Obwohl von der Firma keine bezifferten Qualitätseinstufungen bekannt sind, wird in der Praxis von drei Qualitätsstufen ausgegangen.
ALS 1a, 1b und 1c.
"Die Marke ALS ist äußerlich durch die Zifferblatt-Aufschrift „A. Lange & Söhne, Glashütte i. Sa.“ kenntlich gemacht. Sie wird teils in 16-steinigen Uhrwerken (Mittelstein in Goldfutter gefaßt), teils in 18- und 20-steinigen Uhrwerken (Rubine zum Teil in Goldfutter und mit Diamantdecke versehen), geliefert. Die Uhren dieser Marke zeichnen sich durch eine sinnvolle Konstruktion und eine meisterhafte Vollendung aus, wie sie nur durch eine handwerksmäßige Nacharbeit aller Teile zu erreichen ist. Die Regulierung ist in Temperaturen (Kälte und Wärme), als auch in 5 Lagen so sorgfältig und gewissenhaft durchgeführt, daß die höchsten Ansprüche an ihre Gangleistungen gestellt werden können."
Textauszug aus einem Verkaufskatalog der Firma aus den 1930er Jahren.
120 Jahre nach seiner Entstehung - das Taschenuhrwerk in 1a Qualitäi A. Lange & Söhne Nr. 27400 in Funktion
Erste Voraussetzung war, die Rohmaterialien, die zur Fertigung vorgesehen waren, wurden mehrere Monate in den Räumen der Manufaktur gelagert, um im Material vorhandene Spannungen auszugleichen.
Außer den besser gegen Korrosion geschützten weiß rhodinierten Werken, die für den Export nach Übersee vorgesehen waren, wurden alle Werke golden rhodiniert.
Alle auf der ¾ Platine sichtbaren Zapfenlager, incl. der des Ankerklobens, sind mit geschraubten Goldchatons gefertigt.
Das Federhaus ist bei der verwendeten ¾ Platine separat herausnehmbar.
Um ein perfektes, gleichmäßiges Öffnen und Schließen der Breguetspirale zu erreichen, besteht das Schwingsystem aus einer Nickelstahl-Kompensationsunruh mit einer Spirale aus Stahl, die sowohl eine innere, als auch eine äußere „Philippsche“-Endkurve aufweist.
Die aus Gold gefertigten Schrauben der Kompensationsunruh dienen der Vergrößerung des Trägheitsmomentes. Da zur Verbesserung der Eigenschaften über die Jahre hinweg mit verschiedenen Zusammensetzungen der Legierungen für die Kompensationsunruh experimentiert wurde, sind diese in ihren Bestandteilen nicht immer identisch.
Die Feder verfügt über eine Malteserstellung und gewährleistet eine Gangdauer von 1,5 Tagen.
Anker und Ankerrad bestehen aus einer gehämmerten, 9-karätigen Goldlegierung, deren Vorteile darin bestehen, dass eine optimalere Ölhaltung erreicht wird, magnetische Beeinflussungen minimiert werden und der Masseschwerpunkt von Anker und Ankerrad optimiert wird.
Um die störende, aber unvermeidliche Reibung zwischen Anker und Ankerrad auf das möglichst niedrigste Niveau zu reduzieren sind die Ankerhebeflächen konvex und konkav geschliffen.
Ab 1869 kommt die patentierte innovative neue Zeigerstellung zum Einsatz, die bewirkt, dass die Zeiger beim Ein- bzw. Ausstellen keinen Sprung machen.
Die Reglage wurde in 5 Lagen und drei Temperaturen durchgeführt.
Die Goldgehäuse sind grundsätzlich in 18-karätigem Gold ausgeführt.
Der Diamantdeckstein ist ein schmückendes Markenzeichen und Qualitätssymbol ohne technische Bedeutung, da man genauso gut Rubine hätte verwenden können.
