Dr. Ernst Kurtz Uhrenfabrik 1945 -1956

1945 - 1951 Memmelsdorf/Unterfranken

1948 - 1951 Schwäbisch Gmünd

1951 - 1956 Bookholzberg-Hollen (Ganderkesee), Landkreis Oldenburg

1956 - 1959 NUROFA (ohne Beteiligung von Dr. Kurtz)

1959 - 1960 Ende der Uhrenfertigung (Dr. Kurtz nur Teilhaber)

Inhaltsverzeichnis

Am 07.05.1945, nur einen Tag vor Kriegsende, flüchtete Dr. jur. Ernst Kurtz, Geschäftsführer der Uhrenrohwerkefabrik UROFA und der Uhrenfabrik AG Glashütte/ Sachsen UFAG , mit zwei Fahrzeugen vor dem Zugriff der Roten Armee aus Glashütte. Noch 1945 gründete er in Memmelsdorf (Unterfranken), einem im 2. Weltkrieg aus Glashütte aus- gelagerten Montagebetrieb, eine Uhren- fabrikation unter seinem Namen.

Da Memmelsdorf in der amerikanischen- und Glashütte in der sowjetischen Besatzungszone lag, musste er von da aus keine Repressalien befürchten, die aus Sicht der sowjetischen Besatzungsmacht die unberechtigte Verlagerung von Betriebseigentum unweigerlich nach sich gezogen hätte. Der durch die Besatzungsmacht eingesetzte Bürgermeister von Glashütte hatte bereits im Juni 1945 öffentlich bekannt gemacht, dass "der ehemalige Direktor Dr. Ernst Kurtz von seinen Aufgaben als Firmenchef der Urofa und der Ufag entbunden ist".

Dr. Ernst Kurtz in den 1930er Jahren
Dr. Ernst Kurtz in den 1930er Jahren

Eine berufliche Kariere in schwierigen Zeiten

Dr. jur. Ernst Kurtz, langjähriger Vorstand der Glashütter Aktiengesellschaften UFAG und UROFA - Vom Juristen zum Unternehmer der Uhrenindustrie - Eine berufliche Kariere in schwierigen Zeiten.
Eine auf neuesten Rechercheergebnissen basierende ausführliche Abhandlung seines beruflichen Lebensweges von der Weimarer Republik, über das dritte Reich mit dem zweiten Weltkrieg, die Nachkriegszeit in der amerikanisch besetzten Zone Deutschlands und in der Bundesrepublik Deutschland
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Uhrenfabrikation in Memmelsdorf (Unterfranken)

 

Kurz vor Ende des 2. Weltkrieges wurden vom angestellten Vorstand der Uhrenfabrik AG Glashütte (Sa.) und der Uhren Rohwerkefabrik Glashütte AG ( Sa.), Dr. jur. Ernst Kurtz, aus den beiden Glashütter Werken, die ab 8. Mai 1945 zur sowjetisch besetzten Zone des Deutschen Reiches gehörten, Maschinen, technische Unterlagen und Halbfabrikate zu seinem seit 20. April 1945 neuen Wohnsitz nach Memmelsdorf in der amerikanisch besetzten Zone verlagert. Die Mitnahme weiterer betriebsinterner Unterlagen, wie zum Beispiel Konstruktionsunterlagen der noch 1943 in Zusammenarbeit zwischen der Urofa, der Firma Junghans & den Pforzheimer Uhren-Rohwerke GmbH (P.U.W) entwickelten neuen Generation von Armbanduhren, die 1944 abgeschlossen war, aber nicht mehr in die Produktion überführt werden konnte, kann vermutet werden, ist aber bisher nicht belegt. In Memmelsdorf /Unterfranken, im Mai 1945 bereits in dem von Amerikanern besetzten Teil des Deutschen Reiches gelegen, befand sich eine zum Schutz vor Fliegerangriffen, vermutlich 1944 für die Kriegsproduktion errichtete Außenstelle der Uhren Rohwerkefabrik Glashütte AG i. Sa. Noch 1945 soll laut nicht verifizierbaren Angaben von Kurt Herkner in seinem Buch „Die Glashütter Armbanduhren“ vor einem Bamberger Notar ein Kaufvertrag abgeschlossen worden sein, der die Grundlage für eine neue Firma „Uhrenfabrik Kurtz“ in Memmelsdorf gebildet haben soll.

