Otto Lindig 1854 - 1922 Feinmechanische Werkstatt

ab 1922 "LIWOS" -

Otto Lindig Nachf. C. H. Wolf & Söhne - Fabrik für Präzisions-Mechanik

Gegründet wurde die Firma 1854 von Otto Lindig in Glashütte i. Sa. im Rahmen des von Ferdinand Adolph Lange in Glashütte eingeführten Verlagssystems. Anfangs wurden vorrangig Räder und Triebe für die in Glashütte ansässigen Uhrenfabriken von Lange, Schneider, Aßmann und Großman gefertigt.

Erste Firmenwerbung in der zweiten Ausgabe, im ersten Jahrgang  des Allgemeinen  Journal der Uhrmacherkunst [1]
Erste Firmenwerbung in der zweiten Ausgabe, im ersten Jahrgang des Allgemeinen Journal der Uhrmacherkunst [1]

1859, nach einer vierjährigen Lehrzeit bei dem Feinmechaniker G. Schneider, dem Bruder des Glashütter Uhrenfabrikanten Adolf Schneider, nimmt Ernst Wilhelm Kreißig, der später weit über die Grenzen Deutschlands bekannte Fabrikant von Werkzeugmaschinen für Uhrmacher, bei der Firma "Otto Lindig" eine achtjährige Beschäftigung auf. 1868 macht sich W. Kreißig dann mit einer eigenen Firma sebständig. [2]

Angebotsliste mit Preisen aus dem Jahr 1878
Lindig Preisliste 1878.pdf
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1879 besuchte eine Gruppe von Uhrmachergehilfen, organisiert von dem Dresdener Uhrmachergehilfen-Verein, eine Reihe von Glashütter Fabrikationsstätten der Uhren- und Feinmechanischen Industrie. Der im Allgemeinen Journal der Uhrmacherkunst dazu veröffentlichte Bericht hat bezüglich der Firma "Otto Lindig" nachfolgenden Inhalt.

Quelle:[3]
Quelle:[3]

Zwischen den Firmen von Moritz Großmann und Otto Lindig hatte es offensichtlich eine enge Beziehung gegeben. Moritz Großmann verweist in seinem in der Deutschen Uhrmacher-Zeitung 1878 veröffentlichten Beitrag „Die Anfertigung einer guten Pendeluhr mit Secundelpendel“, extra darauf, dass die Firma „Otto Lindig“, auf seine Anregung hin, es übernommen hatte, „von den Rädern, Trieben, eingeschnittenen Walzen, Pfeilern, Schrauben, Kloben, Flaschenzügen, Gewichten etc. regelmäßiges Lager zu sofortiger Abgabe vorräthig zu halten“. Gänge, Gabeln, Steinlöcher, gefasst oder ungefasst, konnte man weiterhin von der Firma „Moritz Grossmann“ beziehen. [4]

Firma Otto Lindig, Mechaniker und Triebfabrikant, Glashütte / (i.Sa.)

  • Preis-Liste über Einzeltheile zu Pendeluhren.
  • Preis-Liste über Gangmodelle und Einzeltheile derselben.
  • Fertige Werke mit Zifferblatt 25cm Durchmesser und Gewicht, jedoch ohne Pendel Und ohne Gehäuse.
Moritz Großmann, Notizkalender für Uhrmacher 1883 Anzeigeteil
Moritz Großmann, Notizkalender für Uhrmacher 1883 Anzeigeteil
Einzelteil-Preisliste der PPU-Teile von 1879 [5]
1879 Preise für PPU Teilev. Lindig & Gr
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Im Verlauf der Jahre befaßte sich die Firma als "Werkstätte für Feinmechanik" auch mit der Herstellung von Uhr- und Laufwerken, Zubehörteilen und mechanischen Artikeln.

Allgemeines Journal der Uhrmacherkunst Nr.19 vom 01. Okt. 1891 1. Beilage S.328
Allgemeines Journal der Uhrmacherkunst Nr.19 vom 01. Okt. 1891 1. Beilage S.328

1893 - Korrospondenz mit der Schweizer Firma Krauss & Cornaz,

in La Chaux de Fonds

Nach dem Tode des Gründers wurde das Geschäft von dessen Sohn Alfred weitergeführt und nach und nach zu einem feinmechanischen Fabrikationsunternehmen ausgebaut. Ein Hauptartikel der Firma war eine Zeitlang die Lieferung von Drehwerken für automatische Restaurants. Am Ort selbst wurde neben der Fabrikation eine Werkzeug-, Fournituren- und Materialhandlung  betrieben.

