Kurtz Kaliber 25

Herstellung: 1948 - 1953
Werkdurchmesser: 11'''=  24,82 mm
Werkhöhe:  4,15 mm
Werkaufbau: Brückenwerk mit, Räderwerkbrücke , Federhausbrücke und Unruhkloben
Aufzug: Kupplungsaufzug mit 3- Loch Winkelhebelfeder
Hemmung: Palettenankerhemmung
Unruh: Schraubenunruh mi Gewichtsschrauben; Breguetspirale
Steine: 16
Stoßsicherung: Super-Shock-Resist, Monobloc
Regage: freier Rückerzeiger
Sekunde: aus der Mitte
Stückzahl: ca. 
Besonderheiten: 1. deutsches Armbanduhrwerk mit Breguetspirale

Modellbeispiele

Historie, Beschreibung und Entwicklung des 1. Deutschen zivilen Serienarmbanduhrwerkes K 25 mit Breguetspirale der Uhrenfabrik Kurtz - in Glashütter Tradition.

Bei diesem hochqualitativen Werk handelt es sich um das erste Armbanduhrkaliber, was in Deutschland für den Einsatz mit einer Breguet-Spirale in der Zeit von 1946 bis 1948 in der Uhrenfirma Kurtz von ehemaligen Mitarbeitern der Glashütter Firmen Urofa und Ufag, maßgeblich von dem Konstrukteur Szyszka und dem Regleur Paul Johne, zur Produktionsreife entwickelt wurde.

Der relativ kurze Zeitraum der Entwicklung dieses neuen Kalibers in der schweren Nachkriegszeit, wo es an Allem mangelte, lässt die Vermutung zu, dass nicht nur die Idee zu diesem Werk, sondern bereits konkrete Konstruktionsunterlagen, vermutlich von dem 1937 in der Urofa und Ufag begonnenen Projekt einer neuen Generation von qualitativ hochwertigen Herrenarmbanduhren mit Breguet-Spirale und der modernen Sekunde aus der Mitte, 1945 mit Dr. Kurtz von Glashütte den Weg nach Memmelsdorf in die Amerikanische Besatzungszone gefunden hatten. Ob dabei ab 1946 bei der Uhrenfirma Kurtz in Memmelsdorf auch der von dem langjährigen Betriebsleiter der Ufag, Paul Löwe, 1939 gefertigte Prototyp dieses Projektes bei den Arbeiten zur Fertigungsreife des neuen Kalibers Pate gestanden hat, ist nicht nachgewiesen. Da über diesen Prototyp bis heute nichts Näheres bekannt ist, kann letztlich auch nicht beurteilt werden, ob überhaupt und gegebenenfalls welche Veränderungen bei dem Kaliber K 25 vorgenommen worden sind, oder ob es sich, was relativ unwahrscheinlich ist, dabei um ein völlig neues Werk handelt.

Was zeichnet nun das Werk K 25 aus.

 

Da die Hauptattribute für dieses Kaliber aus Glashütter Tradition heraus auf Ganggenauigkeit und Zuverlässigkeit gelegt wurden und die spätere Reglage der Armbanduhr nicht unwesentlich schon vom Beginn der Konstruktion z.B. des Federhauses abhängen, war auch bei der Entwicklung  dieses Kalibers von Anfang an eine enge Zusammenarbeit zwischen Konstrukteur und dem Regleur eine wesentliche Voraussetzung für das Gelingen des Projektes.

 

Die Wahl des Werkdurchmessers von 25 mm (11’’’), die Werkhöhe (4,15 mm), die Anordnung sowie die massive Ausführung der Platine, Brücken und Kloben lassen erkennen, dass neben konstruktiven Können auch sehr viel praktische Erfahrungswerte in dieses Werk eingeflossen sind. Bei der recht  knapp bemessenen Seitenluft- und Höheneinstellung galt es ja auch die ansonsten zu befürchtenden Streifungen und Verklemmungen unbedingt zu vermeiden.

 

Eine konstruktive Besonderheit sind die Gewindebuchsen, die bei den Schraubenlöchern zum Einsatz kommen. Neben den Schraubverbindungen, haben sie auch die Funktion von Passstiften. Auf Grund des von Haus aus größeren Durchmessers gewährleisten sie bei der Fertigung des Gestells auch ein höheres Maß an Präzision und Sicherheit gegenüber den wesentlich dünneren ansonsten verwendeten Passstiften und damit auch ein unbedingtes Geradestehen der Räder. Vorteilhaft bei Reparaturen ist z.B. auch, dass bei abgebrochenen Schrauben durch den einfachen Austausch der Buchse die aufwendige Entfernung vom Rest der Schraube aus der Gewindebohrung entfällt.