Mit den angeeigneten Maschinen, Halbfabrikaten und ehemaligen Glashütter Beschäftigten wurde noch 1945 unter Verwendung von Rohwerketeilen vom UROFA Kaliber 5, des Tutima-Fliegerchronographen der Reichsluftwaffe, mit der Remontage eines zivilen Armbanduhrchronographen begonnen. Gegenüber der für die Luftwaffe gefertigten Ausführung weist der in Memmelsdorf gefertigte Chronograph folgende Veränderungen auf.

 

  • Das Zifferblatt hat weder das Tutima Signet noch den Schriftzug „Glashütte“.
  • Der Chronograph hat keine drehbare Lünette.
  • Es ist keine Nut für die Lünettenfeder mehr vorhanden.
  • Keine Herstellerkennung „Uhrenfabrik AG Glashütte (Sa.)“ auf der Innenseite das Schraubbodens. Gleiches gilt für die Prägung „Wassergeschützt“.
  • Keine Werknummerprägung auf dem Schraubboden.
  • Verchromtes, statt vernickeltes Gehäuse.

 

Mit diesen Veränderungen, war ein hochwertiger, ziviler Armbanduhrchronograph mit Breguetspirale, Made in Germany entstanden, dessen ehemaliger militärischer Verwendungszweck bei der Luftwaffe der Deutschen Wehrmacht von der Besatzungsmacht nicht mehr ohne weiteres zu erkennen war und wohl auch nicht erkannt werden sollte.

 

Bisher konnten von der Werknummer 214912 bis 216709 sieben zivile Armbanduhrchronographen mit diesen Ausstattungsmerkmalen nachgewiesen werden.

Eine Reihe weiterer Artefakte zwischen den vorgenannten Werknummern weisen zumindest teilweise Veränderungen des Originalzustandes am Gehäuse und am Zifferblatt auf und lassen deshalb keine eindeutige Einordnung zu. Es ist nicht auszuschließen, dass auch noch vernickelte Gehäuse verwendet wurden. Generell sollte man aber bei Werknummern über 214912 eher nicht mehr davon ausgehen, dass es sich dabei noch um eine Fertigung vor Mai 1945 handelt.

 

Das alles und auch der weitere Aufbau der Firma war natürlich nur dadurch möglich, dass frühere Angestellte der Ufag und Urofa aus Glashütte, wie z.B. der Konstrukteur Herr Szyszka, Paul Johne, ein früherer Regleur der Ufag mitarbeiteten und der Betrieb auch selbst ausbildete. Die schon seit den 1930er Jahren bestehenden guten Kontakte zu den Uhrenherstellern in Pforzheim und Umgebung, wie z. B. Philipp Weber ( Uhrenfabrik Weber & Aeschbach, ab 1947 Arctos Uhrenfabrik Philipp Weber & ab 1950 Philipp Weber Uhrenfabrik GmbH & Co.KG) und Adolf Rapp (Uhrenfabrik Rapp - Schwäbisch Gmünd) bewährten sich und halfen beim Neuaufbau.

 

1949 stellt der Konstrukteur des Armbanduhrkalibers Kurtz 25, Manfred Szyszka,  auf der Frankfurter Herbstmesse mit seiner eigenen Firma Manfred Szyszka & Co. eine hochwertige, gläserne Schreibtischuhr mit Achttage Werk in Japyform mit 1/4 Sekundenpendel aus Invarstahl vor, welches nicht starr an den Anker gebunden, sondern in eine kleine Feder eingehängt ist, vor. Die hatte eine außergewöhnlich geringe Gangdifferenz von nur ein bis zwei Minuten in einem Monat. Ob und inwieweit es sich hier um die ehemalige Produktionsstätte der Urofa und der späteren Uhrenfabrik Kurtz gehandelt hat ist noch Gegenstand weiterer Recherchen. Als relativ sicher kann aber angenommen werden, das es mit Markteinführung des Kalibers 25  zu einer Trennung zwischen dem Konstrukteur Szyszka und der Uhrenfirma Kurtz gekommen sein muss.

 

Dr. Kurtz präsentiert die Herrenarmbanduhren Kaliber 25 und 25.1 seiner inzwischen in Schwäbisch Gmünd, Lorcherstrasse 135 befindlichen 2. Uhrenfirma "Uhrenfabrik Kurtz Schwäbisch Gmünd", erst und einmalig auf der Frankfurter Messe 1950.

