Kassiske seine Uhrenfabrik in die neu gegründete „Glashütter Präzisionsuhrenfabrik AG“, die bis 1918 bestand, ein.
1905 - Paul Stübner macht sich selbstständig und gründet eine Feinmechanische Werkstatt zur Fertigung von Marine-Chronometern und Präzisionsuhren
1906 - 400 Jahrfeier von Glashütte
Die Bildergalerie benötigt mindestens Flash Version 9.0.28!
Bitte den aktuellen FlashPlayer installieren.
1909 wurde von der Schweizer Alpina Union Horlogère , die Präcisions-Uhrenfabrik Alpina Glashütte G. m. b. H. gegründet, die bis 1922 bestand.
1910 - Am 1. April geht der langjährige Vorsitzende des Aufsichtrates der Deutschen Uhrmacherschule Richard Lange in den Ruhestand und wird Ehrenbürger der Stadt Glashütte.
1918 wurde die „Deutsche Präzisionsuhrenfabrik Glashütte e.GmbH“ (DPUG) gegründet.
1920 am 14. Januar erfolgt die Gründung der Vereinigten Werke Glashütte (VAU WE)
Die korrekte Firmenbezeichnung lautet: „Vereinigte Glashütter Rechenmachinenfabriken, Tachometer- und Feinmechanische Werke Arthur Burkhardt & Cie. – „Saxonia“ Schumann & Cie.- Robert Mühle & Sohn“. Dem war am 1. Dezember 1919, die Beteiligung des ehemaligen Direktors der Kriegsindustriezentrale, Herrn Direktor Wolf und des Konstrukteurs Paul Straßberger von der Rechenmaschinenfabrik „Saxonia“, an der Ersten Glashütter Rechenmaschinenfabrik Arthur Burkhardt, unter dem neuen Namen „Glashütter Rechenmaschinenfabrik Arthur Burkhardt, Ingenieur & Cie.“, vorausgegangen.
1920 - Glashütter feiert das 75-jährige Bestehen seiner Uhrenindustrie.
1921 - Im Verlauf der nach dem 1. Weltkrieg beginnenden Inflation in Deutschland sah sich auch Glashütte gezwungen, sogenanntes Notgeld herauszugeben.
1925 - am 17. Juni ist auf Antrag der Giro-Zentrale Sachsen beim Amtsgericht Lauenstein das Konkursverfahren gegen die Deutsche Präzisions-Uhrenfabrik Glashütte (Sa.), Uhrgläserwerke Deutscher Uhrmacher e. G. m. b. H. eröffnet worden.
1925 – 80 Jahre nach der Gründung der Glashütter Uhrenindustrie, war das Jahr 1925 eines der Jahre, die wenig Anlass zu Feiern gegeben haben. Große Betriebe hatten Konkurs anmelden müssen und der Stadtverwaltung drohte das gleiche Schicksal. Die Arbeitslosenzahl war extrem hoch und viele Fachkräfte verließen auf der Suche nach einer Beschäftigung Glashütte. Ein Licht am Ende des Tunnels war noch nicht zu erkennen. In einem Beitrag in dem im Dezember 1925 erschienene Saxonia-Bericht der Schülervereinigung „Saxonia“ der Deutschen Uhrmacherschule Glashütte, wurde die verheerende Situation anschaulich verdeutlicht.
1926 Anfang des Jahres hatte Glashütte 85% Arbeitslose
1926 - Im Mai droht der Stadt der Konkurs
1926 wurden aus der Konkursmasse der DPUG (Präzision) von der Girozentrale Sachsen, die „Uhrenrohwerkefabrik Glashütte AG“ (Urofa) und das Schwesterunternehmen, die Uhrenfabrik AG Glashütte (Ufag), gegründet. Geschäftsführer beider Firmen wurde Dr. Ernst Kurtz.
