UROFA Kaliber 52

Das erste Ankerwerk der Uhren-Rohwerkefabrik AG Glashütte

  • Herstellung: 1929 - 1932  (in der Weiterentwicklung 522 bis 1939)
  • Werkdurchmesser: 8 ¾   19,4 mm
  • Werkhöhe: 3,3 mm
  • Werkaufbau: Brückenwerk mit Federhausbrücke, Räderwerkbrücke 
  • Aufzug: Kupplungsaufzug
  • Hemmung: Ankerhemmung
  • Unruh: Schraubenunruh Gewichtsschrauben und Flachspirale
  • Steine: 7 - 16
  • Stoßsicherung: ohne
  • Reglage: freier Rückerzeiger
  • Sekunde: mit (dezenzral bei 6) und ohne
  • Stückzahl: ca. 25000  (Anteilige Lieferung an die UFAG ca. 8%) [1]
  • Besonderheiten: Knebel zwischen Zeigerstellhebel und Winkelhebel,  7-steinige Ausführung nur mit Neusilber-Unruh.

Der langjährige Betriebsassistent und spätere Betriebsführer der UROFA, Helmut Klemmer, erläutert 1980 in der Fachzeitschrift Uhren und Schmuck ausführlich die Entstehungsgeschichte und den Aufbau des Kalibers UROFA 52.

Werkbeschreibung Kal. Urofa 52.pdf
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Informationen zur Werkkaliberbestimmung

Das beim Kaliber 53 um 0,3 mm größere Ankerrad erforderte eine größere Ausfräsung in der Platine, als sie beim Kaliber 52 erforderlich war. Das hatte zur Folge, dass der beim Kaliber 52 noch vorhandene Steg am Platinenrand weggefräst wurde um den erforderlichen Raum für das größere Ankerrad zu schaffen.

 

Anhand der zum Vergleich vorliegenden Artefakte ist nachgewiesen, dass es sich bei der von Kurt Herkner in seinem Buch „Die Glashütter Armbanduhren“ auf Seite 89 gezeigten Werkabbildung nicht um ein Werkkaliber UROFA 52, sondern um das Kaliber 53 handelt. Gleiches trifft auch für das in dem Artikel „Uhrwerke und Armbanduhren der UROFA und UFAG Glashütte/Sa.“ in der Fachzeitschrift „Klassikuhren“ Heft 6/2008 auf Seite 40 als Kaliber 52 gezeigte Werkbild zu.

Hinsichtlich der Bestimmung der 8 ¾ Kaliber 52, 53, 521 & 522 mit Schweizer Ankerhemmung der Uhren Rohwerkefabrik AG Glashütte treten, wenn man sie versucht nach der Gestaltung des Werkes von der Werkseite her zu bestimmen, Unklarheiten bzw. Verwechslungen auf. Begründen lässt sich das damit, dass in den Anfangsjahren der ersten deutschen Rohwerkefabrik noch sehr viel Erfahrungen gesammelt und experimentiert werden musste um wenigstens annähernd ein Preis- Leistungsverhältnis sowie ein Qualitätsniveau zu erreichen, das einen entsprechenden Absatz der Produktion gewährleistete. Der technologische Vorsprung der Schweizer Konkurrenz war, bedingt durch den Entwicklungsstillstand während des ersten Weltkrieges auch der Glashütter Uhrenindustrie, erheblich. Der Beginn der Weltwirtschaftskrise im Oktober 1929 verschärfte die bestehenden Probleme weiter. Seit ihrer Gründung im Dezember 1926 schrieb die UROFA Verluste und es war 1929 auf absehbare Zeit auch keine Änderung in Sicht. Die Bilanzen der Firma aus diesen Jahren belegen dies eindeutig. Zudem war man zu dieser Zeit auch noch mit wesentlichen Werkteilen, z.B. bei der Hemmung, von Lieferungen aus der Schweiz abhängig, die es verstand ihre Monopolstellung auf dem Gebiet der industriellen und automatisierten Rohwerkeherstellung entsprechend auszunutzen.

