Glashütter Uhrenindustrie

B. Junge & Söhne 1891 - 1901

Zur Firma Junge liegen derzeit nur relativ wenige Informationen vor, obwohl auch diese Firma, gestützt auf die Glashütter Feinmechanische Industrie,  hochwertige Glashütter Präzisionstaschenuhren, allerdings in wesentlich bescheidenerem Umfang als die alteingesessenen Firmen, gefertigt hatte.

Besonders bemerkenswert ist es, dass die durchaus als "Seiteneinsteiger" zu bezeichnende Firma relativ frühzeitig in der Lage war, für  alle die von ihnen gefertigten Uhren ein Gangzertifikat der Deutschen Seewarte Hamburg oder der Königlichen Sternwarte Leipzig anzubieten.

Neben den guten Leistungen ihres Personals, dokumentiert das auch den ausgezeichneten Qualitätsstandard der Firmen der Glashütter Verlagsindustrie, auf deren Produkte bis in die 90er Jahre des 19. Jahrhunders alle Glashütter Uhrenproduzenten angewiesen waren.

Die Gangprüfungen der dafür zugelassenen Institute und die Erteilung eines "amtlichen" Zertifikates in dem die Gangleistung der betreffenden Uhr dokumentiert war, hatte sich ab 1887, nachdem die Deutsche Seewarte Hamburg ein Regulativ für die durchzuführenden Prüfungen erlassen hatte, zu einem beliebten und umsatzfördernden Verkaufsargument entwickelt, was von allen Glashütter Uhrenfabrikanten genutzt wurde. Es handelte sich also durchaus nicht um ein Alleinstellungsmerkmal, welches nur für besondere Werkausführungen von Präzisionsuhren, wie die des sogenannten "Ankerchronometers" des Marktführers der Firma A. Lange & Söhne, gegolten hat.

Quelle: Allgemeines Journal der Uhrmacherkunst Nr. 3 vom 1. Febr. 1893 3. Beilage S. 55
Quelle: Allgemeines Journal der Uhrmacherkunst Nr. 3 vom 1. Febr. 1893 3. Beilage S. 55
Regulativ für die Prüfungen von Präzisions-Taschenuhren durch die Abteilung IV der Deutsche Seewarte
1887 Prüfungsordnung von Präzisionstasch
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Allein die Werbung dafür, dass man für jede Glasütter Präzisionstaschenuhr ein allerdings aufpreisfplichtiges Gangzeugnis über das Gangverhalten seiner Uhr bekommen konnte, wirkte sich absatzfördernd aus. Der wirkliche Nutzen  dieses  Angebots hielt sich aber bei allen Herstellern in engen Grenzen. Man hatte ja schlussendlich schon die kostenlose Zusicherung für ein hevorragendes Gangverhalten seiner Uhr.

In der ersten Qualität gefertigte 20-steinige Präzisionstaschenuhr 1134

GEHÄUSE:

  • 14 ct. Rotgold-Gehäuse, Typ Louis XV
  • Gold Cuvette, auf dem Rückdeckel mit Monogramm GO.
  • Gehäusenummer 1134
  • Durchmesser 52 mm
  • Gesamtgewicht 122 Gramm.

 

 ZIFFERBLATT:

 

  • Makelloses Emailblatt, dreiteilig mit arabischen Zahlen
  • Signatur: B. Junge & Söhne GLASHÜTTE BEI DRESDEN
  • Zeiger: Goldene Louis XV-Zeiger.

WERKNUMMER: 1134

  • 19-liniges Werk mit 20 Steinen
  • geschraubte Goldchatons
  • Kompensationsunruh mit Goldschrauben
  • Glashütter Goldanker- und Ankerrad
  • Rückerfeder-Feinregulierung (Schwanenhals)
  • Rubindeckstein auf dem Lochstein der Unruhwelle
  • Auf der ¾ Platine die typische handgestochene Signatur.

 

 Es ist nicht auszuschließen, dass die Firma Junge & Söhne bei einem Teil ihrer Uhren bei der Signatur der ¾ Platine auch den Schriftzug "Glashütter Uhrenindustrie" verwendet hat.

Auf der im Jahr 1893 durchgeführten Gewerbe- und Industrie-Ausstellung zu Döbeln (Sachsen), an der auch u.a. die Glashütter Firmen A. Lange & Söhne und J. Assmann teilnahmen, wurde die Firma Junge & Söhne mit einer silbernen Ausstellungsmedaille ausgezeichnet.

Goldene Savonette der Glashütter Uhrenindustrie Fa. B. Junge & Söhne

1891 errichtete die Dresdener Großhandelsfirma J. Bernhard Junge in Glashütte die relativ kleine Uhrenfabrik "B. Junge & Söhne" zur Herstellung Glashütter Präzisionstaschenuhren. Sie stützte ihre Remontagefertigung im Wesentlichen auf die Uhrenteile der inzwischen weit entwickelten Glashütter Hausindustrie. Die hier vorgestellte Goldene Savonette mit der Werk- und Gehäusenummer 1134 wurde in ein Gehäuse vom Typ Louis XV mit einem Feingehalt von 585/1000 eingeschalt. Das körnig vergoldete, 19-linige (43 mm) Werk mit 3/4 Platine ist mit 20 Rubinen in der 1. Qualität gefertigt worden. Anker und Ankerrad der Glashütter Hemmung wurde in einer 8-karätigen, gehärteten Goldlegierung ausgeführt. Die nur ein Jahrzehnt andauernde Fertigung wurde nach derzeitigem Kenntnisstand mit der Werknummer 1000 begonnen. Die Uhr mit der Werknummer 1300 ist die mit der derzeit höchsten, bekannten Werknummer.

Werbeanzeige für eine Glashütter Präzisionstaschenuhr 

der Firma B. Junge &Söhne

Werknummer: 1029
Werknummer: 1029

Später zieht sich die Firma mit einer Uhren- und Fourniturenhandlung nach Dresden zurück. Es werden aber weiterhin auch Glashütter Uhren und Werkzeuge, z.B. der Firma Ernst Kreißig, angeboten.

1901

Die Gründe, warum die Fabrikation in Glashütte aufgegeben wurde, sind bisher nicht bekannt.

1902

Die Uhrenfertigung in Glashütte wurde vermutlich um 1900 eingestellt.

Der Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, stellt den derzeitigen Kenntnisstand dar und wird, wenn neue verifizierbare Erkenntnisse vorliegen, entsprechend ergänzt.

Aktualisiert 25.02.2017

Deutsches Uhrenmuseum Glashütte - Das Bild  mit Video hinterlegt
Deutsches Uhrenmuseum Glashütte - Das Bild mit Video hinterlegt

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Ankergang
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