Markteinführung der 1. zivilen, serienmäßig gefertigten Herrenarmbanduhr mit Breguetspiralfeder aus deutscher Produktion 1948

Die nach Kriegsende in einer extrem kurzen Entwicklungszeit erfolgte Neueinführung des Kalibers 25 und 251, einer so ausgereiften Herrenarmbanduhr, noch dazu der ersten aus ziviler deutscher Produktion mit Breguetspiralfeder und der Sekunde aus der Mitte, stützt die Vermutung, dass Dr. Kurtz über Unterlagen aus seiner Glashütter Zeit verfügte, die es ihm ermöglichten, dieses neue Kaliber bereits vor der Währungsreform 1948 auf Bezugsschein anzubieten und danach frei zu verkaufen. Allerdings waren diese Uhren für die damaligen Lohnverhältnisse sehr teuer. Immerhin kostete eine Herrenarmbanduhr der Firma Kurtz 1950 zwischen 80 & 100 DM.

Das entsprach dann schon in etwa einem vollen Monatslohn.

Neue Uhrmacher Zeitung 1949 Nr.4 S.106
Neue Uhrmacher Zeitung 1949 Nr.4 S.106
Quelle: Die Uhr Nr. 1/1950 S. 23
Quelle: Die Uhr Nr. 1/1950 S. 23

Firma Kurtz in Schwäbisch Gmünd

Mit Unterstützung von Adolf Rapp (Rapp-Uhren Adolf Rapp KG Schwäbisch Gmünd) wurde bereits ab 1947 eine weitere Fertigungsstätte aufgebaut. Dazu wurde eine Maschinenhalle der Firma Sommer in Schwäbisch Gmünd Lorcherstraße 135 angemietet. Nach Auslaufen der Remontagen des Kalibers 59 wurden dort ab 1948 bis zur Verlagerung der Produktionsstätte nach Bookholzberg-Hollen, am Holler Weg 35 im Zentrum des Ortsteils Hollen der Gemeinde Ganderkesee 1951, die neu entwickelten hochwertigen Armbanduhren der Kaliber 25 & 251 produziert. Diese Kaliber waren die ersten zivilen Uhren aus deutscher Serienproduktion, die mit einer Breguetspirale, gepressten Chatons und einer Schraubenunruh auf den Markt kamen. Das Kaliber 25 der Uhrenfirma Kurtz wurden zur Qualitätssicherung in 6 Lagen einem 14-tägigem, damit sehr zeitaufwendigen und auch teuren Prüfverfahren unterzogen.

Der technische Prototyp des Werkkalibers 25 der

Uhrenfabrik" Kurtz Schwäbisch-Gmünd"

Die ersten serienmäßigen Werke des Kalibers 25, die noch dem technischen Prototyp entsprechen wurden sehr wahrscheinlich 1948 gefertigte. Diese ersten Werkausführungen weisen gegenüber späteren Werken wesentliche konstruktive Unterschiede und qualitative Mängel bei der Finissage auf. Deutliche Spuren von Handarbeit an der Platine, den Kloben und Brücken deuten bei diesen frühen Werken auch auf einen Mangel an Fertigungstechnik hin. Bei den bisher bekannten Modellen dieses Typs wurden die Zifferblätter nur mit dem Namen „Kurtz“ signiert und keines war mit einer Stoßsicherung ausgestattet.

Firmensignet
Firmensignet

Die Dr. Ernst Kurtz Uhrenfabrik bezog Zifferblätter von der Firma Weber & Baral, Pforzheim Kronprinzenstraße 6. Die geschäftlichen Beziehungen bestanden seit den 1930er Jahren, als Dr. Kurtz noch Vorstand der UFAG war und Weber & Baral die Uhrenfabrik AG Glashütte mit Metallzifferblätter für "G-Uhren" und "Tutima" Modelle, belieferte.

Zifferblattauswahl von Weber & Baral
Zifferblattauswahl von Weber & Baral

Eine ausführliche Darstellung der derzeit bekannten Historie der Entwicklung dieses Werkkalibers finden Sie >> hier <<


Die qualitativ verbesserte und modifizierte Werkausführung des Kaliber 251 mit dezentraler Sekunde und Kaliber 25 mit der damals moderneren Sekunde aus der Mitte.

Quelle: Die Uhr Nr. 03/1950 S. 16
Quelle: Die Uhr Nr. 03/1950 S. 16

Werbung der Firma "Uhrenfabrik Kurtz Schwäbisch Gmünd"  in der Fachzeitschrift  "Die Uhr" von 1949 für die in Schwäbisch Gmünd gefertigten neuen hochqualitativen Armbanduhren  Kaliber 25 der marke "Glashütter Tradition" und Großhandelswerbung von 1950.

