UROFA (Uhren Rohwerkefabrik Glashütte AG)

Bestandteile des Produktionsprozesses der Rohwerkefabrik

Literatur: Helmut Klemmer; Fachzeitschrift Uhren und Schmuck 1/1980
Literatur: Helmut Klemmer; Fachzeitschrift Uhren und Schmuck 1/1980

Was ist bis 1945 eine echte Glashütter Armbanduhr?

Da ein Glashütter Rohwerk aus der UROFA noch keine Glashütter Uhr ist, wird klar, dass eine echte Glashütter Armbanduhr nur eine sein kann, deren Vollendung auch in einer Glashütter Uhrenfabrik erfolgt ist.

Von der Gesamtfertigung an Rohwerke der UROFA (1928-1945) wurden neben einem sehr geringen Anteil, der an die Firma A. Lange & Söhne geliefert worden ist, etwa nur 10% von der Uhrenfabrik AG Glashütte i/Sa. (UFAG) vollendet. Die Uhren aus dieser Fertigung wurden mit der Firmenkennung "Uhrenfabrik AG Glashütte i/Sa." in bzw. auf  den Gehäuseböden und den Signaturen "Glashütte Original" für die Zylinderwerke und "G" bzw. "Tutima" für die Ankeruhren auf den Zifferblättern eindeutig gekennzeichnet hat.

Uhren die keine solche Kennzeichnung auf Zifferblatt und Gehäuse aufweisen, wurden von einer Vielzahl von auswärtigen Uhrenfabriken mit von der UROFA zugekauften Rohwerken ausgestattet, und sind insofern, entsprechend der Glashütteregel, nicht als Glashütter Uhren, sondern als Uhren der "Firma ......." mit einem Glashütter Werk "Kaliber ..."  zu bezeichnen.

Die Herausarbeitung einer solchen, eindeutigen Definition dürfte vor allem für Sammler Glashütte Armbanduhren bis 1945 bei der Ein- und Zuordnung ihrer Exponate in die jeweilige Sammlung von Interesse sein.

Erforderliche Berichtigung in der Kalibersystematik der UROFA & UFAG

Neue Erkenntnisse in Bezug auf die von der UROFA gefertigten Taschen- und Armbanduhrkaliber machen eine Veränderung in der bisher bekannten und auf das Fachbuch von Kurt Herkner "Glashütter Armbanduhren Teil II" zurückzuführenden Kalibersystematik der UROFA erforderlich. Die Tatsache, dass von der UROFA ab 1926 nach neueren Erkenntnissen zumindest vier der insgesamt fünf gefertigten Taschenuhrkaliber, die durch die UFAG vollendet wurden, nicht von der UROFA entwickelt worden sind, erfordert hinsichtlich der Benennung der Werkkaliber eine entsprechende Veränderung. Auch die bisher als UNUS und UROFA 19 bezeichneten Kaliber waren keine Entwicklung der UROFA. Das mit UNUS bezeichnete 18-linige Werkkaliber wurde von der Firma Buser gefertigt und zwei Brückenwerke stammen nach bisherigen Erkenntnissen von der im Schweizer Biel ansässigen Uhrenfabrik Emile Judtith, die laut Helmut Klemmer, samt Maschinenpark und Halbfabrikaten von der UROFA 1926/27 aufgekauft wurde. Auch der ehemalige Firmeninhaber Emile Judtith fand als 1. technischer Leiter bis zu seiner Entlassung 1928 bei der UROFA eine Anstellung. Das ebenfalls gefertigte 43-linige Taschenuhrkaliber „Deutsche Präzisionsuhr Original Glashütte“ wurde bereits 1921 von der Deutschen Präzisions-Uhrenfabrik Glashütte e.G.m.b.H. mit sogenanntem Müller-Anker entwickelt.

Bei den Armbanduhrkalibern macht es sich erforderlich, das bisher als eigenständiges Herrenarmbanduhrkaliber 55.1 geführte 10½-linige Werk in das einzige 10½-linige Werkkaliber 55 zu integrieren. Da die Werke der UROFA bereits ab Kaliber 521 mit der entsprechenden Kalibernummer geprägt wurden, es keinen verifizierbaren Beleg für ein Kaliber 55.1 gibt und auch in den Werksuchern Jacob und Flume dieses Kaliber nicht auftaucht, ist davon auszugehen, dass die veränderte Räderwerkbrücke bei dem bisher als Kaliber 55.1 geführten Kaliber von der UROFA lediglich als eine Modifikation des Werkkalibers 55 behandelt wurde, die keine eigenständige Kaliberbezeichnung rechtfertigt. Die Platinen dieser Werke mit der geschlossenen Räderwerkbrücke wuden ebenfalls mit der Kaliberbezeichnung 55 geprägt. Dieser Praxis bediente sich die UROFA schon bei vorherigen Kalibern, wo zum Teil auch auf Kundenwunsch Veränderungen an Werkbrücken vorgenommen wurden, ohne darin ein eigenständiges Kaliber zu sehen.

