Schülerarbeiten von Absolventen der Deutschen Uhrmacherschule Glashütte

Die Ausbildung an der Deutschen Uhrmacherschule Glashütte erfolgte von Anfang an in Theorie und Praxis. Von den Schülern, die damals noch „Zöglinge“ genannt wurden, wurden über die Jahrzehnte, entsprechend der technischen Entwicklung auf dem Uhrensektor, die verschiedensten Exponate gefertigt.

 Hier einige ausgewählte Beispiele: Präzisionspendeluhren, Präzisionspendeluhren mit elektr. Antrieb, Marinechronometer, Tischchronometer, Stutzuhren, Taschenchronometer, Drehganguhren (Tourbillon), Anker-Taschenuhren mit Bügelaufzug, Zylinderuhren, Gangmodelle für alle Gangarten und techische Zeichnungen.

 Zusätzlich wurden auch Hilfsmittel wie Werkzeuge und Messgeräte angefertigt. Auch hierzu einige, ausgewählte Beispiele: Astatische Nadelpaare, Mikrometer, Unruhwaagen, Rädermesseinrichtung, Galvanoskope, Schneidkluppen, Schiebelehren, Windeisen, Winkel und Stellwinkel. Des Weiteren wurden auch komplizierte Reparaturarbeiten durchgeführt.

DUZ Nr.50/52 v.20. Dez.1941 S.362
DUZ Nr.50/52 v.20. Dez.1941 S.362

Mit Beginn der 1890er Jahre existierte an der Deutschen Uhrmacherschule auch der Ausbildungszweig Feinmechanik, in dem hauptsächlich elektromechanische Kenntnisse vermittelt wurden. Ausgebildet wurden in diesem Bereich, Fein- und Elektromechaniker. Die von den Schülern ausgeführten Arbeiten wurden auch im chronologisch geführten Nummernsystem der Schülerarbeiten dokumentiert. Gefertigt wurden z. B Stromwender verschiedener Art, Umschalter für Schwach- und Starkstrom, Ausschalter, Blitzschutz- Vorrichtungen verschiedener Systeme, Morse-Taster, Bussolen, Telegraphenglocken, Fortschell-Klingeln /auch mit langsamen Schlag), gewöhnliche Relais, polarisierte Relais nach Siemens, Hughes-Relais in kleiner und großer Form, polarisierte Relais mit drehbaren Kernen, astatische Nadeln, Wheatstonsche Meßbrücken, Telegraphen-Stationen, Rheostate, Induktions-apparate, Galvanometer, Differential-Galvanometer mit Kurbel-Rheostat, Galvanoskope, Schalttafeln verschiedener Art und Größe, Tableaukasten, Widerstandskasten, Batterie-Wähler, Entmagnetisierungs-maschinen, Dynamomaschinen-Modelle, Uhrstell-Apparate, Themostaten, Heliostaten, verschiedene physikalische Apparate und ähnliches mehr. 1913 wurde eine separate Abteilung für Feinmechanik an die Schule angegliedert, die nach dem 1. Weltkrieg wieder ausgegliedert und der Gewerbeschule zugeordnet wurde.

Diese Schülerarbeiten machten einen nicht unwesentlichen Anteil an der Gesamtanzahl der an der Schule gefertigten Neuarbeiten aus [1];[2].

 

Die Schülerarbeiten waren in den Jahren 1878-1882 Eigentum der Schule. Der Verkauf der Exponate kam der “Haushaltskasse“ der Schule zu Gute. Auf Beschluss des Aufsichtsrates gingen die Arbeiten ab 1892 in das Eigentum der Schüler über. Als Kompensation der Minder-einnahmen wurde im Gegenzug allerdings das Schulgeld erhöht.

 

Die Exponate wurden mit hoher Wahrscheinlichkeit von Beginn an durchnummeriert. Die Aufzeichnungen sind, neben dem Schülerverzeichnis, in zwei erhalten gebliebenen hand- schriftlich geführten Schul-büchern bis 1951 dokumentiert: Die Nummerierung beginnt, aus bisher nicht geklärten Gründen, aber erst mit der Nr. 228, einer offenen Taschenuhr Kal. 43 im Goldgehäuse des „Zögling“ Zech (oder Zeeh; je nach Quelle) aus dem Jahr 1885.

