GUB Kaliber 70.1 Chronometer

  • Herstellungsjahr: 1962 -1964 
  • Werkdurchmesser: 12 ½''' = 28 mm
  • Werkhöhe: 4,6 mm
  • Werkaufbau: Platinenwerk mit Grundplatte, Federhausbrücke, Räderwerkbrücke, Ankerkloben, Unruhkloben.
  • Aufzug: Kupplungsaufzug mit 2-Loch Winkelhebelfeder.
  • Hemmung: Palettenankerhemmung
  • Unruh: Monometallische vergoldete Schraubenunruh mit 16 Gewichtsschrauben mit antimagnetischer Flachspirale
  • Steine: 17
  • Stoßsicherung:  mit GUB Stoßsicherung
  • Reglage: freier Rückerzeiger
  • Sekunde: Zentral  
  • Stückzahl: > 1.000
  • Besonderheiten: Gütezeichen Q,  vergoldete Schraubenunruh, Kaliberprägung auf Federhausbrücke, Werknummerprägung auf der Platine, Lagersteine oliviert.

 

Der hier abgebildete und vom Bezirkseichamt Magdeburg des DAMW geprüfte, zertifizierte und mit Gangschein versehene Chronometer GUB Kaliber 70.1 bildet den Übergang zu den nach 1964 von den GUB gefertigten Chronometern vom Kaliber 70.3.

Diese wurden dann in größere Gehäusevarianten, bei der für die inländische Produktion dann zusätzlich die Deckelprägung  "Staatlich geprüft" eingeführt wurde, konfektioniert.

Werk- und Gehäusenummern der Chronometer wurden in den nummerierten Zertifikaten zur eindeutigen Identifikation der Uhren ausgewiesen.

Deutsches Amtes für Maß und Gewicht der Deutschen Demokratischen Republik Bezirkseichamt Magdeburg

Prüfschein für Armbanduhrchronometer

Prüfgrenzen für Armbanduhrchronometer


a) Mittlerer täglicher Gang in den fünf Lagen bei 20° C vor der Temperaturprüfung -3,0 bis +12,0 s/d


b) Durchschnittliche tägl. Gangänderung in den fünf Lagen bei 20° C vor der Temperaturprüfung 6,0 s/d²


c) Größter Unterschied (Gangänderung) zwischen zwei aufeinander folgenden täglichen Gängen in der gleichen Lage bei 20° C                 vor der Temperaturprüfung 10,0 s/d²


d) Größter Unterschied zwischen dem mittleren täglichen Gang und einem der Gänge in den fünf Lagen bei 20° C

vor der Temperaturprüfung + 22,0 s/d


e) Gangänderung je Grad Celsius +/- 1.0 s/d ° C


f) Wiederaufnahme des Ganges            +/- 10,0 s/d


+ = Vorgang; - = Nachgang

 

Auch wenn dieses Armbandchronometer in der Fachliteratur bisher noch nicht erwänhnt wurde, so ist es doch eine Realität.

Kaliber 70.1 - das erste Armbanduhrchronometer des VEB Glashütter Uhrenbetriebe im Originalzustand mit Box, Garantie- und Gangschein

1960 war die Entwicklung einer neuen Kalibergruppe 70 der VEB Glashütter Uhrenbetriebe abgeschlossen. Für die Wahl der Größe des Basiskalibers 70.1 mit 28 mm Durchmesser war entscheidend, dass damals erst ab dieser Werkgröße bei Armbanduhren Chronometerwerte erreicht werden konnten, die dem internationalen Standard entsprachen. Das traf aber nicht für die gesamte Serienproduktion des Kalibers 70.1, sondern nur für eine kleinere Anzahl besonders behandelter, mit vergoldeter Schraubenunruh ausgestatteter und geprüfter Werke zu. Der geplante Export dieser 70.1 Chronometer in die Bundesrepublik Deutschland scheiterte an der nicht genügenden Wasserdichtheit der neuen Gehäuse aus dem Uhrenwerk Weimar. Nachgewiesen ist die Chronometerfertigung in der Güteausführung des Kalibers 70.1 bisher von 1962 bis 1964. Ab dem 2. Quartal 1964 wurde die Chronometerwerke des Kaliber 70.1 in 70.3 umbenannt und in drei verschiedenen, größeren Gehäusevarianten vorwiegend für den Export produziert. Zwei wasserdichte Gehäusevarianten mit Staubdeckel und Schraubboden wurden importiert um die 70.3 Chronometer u.a. auch nach Westdeutschland ausführen zu können. Die Zifferblattsignatur wechselte gleichzeitig von „GUB“ zu „Glashütte“. Bei der Ausführung, die in der DDR und im sozialistischen Ausland vertrieben wurde, bekam der Boden zusätzlich die Prägung „Staatlich geprüft“. Auf Wunsch wurde gegen Aufpreis ein Gangschein mitgeliefert. Mit 260,30 DM entsprach der EVP fast 60% des damaligen monatlichen Durchschnittslohns in der DDR.