Die Übersicht der von der UFAG vollendeten Taschenuhrkaliber finden Sie >> hier <<

Die Armbanduhrkaliber der Urofa 1929 -1945

1.  Kaliber  
51, 51 n. Gg. u. 56        Ø 19,4 mm; Bauhöhe 3,4 mm
2. Kaliber 52, 53, 521 u. 522 Ø 19,4 mm; Bauhöhe 3,3 mm
3. Kaliber 55  Ø 23 mm; Bauhöhe: 4,15 mm
4. Kaliber 54, 541 u. 542 19,25 x 12 mm; Bauhöhe: 3,5 mm
5. Kaliber 58 u. 581 20 x 28 mm; Bauhöhe 4 mm
6. Kaliber 59  Ø 34 mm

Durchschnittliche monatl. Fertigungskapazität der UROFA 1930-1940

1933 erreichte die UROFA durch die Einführung neuer Technologien, wie z.B. dem Einpressverfahren der Funktionssteine, erstmals eine monatliche Fertigung von 25.000 Rohwerken. Diese Größenordnung der Fertigung von Rohwerken von Damen- und Herrenarmbanduhrkalibern wurde, wie aus den Bilanzen der Firma ersichtlich ist, in den Folgejahren nicht wesentlich gesteigert.

Von der gesamten Produktionskapazität wurden ca. 90% an auswärtige, vorwiegend Pforzheimer Uhrenfabriken geliefert. Nur ca. 10% gingen zur Vollendung an die Glashütter "Schwesterfirma" UFAG.

Anteilige Produktion der einzelnen Kaliber

Kaliber Größe in Linien
Art Anteil (durchschnittlich)
51nGg.& 56  8 3/4'''  Damenarmbanduhr  2% 
52 bzw. 522
8 3/4'''
Damenarmbanduhr 20%
54 bzw. 542
5 1/4'''
Damenarmbanduhr 48%
55 10 1/2''' Herrenarmbanduhr 8%
58 bzw.581 9 X 13''' Herrenarmbanduhr 22%
Die Prozentzahlen beziehen sich auf 11 Jahre UFAG Uhrenfertigung

Kriegsproduktion 1941 bis April 1945
59 15''' Fiegerchronograph 100%

Übersicht der Werkkaliber von 1929 bis 1945

Kaliber Linien  Hemmung Herstellungszeitraum

Standard-qualität "G"

Premium-qualität "Tutima"
51 8 ¾''' Zylinder 1928 - 1931

51 n. Gg.

8 ¾'''

Zylinder 1929 - 1932 X  
52

8 ¾'''

Anker 1929 - 1932 X   X
  521

8 ¾'''

Anker 1934 - 1941 X   X
  522

 8 ¾'''

Anker 1934 - 1941 X X
53

8 ¾'''

Anker 1929 - 1934 X  
54

5 ¼'''

Anker 1931 - 1934 X X
  541

5 ¼'''

Anker 1934 X  
  542

5 ¼'''

Anker 1934 - 1941 X X
55 10 ½’’’

 

Anker 1931 - 1940 X X
56

8 ¾'''

Zylinder 1932 - 1938 X  
58 9 x 13 Anker 1935 - 1938 X X
  581 9 x 13 Anker 1939 - 1941 X X
59 15''' Anker 1941 - 1945   X

Die Differenzierung in G- und Tutima Uhren hat Ihren Ursprung in der Produktion zweier unterschiedlicher Qualitätsstufen in der Rohwerkefertigung der Urofa, dem Uhrenbau der Ufag und neu zu entwickelnden Vermarktungsstrategien.

Während die G-Uhr eine preiswertere Qualitätsuhr darstellte, wurden, wie aus den Kaliberbeschreibungen zu ersehen ist, die gleichen Werke für die gehobene Ausführung optisch und materialmäßig aufgerüstet. Tutima Werke wurden nicht an auswärtige Kunden (außerhalb Glashütte) geliefert.

Der Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, stellt den derzeitigen Kenntnisstand dar und wird, wenn neue verifizierbare Erkenntnisse vorliegen, entsprechend ergänzt.

Literatur:

  • „Die Entwicklung der Glashütter Uhrenindustrie“  Autor Ing. Helmut Klemmer u. Edith Klemmer Fachzeitschrift: Uhren und Schmuck 1/1979 bis 4/1980 
  • Glashütter Armbanduhren II; Autor: Kurt Herkner; Herkner Verlags GmbH; ISBN 3-924211-06-X
  • Urofa Werbeprospekte 1935; 1937

Aktualisiert 25.07.2017

Deutsches Uhrenmuseum Glashütte - Das Bild  mit Video hinterlegt
Deutsches Uhrenmuseum Glashütte - Das Bild mit Video hinterlegt

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