Auszugsweise, beispielhafte,  Dokumentation aus den Schulbüchern

Quelle:[1]
Quelle:[1]

Die Exponate wurden mit hoher Wahrscheinlichkeit von Beginn an durchnummeriert. Die Aufzeichnungen sind, neben dem Schülerverzeichnis, in zwei erhalten gebliebenen hand- schriftlich geführten Schul-büchern bis 1951 dokumentiert: Die Nummerierung beginnt, aus bisher nicht geklärten Gründen, aber erst mit der Nr. 228, einer offenen Taschenuhr Kal. 43 im Goldgehäuse des „Zögling“ Zech (oder Zeeh; je nach Quelle) aus dem Jahr 1885.

 

 Insgesamt sollen nach derzeitiger Quellenlage in 73 Jahren von 1878 bis 1951, in diesem Jahr wurde die Uhrmacherschule in eine Ingenieurschule für Feinwerktechnik umstrukturiert, rund 4410 Neuarbeiten angefertigt worden sein. Ein erheblicher Teil der Arbeiten, waren dabei aber keine Uhren.

 

Für eine Sonderfertigungsserie von 36 Tourbillon-Taschenuhren wurden zusätzlich zur laufenden Schulnummer Sondernummern von 1 bis 36 vergeben, die im Anhang des zweiten Schulbuches (1928-1951) dokumentiert sind [3].

Anmerkungen zur Art und Stückzahl von Schülerarbeiten der Deutschen Uhrmacherschule Glashütte Sa..

In einer ganzen Reihe von Presseveröffentlichungen der Deutschen Uhrmacherschule wurden ganz konkrete Angaben darüber gemacht, welche Schülerarbeiten in welchen Stückzahlen im vergangenen Schuljahr angefertigt wurden. Das derzeit zur Verfügung stehende verifizierbare Material reicht aber noch nicht aus einen allumfassenden, detaillierten Überblick über die Art und Stückzahl der Schülerarbeiten von 1878 bis 1951 zu geben. Aus Presseinformationen, aber auch aus einer Reihe von vorliegenden originalen Jahresberichten der Deutschen Uhrmacherschule Glashütte, ist zu entnehmen, dass die Art und Anzahl der jeweiligen Schülerarbeiten obligatorischer Bestandteil der Jahresberichte an die Schulträger, den Zentralverband der Deutschen Uhrmacher und das zuständige Ministerium des Landes Sachen waren. Derzeit laufen Bemühungen in verschiedenen Archiven weitere Jahresberichte der DUS aufzufinden. Es ist Chronistenpflicht, darauf aufmerksam zu machen, dass es im Vergleich der Angaben aus den vorliegenden Presseveröffentlichungen und den originalen Jahresberichten der Uhrmacherschule mit der in Kurt Herkners Buch „Die deutsche Uhrmacherschule“ aus dem Jahr 1985 auf den Seiten A16-A18 veröffentlichten Übersicht „Schülerarbeiten nach Jahren zusammengestellt“ so gravierende Differenzen gibt, dass ein Zitieren aus dieser Übersicht nicht ratsam ist. Auch ist der Autor dem Leser einen verifizierbaren Quellenbeleg für die in der Übersicht gemachten Angaben schuldig geblieben. Als Vergleichsbeispiele dienen die Jahre 1929, 1930, 1932 und 1937 - 1941.

 

Deutschen Uhrmacherschule Glashütte - Schuluhr von Max Weiss  1887

Vom 01. Mai 1886 bis 30. April 1888 besuchte der am 13. Juli 1864 geborene Max Weiss, als Schüler mit der Schulnummer 264 die Deutsche Uhrmacherschule Glashütte. Während dieser Zeit fertigte er eine offene Ankertaschenuhr mit Aufzug am Bügel mit der Schulnummer409 und ein Seechronometer mit der Schulnummer 469.

