Uhrenfabrik "Bahnzeit" Paul Westendorp

Februar 1909 - März 1919

Im März 1909 wurde von dem Ingenieur Paul Westendorp aus Sonnborn in Glashütte eine neue Uhrenfabrik gegründet.

Wie die in der Fachpresse veröffentlichte Anzeige der amtlichen Eintragung dokumentiert, ist hiermit die in verschiedenen Publikationen (z.B. R. Meis, "100 Jahre Uhrenindustrie in Glashütte 1845-1945", S. 444) ohne Beleg auf 1906 datierte Firmengründung beweiskräftig widerlegt.

Das Fabrikgebäuder der ehemaligen Firma Uhrenfabrik "Bahnzeit" Paul Westendorp (1909 -1019) im Jahr 1920. Quelle: DUZ  Nr.2 v.7. Januar 1921 S.19
Das Fabrikgebäuder der ehemaligen Firma Uhrenfabrik "Bahnzeit" Paul Westendorp (1909 -1019) im Jahr 1920. Quelle: DUZ Nr.2 v.7. Januar 1921 S.19

Historie der Bebauung des Grunstückes Glashütte, Uferstraße 1

Zum Zeitpunkt der Aufnahme im Frühjahr 1920 gehörte das Fabrikgebäude bereits zu der im November 1918 gegründeten "Deutschen Präzisions-Uhrenfabrik Glashütte in Sachs. e.G.m.b.H", die dort  ihre Abteilung Rohwerke hatte. 1921 wurde im Anschluss an die alten Gebäude ein Neubau, der ersten Stahlbetonbau in Glashütte errichtet. Dieses Gebäude war dann bis zum Konkurs im Juni 1925 ebenfalls eine Betriebsstätte der Genossenschaft der Deutschen Uhrmacher, die  "Deutsche Präzisions-Uhrenfabrik Glashütte in Sachs. e.G.m.b.H". Im November 1926 ersteigerte der Hauptgläubiger der in Konkurs befindlichen "DPUG", die Girozentrale Sachsen, die Grundstücke und Fabrikanlagen der "DPUG" und vermietete sie ab Dezember 1926 an die von ihr gegründete Aktiengesellschaft "Uhren-Rohwerke-Fabrik Glashütte AG". Nach der aufgrund von Reparationsleistungen an die Sowjetunion im Juli/August 1945 erfolgten kompletten Demontage, gestattete die SMAD im Dezember 1945 die Gründung der GbR "Precis", die sowohl Rohwerke, als auch Armbanduhren fertigen sollte und stellte dafür das Gebäu der ehemaligen "UROFA" zur Verfügung. Da Bankeigentum nach dem 1946 im Land Sachsen durchgeführten Volksentscheid verstaatlicht wurde, waren auch die Grundstücke der Girozentrale Sachsen in "Volkseigentum" übergegangen, wie ein Feststellungsbescheid des Ministeriums für Maschinenbau der DDR in Berlin vom 31.01.1951 dokumentiert. Zum 1. Juli 1951 wurden die der VVB Mechanik Dresden unterstehenden Glashütter Betriebe und damit auch die "Precis" in dem neu gegründeten "VEB Glashütter Uhrenbetriebe" zusammengefasst, zu dem dann auch das Grundstück und Gebäude der ehemaligen Girozentrale Sachsen, in dem die „Precis“ Armbanduhren produzierte, gehörte. Der VEB Glashütter Uhrenbetriebe nutze das Gebäude dann bis zur "Wende" 1990. Das Gebäude wurde in den 1990er Jahren abgerissen. Auf dem Grundstück Uferstraße1 steht heute das neu errichtete Firmengebäude der Firma „Grossmann Uhren G.m.b.H.“.

 

In den fünf Jahren, die der Firma "Bahnzeit" Paul Westendorp bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges blieben, bewarb die Firma die von ihr gefertigten Produkte sehr umfänglich in den verschiedenen Fachzeitschriften. Dazu gehören u.a.

 

1909 - Runde Nickelstahlstangen von 11 mm Durchmesser, Gehäuse für Bahnsteiguhren, Große Reklameuhren mit einem Durchmesser von 1,4 Meter, mit transparenter und nicht transparenter Reklameum- rahmung, beleuchtet und nicht beleuchtet.

 

Quelle:URANIA Heft 1909
Quelle:URANIA Heft 1909

1910 - Platten aus homogenen, harten Messing, Uhrgehäuse für Außenuhren in Trommelform aus verbleitem Eisen-, Zink- oder Messingblech, elektrische Uhrwerke von der einfachsten bis zur feinsten Ausführung.

