Kaliber 61

  • Herstellung: 1.Werkausführung 1946 2. Werkausführung 1947-1951 (Weiterführung durch die GUB bis 1952)
  • Werkdurchmesser: 12 ½''' = 28 mm
  • Werkaufbau: Plattenwerk mit Ober- und Unterplatte sowie einem massiven Zwischenstück.
  • Aufzug: Kupplungsaufzug
  • Hemmung: Ankerhemmung
  • Unruh: Schraubenunruh mit Flachspirale
  • Steine: 7 oder 15
  • Stoßsicherung: keine
  • Reglage: freier Rückerzeiger 
  • Sekunde: dezentral bei 6
  • Stückzahl: ca. 300 (in der 1.Werkausführung)
  • Besonderheiten: Nur etwa die ersten 50 Werke haben die Gravur "Urofa 61 Wiederaufbau 1. Serie". Die Sperrklinkenfeder liegt außen an der Platine.

 

Bestimmung des Kalibers 61, hier die 7-steinige Werkausführung

Das abgenommene Sperrrad erleichtert durch den freien Blick auf das mittlere, zur denontage des federhauses geschlitzte Zwischenstück in Verbindung mit der einfachen Sperrklinke sowie der außenliegenden Sperrklinkenfeder die eindeutige Bestimmung des Werkkalibers Precis 61. Der mit einer Schraube und zwei Passstiften befestigte Unruhkloben und die zwischen Unruhkloben und werkseitiger Oberplatte befindliche Gewindebohrung für eine Werkhalteschraube sind weitere Kennzeichen. Bei eingesetzter Werkhalteschraube werden sowohl Gehäuse, Unruhkloben als auch die einer Dreiviertelplatine nachempfundene obere Werkplatte und das Zwischenstück fixiert.

Ist das Zwischenstück nicht geschlitzt, handelt es sich schon um eine Weiterentwicklung des Werkkalibers 61.

Das Kaliber 61, 1946 maßgeblich von Helmut Klemmer entwickelt, ist die erste Nachkriegskonstruktion eines Herrenarmbanduhrwerkes der Glashütter Uhrenindustrie. Durch die durch Reparationsleistungen  an die Sowjetunion bedingte Demontage der kompletten Werksanlagen und Materialbestände der Urofa und Ufag entstand das Werk unter schwierigsten Bedingungen. So wurden die Basisversion bis April 1946 z.B. mit von der Firma Gössel geborgten Maschinen für die Fräs- und Plandreharbeiten gefertigt, da die dafür nötigen eigenen Spezialmaschinen und Werkzeuge, bedingt durch die Demontage, noch nicht wieder zur Verfügung standen.

Aufgrund der kurzen Entwicklungszeit, der schon Ende 1946 erfolgten Produktionseinführung, der Kaliberbezeichnung, sowie der weitestgehenden konstruktiven Übereinstimmung mit dem Kaliber 60 (1951-1960), ist zu vermuten, dass bereits vor 1945 Muster, zumindest aber Unterlagen  eines neuen entwickelten, modernen Armbanduhrwerkes auch schon mit Zentralsekunde, bei der Urofa vorhanden waren und über die Kriegswirren gerettet worden sind. Demzufolge stellt das Kaliber 61 sowie dessen Weiterentwicklung bis zur Einführung des Kaliber 60 nur eine, wie auch von Helmut Klemmer beschrieben, durch die Kriegsfolgen bedingte Zwischenlösung dar.

Im Januar 1946 begannen auf Genossenschaftlicher Basis und dem neuen Namen "Produktionsgemeinschaft Precis Glashütte", die Vorbereitungen der Produktion einer Kleinserie von vermutlich > 1000 Stück. Nur etwa die ersten 50 Uhren dieser Kleinserie wurden auf der Werkoberplatte noch mit "Urofa 61 Wiederaufbau 1. Serie" per Hand graviert. Das hier abgebildete Werk, bereits ohne Gravur, hat 7 Steine und einen angedeuteten Streifenschliff.

Dieses Ankerwerk mit Kupplungsaufzug hat einen Durchmesser von 12½ Linien (28 mm) und wurde mit 7 oder mit 15 Steinen, sowie mit unterschiedlicher Oberflächengestaltung, so z.B. auch in der Weiterentwicklung, teilweise mit einem Streifenschliff, ausgeführt. Anker und Schraubenunruh werden in separaten Kloben geführt, die Lagersteine sind eingepresst. Bis auf die Zug- und Spiralfeder wurden alle Teile dieser Uhr in Glashütte hergestellt. Das Federhauses lässt sich zu Reparaturzwecken nach Abnahme des Sperrades und entfernen der Fixierungsscheibe des Federkerns, seitlich herausnehmen.

