A. Lange & Söhne 1868 - 1948

1868 nahm der Firmengründer  Ferdinand Adolf Lange (links),der Begründer der Glashütter Uhrenindustrie, seinen äußerst begabten Sohn Richard Lange (rechts) in seine Firma auf.

Mit der Teilhaberschaft erfolgte 1868 auch die Umbenennung der

Firma A. Lange in A. Lange & Söhne.

Nachdem erfolgreichen Aufbau der Glashütter Uhrenindustrie, die inzwischen aus vielen kleineren Firmen der Uhren und Zulieferindustrie bestand, und seinem von 1848 bis 1866 ausgeübten Amt als Bürgermeister von Glashütte, wird Ferdinand Adolf Lange 1869 als Abgeordneter in den Sächsischen Landtag gewählt und vertritt dort bis zum Jahr seines Todes 1875 den 8. sächsischen Wahlkreis. Seine nun nochmals gewachsene gesellschaftliche Verantwortung und sein starkes soziales Engagement waren ein Grund mehr die Geschäfte der Firma mehr und mehr in die Hände seines Sohnes zu legen.

Personalmanagement und soziale Verantwortung

Teilhabe -  als wichtiges Grundprinzip nachhaltigen Wirtschaftens

Bereits 1870, noch vor der Reichsgründung, wurde mit der Einrichtung einer Lange Stiftung auch eine moderne Altersversorgung für Glashütter Uhrmacher eingerichtet, die ihrer Zeit weit voraus war.

 

1905, zum 60. Jahrestag der Firmengründung, spendete der Firmeninhaber, Stadtrat Emil Lange, der bereits mit 5.000 Mark Grundkapital ausgestatteten Friedrich-Emil-Lange-Stiftung weitere 45.000 Mark.

 

1919, bei seinem Ausscheiden aus der Firma, erfolgte durch Emil Lange noch einmal eine Aufstockung der Stiftungseinlage in Höhe von 50.000 Mark.

In der 1905 erschienenen sechsten Auflage der Gedenkschrift der Firma A. Lange & Söhne findet sich auf Seite 50 ein Beitrag mit interessanten Details über das für diese Zeit doch recht bemerkenswerten, sozialen Engagements der Firma.

„Zum Schluß sei noch kurz bemerkt, dass auch die Firma A. Lange & Söhne für das Wohl ihres gesamten Personals bedacht gewesen ist, und zwar sorgt eine Stiftung im Betrage von Mk. 50000., gedacht als Pensionskasse, für arbeitsunfähig gewordene Arbeiter beziehentlich deren Witwen, während eine neuere Stiftung in Gestalt einer Rentenkasse älteren Arbeitern Beihilfe gewährt. Außerdem lässt die Firma in neuerer Zeit für ihr Personal Arbeiterhäuser errichten. Ein Beweis, dass stets ein gutes Einvernehmen bestanden hat, ist der, dass bereits acht alte, bewährte Arbeitskräfte von der Königl. Sächs. Staatsregierung die „Silberne Medaille“ für „Treue in der Arbeit“ erhielten.“

 

Stellvertretend dazu an dieser Stelle zwei Beispiele:

Kollege Reinhold Hanke - Eine Uhrmacher Biografie vor mehr als 100 Jahren

Schule, Ausbildung, Wanderschaft, permanente Fortbildung, in 29 Jahren mindestens 11 Anstellungen in 11 verschiedenen Städten und dann im Alter von 45 Jahren eine Festanstellung über 35 Jahre bei A. Lange & Söhne in Glashütte. Ein allseits anerkannter, für vorbildliche Leistungen mit dem Ehrenzeichen für Treue in der Arbeit ausgezeichneter Angestellter der Firma.

„Am 8. Mai feiert der älteste Angestellte der Uhrenfabrik A. Lange & Söhne in Glashütte i. S., Herr Kollege Reinhold Hanke, in voller Rüstigkeit und noch immer mit den feinsten Arbeiten der Uhrmacherei beschäftigt, seinen achtzigsten Geburtstag. Herr Hanke wurde am 8. Mai 1827 zu Schömberg in Schlesien geboren. 1841 trat er bei seinem Vater eine zwei jährige Lehre an, die ihn mit der Wanduhr bekannt machte. Hierauf ging er nach Trautenau, wo er die Spindeluhr kennen lernte und von dort als Praktikant nach Böhmisch-Brod. Unablässig auf seine Weiterbildung bedacht, ließ er sich z. B. in Collin (bei Prag) das Studium komplizierterer Werke, wie des Repetiermechanismus der Spindeluhr, 10 Taler kosten. Auf diesem Weg hatte er sich zu einem tüchtigen Uhrmacher ausgebildet, als er lange Wanderungen durch Österreich bis nach Raab in Ungarn und von dort bis nach Saarbrücken unternahm und dann in Kreuznach, Bonn usw. und später wieder in Schömberg tätig war. Als er sechs Jahre lang in Salzbrunn als Brunnendiener angestellt war, betrieb er nebenbei, insbesondere in Winter, die Uhrmacherei. Sodann ging er nach Lähn und, als die Eppnersche Fabrik nach Silberberg übersiedelte, nach Görlitz wo er in eine neu errichtete Uhrenfabrik eintrat, die sich leider auflöste. Im Februar 1872 kam er nach Glashütte, wo er bis heute — ausgezeichnet mit dem Ehrenzeichen für Treue in der Arbeit — bei A. Lange & Söhne in Stellung ist und durch seine guten Leistungen anderen zum Vorbild dient.“*

1928 - C. Lier in Firma A. Lange & Söhne 70 Jahre alt.

