1900 bis Heute

1900

Zur Jahrhundertwende ist aus der einst verarmten Kleinstadt ohne Industrie und genügend Arbeitsplätzen dank der von Ferdinand Adolf Lage be- gründeten Glashütter Uhren-industrie und der sich im Gefolge etablierten fein- mechanischen Industrie eine wohlhabende Kleinstadt im Erzgebirge geworden, wie die Stadtansicht verdeutlicht. Der Blick vom Ochsenkopf zeigt links im Fordergrund das Wohnhaus der Familie Lange mit der dahinter liegenden Fabrikanlage und in der Mitte, frei- stehend unterhalb der Kirche, die Deutsche Uhrmacherschule.

Historische Postkarte von1903 mit Ansicht der Deutschen Uhrmacherschule mit der Blickrichtung zum Ochsenkopf

1904 brachte Ernst Kassiske seine Uhrenfabrik in die neu gegründete „Glashütter Präzisionsuhrenfabrik AG“, die bis 1918 bestand, ein.

1905 - Paul Stübner macht sich selbstständig und gründet eine Feinmechanische Werkstatt zur Fertigung von Marine-Chronometern und Präzisionsuhren

1906 - 400 Jahrfeier von Glashütte

1906 - Die 400 Jahrfeier von Glashütte
In einem Artikel der Deutschen Uhrmacher-Zeitung, der anlässlich der 400 Jahrfeier von Glashütte im Jahr 1906 erschienen ist, wird neben dem Bericht über den Verlauf der Feierlichkeiten u.a. auch ein sehr anschaulicher Überblick über die gesamte Breite und Vielfalt der Anfang des 20. Jahrhunderts in Glashütte ansässigen Betriebe der Uhren- und Feinmechanischen Industrie vermittelt.
400 Jahrfeier Glashütte.pdf
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1909 wurde von der Schweizer Alpina Union Horlogère , die Präcisions-Uhrenfabrik Alpina Glashütte G. m. b. H. gegründet, die bis 1922 bestand.

1910 - Am 1. April geht der langjährige Vorsitzende des Aufsichtrates der Deutschen Uhrmacherschule Richard Lange in den Ruhestand und wird Ehrenbürger der Stadt Glashütte.

1920 am 14. Januar  erfolgt die Gründung der Vereinigten Werke Glashütte (VAU WE)

Die korrekte Firmenbezeichnung lautet: „Vereinigte Glashütter Rechenmachinenfabriken, Tachometer- und Feinmechanische Werke Arthur Burkhardt & Cie. – „Saxonia“ Schumann & Cie.- Robert Mühle & Sohn“. Dem war am 1. Dezember 1919, die Beteiligung des  ehemaligen Direktors der Kriegsindustriezentrale, Herrn Direktor Wolf und des Konstrukteurs Paul Straßberger von der Rechenmaschinenfabrik „Saxonia“, an der Ersten Glashütter Rechenmaschinenfabrik Arthur Burkhardt, unter dem neuen Namen „Glashütter Rechenmaschinenfabrik Arthur Burkhardt, Ingenieur & Cie.“, vorausgegangen.

1920 - Glashütter feiert das 75-jährige Bestehen seiner Uhrenindustrie.

Fünfundsiebzig Jahre Glashütter Uhren-Industrie
Unter dieser Überschrift veröffentlicht die Deutsche Uhrmacher-Zeitung, als Organ des Deutschen Uhrmacher Bundes am 2. Dezember 1920 einen Artikel in dem die Leistungen der vergangenen Jahrzehnte gebührend gewürdigt werden.
1920 75 Jahre Glashütter Uhrenindustrie.
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1921 - Im Verlauf der nach dem 1. Weltkrieg beginnenden Inflation in Deutschland sah sich auch Glashütte gezwungen, sogenanntes Notgeld herauszugeben.

1925 – 80 Jahre nach der Gründung der Glashütter Uhrenindustrie, war das Jahr 1925 eines der Jahre, die wenig Anlass zu Feiern gegeben haben. Große Betriebe hatten Konkurs anmelden müssen und der Stadtverwaltung drohte das gleiche Schicksal. Die Arbeitslosenzahl war extrem hoch und viele Fachkräfte verließen auf der Suche nach einer Beschäftigung Glashütte. Ein Licht am Ende des Tunnels war noch nicht zu erkennen. In einem Beitrag in dem im Dezember 1925 erschienene Saxonia-Bericht der Schülervereinigung „Saxonia“ der Deutschen Uhrmacherschule Glashütte, wurde die verheerende Situation anschaulich verdeutlicht.

