Sondernummern für spezielle Schülerarbeiten

Schon seit Gründung der Deutschen Uhrmacherschule Glashütte Sa. im Jahr 1878 wurden von begabten Schülern vereinzelt besonders schwierige Sonderstücke angefertigt. Bis zur 1919 erfolgten Umstrukturierung und Neuausrichtung zur "Deutschen Uhrmacherschule - höhere Fachschule für Uhrmacherei u. Feinmechanik Glashütte (S)" fand die Vergabe von Objektnummern, für jede einzelne Schülerarbeit, in chronologischen Reihenfolge statt. Von der Schulleitung wurden zwei verschiedene Kladden geführt. Die erste, das Schülerverzeichnis, beinhaltete  die Aufnahme des damals noch „Zögling“ genannten Schülers, mit seinen personellen Stammdaten.

In zwei weiteren Kladden wurden die an die einzelnen Schüler vergebenen Schülerarbeiten, mit Nummer und Name des Schülers sowie die Art der Arbeit, erfasst. Sowohl die Kladde für das Schülerverzeichnis, als auch die in zwei Kladden erfassten Schülerarbeiten sind im Original erhalten geblieben und können heute für die wissenschaftliche Aufarbeitung der Historie der Deutschen Uhrmacherschule, wertvolle Dienste leisten. Die hier abgebildete erste Kladde wurde 1878 begonnen und umfasst Schülerarbeiten bis Mai 1928.

In einem Anhang sind die Aufzeichnungen für Schülerarbeiten, für die Sondernummern vergeben worden, enthalten

Wie kam es zu den Sondernummern für bestimmte Schülerarbeiten?

Dazu äußerte sich Oberstudienrat Alfred Helwig, in dessen Klasse, in den 1920er und dreißiger Jahren, diese besonderen Stücke gefertigt worden sind, wie folgt:

"... Unser letztes dieser 14 Stücke trägt allerdings die Werknummer 34. Wir haben nämlich die außergewöhnlichen Stücke für sich numerieren müssen, denn hätten wir die laufenden Schulwerknummern eingraviert, die in die Tausende ging, so hätte das vortäuschen können, dasß wir schon so viele Sonderstücke gebaut hätten. Derart falsche Schlüsse dürfen nicht gezogen werden, stellte ein Aufsichtsrat der Schule fest und er legte uns die Sondernumerierung nahe. Die übrigen dieser Nummern,  deren zwanzig, kommen auf einige Karuselluhren, zehn außergewöhnlich fortschrittliche B-Uhren, einige Taschenchronometer mit Schnecke (trotzdem mit Bügelaufzug, wofür es gute Konstruktionen gibt) also auf unsere erlesensten Stücke.... "

Quelle: Neue Uhrmacherzeitung Nr.21 von 1960 S.06-09

Quelle: Foto Auktionen Dr. Crott/Muser; Mannheim
Quelle: Foto Auktionen Dr. Crott/Muser; Mannheim

In den letzten Jahrzehnten wurden zu diesen, mit Sondernummern ausgewiesenen besonderen Schülerarbeiten, in verschiedenen   Publikationen, Artikel veröffentlicht. Es sind darin unterschiedliche Angaben zur Anzahl und Art der Sonderstücke enthalten. Leider ist dabei auch oft ein  Mangel an verifizierbaren Quellenangaben zu verzeichnen. Das ist sicher nicht zuletzt  dem unzureichenden Zugang zu Teilen der Originalquellen, von denen sich einige, unberchtigter Weise in privater Hand befanden, geschuldet.

In einem ersten Ansatz soll hier der derzeitige, verifizierbare Kenntnisstand zu den Schülerarbeiten mit Sondernummer gezeigt werden.

Dabei sind aber auch noch Fragestellungen offen geblieben und neue hinzugekommen- Das soll die nachstehend Tabelle verdeutlichen.

DUS Drehganguhren - Kopie 2.pdf
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Beteiligung an den jährlichen Wettbewersprüfungen der Deutschen                                                   Seewarte Hamburg

Ab 1930 fanden an der Deutschen Seewarte Hamburg auch Wettbewerbsprüfungen für Präzisions-Taschenuhren statt. Es ist bekannt, dass die Deutsche Uhrmacherschule Glashütte, Schülerarbeiten mit Sondernummern, zu diesen Prüfungen eingesand hatte. Offen ist allerdings noch, ob es alle 34 Stücke betraf.

Zumindest einige haben bei diesen Prüfungen erste und zweite Preise erzielt.

Grundsätzliches über die Taschenuhrprüfungen an der Deutschen Seewarte
DUZ Nr.12 v.20.03.1937.pdf
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Schreiben des Präsidenten  der Seewarte Hamburg am 15.10.1936 an Studienrat A. Helwig Glashütte.

 

„Von den von Ihnen zum 6. Wettbewerb eingelieferten Uhren steht das Chronometer Tourbillon Nr.29 ( H. Schöneck) mit einer Gütezahl von ?, ?? an erster Stelle. Auch das Chronometer Tourbillon Nr.30 ( H. Oestreich) hat mit der an dritter Stelle stehenden Gütezahl ?,?? eine hervorragende Leistung ergeben. Von den Beiden für die I. Klasse angemeldeten Uhren hat die Uhr Nr.3890 (Karl Geitz)  ein beachtenswertes Ergebnis gebracht. Für die Erreichung der ersten Stelle in der Sonderklasse erkenne ich Ihnen einen Preis von 500,- RM zu. Für die Uhr Geitz der 1. Klasse einen Preis vom 200,- RM. Ich beglückwünsche Sie zu diesem Erfolge. .….“

 

Der Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, stellt den derzeitigen Kenntnisstand dar und wird, wenn neue verifizierbare Erkenntnisse vorliege, entsprechend ergänzt.

Aktualisiert  24.10.2020

Deutsches Uhrenmuseum Glashütte - Das Bild  mit Video hinterlegt
Deutsches Uhrenmuseum Glashütte - Das Bild mit Video hinterlegt

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