"Aus dem hier beigefügten Bilde grüßt noch einmal Herr C. Lier aus Glashütte in Sachsen, der 30 Jahre hindurch seine schätzenswerte Kraft in den Dienst der Firma A. Lange & Söhne gestellt hat, seine Ge­schäftsfreunde, mit denen er zum Teil ein Menschenalter hindurch in kaufmännischer Verbindung stand.

Die vornehme, feine Art, in der Herr Lier das Haus A. Lange und Söhne vertrat, seine umfassende Sachkenntnis und seine geschäftlichen Erfah­rungen, die er bereitwilligst allen seinen Geschäftsfreunden zur Verfügung stellte, haben ihm unter den deutschen Uhrmachern einen recht großen Kreis von Ver­ehrern geschaffen.

Herr Lier wird nun nicht mehr seine Besuche persönlich ausfüh­ren. Diese Arbeit nimmt ihm eine jüngere Kraft ab. Er ist vielmehr auf Grund der Satzungen des Pensionsfonds der Firma Lange & Söhne am 1. De­zember in den Ruhestand getreten.

Wer Herrn Lier und seine trotz seines Alters noch rüstige Arbeitskraft kennt, der wird wohl nicht mit Unrecht ver­muten, daß sich Herr Lier nicht ganz von der Arbeit wird trennen können. Zweifellos wird er seiner Firma und ins­besondere der jüngeren Kraft, die nun für ihn die Beschwer­nisse der Reisetätigkeit übernimmt, auch weiterhin mit Rat zur Seite stehen.

Möge es Herrn Lier vergönnt sein, sich noch recht lange Zeit der besten Gesundheit zu erfreuen, so daß es ihm mög­lich ist, einen recht angenehmen Lebensabend zwischen den herrlichen Glashütter Bergen im Kreise der anderen Vete­ranen unseres Faches zu verleben."

Quelle: Die Uhrmacher-Woche Nr.50 1928

Wichtige Eckdaten in der Entwicklung der Firma

  • 1871 - am 1.Oktober wird Emil Lange in die Firma seines Vaters und des Bruders Richard Lange, aufgenommen.
  • 1873 - die Firma erhält für ihre Aluminiumspiralen in den USA das Patent.
  • 1873 - Konstruktion eines auf der oberplatte sichtbaren Chronograph-Mechanismus.
  • 1873 - Nur noch kurze zwei Jahre war es Ferdinand Adolf Lange vergönnt in dem 1873 neu errichteten großzügigen Wohnhaus und der angrenzenden Fabrik die Früchte seiner Lebensleistung zu genießen, bis er am 03. Dezember 1975 mit gerade einmal 60 Jahren jeh aus dem Leben gerissen wurde und an einem Schlaganfall verstarb.
Das 1873 in Glashütte erbaute Wohnhaus der Familie Lange mit der angrenzenden ebenfalls neuen Fabrikanlage
Das 1873 in Glashütte erbaute Wohnhaus der Familie Lange mit der angrenzenden ebenfalls neuen Fabrikanlage
  • 1874 - Einführung einer Damen- Ankeruhr, der damals mit 25mm, kleinsten mit Sekunde.
  • 1875 Einführung der mit nur einem Federhaus verbesserten und auf die Oberplatte montierte Seconde-Morte.
  • 1875 - Die patentierte herausnembare Federhauseinrichtung, bei der die aufwendige demontage des Werkes entfällt, wird eingeführt.
  • 1875 - nach dem Tod des Firmengründers Ferdinand Adolf Lange, führen die Söhne Richard und Emil Lange die Firma A. Lange & Söhne gemeinsam weiter.