Das hatte zur Folge, dass es entweder aus Kostengründen, Import bedingt oder auf Kundenwunsch zu ganz unterschiedlichen Werkgestaltungen und -ausstattungen bei ein und demselben Kaliber kam, die heute eine eindeutige Bestimmung des Kalibers nur von der zifferblattseitigen Werksignatur her zulassen. Auch in den entsprechenden Werk-Erkennungskatalogen der führenden Furniturenhändler Jacob (Leipzig) und Flume (Berlin) wurde nach diesem Prinzip verfahren, wobei man bei den 8 ¾ Werken in den Werk-Erkennungskatalogen nur die Kaliber 52 und 522 führte und auf die Darstellung der experimentellen Zwischenschritte Kaliber 53 und 521 verzichtete. Die Zuordnung des jeweiligen Kalibers erfolgte neben der Hemmung (Anker) und dem Werkdurchmesser nach Linien (8 ¾) nach der Anzahl der Bohrungen in der Winkelhebelfeder.

 

DAU Marke "Tutima" der Uhrenfabrik Aktiengesellschaft Glashütte Sa.

Mit diesem UROFA Kaliber 52 begann im Herbst 1929, drei Jahre nach Firmengründung, die UROFA und die UFAG die serienmäßige Armbanduhrfertigung von Ankerwerken. Das Kaliber 52 wurde vom Rohwerkehersteller UROFA in verschiedenen Qualitätsstufen gefertigt. Bei der hier gezeigten, unrestaurierten Uhr handelt es sich um die höchste Qualitätsstufe „Tutima“, die in dieser Form ab 1930 ausschließlich an die UFAG geliefert wurde. Die Lochsteine (Rubine) hatten alle olivierte Bohrungen. Bei dem hier 15-steinigem Werk waren die oberen Steine der Räderwerkbrücke, noch per Hand in vergoldeten Messingfuttern gefasst und nicht maschinell eingepresst. Das geschah dann erst mit neuem Werkzeug und neuer Technologie beim Kaliber 522 etwa ab 1933. Anker, Ankerrad und Doppelscheibe kamen noch nicht aus eigener Fertigung und wurden aus der Schweiz zugekauft. Auch Gehäuse, Zifferblätter und Zeiger kamen nicht aus der eigenen Produktion. Mit der Etablierung der Uhren der Qualitätsmarke „Tutima“ der Uhrenfabrik Akt. Ges. Glashütte war, nach anfänglichen erheblichen Schwierigkeiten, zu Beginn der 1930er Jahre ein entscheidender Schritt zur jahrzehntelangen, serienmäßigen Fertigung hochqualitativer Armbanduhren in Glashütte gelungen.

Kaliber 52 Tutima mit Schraubenkompensationsunruh & angelassener Flachspirale
Kaliber 52 Tutima mit Schraubenkompensationsunruh & angelassener Flachspirale

Der Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, stellt den derzeitigen Kenntnisstand dar und wird, wenn neue verifizierbare Erkenntnisse vorliegen, entsprechend ergänzt.

Literatur

  • „Die Entwicklung der Glashütter Uhrenindustrie“ Autor Ing. Helmut Klemmer u. Edith Klemmer; Fachzeitschrift: Uhren und Schmuck Nr. 1/1980 Teil 7 S. 24-27 u. Nr. 2/1980 Teil 8 S. 58-61
  • Glashütter Armbanduhren II; Autor: Kurt Herkner; Herkner Verlags GmbH; ISBN 3-924211-06-X

  • Uhrwerke und Armbanduhren der Urofa und Ufag Glashütte/Sa.; Autor: Werner Heinrich; Fachzeitschrift: Klassik Uhren 6/2008 S. 38-44

  • Lexikon der Deutschen Uhrenindustrie 1850 - 1980 : Firmenadressen, Fertigungsprogramm, Firmenzeichen, Markennamen, Firmengeschichten; Autor: Hans Heinrich Schmid; Herausgeber: Förderkreis Lebendiges Uhrenindustriemuseum e.V.; ISBN 3927987913
  • Werk-Erkennung Gesamtausgabe; Georg Jacob 1948
  • Flume-Kleinuhren-Schlüssel Band 2/3
  • [1] Die Entwicklung der Glashütter Uhrenindustrie Teil 8; Autoren: Ing. Helmut Klemmer, Edit Klemmer; Fachzeitschrift: Uhren und Schmuck 2/1980 S. 60

Aktualisiert 28.05.2017

Deutsches Uhrenmuseum Glashütte - Das Bild  mit Video hinterlegt
Deutsches Uhrenmuseum Glashütte - Das Bild mit Video hinterlegt

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