Im ersten Quartal 1950 warb der Nürnberger Großhändler Konrad Geyer erstmals, überregional für die 16-steinige Armbanduhr Kaliber 25  "Glashütter Tradition" mit Zentralsekunde und Breguetspirale. Angeboten wurde u.a. auch eine Modellversion im wasserdichten, verschraubten Gehäuse.

Interessant ist dabei, dass das Zifferblatt der auf der Werbung abgebildeten Uhr noch keines der verschiedenen Zifferblattsignet's der Dr. Kurtz Uhrenfabrik aufweist. Der Konstrukteur des in Schwäbisch Gmünd gefertigten Kalibers 25, Manfred Szyszka hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits vo Dr. Kurtz getrennt und in Memmelsdorf eine neue, eigene Firma gegründet in der er eine eben falls von Ihm konstruuierte gläserne Tischunhr mit 8-tagewerk fertigte.

Uhren-Grosshändler Konrda Geyer Nürnberg
Vertieb von Uhren der Uhrenfabrik Kurtz Schwäbisch Gmünd
NUZ 1951 Nr. 4.pdf
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Kurtz - K 25 ein Werk mit Glashütter Tradition
Quelle:Neue Uhrmacher Zeitung 1951 Nr. 6 S.172/173
Karl Storck.pdf
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1951 Verlagerung beider Produktionsstätten nach Bookholzberg-Hollen (Ganderkesee), heute Landkreis Oldenburg


1949, kurze Zeit nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland und der Währungsreform mit den 40 DM „Startgeld“ pro Person, stand es mit den Chancen für einen profitablen Absatz der, im Verhältnis zu den damals gezahlten Löhnen, doch recht teuren Uhren der Firma Kurtz nicht zum Besten.

 

Quelle: Die Uhr Nr.02 vom 25. Jan. 1952 S.28
Quelle: Die Uhr Nr.02 vom 25. Jan. 1952 S.28
Ab 1951 das Fabrikgebäude der Uhrenfabrik von Dr. Kurtz
Ab 1951 das Fabrikgebäude der Uhrenfabrik von Dr. Kurtz

Ende 1951 wurde die „Uhrenfabrik Kurtz Schwäbisch Gmünd“ von Dr. Kurtz zum Holler Weg 35 im Zentrum des Ortsteils Hollen der Gemeinde Ganderkesee verlegt.

Die gesamte Anlage wurde 1937 als Funkstation mit Sendemast für den Militärflugplatz Adelheide gebaut.

Was schlussendlich der Grund für die Wahl des neuen Standortes war, ist bisher nicht bekannt und auch nur schwer nachvollziehbar. Immerhin waren alle wichtigen Kooperationspartner im süddeutschen Raum oder der Schweiz und nicht im strukturschwachen Norddeutschland ansässig. Für eine ohnehin nicht sehr kapitalkräftige Firma eine riskante, vielleicht zu riskante Entscheidung des im hohen Maße für unbedingte Einhaltung von Effizienzkriterien bekannten Firmenchefs. Keine zwei Jahre nach dem Umzug musste dann auch 1953 die Produktion der Kaliber 25 & 251 eingestellt werden.

Interessant ist immerhin, dass der frühere Betriebsführer des Herstellers des Fliegerchronogaphen Tutima Kaliber 59 der UROFA sich ausgerechnet Gebäude, die zu einem ehemaligen Fliegerhorst der Nazi-Luftwaffe gehörten, als neuen Standort für seine Firma wählte.

Auf der vom 1. bis 5. März 1953 stattgefundenen Muster Messe in Hannover zeigte die Schwäbisch Gmünder Firma "Adora" von Adolf Rapp u.a. ein letztes Mal Armbanduhren mit Werken der Uhrenfirma Dr. Kurtz.