 

 

1877 Erstbeschreibung der Uhrenmarke DUF
Im Beisein von Richard Lange wird auf einer Versammlung des Berliner Uhrmacher-Vereins am 23. Mai 1877 eine Taschenuhr der neuen Uhrenmarke Deutsche Uhrenfabrikation (DUF) der Firma Lange & Söhne vorgestellt und beschrieben.
Erstbeschreibung DUF 1877.pdf
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1879 - Die Uhrenfabrikation von Glashütte
Die überregionale, auflagenstarke Wochenillustrierte "Die Gartenlaube" veröffentlicht einen ausführlichen Beitrag, in dem die Lebensleistung von Ferinand Adolf Lange noch einmal gebührend gewürdigt wird.
Deutschlands große Industrie-Werkstätten
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1880 ALS Auf- und Ab-Werke

Abhandlung über die verschiedenen Systeme von "Auf- und Ab-Werken" für Aufzugsmechanismen von A. Lange & Söhne
AJU 1880.pdf
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Lange Patent.pdf
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1882 - Neues verbessertes Datumwerk

Neues verbessertes Datumwerk für Taschen-Uhren, von A. Lange & Söhne in Glashütte
AJU 1882.pdf
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  • 1882 berichtet die Deutsche-Uhrmachezeitung über eine Veränderung bei der bisherigen Firmenbezeichnung, wie folgt:"wird beim zuständigen Amtsgericht Lauenstein zusätzlich zum Firmennamen „A. Lange & Söhne“ der Zusatz „Deutsche Uhrenfabrikation Glashütte i. S. ins Handelsregister eingetragen. Der Grund dafür war, das Post die an Firma A. Lange & Söhne gerichtet war, oft als Anschrift nur »Deutsche Uhrenfabrikation Glashütte i. S.« hatte und diese dann von der Post als – unzustellbar- zurückgeschickt wurde."

 

  • 1883 - Für die Erfindung eines federnden Scharnirstift für das Taschenuhrgehäuse wird der Firma ein Patent erteilt.
  • 1885 - für die Auslösevorrichtung mit Rüttel- und Remontoiraufzug in Verbindung mit einem Differential-Auf-und-Abwerk erhält die Firma A. Lange & Söhne gesetzlichen Schutz. (erste Taschenuhr mit automatischen Aufzug)
  • 1886 - in der Firma wird eine Uhr mit Doppelzeigerpaar konstruiert.
  • 1887 - von Richard Lange wird ein Taschenchronometer mit Schnecke und Federhemmung konstruiert. Im gleichen Jahr wird von der Firma eine mit Schleppzeiger ausgestattete Doppelstoppuhr gefertigt.
  • 1887 - Emil Lange wird Aufsichtratsvorsitzender der Deutschen Uhrmacherschule
Emil Lange
Emil Lange
  • 1887 - Richard Lange der erste Nachfolger des Firmengründers Adolf Lange, der nach dem Tod seines Vaters, die Firma 12 Jahre mit seinem Bruder Emil gemeinsam geführt hatte, scheidet, Pressemeldungen zufolge aus gesundheitlichen Gründen, aus dem Unternehmen aus.
  • Emil Lange führt die Firma danach als alleiniger Inhaber weiter.
1889 - Unsere Hausuhr
Richard Lange beschrieb 1889 in einem Artikel in der Deutschen Uhrmacher-Zeitung die beim Neubau des Wohn- und Geschäftshauses der Familie Lange, die von Ferdinand Adolf Lange im Haus installierte Großuhr mit dem schweren und damals vermutlich längsten Pendel der Welt.
R. Lange Die Hausuhr.pdf
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  • 1891 - Richard Lange wird zum Ausichtratsvorsitzenden der Deutschen Uhrmacherschule gewählt und löst damit seinen Bruder Emil ab.
Die Firma A. Lange & Söhne auf der Fachausstellung 1891 in Leipzig
ALS zur Fachausstellung Leipzig 1891.pdf
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Die von Richard Lange entwickelte und am 17. Mai 1891 mit dem Reichspatent Nr. 60071 patentierte Chronometerhemmung stellte eine wesentliche Vereinfachung des Wippenganges dar und bot gegenüber dem Ankergang und den bis dahin ausgeführten Chronometergängen wesentliche Vorteile.
Patentierter Chronometergang von Richard
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1892 Die Laudatio zur Vollendung der 30.000 ALS Taschenuhr am
23. Januar 1892.pdf
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  • 1893 - auf der Weltausstellung in Chicago wird die Firma A. Lange & Söhne mit drei ersten Preisen ausgezeichnet. Im gleichen Jahr wird die A. Lange & Söhne Patent-Springfeder in die Produktion eingeführt.
Im historischen Kabinett der Lange Uhren GmbH ausgestelltes Original  ............................................ Die Bildrechte liegen bei Lange Uhren GmbH Glashütte
Im historischen Kabinett der Lange Uhren GmbH ausgestelltes Original ............................................ Die Bildrechte liegen bei Lange Uhren GmbH Glashütte

"Expansions-Messapparat" der Firma A. Lange & Söhne

Eines der viel beachteten Exponate der Firma  A. Lange & Söhne zur Weltausstellung 1893/94 in Chicago war ein Präzisons- messgerät der besonderen Art. Es handelte sich um den von den Regleuren der Firma Lange verwendete "Expansions-Messapparat" um die Gleichmäßigkeit der Ausdehnung an den beiden Kompensations- armen der Unruhereifen festzustellen.

