Urofa Kaliber 581 Raumnutzwerk

  • Herstellung: 1939 - 1941
  • Werkdurchmesser: 9''' x 13''', 20 x 28 mm
  • Werkhöhe: 4 mm
  • Werkaufbau: Brückenwerk mit Federhaus-, Räderwerkbrücke und Unruhkloben
  • Aufzug: Kupplungsaufzug mit 4-Loch Winkelhebelfeder
  • Hemmung: Ankerhemmung
  • Unruh: Schraubenunruh mit Gewichtsschrauben und Flachspirale
  • Steine: 15 - 16
  • Stoßsicherung: ohne und mit 1.Incabloc bzw. Shock Resist
  • Reglage: freier Rückerzeiger
  • Sekunde: dezentrale Sekunde bei 6
  • Stückzahl: ca. 300.000 (Anteilige Lieferung an UFAG Kal. 58 & 581 ca. 73.000 )
  • Besonderheiten: Gegenüber Kal. 58 mit verbesserten Aufzug. Werke vernickelt, körnig versilbert, körnig vergoldet oder als Tutima Ausführung für die Ufag

Modellbeispiele

Zu den Produktionszahlen und den Produktionszeiten für die Urofa Kaliber 58 und 581 werden von verschiedenen Autoren unterschiedliche Angaben gemacht.

Während Kurt Herkner in seinem Buch "Glashütter Armbanduhren II" für das Kaliber 58 zwischen 1934 – 1938 von einer Produktion von 200.000 Werken und beim Kaliber 581 für die Zeit von 1939 – 1945 eine Produktion von 300.000 Werken angibt, geht Werner Heinrich in der Fachzeitschrift Klassik Uhren 6/2008 S. 38-44 für das Kaliber 58 und 581 von einer Produktionszeit von 1935 bis 1940 aus, ohne eine Produktionszahl zu nennen. Helmut Klemmer, zu dieser Zeit immerhin Betriebsassistent bzw. ab 1937 Betriebsführer der Urofa, benennt in der Fachzeitschrift Uhren und Schmuck 2/1980 S.60-61 in seinem Beitrag „Die Entwicklung der Glashütter Uhrenindustrie“ eine Produktionszeit des Kalibers 58 von 1935 bis Ende 1940.

Als Grund für die 1941 erfolgte Einstellung der gesamten Armbanduhrenproduktion der Urofa und Ufag benennt Helmut Klemmer den Beginn der Produktion des Fliegerchronographen Kaliber 59.

Wenn man die Summe der Quellenangaben betrachtet und bewertet, kann man davon ausgehen, dass 1935 die Produktion des Kalibers 58 aufgenommen wurde, 1936 mit der Produktion der verbesserten Ausführung dem Kaliber 581 begonnen und die Produktion beider Kaliber Ende 1940 eingestellt wurde. Das würde für das Kaliber 58 eine Produktionszeit von 5 bis 6 Jahren bedeuten, je nachdem ob die Produktion bis 1939 oder 1940 lief. Das Kaliber 581 wäre dann entsprechend nur etwa ein Jahr weniger produziert worden. Insofern dürften die von Kurt Herkner angegebenen Produktionszahlen zumindest hinsichtlich des Verhältnisses von 58 zu 581 bezweifelt werden.

Es ist eher davon auszugehen, dass das Kaliber 581 in wesentlich geringerem Umfang hergestellt worden ist, als das Basiskaliber 58. Eine weitere Verifizierung der Zahlenangaben ist derzeit noch Gegenstand von Recherchen.

Herrenarmbanduhr der Firma Jacob Aeschbach mit UROFA Kaliber 581

Das gegenüber dem Kal. 58 verbesserte Kal. 581 wurde bei dieser Modellausführung in einem dreiteiligen vernickelten Messinggehäuse mit aufgesprengtem Edelstahlboden und Glasring eingeschalt. Zur stabileren Lagerung des Werkes wurde aus dem Mittelteil passgenau die Form des Raumnutzwerkes herausgefräst. Diese Modelle waren in der Regel weder stoßgesichert, noch wasserdicht und insofern für eine militärische Nutzung nur bedingt gebrauchsfähig.