Die Glashütter Schuhluhr Nr. 409 von Max Weiss aus dem Jahr 1887
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DUS Schüler Max Jungnickel  - Schuluhr Nr. 452 aus dem Jahr 1888

Bei der hier vorgestellten offenen Schuluhr Nr. 452 des Schülers der Deutschen Uhrmacherschule, Max Jungnickel, handelt es sich um eine Uhr mit einem 20-steinigen vergoldeten Werk Glashütter Bauart vom Kaliber 43. Das Silbergehäuse hat auf dem äußeren Deckel eine Gravur mit den Initialen "M J" und auf dem Staubdeckel eine fein ausgeführte Gravur, die dem Glashütter Graveur Gustav Gessner zuzurechen sein dürfte. Der Feingehalt des Silbergehäuses beträgt 900/1000. Der am 02. Juli 1870 in Glashütte geborene Max Jungnickel besuchte die Deutsche Uhrmacherschule Glashütte vom 01. Mai 1885 bis 31. Mai 1888. Während seiner Schulzeit fertigte Max Jungnickel außer der vorgestellten Taschenuhr noch eine Stutzuhr mit der Schulnummer 437 und ein Rädermaß mit der Nr. 523.

Die Schülerarbeit eines Chilenischen Absolventen von 1904

Der gute Ruf der Schule reichte schon vor 1900 bis ans andere Ende der Welt. So besuchte zum Beispiel der am 17.03.1882 in Santiago geborene Herr Alfred Dreyse aus Chile von 1902 bis 1904 erfolgreich die Deutsche Uhrmacherschule in Glashütte.

Als seine Schülerarbeiten sind heute noch am Deutschen Uhrenmuseum Glashütte unter der Nummer 1.495 eine Anker-Taschenuhr mit Bügelaufzug, mit Nummer 1.466 ein Mikrometertaster und unter der Nummer 1.567 ein astatisches Nadelpaar nachweisbar.

Auch die von ihm an der Deutschen Uhrmacherschule in Glashütte gefertigte Ankertaschenuhr ist nach über einem Jahrhundert und zwei Weltkriegen erhalten geblieben und ist heute noch ein Zeitzeugnis von dem hohen Stand der Wissensvermittlung an dieser weltbekannten Ausbildungsstätte für Uhrmacher.

1907 Präzisionspendeluhr des DUS Schülers Otto Gruner aus Hainichen

Der am 10. Juni 1890 geborene Otto Gruner besuchte die Deutsche Uhrmacherschule Glashütte vom 01. Mai 1904 bis 27. April 1907. Die von ihm gefertigte Präzisionspendeluhr hat die Schulnummer 1754. Das facettierte, frontverglaste Eichen-gehäuse hat bei einer Breite von 51 cm, eine Höhe von 229 cm und eine Tiefe von 27 cm. Bei dem Werk handelt es sich um ein zaponiertes 4-Pfeilerwerk. Der Antrieb erfolgt durch Gewicht über eine seitliche Rolle. Gefertigt wurde das Werk mit saphirchatonierten Grahamanker und Ankerrad. Bei dem Pendel handelt es sich um ein DRGM-Nr. 258168/275125 Einzylinder-Nickelstahl-Kompensations-pendel der Firma Strasser & Rhode. Die sehr gut im Originalzustand erhaltene Präzisionspendeluhr befindet sich in Privatbesitz.