1. Modellbeispiel von Uhren der ersten Werkausführung

Die ersten dreiteiligen Gehäuse für dieses Kaliber wurden noch von der Glashütter Firma Estler gefertigt. Das Mittelteil bestand aus Messing-Spritzguss, welches dann genau wie der Glasring für die Zifferblattseite, verchromt wurde. Der einfache Druckdeckel bestand aus Edelstahl. Die Bandanstoßbreite betrug 16 mm.

Frühe HAU der Produktionsgemeinschaft Precis Glashütte (GbR)

Diese Herrenarmbanduhr mit dem ersten Nachkriegskaliber der Glashütter Uhrenindustrie, dem Kaliber 61, wurde vermutlich im Jahr 1947 gefertigt. Bei dem 7-steinigen Werk mit Streifenschliff handelt es sich um eine erste, weiterentwickelte Werkausführung der Basisversion des Kaliber 61 aus dem Jahr 1946, was man u.a. am leichtesten am veränderten Gesperr und der Position der unteren Werkhalteschraube zwischen Unruhkloben und oberer Werkplatte erkennen kann. Das für 15 Steine konzipierte Werk wurde bei nicht ausreichender Versorgung mit Lagersteinen mit nur sieben Steinen ausgestattet, wie es bei diesem Modell der Fall ist.

Mehr zur Historie der 1946 gebildeten Nachfolgefirma der früheren Aktiengesellschaften UROFA und  UFAG, der Glashütter Produktionsgemeinschaft Precis GbR, finden Sie >> hier <<.

 

Interessante Einzelheiten zu den konstruktiven Veränderungen dieses ersten Nachkriegskalibers finden Sie >> hier <<  .

Der Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, stellt den derzeitigen Kenntnisstand dar und wird, wenn neue verifizierbare Erkenntnisse vorliegen, entsprechend ergänzt.

Literatur

  • Die Entwicklung der Glashütter Uhrenindustrie Teil 9; Autoren: Ing. Helmut Klemmer, Edit Klemmer; Fachzeitschrift: Uhren und Schmuck 3/1980 S. 90
  • Glashütter Armbanduhren II; Autor: Kurt Herkner; Herkner Verlags GmbH; ISBN 3-924211-06-X
  • Uhrwerke und Armbanduhren der Urofa und Ufag Glashütte/Sa.; Autor: Werner Heinrich; Fachzeitschrift: Klassik Uhren 6/2008 S. 38-44
  • Lexikon der Deutschen Uhrenindustrie 1850 - 1980 : Firmenadressen, Fertigungsprogramm, Firmenzeichen, Markennamen, Firmengeschichten; Autor: Hans Heinrich Schmid; Herausgeber: Förderkreis Lebendiges Uhrenindustriemuseum e.V.; ISBN 3927987913 
  • Sächsisches Staatsarchiv; Hauptstaatsarchiv Dresden Archivstraße 14; 01097 Dresden
  • Schreiben der Dresdener Filiale der Deutschen Notenbank der DDR an die Berliner Zentrale vom 12.08.1950 zum Stand der Sicherheiten der an die UROFA & UFAG ausgereichten Kredite im Juni 1950
  • Schreiben von Hans Lochmann in Namen der UROFA und UFAG zur beantragten Bürgschaft über 300.000 Mark Wiederaufbaukredit bei der Sächsischen Landesbank vom 30.08.1946
  • Anschreiben des Betriebsleiters von Precis, Hans Lochmann an die Landesverwaltung Sachsen Abt. Wirtschaft und Arbeit vom 18.04.1946 Betr. Reparationsauftrag K-50/64002 vom 02. Februar 1946 unter Bezugname auf das Angebot von Precis vom 21.01.1946
  • Helmut und Edith Klemmer; Die Entwicklung der Glashütter Uhrenindustrie Teil 9 Fachzeitschrift Uhren und Schmuck 1980 Nr. 3 S. 90-91

Aktualisiert 27.06.2017

Deutsches Uhrenmuseum Glashütte - Das Bild  mit Video hinterlegt
Deutsches Uhrenmuseum Glashütte - Das Bild mit Video hinterlegt

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