Die Pforzheimer Uhrenfirma Weber & Aeschbach hatte 1932 mit einer 20-prozentigen Aktienbeteiligung an der Uhren-Rohwerke-Fabrik Glashütte AG i/Sa. diese vor dem Konkurs bewahrt. Philipp Weber wurde stellvertretender Aufsichtratsvorsitzender und Jacob Aeschbach Mitglied des Aufsichtsrates. 1941 trennte sich Jacob Aeschbach von Philipp Weber, ging als Schweizer Bürger in die Schweiz zurück und gründete dort die Uhhrenfabrik Aeschbach. Da durch die totale Umstellung der UROFA auf die Kriegsproduktion des Fliegerchronographen Kaliber 59 eine erhebliche Anzahl an Rohwerken bei der UFAG nicht mehr zu Uhren remontiert werden konnten, kann davon ausgegangen werden, dass sich Jacob Aeschbach als Anteilseigner das „Startkapital“ für seine neue Schweizer Uhrenfabrik aus diesen Beständen gesichert hatte. Ob und, wenn ja, in welchem Umfang Jacob Aeschbach Teile seiner Uhrenproduktion an die Wehrmacht geliefert hatte, ist noch nicht erforscht. Bekannt ist nur, dass die Schweizer Uhrenfabrikanten im Allgemeinen große Teile ihrer Armbanduhrproduktion an die Wehrmacht geliefert haben.

HAU Armbanduhr Marke „JANA“ mit dem Werkkaliber 581 der UROFA

Bei dem hier gezeigten Armbanduhrmodell der Marke „JANA“ handelt es sich um eine Armbanduhr mit einem vernickelten 15-steinigen Werkkaliber UROFA 581 der Uhren Rohwerkefabrik AG Glashütte Sa., die erst zu Beginn der 1950 Jahre von der ab 1951 in Pforzheim Kurfürstenstr. 4 ansässigen Firma „Jakob Aeschbach Nachfolger“, Inh. H. Hohnloser“, gefertigt wurde. Eingeschalt wurde das Werk in ein mit 20 Mikron vergoldetes Gehäuse mit gedrückten Edelstahlboden der ebenfalls in Pforzheim ansässigen Firma „Gebr. Kuttroff“. Jacob Aeschbach war ab 1932 mit 10% an der UROFA beteiligt und nach der zu Beginn der 1940er Jahre erfolgten Trennung von seinem Partner Phillipp Weber und der gemeinsamen Pforzheimer Firma „Weber & Aeschbach“ in die Schweiz übergesiedelt, wo er unter seinem Namen eine neue Uhrenfabrik gründete. Da 1945 das gesamte bewegliche Inventar der UROFA und UFAG als Reparationsleistung in die Sowjetunion, an die erste Moskauer Uhrenfabrik verbracht wurde, kann man davon ausgehen, dass die nach 1945 eingeschalten Werkkaliber der UROFA noch aus der wegen der vollständigen Produktionsumstellung der Glashütter AG auf den Wehrmachts-Fliegerchronographen Kal. 59 nicht vollendeten, kompletten Jahresproduktion von 1941 stammen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit dürften sich die Anteilseigner und Aufsichtratsmitglieder der UROFA, Weber und Aeschbach, zumindest einen Teil der eingelagerten Halbfabrikate noch vor Kriegsende 1945 für eine spätere Verwendung gesichert haben.

Der Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, stellt den derzeitigen Kenntnisstand dar und wird, wenn neue verifizierbare Erkenntnisse vorliegen, entsprechend ergänzt.

Literatur

  • „Die Entwicklung der Glashütter Uhrenindustrie“  Autor Ing. Helmut Klemmer u. Edith Klemmer Fachzeitschrift: Uhren und Schmuck 2/1980 S.60-61
  • Glashütter Armbanduhren II; Autor: Kurt Herkner; Herkner Verlags GmbH; ISBN 3-924211-06-X

  • Uhrwerke und Armbanduhren der Urofa und Ufag Glashütte/Sa.; Autor: Werner Heinrich; Fachzeitschrift: Klassik Uhren 6/2008 S. 38-44

Aktualisiert 27.06.2017

Deutsches Uhrenmuseum Glashütte - Das Bild  mit Video hinterlegt
Deutsches Uhrenmuseum Glashütte - Das Bild mit Video hinterlegt

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