Während seiner dreijährigen Schulzeit fertigte Otto Gruner  folgende Exponate:

  • Ankergangmodell mit der Schulnummer 1634
  • Mikrometertaster mit der Schulnummer 1667
  • Zylindertaschenuhr mit der Schulnummer 1680
  • offene Ankertaschenuhr Kal. 45 mit Aufzug am Bügel mit der Schulnummer 1692
  • offene Ankertaschenuhr Kal. 45 mit Aufzug am Bügel mit der Schulnummer 1752
  • Astronomische Präzisionspendeluhr mit der Schulnummer 1754
  • Taschenchronometer Kal. 50 mit der Schulnummer 1784
  • astatisches Nadelpaar mit der Schulnummer 1805

 

1914 Mikrometer; Schülerarbeit von Paul Rau

Der 1897 geborene Paul Rau aus Banja Luka (Bosnien) absolvierte die Deutsche Uhrmacherschule unmittelbarvor und zu Beginn des 1.Weltkrieges in den Jahren 1913 bis 1915. Neben dem gezeigten Mikrometer fertigte erauch noch ein Ankermodell mit der Nummer 2638.

Helene Mayer - Gangmodell aus dem Jahr 1916

Glashütter Gangmodelle der verschiedenen Gangarten wurden schon vor der Gründung der Deutschen Uhrmacherschule 1878 in Glashütte von der Firma „Moritz Grossmann“ zu Lehr- und Anschauungszwecken für Uhrmacher, Lehrlinge und als Schaufensterdekoration gefertigt. Nach dem Tod von Moritz Großmann im Jahr 1886 wurde diese Tradition in der Uhrmacherschule, dessen Direktor von 1886 bis 1917 sein Schüler Ludwig Strasser war, fortgesetzt. Ganze Generationen haben die verschiedensten Gangmodelle als Schülerarbeiten gefertigt. Das hier gezeigte Ankergangmodell mit der Schulnummer 2738 wurde 1916 von der Absolventin der Uhrmacherschule Helene Mayer vollendet. An diesem Modell kann man sehr schön sehen, dass nicht nur der von den Glashütter Protagonisten der ersten Jahre Adolf Lange, Moritz Großmann, Adolf Schneider und Julius Aßmann entwickelte Glashütter Ankergang gefertigt, sondern auch vielfach mit Formen, Materialien und den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen experimentiert wurde. Letztendlich war es auch immer  Ziel neben einer perfekten feinen Vollendung bessere Gangergebnisse zu erreichen. Der hier von Helene Mayer gefertigte bimetallische Anker ohne Paletten mit der beim Schweizer Ankergang üblichen Begrenzung des Ankerweges und dem goldenen Ankerrad ist ein schöner Beleg dafür.

Ein Ankerhemmungsgangmodell von Karl Hoffmann aus dem Jahr 1923

Vorgestellt wird hier ein vom späteren Sinziger Uhrmachermeister Karl Hoffmann 1923/24 an der Deutschen Uhrmacherschule gefertigtes Meisterstück eines Ankerhemmungsmodelles mit der Schulnummer 3075.

Karl Hoffmann wurde am 20.07.1905 in Sinzig am Rhein geboren und absolvierte in der schwierigen Inflationszeit 1921 bis 1924 die Glashütter Meisterschule, an der viele bedeutende Uhrmacher wie Alfred Helwig, der zeitgleich an einer seiner Erfindungen, dem fliegenden Tourbillon arbeitete, lehrten.

1922 trat er der heute noch aktiven Schülervereinigung Saxonia bei, der er auch noch 1938 angehörte, wie ein Mitgliederverzeichnis belegt. Während seiner Ausbildung fertigte Karl Hoffmann noch weitere interesante Arbeiten an.

Ein Mikrometer mit der Schulnummer 3100, ein astatisches Nadelpaar und eine Lepine Anker Taschenuhr Kaliber 43, beides mit der Schulnummer 3124

 

In den 1930er Jahren führte Karl Hoffmann ein Geschäft am Markt 80 in Sinzig. Auch nach dem 2. Weltkrieg konnte der Uhrmachermeister Karl Hoffmann noch einmal mit einem Uhren-, Schmuck- und Porzellangeschäft an exponierter Stelle im damals modernsten Gebäude von Sinzig am Markt 15/17 und einer Filiale in Bonn /Bad Godesberg in der Nähe der Amerikanischen Botschaft geschäftliche Erfolge verzeichnen.

