GUB Kaliber 64 Armbanduhrstopper/ Schaltradchronograph

  • Herstellungsjahr: 1954 - 1961
  • Werkdurchmesser: 12 ''' = 28 mm
  • Werkhöhe: 5,4 mm
  • Werkaufbau: Platinenwerk mit Grundplatte, Federhausbrücke, Räderwerkbrücke, Ankerkloben, Unruhkloben, Minutenzähler, Stoppvorrichtung, Fly-Back-Funktion
  • Aufzug: Kupplungsaufzug mit 5-Loch Winkelhebelfeder
  • Hemmung: Schweizer Palettenankerhemmung mit poliertem Stahlanker und Stahlankerrad selbstkompensierende Spirale (Nivarox)
  • Laufzeit: 36 Stunden.
  • Unruh: Monometallische Schraubenunruh mit 16 Gewichtsschrauben und Flachspirale
  • Steine: 17
  • Stoßsicherung: ohne und mit Incabloc Stoßsicherung
  • Reglage: Freier Rückerzeiger
  • Sekunde: Dezentrale Sekunde
  • Stückzahl: ca. 12.500
  • Preis:Je nach Ausführung um die 450,- M
  • Besonderheiten: Im Wesentlichen baugleiche aber verkleinerte Variante des Tutima Fliegerchronographen Urofa 59, aber keine Militäruhr! Ausschließlich für ziviele Zwecke produziert.

Modellvarianten des 1956er GUB Werbekataloges

Original erhaltener früher GUB Armbandstopper Kaliber 64 Nr. 10894

Gebrauchsanweisung für Armbanduhrstopper (Chronographen)
1.Messen eines bestimmten Zeitabschnittes
2.Messen mehrerer Zeitabschnitte hintereinander
3.Messen von Geschwindigkeiten
Gebrauchsanweisung GUB 64.pdf
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Erläuterungen zum GUB Armbanduhrstopper Chronograph Kal. 64

Das Kaliber 64 ist von den GUB 1954 mit Stoßsicherung konzipiert worden, kam aber zu Beginn der Fertigung zu einem geringen Teil auch noch ohne Stoßsicherung in den Handel. Da die DDR keine entsprechenden Chronographengehäuse herstellte, wurden französische Gehäuse aus der „Uhrenhochbburg“ Besançon, nach bisherigen Erkenntnissen von der Firma Lipp bzw. Le Belier, eingeführt. Nach 1956 kam zumindest noch eine Plaqué-Gehäuse-variante zu den bisherigen Gehäusevarianten hinzu. Auch neue Zifferblättern mit weißen und schwarzen Untergrund sowie einen durch Indizes unterbrochenen Stundenkranz wurden verwendet. Auch die unterschiedlichen Zeigervarianten charakterisieren die verschiedenen Ausführungsformen. Die Chronogaphen die nach 1956/57 gefertigt wurden, hatten werkseitig eine Incabloc Stoßsicherung. Alles in allem macht das hinsichtlich der Gehäuse- und Zifferblattvarianten eine recht breite Modellpalette unterschiedlicher Chronographen des Kaliber 64, möglich.

Auf die Ausstattung mit importierten Incabloc-Stoßsicherungen (Bild links) musste zurückgegriffen werden, weil es in der DDR vor 1962 keine eigene Produktion von Stoßsicherungen gab. Erst im Rahmen der Politik der "Störfreimachung" war auch die GUB dazu angehalten Importe aus NSW Ländern durch eigenentwicklungen abzulösen, was dann, allerdings erst nach der Einstellung der Produktion des Kaliber 64, zur Entwicklung und Fertigung einer eigenen GUB Stoßsicherung (Bild rechts) führte.

Vier Gehäusevarianten des GUB Armbanduhrstoppers

Im Einzelnen handelt es sich dabei um zwei verschiedene Gehäusegrößen von 35 bzw. 37 mm Durchmesser in fünf verschiedenen 2-teiligen Gehäusevarianten mit Edelstahlschraub-deckel.

 

Ausführungsvarianten des GUB  Armband-Chronographen Kaliber 64 
Gehäuse Durchm.
Drücker Zifferblatt ZB Farbe Stoßsicherung
Plaqué 37 mm klein Stundenzahlen weiß mit & ohne
Plaqué 37 mm klein Stundenzahlen schwarz mit & ohne
Chrom 37 mm klein Stundenzahlen schwarz mit & ohne
Plaqué 35 mm groß Stundenzahlen weiß mit & ohne
Plaqué 35 mm groß Stundenzahlen schwarz mit & ohne
Chrom 35 mm groß Stundenzahlen schwarz mit & ohne
Plaqué 37 mm klein Zahlen & Indizes weiß
mit
Plaqué 37 mm klein Zahlen & Indizes schwarz mit
Chrom 37 mm klein Zahlen & Indizes schwarz mit
Plaqué 35 mm groß Zahlen & Indizes weiß mit
Plaqué 35 mm groß Zahlen & Indizes schwarz mit
2. Plaqué 35 mm groß Zahlen & Indizes weiß mit

Während es drei verschiedene mit 20 Micron Plaqué vergoldete Gehäuse gibt, gibt es nur zwei verchromte Gehäusevariante mit 35 mm und 37 mm Durchmesser.