Die Resonanz der Fachpresse zum
Expansions-Messapparat.pdf
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Neue Art von Gehäusespringfedern
Die 1893 veröffentlichte Beschreibung der Funktionsweise der neuen Torsions-Springfeder der Firma A. Lange & Söhne
Neue Art von Gehäusespringfedern.pdf
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1893 erwarb Emil Lange ein Patent

 

Nachdem bereits die Firma Dürrstein & Co. ein Patent auf eine neuartige Torsions-Springfeder für Taschenuhr- gehäuse erhalten hatte, wurde 1893 für die Firma A. Lange & Söhne von Emil Lange eine weitere Verbesserung der Scharnierfeder zum Patent angemeldet. In Deutschland wurde diese Entwicklung am 25. Mai 1893 als Deutsches Reichs-Gebrauchsmuster (DRGM) zur Eintragung in die Gebrausmuster-Rolle beantragt, die dann bereits drei Wochen später am 17. Juni 1893 unter der Nummer 14937 erfolgte. Die Erteilung eines Schweizer Patentes folgte dann mit der Patentnummer 6879 am 05. Juni 1893. Bei dieser verbesserten Wurffeder handelt es sich um das einzige von Emil Lange erworbene Patent.

 

Allgemeines Journal der Uhrmacherkunst Nr.6 v.15. März 1895 S.123
Allgemeines Journal der Uhrmacherkunst Nr.6 v.15. März 1895 S.123
1.Beilage zum Allgemeinen Journal der Uhrmacherkunst Nr.6 v. 15. März 1895
1.Beilage zum Allgemeinen Journal der Uhrmacherkunst Nr.6 v. 15. März 1895
  • 1896 - Beginn der Marinechronometerfertigung. Zwei von Fridolin Stübner gefertigte und zur Prüfung an die Deutsche Seewarte Hamburg gelieferte Marinechronometer erhalten auf Anhieb mit sehr guten Gangeigenschaften den 2. und 4. Platz, was zur Folge hat, dass sie durch das Reichs- Marineamt gekauft werden. Im gleichen Jahr werden die Taschenuhranker, deren genaue Gewichtslage durch eine perfekte Verteilung der Masse erzielt wurde, gesetzlich geschützt.
  • 1897 -  die Konstruktion der Marinechronometer wird weiter verbessert und eine eigene separate Fertigungsabteilung eingerichtet.
  • 1897 - Firmenwerbung anlässlich der Sächsisch-Thüringischen Industrie- und Gewerbe-Ausstellung zu Leipzig
Informationsblätter über A. Lange & Söhne anlässlich der Sächsisch-Thüringischen Industrie- und Gewerbeausstellung
Leipziger Ausstellung 1897.pdf
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  • 1898 - Erweiterung der Fabrikanlage - Mit der Aufname der serienmäßigen Fertigung von Beobachtungsuhren und Chronometern die vorwiegend für die Kaiserliche Marine bestimmt waren, reichten die alten Fabrikanlagen nicht mehr aus. 1898 wurde das Fabrikgbäude um einem 1. Anbau mit einer modernen Zentralheizung erweitert. Die Elektrifizierung der Fabrik war bereits 1996 umweltfreundlich, mittels eines Generaturs, der durch den Mühlbach angetrieben wurde, erfolgt.
  • 1898 - es werden für verschiedene Länder Deck- und Beobachtungsuhren konstruiert und exportiert.
  • 1899  -    Für die Festklemmeinrichtung der Regulierschraube an der als „Schwanenhals“ bekannten Rückerfeder wird der Firma am 12. Januar  in der Klasse 64 das Schweizer Patent Nr. 15832 erteilt. Parallel dazu erhält die Erfindung auch  unter der Nr. 89010 den Schutz als Gebrausmuster entsprechend dem  Gesetz vom 01. Juni 1891.
Schweizerische Eidgenossenschaft; Patentschrift vom Patent Nr. 15832 v.12.Januar 1898
Festklemmvorr_f_Rückerfeder.pdf
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  • 1899 - es werden Marine ½ Sekundenchronometer mit Baskülehemmung  konstruiert und exportiert.

 

  • 1899 - die Entwicklung der Karusell,-oder Drehganguhr wird in verbindung mit dem Glashütter Originalkaliber der Firma, gesetzlich geschützt.
Neue Karussell-Uhr
Am 11. August 1899 beantragte die Firma A. Lange & Söhne beim Kaiserlichen Patentamt für ein von Richard Lange entwickeltes Taschenuhrwerk mit sich drehenden Gangteilen Gebrausmusterschutz. Dieser wurde am 29. August 1899 unter der laufenden Nummer 121267 in die Gebrauchsmuster-Rolle beim Kaiserlichen Patentamt eingetragen. In ihrer zweiten Ausgabe vom 15. Januar 1901 veröffentlicht die Deutsche Uhrmacher-Zeitung einen Bericht über die Funktionsweise dieser Karussell-Uhr.
Richard Lange 1899 neue Karussel-Uhr.pdf
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  • 1899 - wird in der Zagreber Presse veröffentlicht, dass die Firma des Uhrmachers B. Wolf in Zagreb nach längeren Bemühungen ein Alleinverkaufsrecht für Lange- Uhren von der Firma A. Lange & Söhne zugesprochen wurde. Unbekannt ist bisher noch, ob sich das Recht auf Zagreb (dt. Agram) beschränkte bzw. Kroatien oder weitere Gebiet umfasste.
Firma B. Wolf, Zagreb - Alleinvertriebsr
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Unrestaurierter Werkteilausschnitt der Grande Complication  No. 42500 [2]
Unrestaurierter Werkteilausschnitt der Grande Complication No. 42500 [2]