Astatisches Nadelpaar

Der Berliner Uhrmachermeister Holger Blumensath erläutert die Funktionsweise und die Zweckbestimmung des Geräte.

 

Diese Arbeit wurde von einem namentlich noch nicht bekannten Schüler gefertigt. Der gedrechselte Fuß stammt noch aus der Werkstatt des Glashütter Kunsttischlers Arthur Guricke, der für viele Schülergenerationen der Uhrmacheschule die für ihre Modelle erfoderlichen Untergestelle gefertigt hat.

Meisterarbeit von Hans Apel

Hans Apel war bis 1926 Schüler an der Deutschen Uhrmacherschule.

Zur Abschlußfeier 1926 erhielt er für seine gezeigten  Leistungen eine Auszeichnung. Daz heisst es im Bericht der Deutschen Uhrmacher-Zeitung  über die Abschlussfeier

 …. „In seiner an die Unterrichtsproben sich anschließenden Ansprache gab Oberstudiendirektor Dr. Giebel eine übersichtliche Darstellung des Schulbetriebes und behandelte die im verflossenen Schuljahre erzielten Erfolge, die es ermöglicht haben, eine Reihe Auszeichnungen an tüchtige Schüler zu verleihen. Eine Anerkennungsurkunde aus der Großmann-Stiftung für hervorragende Leistungen in der Präzisionsuhrmacherei sowie eine Buchprämie der ,.Urania" erhielt der Schüler Hans Apel.“

Taschenuhr im Silbergehäuse mit fliegend gelagerten Tourbillon. Gefertigt 1927 an der Deutschen Uhrmacherschule Glashütte als Meisterstück von Hans Apel 1905*- 1958†

1927

Fliegendes Tourbillon Gangmodell von DUS Schüler Adolf Vossgerau

Das hier vorgestellte Gangmodel eines fliegenden Tourbillons mit Chronometerwippe wurde von dem Schüler der Deutschen Uhrmacherschule Adolf Vossgerau aus Oldenburg 1927 vollendet. Die Nummer der Schülerarbeit  für das Gangmodell ist 3495. Adolf Vossgerau besuchte die Deutsche Uhrmacheschule vom 10. Mai 1927 bis 30. April 1928. Außer dem Gangmodell fertigte er auch noch eine offene Glashütter Taschenuhr mit Aufzug am Bügel mit der Schulnummer 3526 an. Seine Schülernummer war 1462. Die Meisterprüfung legte er im Jahr 1940 ab.

Deutsche Uhrmacherschule Glashütte 

Schuluhr von Georg Schallwig gefertigt 1932

Im Alter von 24 Jahren besuchte der aus Nimtsch stammende Uhrmacher Georg Schallwig zur Vervollkommnung seiner Fähigkeiten in den Jahren 1931/32 die Deutsche Uhrmacherschule. Während dieser Zeit fertigte er neben der hier vorgestellten 16-steinigen Glashütter Taschenuhr Kaliber 43 noch ein Ankergangmodell Nr. 3747 sowie ein Tischchronometer mit der Schulnummer 3774. Wer in  der Lage war ein Chronometer zu fertigen, hatte damit ganz besondere Fähigkeiten als Uhrmacher nachgewiesen. Bei einer ganze Reihe von Bestandteilen der Taschenuhr kann man aufgrund ihrer Formgebung, Materialwahl und der besonders feinen Vollendung das hervorragende Können des Fachmannes erkennen. Auch das versilberte Zifferblatt mit den aufgesetzten Indizes und der einer B-Uhr entsprechenden großen, dezentralen Sekunde lässt die persönliche "Handschrift" erkennen. Eine besondere Ehre wurde Georg Schallwig schon zu Beginn seiner Schulzeit im Mai 1931 mit der Wahl zum Präsidenten der Schülervereinigung "Saxonia" zuteil. Nach seiner Schulzeit bekam er eine Anstellung bei der bekannten Münchner Firma Andeas Huber bevor er später nach Hamburg übersiedelte und seine eigene Firma gründte.