Firmenwerbung 1908 [11]
Firmenwerbung 1908 [11]

Werbung im Uhrmacherkalender von Moritz Großmann 1883

Die bisher verifizierbare Produktpalette der Firma „Otto Lindig“

 

  • Rädern, Triebe, eingeschnittenen Walzen, Pfeilern, Schrauben, Kloben, Flaschenzüge, Gewichte. [4 u.5]
  • „… Vernickeltes Zinkrohr zu Grossman’schen Compensationspendeln, sowie überhaupt sämtliche Einzeltheile zu Grossmann’s Pendeluhr… .“ [6]
  • Rohteile zu verschiedenen Gangmodellen. [7]
  • Chronometer-Modelle [8]
  • Rohwerke zu einer Normaluhr mit exzentrischem Stunden- und Sekundenzeiger. [9]
  • „… Gangmodelle, Papierlauf –Geschwindigkeitsmesser und dergleichen … .“ [10]

Präzisionspendeluhr  Otto Lindig 1887

Monatsläufer mit Zentralsekunde und Grossmannschen Pendel

Handelszeitung für die gesamte Uhrenindustrie Nr.24 vom 15.Dez.1897 S.11
Handelszeitung für die gesamte Uhrenindustrie Nr.24 vom 15.Dez.1897 S.11
Leipziger Uhrmacher-Zeitung Nr.04 vom 15. Febr.1905 S.60
Leipziger Uhrmacher-Zeitung Nr.04 vom 15. Febr.1905 S.60

1922 - Verkauf der Firma Otto Lindig

Im hohen Alter von 77 Jahren, erwarb der Gründer der Firma, C. H. Wolff, in Gemeinschaft mit seinen beiden Söhnen die 1854 gegründete Fabrik für Fein­mechanik von Otto Lindig, die dann unter der Firma „Liwos", Otto Lindig Nachfl. C. H. Wolf und Söhne, weitergeführt wurde.

"Saxonia" Nr.24 Anzeige 1925
"Saxonia" Nr.24 Anzeige 1925
Werbung in der Deutschen Uhrmacher-Zeitung 1928
Werbung in der Deutschen Uhrmacher-Zeitung 1928

Die seit dem Jahre 1855 bestehende Fabrik für Feinmechanik

O t t o L i n d i g in Glashütte i. Sa. hat ihren Besitzer gewechselt. Sie wird unter der abgeänderten, handelsgerichtlich eingetragenen Firma „L i w o s" O t t o L i n d i g N a c h f. C. H. W o l f & S ö h n e weitergeführt. Gesellschafter der neuen Firma sind: Carl Heinrich Wolf, Gründer der Firma C. H. Wolf in Glashütte: C. H. Ottomar Wolf, Ingenieur in Oberkirch (Baden) und Heinrich Georg Wolf, bis 1912 alleiniger Inhaber und Leiter der Glashütter Firma C. H. Wolf. Der Betrieb soll durch neue Maschinen und Einrichtungen vervollkommnet und erweitert werden. [13]

Werbeanzeige 1930
Werbeanzeige 1930

1942

Quelle: Deutsche Uhrmacher-Zeitung Nr.39/40 vom 26. Sept. 1942 S.194
Quelle: Deutsche Uhrmacher-Zeitung Nr.39/40 vom 26. Sept. 1942 S.194

1943 

Beleg eines Schriftverkehrs vom 06. Februar 1943, der in die Kriegswirtschaft eingebundenen Firma "Liwos" mit der Ernst Heinkel Flugzeugwerke A.G  in Mielec  im damaligen Generalgouvernement.

1946

Nach dem 1946 in Sachsen durchgeführten Volksentscheid war die Firma "LIWOS", wegen ihrer Beteiligung in der Kriegsproduktion, zu enteignen und in Volkseigentum zu überführen. Die beweglichen Güter der nach ende des zweiten Weltkrieges unter Treuhand stehenden Firma wurden als Reparationsleistung von der Siegermacht Sowjetunion demontiert.

1951 gehörte die Firma Liwos zu den Betrieben der Glashütter Uhren- und Feinmechanischen Industrie, die in den VEB Glashütter Uhrenbetriebe (GUB) integiert wurden.

Der Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, stellt den derzeitigen Kenntnisstand dar und wird, wenn neue verifizierbare Erkenntnisse vorliegen, entsprechend ergänzt.

Literatur:

  • [1] Allgemeines Journal der Uhrmacherkunst Nr. 2 v.15. Jan. 1876 S. 14
  • [2] Allgemeines Journal der Uhrmacherkunst Nr.17 v. 1. Sept. 1904 S. 236
  • [3]Allgemeines Journal der Uhrmacherkunst Nr. 46 v.15. Nov. 1879 S. 365
  • [4] Deutsche Uhrmacher-Zeitung Nr. 6 v. 16. März 1878 S. 42
  • [5] Deutsche Uhrmacher-Zeitung Nr. 5 v. 1. März 1879 S. 45
  • [6] Deutsche Uhrmacher-Zeitung Nr. 12 v. 15. Juni 1885 S. 91
  • [7] Deutsche Uhrmacher-Zeitung Nr. 6 v. 15. März 1890 S. 46
  • [8] Deutsche Uhrmacher-Zeitung Nr. 2 v. 15. Jan. 1891 S.15
  • [9] Deutsche Uhrmacher-Zeitung Nr. 3 v. 1. Febr. 1896 S. 49
  • [10] Deutsche Uhrmacher-Zeitung Nr. 21 v. 1. Nov. 1906 S. 333
  • [11] Saxonia Heft 5 1908 Werbeanzeige
  • [12] Deutsche Uhrmacher-Zeitung 1922 Nr. 28/29 S. 382
  • [13] Deutsche Uhrmacher-Zeitung 1929 Nr. 36 S. 673


Aktualisiert 26.03.2017

Deutsches Uhrenmuseum Glashütte - Das Bild  mit Video hinterlegt
Deutsches Uhrenmuseum Glashütte - Das Bild mit Video hinterlegt

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