80- Jahre Glashütter Uhrenindustrie.pdf
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1926 Anfang des Jahres hatte Glashütte 85% Arbeitslose

Mit 85% Arbeitslosen macht Glashütte 1926, sechs Monate nach den Konkurs der Deutschen Präzisions-Uhren G.m.b.H., damals einer der größten Arbeitgeber, eine seiner schwersten Krisen im 20. Jahrhundert durch. Auch die „Stadtkasse“ ist so leer, dass die Stadt unter finanzielle Aufsicht gestellt werden muss. Sogar die überregionale Fachpresse, z.B. die Uhrmacher-Woche, geht mit mehreren ausführlichen Beiträgen darauf ein.
Die Wirtschaftslage in Glashütte 1926.pd
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1926 - Im Mai droht der Stadt der Konkurs

Bis zum Mai 1926 verschärft sich die Finanzsituation dramatisch. Der Stadt Glashütte droht die Zahlungsunfähigkeit. Die übergeordneten Staatlichen Stellen sehen sich gezwungen einzugreifen.
Die Finanzlage der Stadt Glashütte.pdf
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1926 wurden aus der Konkursmasse der DPUG (Präzision) von der Girozentrale Sachsen, die „Uhrenrohwerkefabrik Glashütte AG“ (Urofa) und das Schwesterunternehmen, die Uhrenfabrik AG Glashütte (Ufag), gegründet. Geschäftsführer beider Firmen wurde Dr. Ernst Kurtz.

Das bewegliche Inventar beider Firmen wurde 1945 demontiert und ging als Reparationsleistung an die damalige Siegermacht Sowjetunion in die 1. Moskauer Uhrenfabrik und hörten damit faktisch auf zu existieren.

1926 Die Lage der Stadt am Ende des Jahres
„Nachdem Bürgermeister Bruno Opitz „wegen dienstlicher Vergehen, besonders auch wegen der unverantwortlichen Finanzwirtschaft" vom Amte suspendiert bzw. beurlaubt worden war, musste der erste stellvertretende Bürgermeister, Fabrikant Georg Wolf (Fa. Liwos), die Leitung der Stadtgemeinde übernehmen.“

Die nach dem 1. Weltkrieg aus der städtischen Kriegs-Zentrale gebildete städtische Industrie-Zentrale ging wegen Überschuldung in Liquidation.
Die Bestände an Maschinen, Werkzeugen und Material wurden veräußert und die Grundstücke zum Verkauf angeboten.
Die Lage der Stadt am Ende des Jahres.pd
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1927

1928

1928 Glashütte endgültig Konkurs
Die von der Stadt unter Bürgermeister Opitz bis zu seiner Amtsenthebung 1926 aufgenommene enorme Schuldenlast führte, trotzt der unter Kuratelstellung der Stadt Glashütte 1926 und den Bemühungen des von der Kreishauptmannschaft Dresden eingesetzten Staatskommissars Oberregierungsrat Dr. Putzger, 1928 unweigerlich zum Konkurs der Stadt mit all den damit verbundenen schwerwiegenden Folgen.
Konkurs der Stadt Glashütte i.pdf
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1928 - Zur wirtschaftlichen Lage in Glashütte
Von der Unwetterkatastrophe 1927, der Krise in der Industrie und der Stadtfinanzen hart getroffen, erleben die Einwohner von Glashütte 1928 das bisher schwerste Jahre nach dem 1. Weltkrieg. In einem Pressebericht vom Januar 1929, verbunden mit der amtlichen Statistik der deutschen Uhrenindustrie für das Jahr 1928, wird dieser Sachverhalt eindrucksvoll beschrieben.
Zur Lage in Glashütte 1928.pdf
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1929

Zur Lage in Glashütte 1929
Ende des Jahres 1929, die Weltwirtschaftskrise* war im vollen Gange, illustriert eine von der Fachpresse veröffentlichte Auseinandersetzung zwischen der Presse und den Glashütter Stadtverordneten, die wahre Situation in Glashütte und der Glashütter Uhrenindustrie.
Zur Lage in Glashütte 1929.pdf
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1933 - Im Oktober 1933, acht Monate nach der Machtergreifung, berichtet die Deutsche Uhrmacherzeitung von einem Inspektionsbesuch führender sächsischer Funktionäre im noch jungen Naziregime, wie folgt:

Der Führer der sächsischen Arbeitsfront in Glashütte i. Sa.