Das bewegliche Inventar beider Firmen wurde 1945 demontiert und ging als Reparationsleistung an die damalige Siegermacht Sowjetunion in die 1. Moskauer Uhrenfabrik und hörten damit faktisch auf zu existieren.
1927
1928
1929
1933 - Im Oktober 1933, acht Monate nach der Machtergreifung, berichtet die Deutsche Uhrmacherzeitung von einem Inspektionsbesuch führender sächsischer Funktionäre im noch jungen Naziregime, wie folgt:
„Der Führer der sächsischen Arbeitsfront in Glashütte i. Sa.
Am 25. Oktober besuchten Pg. S t i e h l e r, der Gauleiter der N.S.B.O. und Gauleiter der sächsischen Arbeitsfront, Geheimrat von Loeben und Hedrich von der Girozentrale sowie andere Persönlichkeiten des industriellen und öffentlichen Lebens Glashütte i. Sa. Zunächst wurden die Rechenmaschinenfabrik „Archimedes' und die Uhren-Rohwerke-Fabrik Glashütte A.-G. (Urofa) besichtigt. In der letztgenannten Fabrik erregte besonders die Herstellung der Einzelteile für kleine Armbanduhrwerke das größte Interesse der Besucher. Nach diesen Besichtigungen wurden die Gäste von Bürgermeister Gotthardt und Oberstudiendirektor Dr. Giebel begrüßt und in die Uhrmacherschule geführt, wo eine Ausstellung fast aller Erzeugnisse der heimischen Industrie aufgebaut war. Die Ausstellung war v o n den Firmen Uhrenfabrik A . - G . , A. Lange & Söhne, „Archimedes", Tachometerwerke R. Mühle & Sohn, C. Renner & Sohn, Herbert Kohl, Karl W. Höhnel, Hayard & Schmieder und von den W e r k s t ä t t e n der Deutschen Uhrmacherschule beschickt. Die Besucher nahmen die Ausstellung mit sichtlichem Interesse in Augenschein, besprachen Absatz- und Ausfuhrmöglichkeiten mit den einzelnen Ausstellern und zogen auch örtliche Parteiinstanzen zu kurzen Besprechungen mit den Werksleitungen heran."
1934 - Informationsblatt über die Glashütter Industrie in den 1930er Jahren
1939 - Wesentliche Teile der Glashütter Uhren- und feinmechanischen Industrie werden in die Kriegsproduktion der Rüstungsindustrie eingebunden. Darunter befinden u.a. die Firmen A. Lange & Söhne, die Uhrenfabrik Glashütte AG und die Uhren Rohwerke-Fabrik Glashütte AG. Es werden u.a. Chronometer und Beobachtungsuhren für die Kriegsmarine und die Luftwaffe sowie Armbanduhr-Chronographen für die Luftwaffe entwickelt und gefertigt.
1942 – Herstellungsverbot für Damenuhren
Mit Wirkung vom 12. August 1942 erlässt die Wirtschaftsgruppe Metallindustrie der Reichsregierung durch ihren Beauftragten für Kriegsaufgaben Otto Pfitzer in der Anordnung Nr. 7 ein Verbot für die Herstellung für Damen-Armbanduhren und sonstige Damenuhren aller Art für das Deutsche Reich. Nur die Erzeugnisse, die sich in der Fertigung befinden, dürfen noch vollendet werden. In dringenden Einzelfällen sind noch Ausnahmen zulässig, die aber einer besonderen Genehmigung bedürfen. Für die Glashütter Betriebe der Uhrenfertigung hatte diese Verordnung wenig Bedeutung, da sie bereits seit 1940 voll und ganz in die Kriegsproduktion eingebunden und mit der Fertigung von Zeitmessern für Luftwaffe und Marine und der Herstellung von Zeitzündern, voll ausgelastet waren.
