Anmerkungen zu dem nicht existenten Werkkaliber Urofa 53

Helmut Klemmer 1980
Helmut Klemmer 1980

Die erstmalige Erwähnung eines vermeintlichen UROFA Kalibers 53 erfolgte in der Fachzeitschrift Uhren und Schmuck Nr. 7 von 1970 durch Helmut Klemmer, der 1929, zum Zeitpunkt der Entwicklung des ersten Ankerwerkes Kaliber 52 der UROFA, zwar bei der UROFA beschäftigt, aber nicht an der Entwicklung des Werkes beteiligt war. In seinem Beitrag „Vom Reitstock zur automatischen Straße“ wurde die Entwicklung der Armbanduhrkaliber der UROFA nur verkürzt, unvollständig und nicht in der korrekten zeitlichen Abfolge wiedergegeben. So beschreibt Helmut Klemmer zum Beispiel eine durchgängige Fertigung das Kaliber 52 von 1929 bis 1945. Der damalige Vorstand der UROFA und UFAG Dr. Ernst Kurtz aber informiert 1939 in seinem Bericht an den Aufsichtsrat über die komplette Einstellung der zivilen Armbanduhrfertigung, zugunsten der Entwicklung eines Fliegerchronographen Kal. 59 für den Kriegseinsatz. Auch erwähnt Helmut Klemmer nicht die nachweislich nach 1932 existenten zifferblattseitigen Prägungen 521 und 522 auf den Grundplatinen der weiterentwickelten, runden 8 ¾'''  Werke  der UROFA, mit Winkelhebelfeder und eingepressten Funktionssteinen. Die Fertigungszeit eines Kalibers 53 als Übergangslösung gibt Helmut Klemmer mit 1931 bis 1933 an. Es existieren allerdings keine Werke der UROFA, die eine dementsprechende Prägung aufweisen.

Von der Kalibersystematik sowie der zeitlichen Einordnung  her, wäre ein Kaliber 53 vor den ab 1932 erfolgten Weiterentwicklungen 521 und 522 auch nicht nachvollziehbar.

Kurt Herkner 2008
Kurt Herkner 2008

In dem 1994 erschienenen Buch Glashütter Armbanduhren von Kurt Herkner wurde ebenfalls ein UROFA Kaliber 53 erwähnt.

Unter Bezugnahme auf das 8 ¾  Ankerwerk Kaliber 52, Schreibt Kurt Herkner

 „Kaliber 53, wie vorstehen jedoch mit größeren Hemmungsteilen aus der Eigenfertigung. Ankerraddurchmesser 5,2 mm anstatt 4,95 mm, geringe Änderung an der Werkplatte, Sekundenrad und Doppelrolle (Plateau).

 Produktion:

1929 – 1934 ca. 50 000 Werke.“

 Es ist davon auszugehen, dass sich der Autor bezüglich des Kalibers 53 auf die Ausführungen von Helmut Klemmer in der DDR Fachzeitschrift „Uhren und Schmuck„ aus dem Jahr 1980 bezogen hat. Für die aufgestellten Behauptungen wurden vom Autor allerdings keinerlei verifizierbare Belege erbracht.

Dr. Ernst Kurtz 1986
Dr. Ernst Kurtz 1986

Dr. Ernst Kurtz, der von 1926 bis 1945 Vorstand der UFAG Und UROFA war, äußerte sich in seinen persönlichen Aufzeichnungen zur Entwicklung des ersten Glashütter Armbanduhrkalibers mit Ankergang, wie folgt:

 „… Durch diese Entwicklung wurde die Herausbringung eines Ankerkalibers durch die Urofa in den Vordergrund des Interesses gerückt. Dieses Kaliber war schon  im Jahre 1928 von Herrn Kulms entwickelt worden. Es handelte sich um die Grösse 8 ¾ ‚‘‘. Dieses 8 ¾ ‚‘ Anker Kaliber wurde im Sommer 1929 fertig gestellt. Regulär lief es im Herbst 1929. Im Jahr 1930 machte sich eine tiefgreifende Änderung des 8 ¾ ‘‘ Anker Kalibers erforderlich. Die Urofa hatte damals noch keine eigene Gangfabrikation. Die Gänge mussten aus der Schweiz bezogen werden. Die Preise der Schweizer Gangfabriken sind so gestaffelt, dass der Preis sich progressiv erhöht, je kleiner die Abmessungen des Ganges sind. Es ergeben sich daraus sehr weitgehende Preisunterschiede. Von Herrn Kulms war das 8 ¾ ‘‘ Anker Kaliber so entwickelt, dass es einen ziemlich kleinen Gang hatte, so wie es sich aus den Proportionen des Werkes und der anderen Teile ergab. Dieser Standpunkt liess sich aber nicht durchhalten. Der Preisdruck war so gross, dass wir uns entschliessen mussten, das Kaliber so umzugestalten, dass die Verwendung eines größeren Ganges möglich war.

Mit diesem Notbehelf wurde das Kaliber 52  von der Urofa, bis zur Einrichtung einer eigenen Gangfertigung im Jahr 1932, gefertigt.  Bei der Fertigung der eigenen Gangpartie wurde wieder auf die von Herrn Kulms, mathematisch richtig konstruierten, kleineren Abmessungen zurückgegriffen. Diese Gangpartie wurde dann auch für das inzwischen entwickelte Damenarmbanduhr Werkkaliber 540 und 542 verwendet.

 

Für die Tutima Ausführung der Werkkaliber 52, 522 und 542 wurden laut Dr. Kurtz, ausschließlich Rohwerke mit den mathematisch richtigen Abmessungen, der Gangpartie verwendet.

 

Kleines Gangrad mit einem Durchmesser von 4,9 mm
Kleines Gangrad mit einem Durchmesser von 4,9 mm

Da auch in den beiden Werksuchern  von Flume und Jacob nur  das 8 ¾ ‘‘ Urofa Werkkaliber 52 und die mit Winkelhebelfeder ausgestattete Version 8 ¾ ‘‘ Werkkaliber 522 zu finden sind, dürfte erwiesen sein, dass es ein eigenständiges 8 ¾ ‘‘ Werkkaliber Urofa 53 nicht gab.

 

Quelle: Flume Werksucher
Quelle: Flume Werksucher
Quelle: Werksucher Georg Jacob
Quelle: Werksucher Georg Jacob

Der Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, stellt den derzeitigen Kenntnisstand dar und wird, wenn neue verifizierbare Erkenntnisse vorliegen, entsprechend ergänzt.

Aktualisiert  15.08.2020

Deutsches Uhrenmuseum Glashütte - Das Bild  mit Video hinterlegt
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Ankergang
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