Quelle Neue Uhrmacher-Zeitung Nr.5 vom 315. März 1953 S.14
Quelle Neue Uhrmacher-Zeitung Nr.5 vom 315. März 1953 S.14

Bisher bekannte Zifferblattsignaturen

 

In zeitlicher Reihenfolge, für die HAU Kaliber 25 und 251

  • Kurtz
  • Glashütter / Dr. KURTZ / Tradition (in drei Zeilen)
  • Kurtz / Glashütter Tradition (in zwei Zeilen)

 

Für die DAU  Kaliber 12; 5 ¼’’’

  • Dilecta

 

Für die DAU 5 ¼’’’  Kaliber 121 

  • Kurtz
  • Glashütte Tradition
  •  

 Für die DAU 5 ¼’’’ N 570

  • Glashütter Tradition

Ob noch weitere Signaturen Verwendung fanden ist bisher nicht bekannt. Die hochwertigen Werke der Firma Kurtz wurden u. a. auch in Uhren der Firmen Arctos Uhrenfabrik Philipp Weber Pforzheim (von 1932-1945 als Firma Weber & Aeschbach, mit 11% bzw.9%, Teilhaber der Urofa AG Glashütte) und Adolf Rapp KG Schwäbisch Gmünd verbaut. 

 

Ungewöhnlich großes, originales Zifferblatt der "Dr. Ernst Kurtz Uhrenfabrik"

Bei dem ungewöhnlichen, im Durchmesser 33 mm großen, unbenutzten Zifferblatt aus den Restbeständen der „Dr. Ernst Kurtz Uhrenfabrik“ in Ganderkesee stellen sich gleich mehrere, bisher nicht zu klärende Fragen.

1.  Zu was für einem Armbanduhrwerk gehört ein solches Zifferblatt?

2. Wurden von der „Dr. Ernst Kurtz Uhrenfabrik“ überhaupt Uhren mit Zifferblättern und Werken dieser Größenordnung gefertigt?

3. Wenn ja, in welchem Zeitraum?

4. Könnte dieser Artefakt aus der Zeit nach dem Konkurs der „Dr. Ernst Kurtz Uhrenfabrik“ 1956 von der Nachfolgefirma „NUROFA“ stammen?

 

Für das einzige von 1948-1953 in der „Dr. Ernst Kurtz Uhrenfabrik“ gefertigte Herrenarmbanduhrkaliber Kurtz 25 & 25.1 waren Zifferblätter dieser Größenordnung aufgrund der Stellung der Zifferblattfüße nicht geeignet. Die Verwendung des Markennahmens "Tutima" durch die „Dr. Ernst Kurtz Uhrenfabrik“ ist bisher nicht verifizierbar nachgewiesen.

 

Furniturenbehaeltniss

Der langsame Niedergang der Uhrenfabrikation Dr. Kurtz Glashütter Tradition

 

Nach dem Aus für die Kaliber 25 & 251 wurden in Ganderkesee bis zum Konkurs der Firma Kurtz 1956, aus eigener Rohwerkefertigung nur noch Damenuhren des Kaliber Kurtz 121 gefertigt. Nach Aussagen von in der Fabrik beschäftigter Zeitzeugen wurden aber auch Armbanduhrwerke z.B. von den Pforzheimer Uhrenrohwerkefabrik PUW zugekauft, eingeschalt und vertrieben. Mit dem Tod des schon bei der "Uhrenfabrik AG Glashütte" beschäftigten Regleurs, Ernst Johne im Jahr 1956 erlitt die kleine Firma einen schweren kurzfristig kaum zu ersetzenden Verlust.

Quelle : Neue Uhrmacher-Zeitung Nr. 18 vom 30. Sept. 1956 S. 32
Quelle : Neue Uhrmacher-Zeitung Nr. 18 vom 30. Sept. 1956 S. 32

Die Entwicklung eines neuen DAU Kalibers N 570 wurde vom Mitarbeiter Walter Brenk ausgeführt und gelangte aber erst nach 1956 in den Vertrieb. Der erfahrene Mitarbeiter aus der UFAG, Werner Pohlan, übernahm 1957 den Rohwerke-Betrieb mit der neuen Firmenbezeichnung "NUROFA", wobei das "N" für Norddeutschland stand. 

Quelle: Neue Uhrmacher-Zeitung Nr. 09 vom 15. Mai 1957 S. 37
Quelle: Neue Uhrmacher-Zeitung Nr. 09 vom 15. Mai 1957 S. 37
Quelle: Neue Uhrmacher-Zeitung Nr. 21 vom 15. Nov. 1958 S. 45
Quelle: Neue Uhrmacher-Zeitung Nr. 21 vom 15. Nov. 1958 S. 45

Der Mitarbeiter Dieter Delecate machte sich 1957 mit einer eigenen Großhandelsfirma selbstständig und vertrieb u.a. Uhren der "NUROFA".