Die „Reichsuhr" des Kanzlers 1934

Seit 1931 fand an der Deutschen Seewarte Hamburg , zusätzlich zu den seit 1877 durchgeführten Konkurrenzprüfungen für See-Chronometer, an der sich ab 1886, mit der Firma A. Lange & Söhne auch Glashütter Firmen beteiligen,  eine Wettbewerbprüfung für Präzisions-Taschenuhren statt. Diese Prüfungen bezogen vornehmlich auf hochwertige Uhren für wissenschaftliche Zwecke und für den Gebrauch in der Nautik und Luftfahrt erstrecken (Sonderklasse und I. Klasse) und in beschränktem Umfange auf Uhren für allgemeinen Gebrauch (II. Klasse). Diese letzteren sollten durch ein Mindestmaß individueller Behandlung noch als Präzisionsuhren angesprochen werden können.

Frontansicht der Reichsuhr
Frontansicht der Reichsuhr

An der Deutschen Uhrmacherschule Glashütte wurde schon seit einer ganzen Reihe von Jahren die Herstellung besonders feiner und oft auch eigenartig konstruierter Taschenuhren gepflegt. Gewissermaßen zu einer besonderen Spezialität der Schule sind die von Studienrat Alfred Helwig entwickelten Drehgang-Uhren (Tourbillon) geworden. Eine dieser Uhren, die als Gemeinschaftsarbeit von Alfred Helwig und seinen Schülern angefertigt wurde, hatte bei der 3. Seewarten- Prüfung 1933, zusammen mit einer 2. Glashütter Präzisionstaschenuhr, einem Chronometer-Tourbillon, das in den Besitz des Bayerischen Staates übergegangen ist (Bayerisches National-Museum), den Preis der Sonderklasse bekommen.

Schematische Darstellung des Drehgestells der UHr
Schematische Darstellung des Drehgestells der UHr

Bei der ersten Uhr handelte es sich um ein Anker-Tourbillon vereinfachter Bauart.

Die Uhr wurde als 52er Deckuhr, offen, ausgeführt und mit Auf- und Abzeiger versehen, wie es für diese Uhren vorgeschrieben war. Sie befand sich in einem einfachen silbernen Gehäuse.

Durch die infolge der Konstruktionsweise ermöglichte besonders große Unruh wurde ein außerordentlich gleichmäßiger Gang erreicht. Besonders unterstützt wurde dies noch durch die Anordnung von zwei sehr großen Federhäusern, die parallel geschaltet sind. Die verhältnismäßig dünnen Federn erlaubten bei vollem Aufzug 9 Umgänge, von denen aber nur 4 benutzt werden. Beide Federhäuser wirkten auf das Minutentrieb, welches 12 Zähne hatte. Die Anordnung war so getroffen worden, daß die Zähne beider Federhäuser nacheinander zum Eingriff kamen, woraus sich eine außerordentlich gleichmäßige Kraftübertragung ergabt. Es hatte etwa die Wirkung, als wenn ein Minutentrieb mit 24 Zähnen verwendet würde.

Nach der Preisverleihung in der Sonderklasse, durch die Deutsche Seewarte Hamburg, wurde an der Uhrmacherschule gemeinsam mit Lehrern und Schülern beraten, was mit dieser Uhr, die ja hauptsächlich für wissenschaftliche Zwecke und für den Gebrauch in der Nautik und Luftfahrt, konstruiert worden war, zu geschehen hatte.

Offene Rückseite des offenen 52er Anker-Tourbillon im Silbergehäuse
Offene Rückseite des offenen 52er Anker-Tourbillon im Silbergehäuse

Erbauer und Schulleitung kamen überein, sie dem Deutschen Reichskanzler Adolf Hitler, allerdings nicht als Privateigentum, sondern als Dienstuhr für die Reichskanzlei und mit der Bitte, sie bei wichtigen Veranstaltungen, wie es z. B. bei Zeppelin-Weltflügen oder auch Arktisflügen , als Leihgabe für die Beobachtungen zur Verfügung zu stellen. Angeregt wurde auch, sie unter Umständen bei wichtigen wissenschaftlichen Unternehmungen befreundeter Länder, ebenfalls als Leihgabe zur Verfügung zu stellen.