1902 - Grande Complication 

(Video)

 

Als die hier gezeigte Taschenuhr mit der Nummer 42500 im Jahr 1902 ausgeliefert wurde, waren in dem Uhrwerk fast alle, zu damaligen Zeit möglichen Komplikationen vereint. Ein Stunden- Minuten- Werk, ein ewiger Kalender mit Mondanzeige, ein Chronograph mit Schleppzeiger und blitzenderFünftelsekunde,eine Minutenrepetition und ein Schlagwerk mit großem und kleinen Geläut. Dieses Unikat galt lange Zeit als verschollen und tauchte erst im Jahr 2001, völlig verrostet, unvollständig und teilweise zerstört, wieder auf. Es bedurfte großen Ingeneurtechnischen Geschicks, einer erheblichen Investitionssumme und nicht zuletzt 5000 Arbeitsstunden eines fünfköpfigen Taems, diese einmalige Kostbarkeit zu restaurieren. Das Werk befindet sich einem 750/1000 Rotgold-Gehäuse in der Form Louis XV mit Werkverglasung. Die Werkseite ist zusätzlich durch einen Staubdeckel geschützt. Die Uhr wurde 1902 für 5.600 Mark nach Wien verkauft.[1]

 

Weitere Informationen und Bilder dazu finden Sie >> hier <<

 

Firmenwerbung 1904
Firmenwerbung 1904
  • 1904 - A. Lange & Söhne erhalten für Ihr Marinechronometer deutschen Ursprungs Nr. 12, die erste Prämie in Höhe von 1200 Mark. Es hatte in der 1. Klasse zwar nur den 4. Platz Belegt, war aber mit einer Griesbach’schen Nickestahlunruh, nach den neuesten, verschärften Wettbewerbsbestimmungen der Deutschen Seewarte Hamburg, eines von zwei, die in der ersten Klasse die gestellten Bedingungen erfüllte. Die Kaiserliche Marine hatte zu diesem Zeitpunkt bereits 25 Marinechronometer und 210 Beobachtungsuhren von der Firma erworben.
  • 1904 - eine flachere patentierte Herrentaschenuhr wird in den Markt eingeführt.

1904 - Beschäftigtenliste  der Firma A. Lange & Söhne

Ergebnisse der 27. Wettbewerbsprüfung an der Deutschen Seewarte Hamburg
Zur Chronometer Wettbewerbsprüfung 1903/04 wurden von der Firma A. Lange & Söhne erstmals Chronometer mit einer Nickelstahlunruh, angefertigt vom Glashütter Unruhmacher Richard Grießbach eingereicht.
27. Chronometer Wettbewerbsprüfung 1904.
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Gedenkschrift A. Lange & Söhne 1905 (Auszug)

Vorwort zur sechsten Auflage

 

„Die überaus rege Nachfrage nach dieser Gedenkschrift beweist uns das Verlangen nach näherer Auskunft über die Entstehung der Präzisions-Taschenuhren-Fabrikation in Glashütte sowie über die Fabrikation selbst. Wir sind überzeugt, mit der Herausgabe dieser sechsten Auflage allgemeinen Wünschen Rechnung zu tragen und hoffen, dass diese Schrift den Weltruf und die Vorzüglichkeit unserer Lange-Uhren immer weiter verbreiten hilft. Durch beigefügte Beschreibungen unseres Etablissements mit eingestreuten Illustrationen bieten wir einen Einblick in die verschiedenen Werkstätten und Glauben damit dem allgemeinen Interesse zu dienen.

                                                                                                    A. Lange & Söhne"

 