 

Kaliber Kurtz 25 Zifferblattseite

Das Räderwerk und die Hemmung entsprechen im Wesentlichen der Standartbauweise und weisen keine großen davon abweichenden Veränderungen auf. Die Beibehaltung der Doppelverzahnung des Kronrades verrät die Fortführung Glashütter Traditionen. Der in bekannter Weise  ausgeführte Antrieb des zentralen Sekundenzeigers mittels eines Übertragungsrades ist allein dem geschuldet, dass das Kaliber 25 auch modifiziert als 25.1 mit dezentraler kleiner Sekunde gefertigt werden sollte.

 

Um den Anspruch des Kalibers an eine Präzisionsarmbanduhr zu entsprechen, war von Anfang an der Einsatz einer Breguet-Spirale vorgesehen. Trotzt vorgeschrittener Entwicklung bei den Flachspiralen gewährleistet Ausgangs der 1940er Jahre auf längere Zeit gesehen z.B. bei Verunreinigung nur eine Breguetspirale das nötige Maß an Isochronismus, um bei den verschiedenen Schwingungsbögen der Unruh bei Armbanduhren die ursprüngliche Genauigkeit beizubehalten. Beim Einsatz einer Breguetspirale in eine Armbanduhr bedarf es allerdings wegen ihrer Endkurve gegenüber der Flachspirale einer entsprechenden Bauhöhe des Werkes. Bei den konstruktiven Überlegungen bei der Entwicklung des Kalibers 25 wurde das von Anfang an bedacht. Beim Einsatz entschied man sich für eine Schweizer Nivarox 1 Spirale mit einem Temperaturkoeffizienten von 0 bis 1 Sekunde und einer 87er Endkurve.

Breguetspirale mit 87er Endkurve

Der Einsatz einer Breguetspirale stellte nun aber bei Reparaturen, z.B. bei deren Ersatz, erhöhte Anforderungen an das Können der Uhrmacher. Die richtige Spirale zu finden konnte da schon mal zum unlösbaren Problem werden. Da der innere und äußere Verstiftungspunkt  festliegt, ist es dem Uhrmacher nur durch die Veränderung der Unruh möglich, größere Veränderungen ausgleichen, was ein entsprechendes Können und eine gewisse Erfahrung bedarf.

Schnittansicht der Spirale

Ein weiteres Problem bei der Durchführung von Reparaturen ergab sich aus der Tatsache, dass beim Verwenden einer Breguetspirale die Unruh nicht, wie sonst bei Flachspiralen üblich, zusammen mit dem Kloben herausgenommen werden darf, da das Gewicht der Unruh zur Deformation der Spirale führen kann. Gelöst werden sollte das durch eine spezielle Form des Unruhklobens, bei dem es möglich wurde das Piton, bevor man den Kloben entfernt, von diesem zu lösen und es beim Einbau auch wieder am Kloben zu befestigen. Es gab dabei allerdings keine Gewähr dafür, dass nach dem  Befestigen der Breguetspirale sich diese wieder in der richtigen Lage befand.  

Der Hersteller, die Uhrenfabrik Kurtz, empfahl demzufolge dem Einzelhandel im Bedarfsfalle die Uhr einzusenden, um die Reparatur durch ihr Fachpersonal durchführen zu lassen. Ob diese Praxis den Umständen der damaligen Zeit geschuldet war oder einer cleveren Geschäftsidee von Dr. Kurtz entsprach, ist heute nicht mehr zu klären. Nichts desto trotz wird das Einsenden von Uhren zu Servicearbeiten aber heute von allen Herstellern von Präzisionsuhren im Hochpreissegment präferiert.

HAU Kurtz Kal. 25

Eine Besonderheit bei verschiedenen Kurtz Werken des Kalibers 25 stellt die unge- wöhnliche Form des hier gezeigten Sekundenradklobens dar. Diese Werkausführung taucht relativ selten auf und der Grund für die hier gewählte  Form des Klobens ist bisher auch noch nicht geklärt. Weitere Veränderungen an diesen Werken sind bisher nicht bekannt bzw. noch nicht beschrieben worden.

Ein weiterer Schwerpunkt bei der Fertigung dieses Präzisionskalibers war die aufwendige und damit auch sehr kostenintensive Reglage jedes Werkes und jeder Uhr, die zu damaliger Zeit für Armbanduhren in Deutschland einzigartig gewesen sein dürfte.

