Wasserdichtheit bei Gehäusen der GUB Uhren

Um Missverständnisse zu vermeiden, ist es erforderlich zuerst eine möglichst genaue Begriffsbestimmung (Definition) vorzunehmen.

Zum einen unterlag die Bedeutung des Begriffes im allgemeinen Sprachgebrauch, in Bezug auf Armbanduhren, seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts einem erheblichen Wandel und zum anderen haben sich in der Folge auch konkrete Vorgaben entwickelt, ab wann man von einer wasserdichten Uhr sprechen kann.

Für die Wasserdichtigkeit von Uhren gelten die Parameter, die in den Normen DIN 8310 bzw. ISO 2282 festgelegt sind. Uhren, die keinen Vermerk auf einen Wasserschutz haben, nehmen in aller Regel bei einem wie auch immer gearteten Kontakt mit Wasser schaden.

Die Wasserdichtigkeit nach DIN 8310 bzw. ISO 2281 ist keine bleibende Eigenschaft, da vorhandene Dichtungen der natürlichen Alterung und dem Verschleiß unterliegen. Extrem hohe und niedrige Temperaturen, Lösungsmittel, Schweiß und Kosmetika beschleunigen diesen Vorgang, bei dem Dichtungen frühzeitig spröde und porös werden und die Wasserdichtigkeit der Uhr nicht mehr gewährleistet ist.

Wasserdichte Uhren
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Beispiele für verschiedene Kennzeichnungen von GUB-Gehäusen in Bezug auf Wasserschutzeigenschaften

Der Anspruch, dass eine Uhr vor eindringendes Wasser durch ein entsprechendes Gehäuse zu schützen war, entwickelte sich in dem Maße, wie die Armbanduhr seit Beginn der 1930er Jahre begann, die Taschenuhr zu verdrängen und auch immer mehr Frauen Armbanduhren trugen. Mit der Taschenuhr wusch man sich nicht die Hände und beim Baden konnte man sie wohl schlecht am Körper tragen. Sie steckte ja gemeinhin in einer Tasche der Sachen, die man ablegte, was sie auch in der Regel vor Regenwasser schützte.

DAU mit deutlich sichtbarem Wasserschaden
DAU mit deutlich sichtbarem Wasserschaden


Die Unachtsamkeit der Armbanduhrträger bescherte den Uhrmachern in der Mitte des vorigen Jahrhunderts reichlich Beschäftigung, bei der Beseitigung der doch recht häufig auftretenden Wasserschäden.

Vergessliche Menschen hatten dann in der Regel einen innigeren Kontakt zum Uhrmacher ihres Vertrauens, als ihnen ob der damit verbundnen Kosten lieb sein konnte.

Das beförderte natürlich den natürlichen Wunsch der Verbraucher, nach Uhrgehäusen, die den damals gewünschten Eigenschaften, hinsichtlich der „Wasserdichtheit“ entsprachen. Ein Armbanduhrgehäuse weist in der Regel drei Schwachstellen auf, wo Wasser eindringen kann. Dabei handelt es sich um aufgedrückte- oder aufgeschraubte Deckel, die Kontaktstelle zwischen Uhrglas und Gehäuse sowie die Aufzugswelle mit der Krone.

Da die in der DDR produzierten Gehäuse für Armbanduhren erst zu Beginn der 1960er Jahre die an die Definition „Spritzwassergeschützt“ gestellten Ansprüche erfüllten, muss man sich in dieser Hinsicht hauptsächlich mit den seit Anfang der 1950er Jahre mit den vorrangig aus der Bundesrepublik und später auch aus Frankreich eingeführten Gehäusen beschäftigen. Im Einzelnen handelt es sich dabei in der 1950er Jahren um zwei- und dreiteilige Walzgold- oder Doublegehäuse mit Schraub- oder Druckdeckel, sowie ab 1956 auch zweiteilige Edelstahlgehäuse, die ebenfalls mit einem Schraub- bzw. Druckdeckel ausgestattet waren.

Beworben wurden diese Gehäuse mit den mehr oder weniger präzisen Begriffen wie "Wassergeschützt", "Wasserfest", "Wasserdicht", "Waterproof" oder "Waterprotected".