1943 - Die Kriegsproduktion bindet die gesammte Produktionskapazität der Glashütter Uhrenindustrie. Neben dieser Fertigung werden, wie auch schon im 1. Weltkrieg, in immer größerem Umfang Zünder für Bomben hergestellt. Zur Steigerung der Produktionskapazitäten werden Industrieanlagen erweitert und neue Außenstellen, wie z.B. die der UFAG in der Kesselsdorfer Straße 22 in Dresden, eingerichtet. In diesem Zusammenhang kommt es im wachsendem Maße zum Einsatz von Fremdarbeitern zur Zwangsarbeit. Es wird eigens dafür ein Barackenklager und eine Gemeinschaftsküche aufgebaut. (DAF)
1945 ließ die sowjetische Besatzungsmacht wesentliche Teile der Glashütter Uhrenindustrie als Reparationsleistungen demontieren und nach Moskau verbringen. Was dann noch in Glashütte verblieb und nicht zerstört war, wurde unter Sequester gestellt.
1946 im Januar erhielt Hans Lochmann ehemalige Betriebsführer der UROFA und UFAG von der in der SBZ zuständigen SMAD die Genehmigung und den Auftrag auf genossenschaftlicher Basis, einen Uhrenproduzierenden Betrieb der sowohl Rohwerke, als auch Uhren fertigte, zu bilden. Unter den dafür von der SMAD festgelegten Namen „Produktionsgemeinschaft Precis“ sollte die GBR 1946 mit der planmäßigen Uhrenfertigung beginnen. In nicht unerheblichem Umfang war von der SMAD in Berlin-Karlshorst geplant, aus der laufenden Produktion, Reparationsleistungen abzufordern.
1946 wurde ebenfalls die Firma „Hans Mühle Glashütte“ vom Enkel von Robert Mühle neu gegründet. Vornehmlich Lauf- und Hemmwerke sowie Messgeräte wurden wieder produziert.
1948 wurde die Firma „A. Lange & Söhne“ verstaatlicht und firmierte unter dem Namen „Mechanik Lange & Söhne VEB“ bis zur Gründung der GUB 1951.
1951 wurden die wesentlichsten Firmen der Glashütter Uhrenindustrie in dem Betrieb VEB Mechanik Glashütter Uhrenbetriebe (GUB), der bis 1990 bestand, zusammengefasst.
1956 - wurde durch die Glashütter Uhrenbetriebe in Zusammenarbeit mit dem Goldschmiedemeister Gerhard Fraundorf eine Kunstuhr nach dessen Entwürfen gefertigt.
Diese Uhr wurde dem damaligen Präsidenten der DDR, Wilhelm Pieck, zu seinem 80. Geburtstag durch den damaligen Ministerpräsidenten der DDR, Otto Grotewohl, überreicht.
1972 wurde auch die Firma „Hans Mühle Glashütte“ verstaatlicht und ging 1980 ebenfalls in dem VEB GUB auf.
1990 wurde unter Treuhandverwaltung der Glashütter Uhrenbetrieb GmbH (GUB GmbH) mit dem Ziel einer weiteren Privatisierung gegründet.
1990 wurde die „Lange Uhren GmbH“ von Walter Lange, dem Urenkel von Adolph Lange, in Tradition zur 1948 verstaatlichten Firma „A. Lange & Söhne“ neu gegründet.
2002 - Wiedereinmal ereignete sich eine Hochwasserkatastrophe
Heute sind in Glashütte unter Anderem folgende Unternehmen tätig:
Der Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, stellt den derzeitigen Kenntnisstand dar und wird, wenn neue verifizierbare Erkenntnisse vorliegen entsprechend ergänzt.
Lexikon der Deutschen Uhrenindustrie 1850 - 1980 : Firmenadressen, Fertigungsprogramm, Firmenzeichen, Markennamen, Firmengeschichten; Autor: Hans Heinrich Schmid; Herausgeber: Förderkreis Lebendiges Uhrenindustriemuseum e.V.; ISBN 3927987913
Glashütte - Ein Rundgang durch die Stadt; Autoren: Gottfried Jürgas, Stefan Höhnel; Militzke Verlag; ISBN 3-86189-043-7