GUB Kaliber 70.3 Chronometer

  • Herstellungsjahr: 1964 - 1971
  • Werkdurchmesser: 12 ½''' = 28 mm
  • Werkhöhe: 4,6 mm
  • Werkaufbau: Platinenwerk mit Grundplatte, Federhausbrücke, Räderwerkbrücke, Ankerkloben, Unruhkloben.
  • Aufzug: Kupplungsaufzug mit 2-Loch Winkelhebelfeder.
  • Hemmung: Palettenankerhemmung
  • Unruh: Monometallische vergoldete Schraubenunruh mit 16 Gewichtsschrauben mit antimagnetischer Flachspirale
  • Steine: 17
  • Stoßsicherung:  mit GUB Stoßsicherung
  • Reglage: freier Rückerzeiger
  • Sekunde: Zentral  
  • Stückzahl: ca. 29.500 (Der größte Teil davon ging in die Bundesrepublik Deutschland und wurde vom Versandhaus Quelle mit Chronometerzertifikat vertrieben. ) 
  • Preis: 260,00 MDN oder 99,- DM bzw. 129,- DM
  • Besonderheiten: Gütezeichen Q, in 5 Lagen geprüft, vergoldete Schraubenunruh, Kaliberprägung auf Federhausbrücke, Werknummerprägung auf der Platine, Lagersteine oliviert.

 

Deutsches Amtes für Maß und Gewicht der Deutschen Demokratischen Republik Bezirkseichamt Magdeburg

Prüfschein für Armbanduhrchronometer

Eines der ersten Glashütter Armbanduhrchronometer Kaliber 70.3

Ein Novum und bisher noch nicht dokumentiert ist dieses Armbanduhrchronometer des VEB Glashütter Uhrenbetriebe aus dem Jahr 1964. Die Besonderheiten daran sind, dass es sich noch nicht in dem später obligatorischen, mit 36 mm Durchmesser größeren Plaque-Gehäuse des VEB Uhrenwerk Weimar eingeschalt wurde. Auch kam hier noch nicht das Zifferblatt mit dem Aufdruck „Chronometer“ zum Einsatz. Gleiches trifft auch auf den Druckboden zu, der ebenfalls noch nicht die Prägung „Staatlich geprüft“ aufweist, wie das wenige Monate später für die im Inland vertriebenen Armbanduhrchronometer des Kal. 70.3 obligatorisch war. Nur dadurch, dass hier alle zur Uhr gehörigen Papiere einschließlich dem Gangschein vorhanden sind, konnte sie als echtes Übergangsmodell vom Armbanduhrchronometer Kal. 70.1 zum 70.3 Chronometer identifiziert werden. Damit war es auch möglich den Zeitpunkt des Modelwechsels Mitte des Jahres 1964 zu dokumentieren. Da Gehäuse und Werke von jedem einigermaßen geübten „Bastler“ beliebig austauschbar sind, kann man sich nur sicher sein ein echtes Modell der Glashütter Uhrenbetriebe vor sich zu haben, wenn die Werk- und Gehäusenummern in den zur Uhr gehörigen Papieren mit denen der Uhr übereinstimmen.

Weitere Modellbeispiele GUB Chronometer 70.3

Bisher sind weitere drei Chronometergehäusevarianten bekannt, eine 36x36mm Kissenform und ein rundes 36 mm Gehäuse. Beide Gehäuse mit Schraub- & Staubdeckel sind nur mit 10 Mikrometer vergoldet und wurden aus der Bundesrepublik eingeführt, mit Chronometerwerken ausgestattet , wieder ausgeführt und vom  Quelle Versandhaus mit Chronometerzertifikat für 99,- DM bzw. 129,- DM vertrieben. Die in der DDR in geringer Stückzahl vertriebenen GUB 70.3 Chronometer wurden in ein mit 20 Micrometer 14 Karat vergoldetes 36 mm Druckdeckelgehäuse mit der Deckelprägung "Staatlich geprüft" eingeschalt und auf Kundenwunsch, ebenfalls mit einem Chronometerzertifikat des DAMW vertrieben.