Um den Anspruch Glashütter Tradition in Qualität, Präzision und Zuverlässigkeit zu entsprechen, wurden vom Regleur besonders die Bauteile begutachtet, die geeignet waren den Gang ungünstig zu beeinflussen, als da u.a. waren die Einstellung des Ganges, den Schwingungsbogen sowie die Lage von Rückerstiften und Spirale. Im Anschluss wurde jedes Werk – man beachte - in sechs Lagen mit der Zeitwaage geprüft und aufgetretene Gangfehler durch den Regleur in einem ersten Arbeitsgang weitestgehend beseitigt. Als wesentlichster Arbeitsgang schloss sich daran eine 24-Stundenprüfung in jeder der sechs Lagen an. Aus den Beobachtungsprotokollen hatte nun der Regleur mittels seiner Erfahrung die nötigen Schlüsse für die Beseitigung feinster Schwerpunktfehler zu ziehen um die noch vorhandenen Lagendifferenzen auf ein Minimum zu reduzieren.

Nach dem Einbau der Werke in die vorgesehenen Gehäuse werden die nun kompletten Uhren erneut einer mehrtägigen Prüfung in den sechs unterschiedlichen Lagen unterzogen.

Diese äußerst aufwendige Prozedur beruhte auf einer bereits vor dem 2. Weltkrieg zwischen dem Deutschen Chronometerverband, dem Hydrographischen Institut bei der Sternwarte Hamburg und dem Schweizer Fachverband geschlossenen Vereinbarung, wonach nur solche Uhren als Präzisionsuhren bezeichnet werden dürfen, die einschließlich eines Temperaturunterschiedes von 5 bis 35 °C wöchentlich nur eine Differenz von max. 30 Sekunden aufweisen.

 

Obwohl sich seit Mitte der 1930er Jahre der Einsatz von Schweizer Stoßsicherungen bei den Kunden immer größerer Beliebtheit erfreute, findet man diese bei den Qualitätswerken der Urofa vor 1945 und so auch ab 1948 und bei den Armbanduhrwerken Glashütter Tradition mit Werken der Firma Uhrenfabrik Kurtz – Schwäbisch Gmünd fast ausschließlich nur, wenn auswärtige Kunden dieses ausdrücklich bestellten. Das lag mit hoher Wahrscheinlichkeit daran, dass man nicht nur bei der Firma Kurtz die Auffassung vertrat, dass der Einbau von Stoßsicherungen sich negativ auf den präzisen Gang der Uhr auswirkt und somit in einer Präzisionsuhr Glashütter Tradition nichts zu suchen hatte. Nicht desto trotz wird den Kundenwünschen vom Hersteller insofern Rechnung getragen, dass auf Bestellung schon 1949/50 Werke vom Kaliber 25 zuerst mit einer Shock-Resist- und später auch mit Kiff- bzw. Incabloc-Stoßsicherungen ausgestattet werden.

Leider musste die Produktion dieses Präzisionsuhrwerkes Ende 1953 aus Kostengründen nach nur knapp fünf Jahren eingestellt werden. Immerhin kosteten diese hochwertigen und aufwendig gefertigten Uhren nur wenige Jahre nach dem zweiten Weltkrieg um die 100,-DM, von denen der Hersteller nur rund 25,-DM bekam. Das „Wirtschaftswunder“ in der Bundesrepublik Deutschland steckte noch in den Kinderschuhen und relativ teure Uhren gehörten sicherlich noch nicht auf die Prioritätenliste von „notwendigen“ Anschaffungen bei einer größeren Anzahl von Haushalten. Ob und inwieweit sich die 1951 erfolgte Produktionsverlagerung der Uhrenfabrik Kurtz- Schwäbisch Gmünd ins nicht nur uhrentechnisch infrastrukturschwache Norddeutschland nach Boockholzberg-Hollen negativ auf eine positive Geschäftsentwicklung ausgewirkt hat, ist zwar zu vermuten, aber nicht nachgewiesen.

Weitere Informationen zur Uhrenfabrik Kurtz finden Sie >> hier <<.

Der Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, stellt den derzeitigen Kenntnisstand dar und wird, wenn neue verifizierbare Erkenntnisse vorliegen, entsprechend ergänzt.

Literatur:

  • Neue Uhrmacher-Zeitung 1951/6 u. 1953/20
  • Dr. Ernst Kurtz - Der Glashütter Armbanduhren-Pionier; Autoren: Klaus Pöhlmann, Reinhard Reichel; Fachzeitschrift: Klassik Uhren Nr. 3/2006;
  • Glashütter Armbanduhren II; Autor: Kurt Herkner; Herkner Verlags GmbH; ISBN 3-924211-06-X
  • Lexikon der Deutschen Uhrenindustrie 1850 - 1980 : Firmenadressen, Fertigungsprogramm, Firmenzeichen, Markennamen, Firmengeschichten; Autor: Hans Heinrich Schmid; Herausgeber: Förderkreis Lebendiges Uhrenindustriemuseum e.V.; ISBN 3927987913

Aktualisiert 20.05.2012

Uhrenmuseum Glashütte (mit einem Video hinterlegt)

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