GUB Kaliber 62

  • Herstellungsjahr: 1951 - 1956
  • Werkdurchmesser: 9 x 13''' = 20 x 28 mm
  • Werkhöhe: 4,0 mm
  • Werkaufbau: Platinenwerk mit Grundplatte, Federhausbrücke, Räderwerkbrücke, Ankerbrücke, Unruhkloben.
  • Aufzug: Kupplungsaufzug mit 4-Loch Winkelhebelfeder
  • Hemmung: Palettenankerhemmung
  • Unruh: Monometallische Schraubenunruh mit 16 Gewichtsschrauben
  • Steine: 15
  • Stoßsicherung:  ohne
  • Reglage: freier Rückerzeiger
  • Sekunde: dezentral  
  • Stückzahl: ca. 190.000 ?(62 & 62.2 zusammen)?  Aufgrund widerspüchlicher Datenlage, Gegenstand weiterer Recherchen
  • Preis: 128,- M bis 145,- M  Werksabgabepreis
  • Besonderheiten: Sekundenradbrücke von Zifferblattseite montiert

Derzeitiger Kenntnisssstand zur Entwicklungsgeschichte des Werkes

1929 war es der Schweizer Firma Revue, Uhrenfabrik A. G. Thommen, aus Waldenburg gelungen, mit dem Kaliber Revue 54 ein völlig neu Entwickeltes, großserienfähiges 9 x 13 liniges Herrenarmbanduhrkaliber auf den Markt zu bringen.

Das Innovative bei der Konstruktion war, dass durch die Versetzung des Großbodenrades, der gewonnene Raum für ein größeres Federhaus, größeres Räderwerk und für eine größere Unruh geschaffen war. In dem Zusammenhang war allerdings die Schaffung einer 2. Ebene unter dem Federhaus mit einer Brücke für das Sekundentrieb bei 6 erforderlich.

Die Vorteile dieses Werkes, was man zutreffend mit „Raumnutzwerk“ bezeichnete, bestehen darin, dass infolge der jetzt möglich gewordenen Vergrößerung der entscheidenden Werkbestandteile, eine präzise Regulierung, höhere Ganggenauigkeit und stabilere Laufleistungen bei vergleichbar günstiger Kostenstruktur erreicht wurden. Nach Herstellerangaben erzielte eine 1929 zur Gangkontrolle abgegebene Uhr innerhalb von 14 Tagen nur eine Gangdifferenz von 20 Sekunden.

 

Diese Idee der Schweizer Firma Thommen Uhrenfabriken A.-G. in Waldenburg wurde Mitte der 1930er Jahre in Deutschland von der Uhren Rohwerkefabrik A. G. Glashütte/Sa. aufgegriffen.


Das mit den gleichen konstruktiven Merkmalen ausgestattete und hauptsächlich nur im optischen Bereich modifizierte ebenfalls 9 x 13 linige Werk Kaliber Urofa 58 wurde dann von 1935 an kostengünstig in Großserie produziert.

1938 kam dann die Weitererwicklung Kaliber 581 mit einem verbesserten Aufzug und einer 4-Loch Winkelhebelfeder auf den Markt. Da Ende 1940 die Produktion von Armbanduhren zugunsten der Kriegsproduktion im Wesentlichen durch den Bau des Fliegerchronographen Kaliber 59 eingestellt werden musste, wurde auch dieses Armbanduhrkaliber nicht mehr hergestellt. Erst nach Beendigung des Krieges und der kompletten Neuerrichtung einer Uhrenfabrik, der Produktionsgemeinschaft Precis Glashütte, die Urofa war nämlich 1945 komplett demontiert und als Reparationsleistung nach Moskau zur 1. Moskauer Uhrenfabrik (Kirow) verbracht worden, wurde 1949 durch die Produktionsgemeinschaft Precis, das Kaliber Urofa 581 in leicht veränderter Form als Kaliber 62 wieder produziert. Sichtbar wird die Veränderung einmal durch die Montage der Sekundenradbrücke von der Zifferblattseite her und werkseitig durch die Begradigung der bei Kaliber 581 noch geschwungenen Räderwerk- und Federhausbrücke. Da 1956 mit dem GUB Kaliber 62.2 die Sekundenradbrücke wieder, wie schon beim Kaliber 581, werkseitig auf die Platine montiert wurde, ist nicht auszuschließen, dass dieser Umweg wegen patentrechtlichen Fragen gemacht worden war. Da die Produktionsgemeinschaft Precis nicht Rechtsnachfolger der Ufag oder Urofa war und das Bankeigentum der beiden Aktiengesellschaften trotz oder wegen eines 19%igem Aktienpaketes in Westdeutschland bzw. in der Schweiz erst 1951 verstaatlicht wurde, liegt die Vermutung nahe, dass man eventuell zu erwartenden Komplikationen, vermeiden wollte.

Siehe dazu auch bei Precis 62

Das Werkkaliber 62.2 wurde immerhin, im Wesentlichen kaum verändert bis 1958 von den GUB gefertigt.

Modellbeispiele

Herrenarmbanduhr des VEB Glashütter Uhrenbetriebe Kaliber 62

Die hier dokumentierte im Original mit Etui, Garantieschein und Kassenzettel erhaltene Herrenarmbanduhr Kaliber 62 des VEB Glashütter Uhrenbetriebe stammt aus dem Jahr 1953. Es wurde hier nach der wegen Reparationsforderungen der Sowjetunion 1945 erfolgten kompletten Demontage mit neu geschaffenem Maschinenpark auf die bewährte Konstruktion des von 1935-1941 von der Urofa gefertigten Werkes vom Kaliber 58 bzw 581 zurückgegriffen. Diese Modellreihe wurde mit dem damals in der DDR neu geschaffenen Gütezeichen 1 gefertigt. Mit einem EVP von 125,- M waren diese Uhren bei einem durchschnittlichen Monatslohn von rund 300,- M nicht ganz billig.

Original Werbung der 1950er Jahre für GUB Modelle Kaliber 62

Die im Prospekt  gezeigten Modelle ermöglichen es festzustellen, welche Zeigerformen zu welchen Zifferblattdesign und welches Zifferblatt mit welchem Gehäuse von den GUB werkseitig gefertigt worden sind.

Der Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, stellt den derzeitigen Kenntnisstand dar und wird, wenn neue verifizierbare Erkenntnisse vorliegen, entsprechend ergänzt.

Aktualisiert 28.05.2017

Deutsches Uhrenmuseum Glashütte - Das Bild  mit Video hinterlegt
Deutsches Uhrenmuseum Glashütte - Das Bild mit Video hinterlegt

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