Am 25. Oktober besuchten Pg. S t i e h l e r, der Gauleiter der N.S.B.O. und Gauleiter der sächsischen Arbeitsfront, Geheimrat von Loeben und Hedrich von der Girozentrale sowie andere Persönlichkeiten des industriellen und öffentlichen Lebens Glashütte i. Sa. Zunächst wurden die Rechenmaschinenfabrik „Archimedes' und die Uhren-Rohwerke-Fabrik Glashütte A.-G. (Urofa) besichtigt. In der letztgenannten Fabrik erregte besonders die Herstellung der Einzelteile für kleine Armbanduhrwerke das größte Interesse der Besucher. Nach diesen Besichtigungen wurden die Gäste von Bürgermeister Gotthardt und Oberstudiendirektor Dr. Giebel begrüßt und in die Uhrmacherschule geführt, wo eine Ausstellung fast aller Erzeugnisse der heimischen Industrie aufgebaut war. Die Ausstellung war v o n den Firmen Uhrenfabrik A . - G . , A. Lange & Söhne, „Archimedes", Tachometerwerke R. Mühle & Sohn, C. Renner & Sohn, Herbert Kohl, Karl W. Höhnel, Hayard & Schmieder und von den W e r k s t ä t t e n der Deutschen Uhrmacherschule beschickt. Die Besucher nahmen die Ausstellung mit sichtlichem Interesse in Augenschein, besprachen Absatz- und Ausfuhrmöglichkeiten mit den einzelnen Ausstellern und zogen auch örtliche Parteiinstanzen zu kurzen Besprechungen mit den Werksleitungen heran."

1934 -  Informationsblatt über die Glashütter Industrie in den 1930er Jahren

Glashütte in Sachsen und seine Industrie
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1939 - Wesentliche Teile der Glashütter Uhren- und feinmechanischen Industrie werden in die Kriegsproduktion der Rüstungsindustrie eingebunden. Darunter befinden u.a. die Firmen A. Lange & Söhne, die Uhrenfabrik Glashütte AG und die Uhren Rohwerke-Fabrik Glashütte AG. Es werden u.a. Chronometer und Beobachtungsuhren für die Kriegsmarine und die Luftwaffe sowie Armbanduhr-Chronographen für die Luftwaffe entwickelt und gefertigt.

1942 – Herstellungsverbot für Damenuhren

 

Mit Wirkung vom 12. August 1942 erlässt die Wirtschaftsgruppe Metallindustrie der Reichsregierung durch ihren Beauftragten für Kriegsaufgaben Otto Pfitzer in der Anordnung Nr. 7 ein Verbot für die Herstellung für Damen-Armbanduhren und sonstige Damenuhren aller Art für das Deutsche Reich. Nur die Erzeugnisse, die sich in der Fertigung befinden, dürfen noch vollendet werden. In dringenden Einzelfällen sind noch Ausnahmen zulässig, die aber einer besonderen Genehmigung bedürfen. Für die Glashütter Betriebe der Uhrenfertigung hatte diese Verordnung wenig Bedeutung, da sie bereits seit 1940 voll und ganz in die Kriegsproduktion eingebunden und mit der Fertigung von Zeitmessern für Luftwaffe und Marine und der Herstellung von Zeitzündern, voll ausgelastet waren.

1943 - Die Kriegsproduktion bindet die gesammte Produktionskapazität der Glashütter Uhrenindustrie. Neben dieser Fertigung werden, wie auch schon im 1. Weltkrieg, in immer größerem Umfang Zünder für Bomben hergestellt. Zur Steigerung der Produktionskapazitäten werden Industrieanlagen erweitert und neue Außenstellen, wie z.B. die der UFAG in der Kesselsdorfer Straße 22 in Dresden, eingerichtet. In diesem Zusammenhang kommt es im wachsendem Maße zum Einsatz von Fremdarbeitern zur Zwangsarbeit. Es wird eigens dafür ein Barackenklager und eine Gemeinschaftsküche aufgebaut. (DAF)

Die Übersetzung des Textes der Postkarte aus dem Lager der Deutschen Arbeitsfront
Übersetzung DAF Postkarte.pdf
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1945 ließ die sowjetische Besatzungsmacht wesentliche Teile der Glashütter Uhrenindustrie als Reparationsleistungen demontieren und nach Moskau verbringen. Was dann noch in Glashütte verblieb und nicht zerstört war, wurde unter Sequester gestellt.