A. Lange & Söhne"
1905 Gedenkschrift A. Lange & Söhne.pdf
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  • 1905 - Beim Kaiserlichen Patentamt wird die Bezeichnung "A. Lange & Sohn's Original Glashütter Lange Uhr" in die Zeichenrolle eingetragen und damit geschützt.
Das ehemalige Kaiserliche Patentamt Berlin im Bezirk Mitte Luisenstraße 33-34
Kaiserliches Patentamt.jpg
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OttoLange
OttoLange
  • 1906 - Kommerzienrat Emil Lange führt seinen Sohn Otto Lange als Mitinhaber der Firma A. Lange & Söhne ein. Damit wird die Tradition der Weitergabe der Firma als Familienunternehmen für eine weitere Generation gesichert.
  • 1907 - Anlässlich der in Berlin stattfindenden Deutschen Armee-, Marine- und Kolonialausstellung  wird die Firma mit einer Goldmedallie ausgezeichnet. Im gleichen Jahr wurde in der Konkurrenzprüfung in Hamburg, die 1., 2., 4. und 6. Prämie erzielt.
  • 1908 - die 1., 2. und 4. Prämie der Konkurrenzprüfung gehen an die Firma Lange.
  • 1910 - Berufung der Firma A. Lange & Söhne als Mitglied des Internationalen Preisgerichtes der Weltausstellung in Brüssel.
  • 1907 - Anlässlich der in Berlin stattfindenden Deutschen Armee-, Marine- und Kolonialausstellung  wird die Firma mit einer Goldmedallie ausgezeichnet. Im gleichen Jahr wurde in der Konkurrenzprüfung in Hamburg, die 1., 2., 4. und 6. Prämie erzielt.
  • 1908 - die 1., 2. und 4. Prämie der Konkurrenzprüfung gehen an die Firma Lange.
  • 1910 - Berufung der Firma A. Lange & Söhne als Mitglied des Internationalen Preisgerichtes der Weltausstellung in Brüssel.
Werbeanzeige von 1913 in überregionaler Tageszeitung
Werbeanzeige von 1913 in überregionaler Tageszeitung

Aus Altersgründen und sicher auch aus der Erkenntnis heraus, dass die neue Zeit und die damit verbundenen neuen Herausforderungen sehr großer Anstrengungen bedarf, legte Kommerzienrat Emil Lange seinen Betrieb am 1. Mai 1919 in die Hände seiner drei Söhne Otto, Rudolf und Ger­hard.

  • 1921 - am 09. Oktober 1921 stirbt der langjährige Firmenchef Emil Lange
Nachruf der Saxonia auf Kommerzienrat Friedrich Emil Lange
Nachruf auf E. Lange.jpg
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  • 1923  - Im Jahr der Hyperinflation sah sich auch die Firma A. Lange & Söhne   gezwungen für Lohngelder, eigenes Notgeld in Form von Gutscheinen zu drucken und an die Beschäftigten auszureichen.
  • Ausführlichere Informationen mit weiteren Bildern von originalen Artefakten finden Sie >> hier <<

1925

Nach dem ersten Weltkrieg und dem Ausscheiden des langjährigen alleinigen Firmen-inhaber Kommerzienrat Emil Lange und der Weiterführung der Firma durch seine Söhne Otto, Rudolf und Gerhard, kam es zu gravierenden Veränderungen in der Fertigungstechnologie der Firma. Neben einem höheren Mechanisierungs- und Automatisierungsgrad, wurden auch neue Fertigungs-technologien und Materialien in den Produktionsprozess eingeführt. Ein schönes Beispiel ist u.a.die Verwendung von Gangrädern aus Stahl, wie es hier bei einer Uhr der Marke Deutsche Uhrenfabrikation Glashütte, zu sehen ist.

Welche Art des Ankerganges bzw. des Ankers eignet sich am besten für Präzisionsuhren
Richard Lange 1925.pdf
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Richard Lange 80. Geburtstag
Richard Lange 80. Geburtstag

80. Geburtstag von Richard Lange am 17. Dezember 1925

Am 17. Dezember 1845 - vor 165 Jahren - wurde Richard Lange als zweiter Sohn von Ferdinand Adolf Lange, dem Begründer der Glashütter Uhrenindustrie, geboren.

Der 80. Geburtstag von Richard Lange wird im Dezember 1925 in der Fachpresse zum Anlass genommen neben den Glückwünschen auch das Lebenswerk des Jubilars, auch als langjähriger Vorsitzender des Aufsichtsrates der Deutschen Uhrmacherschule Glashütte, in mehreren Beiträgen gebührend zu würdigen.

UZ zu Richard Lange achtzigsten Geb..pdf
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UW Zu Richard Langes achtzigsten Geb..pd
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Metallzifferblätter von Weber & Baral Pforzheim

In der Mitte der 1920er Jahre kamen Metallzifferblätter immer stärker in Mode. In den darauffolgenden Jahren konnte sich die Firma A. Lange & Söhne diesem Trend für ihre neue Taschenuhrmarke "OlLIW" und für die A. Lange & Söhne Armbanduhren mit den Schweizer Werken, nicht verschließen. Da die Firma selbst keine eigene Zifferblattfertigung hatte, kam es zu einer lagjährigen Geschäftsbeziehung zu der Pforzheimer Metall-Zifferblätter-Fabrik Weber & Baral, die wie die nachstehende Korospondenz belegt. Sogar noch nach Beendigung des 2. Weltkrieges 1945 hatte diese Geschäftsbeziehung über die Grenzen der Bestzungszonen hinaus, bestand.