Während man in der DDR in Punkto Erläuterung, was man unter der jeweils verwendeten Formulierung zu verstehen hatte, auf den guten Rat des Uhrmachers oder Fachverkäufers angewiesen war, fand in der Fachpresse der Bundesrepublik Deutschland eine eingehende Auseinandersetzung zu dem Thema „Wasserdicht“ statt. So schreibt der Uhrmachermeister Karl Strock 1953 in der neuen Uhrmache-Zeitung u.a. folgendes dazu:

„Wenn auch die wasserdichte Uhr heute immer mehr an Verbreitung zunimmt, so kann man nicht behaupten, daß dies immer den Beifall des Uhrmachers findet. Im Gegenteil, man übertreibt nicht, wenn man sagt, daß beim Uhrmacher mit dem Ausdruck „wasserdicht" sich eine Gedankenassoziation zu den Worten Ärger und Verdruß einstellt. Dies liegt einerseits daran, daß die wenigsten „wasserdichten" Gehäuse auch nur entfernt zu Recht diesen Namen verdienen, andererseits gehört das öffnen und Schließen von wasserdichten Uhrgehäusen zu jenen besonderen Raffinessen, welche durchaus geeignet sind, die statistisch errechnete, durchschnittliche Lebenserwartung für den Uhrmacher wesentlich herabzusetzen. Man darf sich nicht wundern, wenn für viele Uhrmacher das Wort „wasserdicht" mit dem gleichzusetzen ist, was dem Stier ein rotes Tuch bedeutet.

Es ist nun, und darüber wurde kürzlich in der NUZ ausführlich berichtet, (Die wasserdichten Uhren, Nr. 9/53) durchaus nicht so einfach, eine Uhr unbedingt wasserdicht zu machen und vor allen Dingen diese Eigenschaft über längere Zeit aufrechtzuerhalten. Gewiß, eine Uhr ist kein U-Boot, aber wenn schon der Name „wasserdicht" in den Mund genommen wird, dann sollte wenigstens im neuen Zustand diese Eigenschaft vorhanden sein. Das trifft für fabrikfrische Ware seriöser Firmen auch zu, denn diese Firmen prüfen ihre Uhren auf Wasserdichtheit. Und trotzdem kommt es auch bei neuen Uhren, bei Uhren, die erst wenige Tage oder Wochen im Gebrauch sind, immer wieder zu Versagern.

Nun, wir wissen es selbst, wie schnell ein Glas rissig wird, wie schnell es seine Spannung ver­lieren kann. Wir wissen auch um das Dilemma der Kronendichtung, das darin besteht, daß eine gut abgedichtete Krone sich kaum drehen läßt und eine Krone, die sich leicht drehen läßt, eben nicht wasserdicht sein kann.

Wir haben uns im Laufe der Zeit mit diesen Dingen abge­funden, denn wir sehen keine Möglichkeiten diese Tatsachen aus der Welt zu schaffen. Aber wir können nicht verstehen, weshalb die Abdichtung des Gehäusebodens eine Quelle ständigen Ärgers sein soll. Die Dichtungsringe, die hier verwendet werden, sind oft schon nach einmaligem öffnen so stark beschädigt, daß man sie wegwerfen kann. (Die Verwendung von Weichmetalldichtungen ist auch nicht der Stein der Weisen). Übersteht der Dichtungsring das öffnen des Gehäuses, dann gibt es bestimmt beim Schließen Schwierigkeiten.

Es hieße Eulen nach Athen tragen, wollte man die ganze Skala der hier möglichen Unstimmigkeiten aufzählen. Hat sich nun nach einigen vergeblichen Versuchen den Dichtungsring einige Male gestaucht, in den Gewindegängen verklemmt, in die Länge gezogen und verformt, dann wäre es an der Zeit, ihn wegzuwerfen und durch einen neuen zu ersetzen, wenn man aber nur einen passenden hätte! Läßt man den alten Dichtungsring darin, dann hat es keinen Sinn, die Uhr noch als „wasserdicht" zu bezeichnen.