 

Von 1958 bis April 1959 wurden noch ca. 68.800 DAU N 570 unter der Betriebsleitung von Roland Irrgang produziert, bevor dann Dr. Kurtz mit einem Teilhaber unter der Firmenbezeichnung "R. Geist & Co. GmbH" am 03. April 1959 noch einmal die Rohwerkeproduktion übernahm, die er allerdings mit dem alten Maschinenpark nur bis 1960 halten konnte.

Quelle: Die Uhr Nr. 21 vom 09. Nov. 1960 S. 48
Quelle: Die Uhr Nr. 21 vom 09. Nov. 1960 S. 48
Quelle: Neue Uhrmacher-Zeitung Nr.14 vom 31. Juli 1959 S.30
Quelle: Neue Uhrmacher-Zeitung Nr.14 vom 31. Juli 1959 S.30

Der Absatz brach immer mehr ein und damit mussten auch immer mehr Beschäftigte entlassen werden. Nach der damaligen Einschätzung von Dr. Kurtz war mit der Hollener Uhrenfertigung kein Geld mehr zu verdienen.

 

Damit endete 1961 endgültig die Uhrenfabrikation der Firma des Dr. Ernst Kurtz und damit auch die Produktion von Uhren mit Rohwerken, die in Glashütter Tradition in der Bundesrepublik Deutschland gefertigt wurden.

Quelle: Neue Uhrmacher-Zeitung Nr. 06 vom 31 März 1961 S. 32
Quelle: Neue Uhrmacher-Zeitung Nr. 06 vom 31 März 1961 S. 32

Die Uhrenfabrik wurde von Dr. Kurtz in eine Feindreherei umgewandelt, die noch einige Jahre Automatendrehteile herstellte. Nachdem auch diese aufgegeben wurde, standen die Räumlichkeiten leer und waren dem Verfall preisgegeben.

In privater Initiative wurde das leerstehende Gebäude in den 1990er Jahren gekauft, restauriert und für die Umweltbildung in der Region zur Verfügung gestellt.

Im Mai 1996 wurde das renovierte Gebäude in Hollen von der damaligen niedersächsischen Umweltministerin Monika Griefahn als regionales Umweltbildungszentrum Hollen offiziell eröffnet.

 

Der Standort der ehemaligen Uhrenfirma von Dr. Kurtz in Hollen
Der Standort der ehemaligen Uhrenfirma von Dr. Kurtz in Hollen
Dr. Ernst Kurtz - Der Glashütter Armbanduhren-Pionier
KU_3-2006.pdf
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Dr. Ernst Kurtz mit 87 Jahren, 1986 in Hollen
Dr. Ernst Kurtz mit 87 Jahren, 1986 in Hollen

Der Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, stellt den derzeitigen Kenntnisstand dar und wird, wenn neue verifizierbare Erkenntnisse vorliegen, entsprechend ergänzt.

Literatur

  • Lexikon der Deutschen Uhrenindustrie 1850 - 1980 : Firmenadressen, Fertigungsprogramm, Firmenzeichen, Markennamen, Firmengeschichten; Autor: Hans Heinrich Schmid; Herausgeber: Förderkreis Lebendiges Uhrenindustriemuseum e.V.; ISBN 3927987913

  • Uhren Juwelen Schmuck 1997/1 S.62-66
  • Dr. Ernst Kurtz - Der Glashütter Armbanduhren-Pionier; Autoren: Klaus Pöhlmann, Reinhard Reichel; Fachzeitschrift: Klassik Uhren Nr. 3/2006

  • Glashütter Armbanduhren II; Autor: Kurt Herkner; Herkner Verlags GmbH; ISBN 3-924211-06-X 

  • Glashütte Sachsen - 1506 bis 2006 500 Jahre Stadtgeschichte, Autorengemeinschaft Eigenvertrieb Stadtverwaltung Glashütte

    ISBN:3-937951-31-8
  • „Die Deutsche Uhr“ Dr. Ernst Kurtz; Allgemeines Journal der Uhrmacherkunst v. 8. Jan. 1943 S. 8
  • Neue Uhrmacher-Zeitung Nr.11/31.Oktober 1949 S.1
  • Die Uhr 1949 Nr. 6 S. 23
  • Die Uhr 1949 Nr. 7 S. 21
  • Die Uhr 1949 Nr. 9 S. 28
  • Die Uhr 1950 Nr. 5 S. 24
  • *Deutsche Uhrmachezeitschrift 1951/12 S.453

  • http://www.ruzhollen.de/index.php?grp=ruz&sub=geschichte

Aktualisiert 24.03.2017

Deutsches Uhrenmuseum Glashütte - Das Bild  mit Video hinterlegt
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