Der für die Fertigung der Herrentaschenuhren überwiegend zum Einsatz gekommene Werkdurchmesser beträgt 43 mm (19´´´). Bei den Uhren mit mehreren Komplikationen wurde auch ein Werkdurchmesser bis 48 mm verwendet.
Schlagwerksuhren, Taschenchronometer und Tourbillonuhren basieren ebenfalls auf 2/3 bzw. ¾
Platinen.
Bei Werken mit Rückerfederfeinregulierung ( Schwanenhals) gibt es eine einfache Möglichkeit der Altersbewertung vor und nach 1898. Da die Festklemmvorrichtung für die Mikrometerschraube im Jahr 1898 eingeführt wurde und diese am Fuß des Schwanenhalses einen Einschnitt aufweist, sind Uhren die dieses Merkmal nicht aufweisen vor 1898 gefertigt worden.
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Ein Hauptabnehmer für die doch sehr teuren Präzisionsuhrwerke der Firma A. Lange & Söhne war bereits seit den 1860er Jahren der Markt in Übersee. Aufgrund der sehr hohen Steuern für komplette Uhren wurden in der Regel nur Rohwerke an amerikanischen Firmen geliefert. Die Vollendung wurde dann mit eigens für die von Lange & Söhne gelieferten Rohwerke angefertigten Gehäusen durch die Partnerfirmen in den USA vorgenommen. Wegen des langen Seetransportes und der damit verbundnen Korrosionsgefahr, wurden überwiegend Neusilber, so genannte „weiße Werke“ exportiert.
Typisch für diese Uhren ist auch die Verwendung der englischen Zifferblattsignatur „A. Lange & Sons“.
Dieses Werk der Marke ALS wurde in der höchsten von der Firma Lange gefertigten Qualitätsstufe (1A) u.a. mit Glashütter Ankergang, Goldanker und Ankerrad, Kompensationsunruh mit goldenen Gewichtsschrauben zur Reglage, Breguetspirale mit doppelter Philippscher Endkurve, Diamantdeckstein im geschraubten Goldchaton für den Unruhzapfen, Rubin Lagersteine mit geschraubten Goldchatons auch für den Ankerkloben, angelassenen hoch polierten Werkschrauben und Glashütter Sonnenschliff auf Kron und Sperrad gefertigt.
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Als Kennzeichnung des Werkes ist neben der Werknummer, der Firmennahme "A. Lange & Söhne" mit der Ortsangabe "Glashütte bei Dresden" in die Platine graviert. Die Zifferblattbeschriftung lautet „A. Lange u. Söhne; Glashütte B. Dresden“ oder „A. Lange u. Söhne; Glashütter in Sachsen“; beides ist möglich.
Weitere interessante Bilder und Informationen
zu verschiedenen, seltenen, komplizierten Glashütter Präzisionsuhren der Firma A. Lange & Söhne aus dem 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts können Sie >> hier << einsehen.
In der 2. Qualitätsstufe, für die sich die Bezeichnung 1b eingebürgert hat, ist der Ankerkloben nicht mehr mit geschraubten Goldchatons ausgestattet und auf den Diamantdeckstein wurde auch verzichtet. Die Werkskennzeichnung auf der Platine ist in Form und Inhalt der Gravur mit der 1a identisch.
Bei diesen Ausführungen werden auch flachere Gehäuse verwendet.
Bei der nächst niedrigen Qualitätsstufe der 1c, wird völlig auf die geschraubten Goldchatons für die Zapfenlager verzichtet und nur bei wenigen Ausführungen ist das Zapfenlager des Minutenrades mit geschraubten Goldchaton gefertigt worden.
Auf die ebenfalls hochqualitative Gehäusefertigung wird noch gesondert eingegangen.
Der Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, stellt den derzeitigen Kenntnisstand dar und wird, wenn neue verifizierbare Erkenntnisse vorliegen entsprechend ergänzt.
Literatur:
Fachzeitschrift: Uhren und Schmuck 1/1979 bis 4/1980