Handelt es sich dabei um eine ältere Uhr, die ohnehin auch an den anderen Stellen nicht mehr wasserdicht ist, dann ist das nicht so tragisch. Wie sieht es aber aus, wenn es sich um eine neue Uhr handelt, welche der Kunde nur deshalb zurück« brachte, weil sie noch eine Kleinigkeit differierte? Hier kann schon durch einmaliges öffnen die Eigenschaft „wasserdicht" restlos verloren gegangen sein, nur weil der Dichtungsring beim Schließen in irgend einer Form deformiert wurde.“

Während nun in der Bundesrepublik Deutschland schon 1953 ein wirklich wasserdichtes Armbanduhrgehäuse von der Firma Adolf Rapp Schwäbisch Gemünd unter der Bezeichnung „Adorex“ neu entwickelt und angeboten wurde, werden derartige Gehäuse vom DDR-Außenhandel nicht eingeführt und so verfügt auch die GUB bis in die 1960er Jahre hinein über kein Modell einer wiklich wasserdichten Armbanduhr.

Die Wirkungsweise des von der Firma Adolf Rapp angebotenen Gehäuses wird in der Neuen Uhrmacher-Zeitung von Uhrmachermeister Karl Strock wie folgt beschrieben:

 „Wenn wir uns das alles vergegenwärtigen, werden wir das neue wasserdichte Gehäuse (siehe Abbildung) Adorex freudig, begrüßen

Denn hier besteht keinerlei Gefahr, daß der Dichtungsring beim öffnen oder Schließen in irgend einer Weise beschädigt wird. Sie können das Gehäuse so oft auf- und zu­machen wie es die Lage erfordert, immer präsentiert sich der Dichtungsring voll in Ordnung. Außerdem brauchen Sie beim Schließen des Gehäuses keinerlei Kunstgriffe anwenden, um dem Dichtungsring seine richtige Lage zu geben. Und es be­steht keinerlei Gefahr, daß Späne, die sich aus dem Gewinde herausschaben, ins Werk fallen. (Eine bei normalen Schraub­gehäusen häufige Fehlerquelle). Zusätzlich zu dem äußeren Schraubdeckel, der nicht von den normalen wasserdichten Gehäusen abweicht, ist ein zweiter innerer Deckel vorhanden. Die Abdichtung erfolgt mittels des inneren Deckels, der auf einem Dichtungsring ungewohn­ter Breite aufliegt. Dieser Deckel wird durch den äußeren Schraubdeckel angedrückt, der sich mit jedem der bekannten Gehäuseöffner öffnen läßt.

Der innere Deckel, obwohl er nicht mit einer Nase versehen ist, dreht sich beim öffnen und Schließen nicht mit, sodaß jegliche Deformation des Dichtungsrings ausgeschlossen ist. Dabei verbessert die ungewohnte Breite des Dichtungsrings die Abdichtung wesentlich. Es ist auch sehr angenehm, daß sich das Gehäuse mit nur geringer Kraftanstrengung öffnen und schließen läßt, dabei ist das Gehäuse so stabil wie ein normales Schraubgehäuse und besitzt keinerlei zerbrechliche Teile. Außerdem, und das dürfte den Uhrmacher=Kaufmann in erster Linie interessieren, unterscheidet sich die mit einem Adorex=Gehäuse versehene Uhr im Preis kaum von einer solchen mit normalem Schraubgehäuse.

Der innere Deckel erfüllt aber noch eine weitere Aufgabe: Die Luft dehnt sich in der Wärme relativ stark aus und zieht sich in der Kälte zusammen. Bei einer wasserdichten Uhr kommt es nun vor, daß dem bei der Erwärmung entstehenden Überdruck die Gehäuseabdichtung nicht mehr standhält und Luft nach außen entweicht. Wird nun die Uhr abgekühlt, etwa dadurch, daß sie in kaltes Wasser kommt, dann saugt der hierbei entstehende Unterdruck Wasser an. Dies ist eine Er­klärung für den Umstand, daß man soviele wasserdichte Uhren sieht, die sich voll mit Wasser gesaugt haben. Beim Adorex=Gehäuse wird diese Gefahr durch den zweiten Deckel herabgesetzt. Denn dieser relativ dünne Deckel wirkt wie eine Membrane. Die Luft kann sich also ausdehnen, denn der entstehende Überdruck wird durch ein Nachgeben des Deckels aufgefangen, so daß keine Luft nach außen entweicht. Infolgedessen wird auch bei einer Abkühlung kein Wasser in die Uhr gesaugt werden.“