Der Grundkörper der Gehäuse besteht bei allen Modellen aus Messing.

 

Das Plaqué vergoldete Gehäuse mit 35 mm Durchmesser und den glatt ins Gehäuse verlaufenden Bandanstößen ist die am häufigsten und das verchromte, die am wenigsten verwendete Gehäusevariante. Das an den Bandanstößen abgesetzte Plaqué-Gehäuse wird etwa erst ab Werknummer 17.000 verwendet.

Die Drückervarianten des Schaltradchronographen

 

Bei den Drückern gibt es zwei verschiedene Systeme. Bei einer Variante sind sie im Gehäuse verschraubt, bei einer zweiten Variante ins Gehäuse gepresst. Optisches Unterscheidungsmerkmal ist ihre unterschiedliche Größe. Die Drückerkappen der kleineren Variante haben nur einen Durch-messer von 2,5 mm. Diese eingepresste Drückervariante befindet sich nach bisherigen Erkenntnissen nur in den größeren Gehäusen mit einem Durch-messer von 37 mm. Erkennen kann man diese Gehäuse äußerlich auch noch an ihren längeren Bandanstößen. Wie aus dem GUB-Katalog ersichtlich, ist auch die Form der Aufzugskronen bei den gößeren Gehäusen, gegenüber den der Kleineren, unterschiedlich.

Varianten des Werkhalteringes

Werkseitig musste außerdem auch ein größerer Werkhaltering verwendet werden. Die Bandanstoßbreite beträgt bei allen Gehäusevarianten 18 mm.

 

Werke und Gehäuse haben eingeprägte Nummern, die aber nur insofern in einem Zusammenhang miteinander stehen, als das sie in den zur Uhr gehörenden Garantieschein separat ausgewiesen wurden, wobei von der Werknummer teilweise nur die letzten beiden Ziffern im Schein ausgewiesen wurden. Eine Übereinstimmung von Werk- und Gehäusenummer hat es nicht gegeben. Eine Garantie, dass Werk und Gehäuse im Original zusammengehören, hat man also nur, wenn Papiere zur Uhr vorhanden sind und die entsprechenden Nummern übereinstimmen.

 

Ein geringer Teil dieser Schaltradchronographen wurde anfänglich noch ohne Stoßsicherung gefertigt.

Zifferblattvarianten für den GUB Schaltradchronographen Kal. 64

Die Zifferblätter dieser frühen Ausführungen, es gibt sie mit schwarzen und weißen Zifferblattgrund, haben arabische Ziffern von 1 bis 12 und keinen Aufdruck „Stoßgesichert“. Nach bisherigen Erkenntnissen sind sie in den großen Gehäusen mit den langen Bandanstößen verbaut worden.

 

Die Leuchtmasse der Ziffern, Indizes, Stundenleuchtpunkte und die damit ausgekleideten Stunden- und Minutenzeiger dürfte in der Fertigungszeit in den 1950er Jahren noch radiumhaltig gewesen sein. Eine diesbezügliche Diskussion in der Fachpresse über eine eventuelle Gesundheitsgefährdung bei der Arbeit mit diesen Farben ist zumindest ein deutliches Indiz dafür.

 

 

Belege für die zivile Nutzung des Schaltradchronographen Kal. 64

Als ein Beleg dafür, dass dieser Chronograph nicht zur militärischen Nutzung vorgesehen war und bei der NVA auch nicht zum Einsatz kam, dient das zivile Ersatzteilverzeichnis der GUB von 1967 sowie die GUB Erzeugnsnomenklaturen 1977-1987.

Bei einer militärischen Nutzung hätte es schon aus Sicherheits- und Geheimhaltungsgründen keine Ersatzteilbeschaffung im zivilen Sektor gegeben. Weitere Belege sind die offizielle Bezeichnung als Armbanduhrstopper (Chronograph), die gedruckten Werbematerialien für die Leipziger Messe und den Großhandel in der DDR und der Export in das sozialistische Ausland (RGW), wo der Chronograph frei im Einzelhandel erhältlich war.