GUB Chronometer für das Versandhaus "Quelle"

Die Lieferungen von geprüften und zertifizierten Armbanduhr- chronometern der Glashütter Uhrenbetriebe in die Bundesrepublik Deutschland an das Versandhaus "Quelle" begann bereits vor 1964, damals noch mit der Kaliberbezeichnung 70.1 und den Gehäusen der Uhrenwerke Weimar.

 

Da die Gehäuse aus Weimar aber nicht der vom Auftraggeber gewünschten Qualität, hinsichtlich der Wasserdichtigkeit entsprachen (siehe unterschiedliche Bodenprägungen) und somit auch nicht entsprechend internationalen Standard beworben werden konnten, war die geplante Ausfuhr und der entsprechende Erlös in frei konvertierbarer Währung mit Schwierigkeiten verbunden.

Aus diesem Grunde wurden die, für die Ausfuhr ins "nichtsozialistische Währungsgebiet (NSW)" bestimmten Armbanduhrchronometer, die ab 2. Quartal 1964 als eigenständiges Kaliber 70.3 mit dem Zusatz "Chronometer" und dem Gütezeichen "Q" auf dem Zifferblatt vermarktet wurden, überwiegend in eingeführte, vergoldete wasserdichte Gehäuse  eingeschalt. 

Die Plaque - Vergoldungsstärke betrugt aber keine 20 Mikrometer, wie  bei den ansonsten von den GUB üblicherweise verwendeten Gehäusen aus den Uhrenwerken Weimar.

 

Obwohl die bisherigen publizierten Angaben über das Auslaufen der Produktion des Kalibers 70.3 von 1971 ausgehen und die von der GUB angegebene 10-jährige Ersatzteilpflicht 1981 endet, wurden noch 1973 für den Export vorgesehene Chronometerwerke geprüft und zertifiziert.


Der Grund dafür ist Gegenstand weiterer Recherchen.

 

Hinweis zur Originalität:

Die Sicherheit, dass es sich tatsächlich um einen Armbanduhr- chronometer handelt, ist nur gegeben, wenn die entsprechenden hier gezeigten, zur Uhr gehörenden Zertifikate vorhanden sind. Armbanduhrchronometer, die für das Versandhaus Quelle in mit der Bodenprägungen "Plaque" und "wasserdicht" versehenen Gehäusen mit Druck- oder Schraubboden eingeschalt wurden, sind nur mit 10 Mikron vergoldet.

 

In der Regel haben diese Gehäuse nicht die Bodenprägung "Staatlich geprüft". Vereinzelt sind aber auch an das ehemalige Versandhaus „Quelle“ gelieferte GUB Armbanduhrchronometer Kaliber 70.3 bekannt, die diese Bodenprägung aufweisen.

Der Grund und der Umfang für diese unterschiedlichen Lieferungen, auch der verschiedenen Gehäusevarianten, ist derzeit noch nicht bekannt und Gegenstand weiterer Recherchen.

 

Die Armbanduhrchronometer mit den Gehäusen aus Weimar (Plaque 20 Mikron, Wassergeschützt), die für die DDR und das sozialistische Wirtschaftsgebiet gefertigt wurden, haben eine diesbezügliche Bodenprägung. Da, wo das nicht der Fall ist, und auch keine Zertifikate vorhanden sind, muss man davon ausgehen, dass es sich lediglich um ein  GUB Armbanduhrmodell mit dem Gütewerk Kaliber 70.3 handelt.

Mit den beiden Beiträgen zu den belegten Chronometerexemplaren GUB Kaliber 70.1 von 1964 bis GUB Kaliber 70.3 von 1973 ist die  nur ein Jahrzehnt andauernde Spanne der Produktion von Armbanduhrchronometern bei den Glashütter Uhrenbetrieben, die ja seit 1967 Bestandteil des Uhrenkombinates Ruhla waren, recht umfassend dokumentiert. Das schliesst allerdings nicht aus, dass es noch weitere bisher unbekannte Aspekte gibt, die nach einer entsprechenden Verifizierung eingearbeitet werden.

GUB Werbeprospekt 1966/67

Die im Prospekt  gezeigten Modelle ermöglichen es festzustellen, welche Zeigerformen zu welchen Zifferblattdesign und welches Zifferblatt mit welchem Gehäuse von den GUB werkseitig gefertigt worden sind.