Ob die geschäftlichen Beziehungen des ehemaligen Geschäftsführeres der Urofa und der Ufag, Dr. Kurtz, und seiner damaligen Firma "Uhrenfabrik Kurtz", die inzwischen in Ganderkese Bookholzberge, Uhren Glashütter Tradition fertigte, ausschlaggebend dafür waren, die vorgenannten wasserdichten Armbanduhrgehäuse der Firma Adolf Rapp für die GUB einzuführen oder ob es aufgrund chronischen Devisenmangels nicht geschah, ist derzeit nicht nachvollziehbar. Von einem entsprechenden Bedarf kann aber mit Sicherheit ausgegangen werden.

Die Gehäuse für GUB-Uhren in den 1960er Jahren.

1961 waren die  Uhrenwerke Weimar (VEB) soweit ausgebaut, dass sie die Armbanduhrproduktion der GUB, die geichzeitig mit der Einstellung aller bisher produzierten Uhren der Kalibergruppe 60, die Uhren der neu entwickelten Kalibergruppe 70 auf den Markt brachte, im Wesentlichen absichern konnte. Der für diese Aufgabenstellung damals in der DDR verwendete Begriff hieß "Störfreimachung". Gemeint war die Ablösung von Importen aus Westeuropa und Übersee.

Man könnte der staatlichen Plankommission der DDR und ihren vom Politbüro der SED "abgesegneten" Aufgabenstellungen an die Wirtschaft, schon eine "gewisse Weitsicht" oder doch schon Kenntniss (?) unterstellen, wenn sie bereits 1958 den Ausbau der des Uhrenwerkes Weimar zum hauptsächlichen Gehäusehersteller für die DDR Uhrenindustrie beschließt. Die Mauer wurde ja bekanntlich erst am 13. August 1961 gebaut und mit einer entsprechenden Antwort in Form von Embargolisten musste man im Nachhinein schon rechnen.

Ergänzende Informationen zu diesem Thema finden Sie >> hier <<

Der Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, stellt den derzeitigen Kenntnisstand dar und wird, wenn neue verifizierbare Erkenntnisse vorliegen, entsprechend ergänzt.

 

Literatur:

  • „Die Entwicklung der Glashütter Uhrenindustrie“  Autor Ing. Helmut Klemmer u. Edith Klemmer
  • Fachzeitschrift: Uhren und Schmuck 1/1979 bis 4/1980 
  • Mechanische Armbanduhren aus Glashütte 1950 - 1980; Autor: Werner Heinrich; Callwey Verlag; ISBN 3766717197
  • Glashütter Armbanduhren II; Autor: Kurt Herkner; Herkner Verlags GmbH; ISBN 3-924211-06-X
  • Glashütte Sachsen - 1506 bis 2006 500 Jahre Stadtgeschichte, Autorengemeinschaft Eigenvertrieb Stadtverwaltung Glashütte ISBN: 3-937951-31-8
  • Neue Uhrmacher-Zeitung Ausgabe 17/1952
  • Neue Uhrmacher-Zeitung 9 & 12/1953
  • 11 Jahre VEB Feingerätewerk Weimar, Autor Ing. G. Rösner KDT, Monatsschrift Feinmeschanik Optik 8/1961
  • Landes Archiv Baden-Würtenberg Staatsarchiv Ludwigsburg;
  • Amtsgericht Schwäbisch Gmünd: Handels-, Genossenschafts-, Vereinsregister 1. Handelsregister

Aktualisiert 27.06.2017

Deutsches Uhrenmuseum Glashütte - Das Bild  mit Video hinterlegt
Deutsches Uhrenmuseum Glashütte - Das Bild mit Video hinterlegt

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