 

Damit dürfte die in der Vergangenheit fälschlicher weise publizierte Bezeichnung der Uhr als Fliegerchronograph und die damit verbundene Assoziation einer militärischen Nutzung durch die NVA verifizierbar widerlegt sein.

 

Bei diesem 12½ linigen Schaltradchronographen des VEB Glashütter Uhrenbetriebe aus den 1950er Jahren handelt es sich um die funktionsgleiche Verkleinerung und zivile Variante des Tutima Fliegerchronographen der Uhrenfabrik AG Glashütte mit dem 15-linigen Werkkaliber 59 der Uhren Rohwerkefabrik AG Glashütte aus der ersten Hälfte der 1940er Jahre. Dieser Schaltradchronograph Kaliber 64 mit der Werknummer 15316 wurde in ein Plaque vergoldetes Messinggehäuse eingeschalt, welches vermutlich nicht aus der Serienproduktion stammt. Bei der Uhr handelt es sich um die Uhr des langjährigen, ehemaligen und 2011 verstorbenen GUB Betriebsdirektors Siegfried Bellmann.

Armbanduhrstopper (Schaltradchronograph) GUB Kaliber 64

Dieser im Originalzustand erhaltene Schaltradchronograph der Glashütter Uhrenbetriebe mit Schweizer Ankergang, Kupplungsaufzug 17 Steinen und Fly-Back-Funktion wurde in einem aus Frankreich importierten Messinggehäuse mit einem Durchmesser von 35 mm eingeschalt. Das Werk ist die im Wesentlichen baugleiche, auf 28 mm verkleinerte Ausführung des von der UROFA und UFAG von 1941-1945 als Kriegsproduktion gefertigten Tutima Fliegerchronographen Kaliber 59. Im Gegensatz zu diesem wurde das GUB Kaliber 64 nachweislich ausschließlich für den zivilen Gebrauch entwickelt und von 1954-1961 gefertigt. Bekannt sind neben den beiden Werkausführungen mit und ohne Stoßsicherung insgesamt fünf Gehäusevarianten mit 35 bzw. 37 mm Durchmesser und zwei unterschiedlichen Drückergarnituren. Die Messinggehäuse sind verchromt oder mit 20 Mikron Plaqué vergoldet. Acht Zifferblattvarianten mit drei verschiedenen Zeigersätzen vervollständigen das Ausstattungsrepertoire.

Im guten Originalzustand erhaltener GUB Schaltradchronograph Kal. 64

Mit der Werknummer 17957 handelt es sich bei diesem Schaltrad-Chronographen aus der Fertigung des VEB Glashütter Uhrenbetriebe um ein relativ spätes Exemplar um 1958. Nur noch sehr selten findet man das weiße Originalzifferblatt in diesem noch relativ guten Zustand. Da das GUB Kaliber 64 eine Verkleinerung des Schaltrad-Chronographenwerkes der UROFA Kaliber 59 darstellt, welches von der UFAG und weiteren Remontagewerkstätten von 1941 bis 1945 gefertigt worden war, stellt es keine Neuentwicklung dar. Die Verkleinerung des Werkes auf 28mm bedeutete einen erhöhten Fertigungsaufwand und brachte auch hinsichtlich der Qualitätssicherung nicht unerhebliche Probleme mit sich. Entgegen früherer Veröffentlichungen (z.B. K. Herkner; Glashütter Armbanduhren S.167) wurde dieser GUB Armbanduhrstopper nachweislich weder für militärische Zwecke konzipiert noch von den bewaffneten Organen der DDR dafür zum Einsatz gebracht.

Mehr zur Historie dieses Glashütter Werkkalibers bis 1945 finden Sie

>>  hier <<


 

Der Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, stellt den derzeitigen Kenntnisstand dar und wird, wenn neue verifizierbare Erkenntnisse vorliegen, entsprechend ergänzt.

 

Literatur:

 

  • Vom Reitstock zur automatischen Straße; Autor: Helmut Klemmer ; Fachzeitschrift: Uhren und Schmuck 11/1970
  • Mechanische Armbanduhren aus Glashütte 1950 - 1980; Autor: Werner Heinrich; Callwey Verlag; ISBN 3766717197  
  • Glashütter Armbanduhren II; Autor: Kurt Herkner; Herkner Verlags GmbH; ISBN 3-924211-06-X
  • Ersatzteilverzeichnis der GUB von 1964
  • GUB Werbekatalog 1956

 

Aktualisiert 28.03.2017

Deutsches Uhrenmuseum Glashütte - Das Bild  mit Video hinterlegt
Deutsches Uhrenmuseum Glashütte - Das Bild mit Video hinterlegt

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