Die neue Art der Drehganguhr (Tourbillon) mit Ankerhemmung verdankt ihre Entstehung einer Anregung der Deutschen Seewarte Hamburg, die seit Jahren auf eine Uhr hingedrängt hat, die in ihren Leistungen dem Seechronometer nahe kommt, aber noch am Körper getragen werden kann. Solche Uhren werden gebraucht bei beschwerlichen Forschungsreisen, auf denen ein Seechronometer zu stark gefährdet und auch zu schwer ist, ferner für Flugzeuge, Luftschiffe usw.
DUS 1934 Tourbillon für den Reichskanzle
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Der Reichskanzler bekommt eine Uhr von der Deutschen Uhrmacherschule
Aus diesem Anlass veröffentlicht die DUZ im April 1934 einen Beitrag der sich mit der Entstehungsgeschichte und der Übergabe der Uhr beschäftigt.
DUS 1934 TU für den Reichskanzler.pdf
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Dienstuhr auf dem LZ 129 "Hindenburg"
Dienstuhr auf dem LZ 129 "Hindenburg"

Die vorab beschriebene Uhr die ja als Gemeinschaftsarbeit von Schülern der Deutschen Uhrmacherschule Glashütte gefertigt worden war, sollte ja als wissenschaftliche Uhr, auch als solche zu Einsatzkommen. Das geschah auch, denn sie wurde als Dienstuhr auf dem größten deutschen Luftschiff dem LZ 129 "Hindenburg", zu navigatorischen Zwecken, verwendet.[4] Ob sie 1937 den Brand und den Absturz in Lakehurst überstanden hat, oder zerstörtwurde ist nicht bekannt.

1938

Das 4000. an der Deutschen Uhrmacherschule gefertigte Arbeitsstück

Friedel Möller bei der Präsentation ihrer Schülerarbeit mit der DUS Nummer 4000.
Friedel Möller bei der Präsentation ihrer Schülerarbeit mit der DUS Nummer 4000.
Frl. Friedel Möller
Das 4000. Arbeitsstück der DUS.pdf
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Meisterstück von Theo Lübeck - 1938 -

Der Umbau eines Urofa Raumnutzwerkes

Das an sich vorbildlich konstruierte Glashütter Raumnutzwerk ist hier von Theo Lübeck im Sinne der Glashütter Präzisionsuhrmacherei umgebaut, verbessert  und fein vollendet worden. Dabei wurde von ihm auch darauf geachtet, dass eine serienmäßige Fabrikfertigung möglich ist.

Beschreibung der Arbeitsschritte mit Abbildungen
Meisterstück v. T. Lübeck DUS 1938.pdf
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Der Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, stellt den derzeitigen Kenntnisstand dar und wird, wenn neue verifizierbare Erkenntnisse vorliege, entsprechend ergänzt.

Literatur:

[1] Leipziger Uhrmacher Zeitung Nr.19 v. 01. 0kt. 1911 S.309

[2] Die Uhrmacher-Woche Nr. 52 v. 1926 S.268-270

[3] Fachzeitschrift Uhren und Schmuck Heft 3/1983 S.76-79

[4] Die Uhrmacherkunst Nr.38 v.18. Sept. 1936 S.523

  • Deutsche Uhrmacher-Zeitung 1933 Nr. 5 S. 60
  • Deutsche Uhrmacher-Zeitung 1933 Nr. 40 S. 520
  • Deutsche Uhrmacher-Zeitung 1934 Nr. 11 S. 134-135 
  • Deutsche Uhrmacher-Zeitung 1926 Nr. 18 S. 354 
  • Deutsche Uhrmacher-Zeitung 1941 Nr. 13 S. 107


 


 


Aktualisiert 25.06.2017

Deutsches Uhrenmuseum Glashütte - Das Bild  mit Video hinterlegt
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Ankergang
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