Der jährliche Sortimentskatalog der Branche Uhren der Großhandels-gesellschaft Technik, weist die im jeweiligen Planjahr dem Handel von den 20 verschiedenen Uhrenproduzenten der DDR, für den inländischen Bedarf zu Verfügung stehende Uhrenmodellvarianten aus. Ebenfalls enthalten sind die Uhrenmodelle, die aus den Ländern des RGW eingeführt wurden. Die für den Export vorgesehenen Uhrenmodelle finden in diesem Katalog keine Berücksichtigung. Neben der Artikelnummer, der Artikelbezeichnung mit Beschreibung, Hersteller und Abbildungen, wird auch der jeweilige EVP in MDN ausgewiesen.

Eine Gewähr, dass die gelisteten Uhren auch im ausreichenden Umfang dem Handel zur Verfügung gestellt wurden, war nicht gegeben. Der Abschluss von Exportverträgen, die über die vom Außenhandel der DDR geplanten Größenordnungen hinausging, wurde zu lasten der inländischen Bedarfsabdeckung vorrangig realisiert. Der Redaktionsschluss für den 1968er Katalog war der 01.08.1967.

Armbanduhrchronometer Kal. 70.3 des VEB Glashütter Uhrenbetriebe

Bei dieser Modellvariante des GUB Armbanduhrchronometers Kaliber 70.3 handelt es sich um eine von zwei Exportausführungen. Die geprüften und zertifizierten Chronometer wurden vorzugsweise an das Westdeutsche Versandhaus "Quelle" geliefert. Mit einer bei der DDR-Ausführung obligatorischen Prägung "Staalich geprüft", wäre die Uhr in der Bundesrepblik nicht absetzbar gewesen und unterblieb folglich. Das Gehäuse dieser Modellvariante wurde importiert, weil die im VEB Uhrenwerk Weimar hergestellten Gehäuse hinsichtlich der Wasserdichtheit nicht den Qualitätsansprüchen des Hauptkunden entsprach. Das Gehäuse hat neben dem Schraubboden noch einen, das Werk schützenden Staubboden. Das Gehäuse ist galvanisch mit 14 karat vergoldet. Die Stärke der Vergoldung beträgt aber keine 20 Micron mehr, wie sie ansonsten damals  bei den Glashütter Armbanduhren üblich war. Die Prüfung der Ganggenauigkeit der Armbanduhrchronometer entsprach dem damals üblichen internationalen Standard.

Der Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, stellt den derzeitigen Kenntnisstand dar und wird, wenn neue verifizierbare Erkenntnisse vorliegen, entsprechend ergänzt.

Literatur:

  • Vom Reitstock zur automatischen Straße; Autor: Helmut Klemmer ; Fachzeitschrift: Uhren und Schmuck 11/1970 S. 341-342
  • Mechanische Armbanduhren aus Glashütte 1950 - 1980; Autor: Werner Heinrich; Callwey Verlag; ISBN 3766717197
  • Der Glashütter Automat Autor: E. Frankenstein;  Monatsschrift für Feinmechanik und Optik 11/1960 S.326-330
  • Glashütter Armbanduhren II; Autor: Kurt Herkner; Herkner Verlags GmbH; ISBN 3-924211-06-X
  • Glashütter Tradition - Fertigung von Präzisionsuhren, Autor: Ing. Schmidtchen, Fachzeitschrift: Uhren und Schmuck 1/1964 S.99-100
  • Die Entwicklung der Glashütter Uhrenindustrie Teil 9; Autoren: Ing. Helmut Klemmer, Edit Klemmer; Fachzeitschrift: Uhren und Schmuck 3/1980 S. 93
  • Quelle Katalog 1967
  • Material- und Warenprüfung in der DDR - Anspruch und Wirklichkeit; Verl.Beuth Wissen; Autoren: G. Fuhrmann, H. Jablonski, H.- H. Lehndecke, J. Thiele, L.-P. Wagenführ ISBN 978-3-410-17748-7
  • Erzeugnisnomenklatur des VEB Uhrenkombinates Ruhla Werk Glashütte 1977

 

Aktualisiert 27.06.2017

Deutsches Uhrenmuseum Glashütte - Das Bild  mit Video hinterlegt
Deutsches Uhrenmuseum Glashütte - Das Bild mit Video hinterlegt

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