Ausführungsvarianten des 1. Chronometers der GUB vom Kaliber 70.1

GUB Armbanduhrchronometer Kaliber 70.1 Werknummer: 45646

GUB Kaliber 70.1 - 1961 das erste Armbanduhrchronometer der GUB

Ende der 1950er Jahre, die Uhrenindustrie der Bundesrepublik Deutschland hatte schon mehrere Uhren mit automatischem Aufzug und Armbanduhrchronometer auf den Markt gebracht, wurden in der DDR vermehrt kritische Stimmen laut, warum man in Glashütte nicht in der Lage war, mindestens vergleichbare Produkte zu fertigen. Die Versuche aus dem Basiswerk der Kalibergruppe 60 nach den Güteuhren Kal. 60.2 & 60.3 und den Datumuhren Kal. 66 & 66.1 auch ein Armbanduhrchronometer für die Serienfertigung zu entwickeln, scheiterten. Man musste sich eingestehen, dass die Grenzen der Ganggenauigkeit des Kal. 60 mit den Güteuhren erreicht waren. In der zweiten Hälfte der 1950er Jahre wurde den GUB die Planauflage erteilt, eine völlig neue, weitestgehend standardisierte Kalibergruppe zu entwickeln, mit der neben Automatikuhren auch eine Chronometer-Fertigung zu realisieren war. 1960 war es dann soweit, die Kalibergruppe 70 mit den Automatikuhren 67.1, 68.1 & 68.4, den Handaufzuguhren  69.1 und 70.1, der Güteuhr 70.1 und dem 1. serienmäßig gefertigten Armbanduhrchronometer Kaliber 70.1 war marktreif. Die Uhren wurden wie geplant auch in das NSW und nach Westdeutschland als „Devisenbringer“ exportiert. Das baugleiche Güteuhrkaliber 70.3 und das Armbandurchronometer 70.3 folgten 1964 mit neuem Design und moderneren, größeren Gehäusen. Nach 1964 wurden mit dem neuen Design zwar noch Güteuhren Kal. 70.1, aber keine Armbanduhrchronometer vom Kal. 70.1 mehr gefertigt.

Die Vorgeschichte und die Umsetzubg des Investitionsprojektes Kalibergruppe 70
Der+Glashütter+Automat.pdf
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Der Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, stellt den derzeitigen Kenntnisstand dar und wird, wenn neue verifizierbare Erkenntnisse vorliegen, entsprechend ergänzt.

Literatur:

  • Neuerungen, Probleme und Stand der modernen Kleinuhrentechnik (III) Autor: Horst Koblitz, KDT Leipzig, Fachzeitschrift Uhren und Schmuck 5/1964 S.157-160
  • Glashütter Tradition - Fertigung von Präzisionsuhren, Autor: Ing. Schmidtchen, Fachzeitschrift: Uhren und Schmuck 1/1964 S.99
  • Material- und Warenprüfung in der DDR - Anspruch und Wirklichkeit; Verl.Beuth Wissen; Autoren: G. Fuhrmann, H. Jablonski, H.- H. Lehndecke, J. Thiele, L.-P. Wagenführ ISBN 978-3-410-17748-7
  • Erzeugnisnomenklatur des VEB Uhrenkombinates Ruhla Werk Glashütte 1977

Aktualisiert 24.03.2017

Deutsches Uhrenmuseum Glashütte - Das Bild  mit Video hinterlegt
Deutsches Uhrenmuseum Glashütte - Das Bild mit Video hinterlegt

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