1911 - Verschlungene Reklame-Trauringe, jegliche Art von Nebenuhren in hermetisch schließenden Gehäusen, deren Werk durch eine Hauptuhr angetrieben wird und daher keines Aufzuges bedarf, elektrische Bahnsteiguhren, feine Glashütter Haupt- und Nebenuhren, Vertreter erster Fabriken in astronomischen Präzisions-Pendeluhren, Präzisions-Turmuhren, Nickelstahlpendel, eigenes Fabrikat u. System.

1912 - Zeitstempeluhren, verbesserte Ausführung der Bahnsteig- und Straßenuhrwerke

Beschreibung der Verbesserten Werkausführungen
1912 Verbesserte Uhrwerke der Fa. Bahnze
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Diesem Bericht ist zu entnehmen, dass die benannte Firma in ihrem "Musterbuch" (Katalog) von 1913, nicht auf eine Eigenfertigung von Glashütter Präzisionspendeluhren verweist. Für die Herausgabe eines  Werbekataloges nach dem Jahr 1913 gibt es bisher keinen verifizierbaren Beleg.

1913 - Spulengestelle, Perronuhren mit Federzugwerken und Beleuchtungseinrichtung, Gewicht-Hauptuhren in Hänge- und Stahl- gehäusen, Signaluhren,

Vertreter erster Fabriken in Präzisionspendeluhren,

elektrische Nebenuhren für trockene und feuchte Räume, Straßenuhren mit Trägern, Hallen und Säulenuhren

Diese aus dem Jahr 1913 stammende Werbeanzeige verweist lediglich auf einen Vertieb von Präzisions-Pendeluhren und Präzisions-Turmuhren, als "Vertreter erster Fabriken" hin. Von einer eigenen Fertigung dieser Uhren, von der Uhrenfabrik "Bahnzeit" Paul Westendorp, kann man auch aus dem Grunde nicht ausgehen, weil sich in der damaligen Fachliteratur keinerlei diesbezüglicher Hinweis finden lässt. Es wäre auch nicht nachvollziehbar, eine eigene Fertigung diese Präzisionsuhren nicht, wie die anderen Hersteller, durch eine entsprechende Reklame zu bewerben.

In verschiedenen Publikationen, wie z.B. in dem Buch "100 Jahre Uhrenindustrie in Glashütte von 1845-1945" S.444 von R. Meis, wird mit Katalogbildern von Präzisionspendeluhren der Eindruck erweckt, das von dieser Firma Glashütter solche hergestellt wurden.

 

Da trotzt intensiver recherchen bisher kein verifizierbarer Beleg dafür zu finden war, das in und durch diese Firma bis zum Ende ihres Bestehens 1918, Präzisionspendeluhren gefertigt wurden, muss bis zum Beweis des Gegenteils, davon ausgegangen werden, dass die Firma, wie sie selbst anzeigt, lediglich Vertreter erster Fabriken von Präzisionsuhren war. Eine Nutzung dieser zugekauften Präzisionspendeluhren als "Mutteruhren" für die zentrale Steuerung von Nebenuhren in von der Firma in Fabrik- und Bürogebäuden installierten, elektrisch gesteuerten Uhrenanlagen, ist zu vermuten.

Das Fabrikgebäude befand sich im unteren Teil des Ortes in Hanglage und wurde nach dem ersten Weltkrieg, vermutlich im Zusammenhang mit dem 1919 erfolgten Ausscheiden des Firmeninhabers und der Umwandlung der Firma durch die neuen Eigentümer, aufgegeben. In der Folgezeit wurde das Gebäude von der 1918 gegründeten Uhrmachergenossenschaft "Deutsche Präzisionsuhrenfabrik Glashütte e.G.m.b.H i. Sa." als Abteilung Rohwerkefertigung genutzt.

Uhrenfabrik "Bahnzeit" in Glashütte

23. März 1919 -1938

Karl Edmund Anton Pfeiffer 1919
Karl Edmund Anton Pfeiffer 1919

Zur "neuen" Bahnzeit und ihrem neuen Firmenstandort in Glashütte, finden zur Zeit noch weitere Recherchen statt.

Quelle: Die Uhrmacher-Woche Nr.47 von 1921 S. 559
Quelle: Die Uhrmacher-Woche Nr.47 von 1921 S. 559

1933

Das ist derzeit die letzte verifizierbare Nennung der Firma Bahnzeit in der überegionalen Fachpresse.

Der Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, stellt den derzeitigen Kenntnisstand dar und wird, wenn neue verifizierbare Erkenntnisse vorliegen, entsprechend ergänzt.

