GUB Kaliber 63.4

1964 wurde mit dem neuen Kaliber 63.4, dem ebenfalls 15-steinigen, 5 ¼ linigen Werk, bei dem die vorgenannten Qualitätsprobleme des Kaliber 63 weitestgehend behoben waren, die 1962 abgebrochene Produktion von Damenuhren auch zu Exportzwecken wieder aufgenommen und bis 1969 weitergeführt.

  • Herstellung: 1964 - 1969
  • Werkmaße:19,25 mm x 12,8 mm
  • Werkhöhe: 3,5 mm
  • Werkaufbau: Brückenwerk mit Platine, Räderwerkbrücke, Federhausbrücke, Anker- u.Unruhkloben
  • Aufzug: Hand
  • Hemmung: Palettenankerhemmung
  • Unruh: monometallische Ringunruh
  • Steine: 15
  • Stoßsicherung: keine
  • Reglage: freier Rückerzeiger
  • Sekunde: keine
  • Stückzahl: 477.393
  • Preis:ca.185,- Mark
  • Besonderheiten: Verbesserter Nachbau des Kalibers 542 der Urofa, aber mit veränderter Räderwerkbrücke. Triebe, Räder u. Schrauben stammen bei Kal.63.4 aber aus eigener Produktion. Kaliberbezeichnung u.GUB Kennung sind in die Räderwerkbrücke geprägt. Keine Werknummerprägung mehr.

Modellbeispiele

Das Spitzenprodukt der DDR Damenuhrfertigung in den 1960er Jahren

Das in ein massiv goldenes 14-Karat Gehäuse mit integriertem und ebenfalls massiv goldenen Armband eingeschalte 15-steinige Damenarmbanduhrkaliber 63.4 des VEB Glashütter Uhrenbetriebe basiert auf dem gleichgroßen Kaliber 542 der UROFA aus den 1930er Jahren, welches auch als G-Uhr von der Uhrenfabrik Akt. Ges. Glashütte/Sa. in verschiedene Modelle eingeschalt wurde. Das Gehäuse für dieses 1967 gefertigte Modell wurde von der Zwickauer Edelschmiede an die GUB geliefert. Mit einen EVP von 1400,- MDN überstieg der Preis das damalige Durschnittseinkommen in der DDR um das 2,5-fache. Nach 35 Jahren Fertigungszeit und diversen Verbesserungen waren die Gangleistungen dieses Kalibers ausgereizt und keine Leistungssteigerungen waren mehr möglich. 1969 wurde das Kaliber 63.4 zuerst durch die Neuentwicklung 08-20 und 1 Jahr danach durch das Kaliber 09-20 abgelöst.

Im Original erhaltene GUB Damenarmbanduhr Kaliber 63.4 mit Etui

Bei diesem Damenarmbanduhrkaliber 63.4, das in der zweiten Hälfte der 1960er Jahr von den VEB Glashütter Uhrenbtrieben gefertigt wurde, handelt es sich um die letzte Modifikation des ehemaligen Hauptproduktes der Uhrenrohwerke Fabrik Akt. Ges. Glashütte Sa. aus der ersten Hälfte der 1930er Jahre, welches von den GUB im Wesentlichen unverändet zu Anfang der 1950er Jahre mit dem Kaliber 63 wieder aufgelegt worden war. Der qualitative Standard dieses Werkes hatte aber seine beste Zeit schon lange hinter sich und die nicht mehr zu verbessernde Qualität - zur Erlangung des Gütezeichen Q hat es nie gereicht - führte 1968 zum Auslaufen der Produktion. Auch die Anforderungen an eine Güteuhr konnten mit diesem Kaliber nicht erreicht werden, was Uhrmacher in der Wendezeit nach 1990 nicht gehindert hat, verschiedentlich solche Werke in Kleinstserien mit verschiedenen Maßnamen optisch, u.a. mit Goldchatons, und technisch aufzuwerten und Kal. 63.2 einzugravieren. Mit den in den 1960er Jahren in der DDR aufkommenden Spangengehäusen sollte die "gealterte Dame" noch ein letztes Mal in ein damals modernes Gewand gekleidet und mit dem stolzen Preis von 189,- MDN an die Frau gebracht werden. Geholfen hat es aber nicht und so kam 1968 mit dem Kaliber 08-20 eine völlige Neukonstruktion auf den Markt.

Damenarmbanduhr vom VEB Glashütter Uhrenbetriebe mit  Kaliber 63.4

Nachdem 1962, wegen eheblicher Qualitätsmängel, die Fertigung des GUB Damenarmbanduhrkalibers 63, bei dem die Konstruktion noch auf dem Vorkriegskaliber 542 der UROFA basierte, eingestellt worden war, wurde nach einer technologischen Überarbeitung, ab 1964 bis 1968, dass 15-steinige GUB Kaliber 63.4 auf den Markt gebracht. Bei der hier vorgestellten Uhr ist besonders interessant, dass trotzt der 1961 erfolgten Schließung der Staatsgrenze der DDR zur Bundesrepublik die Handelsbeziehungen zu den Westdeutschen Furniturenlieferanten aufrecht erhalten wurden. Das bei dieser Damenarmbanduhr mit einem Feingehalt von 585/1000g verwendete Walzgoldgehäuse der Pforzheimer Firma Rodi & Wienenberger ist ein  Beleg dafür.

Garantieschein einer 1965 in die damalige Volksrepublik Polen  exportierte Damenarmbanduhr vom GUB Kal.63.3

Ing. Schmidtchen KDT GUB.pdf
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In dem vorstehenden Artikel in der Fachzeitschrift "Uhren und Schmuck" gibt das Mitglied der Kammer der Technik und der Glashütter Uhrenbetriebe Ingeneur Schmidtchen eine exakten Überblik über das Fertigungsprogramm der GUB von 1950 bis 1964. Dabei geht er auch auf die Produkttion des Kaliber 63 und 63.4 ein.

Anmerkungen:

Das Kaliber 63.4 ist für die damalige Zeit und chronischer Devisenknappheit der DDR, relativ häufig in 585er Goldgehäuse eingeschalt worden. Auch für diese höherwertigen Uhren wurde von der GUB in Sachen Qualität nur das Gütezeichen 1, wie für die schlichteren, vergoldeten Uhren, erreicht.

Aus welchem Grund es Werke des Kaliber 63.4 auch ohne Kaliberbezeichnung auf der Räderwerkbrücke gibt, ist derzeit noch unklar und Gegenstand weiterer Recherchen.

Der Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, stellt den derzeitigen Kenntnisstand dar und wird, wenn neue verifizierbare Erkenntnisse vorliegen, entsprechend ergänzt.

Literatur:

  • Glashütter Tradition - Fertigung von Präzisionsuhren, Autor: Ing. Schmidtchen, Fachzeitschrift: Uhren und Schmuck 1/1964 S. 99-100

Aktualisiert 27.06.2017

Deutsches Uhrenmuseum Glashütte - Das Bild  mit Video hinterlegt
Deutsches Uhrenmuseum Glashütte - Das Bild mit Video hinterlegt

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