1946 im Januar erhielt Hans Lochmann ehemalige Betriebsführer der UROFA und UFAG von der in der SBZ zuständigen SMAD die Genehmigung und den Auftrag auf genossenschaftlicher Basis, einen Uhrenproduzierenden Betrieb der sowohl Rohwerke, als auch Uhren fertigte, zu bilden. Unter den dafür von der SMAD festgelegten Namen „Produktionsgemeinschaft Precis“ sollte die GBR 1946 mit der planmäßigen Uhrenfertigung beginnen. In nicht unerheblichem Umfang war von der SMAD in Berlin-Karlshorst geplant, aus der laufenden Produktion, Reparationsleistungen abzufordern.

1946 wurde ebenfalls die Firma „Hans Mühle Glashütte“ vom Enkel von Robert Mühle neu gegründet. Vornehmlich Lauf- und Hemmwerke sowie Messgeräte wurden wieder produziert.

1948 wurde die Firma „A. Lange & Söhne“ verstaatlicht und firmierte unter dem Namen „Mechanik Lange & Söhne VEB“ bis zur Gründung der GUB 1951.

1951 wurden die wesentlichsten Firmen der Glashütter Uhrenindustrie in dem   Betrieb VEB Mechanik Glashütter Uhrenbetriebe (GUB), der bis 1990 bestand, zusammengefasst.

1956 - wurde durch die Glashütter Uhrenbetriebe in Zusammenarbeit mit dem Goldschmiedemeister Gerhard Fraundorf eine Kunstuhr nach dessen Entwürfen gefertigt.

Diese Uhr wurde dem damaligen Präsidenten der DDR, Wilhelm Pieck, zu seinem 80. Geburtstag durch den damaligen Ministerpräsidenten der DDR, Otto Grotewohl, überreicht.

Glashütter Kunstuhr des 1. Präsidenten der DDR
Wilhelm Pieck.pdf
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1972 wurde auch die Firma „Hans Mühle Glashütte“ verstaatlicht und ging 1980 ebenfalls in dem VEB GUB auf.

1990 wurde unter Treuhandverwaltung der Glashütter Uhrenbetrieb GmbH (GUB GmbH) mit dem Ziel einer weiteren Privatisierung gegründet.

1990 wurde die „Lange Uhren GmbH“ von Walter Lange, dem Urenkel von Adolph Lange, in Tradition zur 1948 verstaatlichten Firma „A. Lange & Söhne“ neu gegründet.

2002 - Wiedereinmal ereignete sich eine Hochwasserkatastrophe

Der Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, stellt den derzeitigen Kenntnisstand dar und wird, wenn neue verifizierbare Erkenntnisse vorliegen entsprechend ergänzt.

Literatur

  • Homepage der Stadt Glashütte
  • Lexikon der Deutschen Uhrenindustrie 1850 - 1980 : Firmenadressen, Fertigungsprogramm, Firmenzeichen, Markennamen, Firmengeschichten; Autor: Hans Heinrich Schmid; Herausgeber: Förderkreis Lebendiges Uhrenindustriemuseum e.V.; ISBN 3927987913

  • Glashütte - Ein Rundgang durch die Stadt; Autoren: Gottfried Jürgas, Stefan Höhnel; Militzke Verlag; ISBN 3-86189-043-7

  • http://www.archiv.sachsen.de/archive/dresden/4490_3133373530.htm
  • A. Lange & Söhne eine Uhrmacher-Dynastie aus Dresden; Autor: Reinhard Meis; Callwey Verlag München 1997 ISBN 3766712861
  • Autorengemeinschaft Glashütte Sachsen - 1506 bis 2006 500 Jahre Stadtgeschichte Eigenvertrieb Stadtverwaltung Glashütte ISBN: 3-937951-31-8
  • Saxonia Berichte von 1916 - 1925
  • Deutsche Uhrmacher-Zeitung 1879 Nr. 10. S. 91 
  • Deutsche Uhrmacher-Zeitung 1881 Nr. 7 

 

 

Aktualisiert 22.02.2012

Uhrenmuseum Glashütte (mit einem Video hinterlegt)

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