Literatur:

Allgemeines Journal der Uhrmacherkunst

• 1909 Nr. 6 S. 95

• 1910 Nr. 11, 3. Beilage Anzeigen, Nr.12 S. 192

• 1911 nur Werbeanzeigen

• 1912 Nr. 7A 10.04.12 Anzeige S.60, Nr. 12° 22.06.12 Anzeige S.96, Nr.15 5.Beilage v.1.08.12 Anzeige mit Bild, Nr.19 v. 08. Okt. 12 S.170 Auszeichnung, Nr. 20 S. 322 & 323

• 1913 Nr. 1 S. 3 Anzeige

• 1914 Nr. 1 XVI Anzeige mit Bild, Nr. 3 S. 39 & XIV Anzeige mit Bild, Nr. 6 XI Bildanzeige, Nr. 9 XVI Bildanzeige, Nr. 12 XII Anzeige

• 1915 Nr. 20 15. Okt. Titelseite

• 1919 Nr. 17 S. 221 & Nr. 19. S. 249 neue Inhaber

 

Deutsche Uhrmacher-Zeitung

• 1909 DUZ Nr. 5 S. 93 Firmengründung

• 1909 DUZ Nr. 9 S.169 Nickelstahl Stangen

• 1909 DUZ Nr. 12 S. 219 Gehäuse

• 1909 DUZ Nr. 13 S. 226 Ausstellungsbeteiligung

• 1909 DUZ Nr. 20 S. 360 Antworten im Briefkasten

• 1910 DUZ Nr. 4 S.73 besonderes Messing

• 1910 DUZ Nr. 6 S.107 Briefkasten

• 1910 DUZ Nr. 15 S. 255 Briefkasten

• 1911 DUZ Nr. 16 S. 276 verschlungene Reklameringe

• 1911 DUZ Nr. 24 S. 413 zu Frage 7479

• 1911 DUZ Nr. 2 Anzeigenteil I Anzeigen XXXI

• 1911 DUZ Nr. 9 Anzeigenteil I Anzeigen XXIII b

• 1911 DUZ Nr. 21 Anzeigenteil I Anzeigen XXXIII

• 1911 DUZ Nr. 23 Anzeigenteil I Anzeigen XXII b

• 1911 DUZ Nr. 1 Anzeigenteil II Anzeigen XII Elektr. Uhren

• 1911 DUZ Nr. 3 Anzeigenteil II Anzeigen XXX

• 1911 DUZ Nr. 6 Anzeigenteil II Anzeigen XVIII

• 1911 DUZ Nr. 7 Anzeigenteil II Anzeigen XX a

• 1911 DUZ Nr. 12 Anzeigenteil II Anzeigen XXVIII

• 1911 DUZ Nr. 17 Anzeigenteil II Anzeigen XIX a

• 1911 DUZ Nr. 19 Anzeigenteil II Anzeigen XIXV b

• 1911 DUZ Nr. 20 Anzeigenteil II Anzeigen XXIV

• 1912 DUZ Nr. 10 S. 166 Zeitstempeluhren

• 1912 DUZ Nr. 19 S. 322 Artikel mit Bild

• 1912 DUZ Nr. 20 S. 388 Auszeichnung

• 1912 DUZ Nr. 22 Anzeigenteil II Anzeige XXII c

• 1913 DUZ Nr. 3 S. 45 Spulengestelle

• 1913 DUZ Nr. 15 S. 250 zu Frage 7836

• 1913 DUZ Nr. 17 S. 282-283

• 1913 DUZ Nr. 11 Anzeigenteil I Anzeigen XIX stilisierte Wanduhr

• 1913 DUZ Nr. 13 Anzeigenteil I Anzeigen XX

• 1913 DUZ Nr. 21 Anzeigenteil I Anzeigen XVII b Bildanzeige mit Uhr

• 1913 DUZ Nr. 22 Anzeigenteil I Anzeigen XIX Wanduhr mit 3 ZB

• 1913 DUZ Nr. 2 Anzeigenteil II Anzeigen XVI Wanduhr 95 Mark

• 1913 DUZ Nr. 4 Anzeigenteil II Anzeigen XIX a elektr. Straßenuhr

• 1913 DUZ Nr. 19 Anzeigenteil III Anzeigen XXII c Gehilfensuche

• 1913 DUZ Nr. 23 Anzeigenteil III Anzeigen XXII c

• 1914 DUZ Nr. 11 S. 178 Reklameuhr in Form einer Taschenuhr

• 1914 DUZ Nr. 12 S. 195 Quecksilberpendel

• 1919 Die Uhrmachekunst Nr. 19 v. 01. Okt. 1919 S.249

• 1921 DUZ Nr. 2 S.19 Bilder Fabrikanlage

• 1921 DUZ Nr. 52 S. 678-680 Bilder & Text

 

 

Aktualisiert 25.02.2017

Deutsches Uhrenmuseum Glashütte - Das Bild  mit Video hinterlegt
Deutsches Uhrenmuseum Glashütte - Das Bild mit Video hinterlegt

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