Einführung der Uhrenmarke OLIW

  • 1925 Handelsgerichtliche Eintragung: Firma Uhren­fabrik Oliw in Glashütte i. Sa. Fabrikbesitzer Adolf Otto Lange, Fabrikbesitzer Wilhelm Rudolf Lange, Fabrikbesitzer Hans Gerhard Lange, alle in Glashütte, sind Gesellschafter. Angegebener Geschäftszweig: Herstellung von Uhren und Uhrgehäusen                                              

                                  Die Uhrmacher- Woche • Nr. 26. 1925 S. 472

 

 

Werbung der Firma A. Lange & Söhne für die neue Marke OLIW
Werbung der Firma A. Lange & Söhne für die neue Marke OLIW
Informationen der Fachpresse zur Markteinführung der neuen Uhren-Markre "OLIW" 1928
Neben der Beschreibung des Werkaufbaues wird auch auf die im Werk enthaltenen Neuerungen eingegangen.
Presseinformation zu OLIW 1928.pdf
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Weitere Informationen zu Neuen Uhren-Marke "OLIW" finden Sie

>> hier <<

1927 -Eine Niederlassung der Uhrenfabrik A, Lange & Söhne in der Schweiz.

 

Die Uhrenfabrik A. Lange & Söhne, Glashütte i. Sa., hat unter der Firma A. Lange & Söhne, Deutsche Uhrenfabrikation Glashütte, ä Glashütte, succursale de Geneve in Genf-Plainpalais eine Zweigniederlassung errichtet, die durch einen der Gesellschafter Adolf Otto Lange, Wilhelm Rudolf Lange und Hans Gerhard Lange, sämtlich in Glashütte (Sa,), oder durch Paul Piaget von Les Bayards (Neuenburg) in Petit-Saconnex vertreten wird.

1932 - Todesanzeige der Gebrüder Lange für Richard Lange

Quelle:Deutschen Uhrmacher-Zeitung vom 5.Nov.1932
Quelle:Deutschen Uhrmacher-Zeitung vom 5.Nov.1932

Mitte der 1930er Jahre

Im Verlauf der 1930er Jahre wird es für die deutschen Hersteller von Taschenuhren immer schwieriger für ihre Produkte einen Absatzmarkt zu erschließen. Der Siegeszug der Armbanduhr war nicht mehr aufzuhalten. Wer - wie die Firma A. Lange & Söhne - über keine eigenen Armbanduhrkaliber verfügte, war gezwungen auch unkonventionelle Wege zu suchen. So wurden von der Firma Junghans eigene Werke in hochqualitative Goldgehäuse der Firma A. Lange & Söhne in Kooperation mit dieser eingeschalt und als Junghans-Uhren auf den Markt gebracht.

Flume 1937
Flume 1937
Das zerstörte Fabrikgebäude der Firma A.Lange & Söhne
Das zerstörte Fabrikgebäude der Firma A.Lange & Söhne

A. Lange & Söhne 07.05.1945 bis 20.04.1948

Am 7.Mai 1945, den letzten Tag des 2.Weltkrieges kam es im Müglitztal noch zu einer verhängnisvollen Konzentration von SS-Kampfeinheiten, die auf den Berghöhen  noch einmal eine Verteidigungslinie gegen die heranrückenden Einheiten der Sowjetarmee errichten sollten. Am gleichen Tage waren auch die Glashütter Betriebe geschlossen worden. Am Morgen des 8. Mai 1945 griffen sowjetische Flieger die Kampfeinheiten an und zerstörten dabei u.a. auch das Fabrikgebäude  der Firma Lange.

Das war zum Ende des Zweiten Weltkrieges die Ausgangslage bei der Firma A. Lange & Söhne.

 

Als Zeitzeuge berichtet der Langjährige Betriebsführer der Uhren-Rohwerkefabrik A. G. Glashütte, Helmut Klemmer darüber 1980 folgendes:

„Durch den zweiten Weltkrieg war die Ent­wicklung der Glashütter-Uhrenindustrie nach 100jährigem Bestehen nicht nur un­terbrochen, sie war völlig zum Erliegen gekommen. Zur Verfügung standen leere Arbeitsräume und ein ausgebranntes Fa­brikgebäude. Ein Teil der Unternehmer hatte es vorgezogen, sich vor dem Ein­marsch der Sowjetarmee in Richtung We­sten abzusetzen. Ein Teil der Spezialisten und Facharbeiter waren Opfer des Krieges geworden. Weitere hatten, wegen der aus­sichtslos scheinenden Lage in der Uhren­industrie, Glashütte verlassen. Die weni­gen befähigten und fortschrittlich gesinn­ten Werktätigen, die bei Urofa und Lange den Versuch unternahmen wieder etwas auf die Beine zu stellen, wurden belächelt. Es galt, nicht nur mit den wenigen vorhan­denen Mitteln wieder aufzubauen, es mußte gleichzeitig, der neuen gesellschaft­lichen Ordnung entsprechend, auch eine geistige Umstellung der Menschen erfol­gen.“

Kaliber 28.1
Kaliber 28.1

Weiter heisst es:

„Bei Lange konnte nach verhältnismäßig kurzer Zeit die Produktion von Marine­chronometern und Beobachtungsuhren Kal. 48 und 48.1 wieder anlaufen. Für diese Uhren waren noch Halbfabrikate vorhan­den. Außerdem war die Herstellung von jeher zum großen Teil auf Handarbeit auf­gebaut, so daß keine komplizierten Ma­schinen erforderlich waren. Parallel zu der Produktion dieser Spezialuhren wurde 1946 die Entwicklung einer Herrenarmbanduhr aufgenommen. Es entstanden die Kai. 28 und 28.1. Bei bei­den Ausführungen handelte es sich um massive Werke, Durchmesser 28 mm mit Palettenankerhemmung, Kupplungsaufzug und 15 bzw. 16 Steinen. Das Kal. 28.1 war mit Zentralsekunde ausgestattet. Die übli­che Dreiviertelplatine war in Federhaus­brücke, Räderwerkbrücke und Ankerrad­kolben aufgeteilt worden (Bild 46). Mit der Lieferung wurde 1949 begonnen. Durch die solide Bauart und Ganggenauigkeit wur­den diese Werke in die Güteklasse „Q." ein­gestuft.“

Ursprünglich von UROFA & UFAG unvollendetes Werk Kal.2 der Deutschen Präzisionsuhr "Original Glashütte"
Ursprünglich von UROFA & UFAG unvollendetes Werk Kal.2 der Deutschen Präzisionsuhr "Original Glashütte"

Ein interessantes Belegstück für die schwere Zeit des Neuanfanges stellt auch ein von der Firma Lange im Frühjahr 1947 vollendetes Werk der ehemaligen Uhren-Rohwerkefabrik Glashütte i/Sa. AG (UROFA) dar, welches die Uhrenfabrik Glashütte i/Sa. AG (UFAG) wegen ihrer Kriegsproduktion bis 1945 nicht mehr vollenden konnte. Die alte Firmenbezeichnung der UFAG wurde herausgefräst und die für Lange Uhren gebräuchliche Firmensignatur aufgebracht. Ungeachtet dessen, dass die Uhr von der Firma A. Lange & Söhne remontiert und fein vollendet wurde, bleibt das Ursprungswerk, das was es immer war: das Kaliber 2 der Deutschen Präzisions-Uhrenfabrik Glashütte in Sachs. e.G.m.b.H. ", welches nach deren Konkurs von der UROFA und UFAG übernommen wurde. An der Werknummer 352162 der UFAG und der 2/3 Platine sowie dem separaten Gangradkloben ist das Werkkaliber unschwer zu erkennen. Belegbar ist das auch durch ein Artefakt mit der nur um 214 Stück zurückliegenden Werknummer 351948, welches noch von der UFAG vollendet wurde. Wenn man bedenkt, dass dieses Werk einmal in harter Konkurrenz zu den bei Lange gefertigten Uhren entstanden war, schon eine bemerkenswerte Besonderheit.

Parallel zu den bereits erwähnten Arbeiten wurde auch an der Entwicklung einer Stoppuhr gearbeitet, die dann als Kaliber 65 von 1951  bis 1953 vom VEB Glashütter Uhrenbetriebe gefertigt wurde. Die Kaliber 28 und 28.1 konnten erst 1949, nach der Verstaalichung 1948, in die Serienproduktion gehen. Parallel dazu wurde auch die Produktion der Kaliber 48 und 100 bei Mechanik Lange & Söhne VEB fortgeführt.

Chronologie der Verstaatlichung von A. Lange & Söhne nach Beendigung des 2. Weltkrieges in der SBZ

  • 1. Die Vorgeschichte

 Nach der bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reiches am 08. Mai 1945 gilt in den gebildeten Besatzungszonen Besatzungsrecht. Die alliierten Besatzungsbehörden üben in Deutschland von 1945 bis 1949 das unmittelbare Hoheitsrecht aus. Die für Deutschland als Ganzes geltenden Bestimmungen des Alliierten Kontrollrates werden von den Besatzungsmächten in Zonenrecht umgesetzt.

Die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD)  erlässt für die sowjetische Besatzungszone (SBZ) rechtsnormative Regelungen in Gestalt von Befehlen zur Durchsetzung der Besatzungspolitik. Für die Umsetzung dieser Befehle sind die deutschen Kommunal- und Länderverwaltungen zuständig, sowie die anstelle der aufgelösten Reichsbehörden geschaffenen Deutschen Zentralverwaltungen, die der SMAD unterstehen.

Gleichzeitig handeln Vertretungen wirtschaftsleitender Einrichtungen der Sowjetunion unmittelbar, parallel und unabhängig zur SMAD in der SBZ.

 

Die Neuordnung der Wirtschaft in Deutschland, die unmittelbar nach Kriegsende begann, vollzog sich in der sowjetischen Besatzungszone auf nachfolgende Rechtsgrundlage.

Der Alliierte Kontrollrat in Deutschland (AKR)  und die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) sowie die SMA  in den fünf Ländern der SBZ erlassen dazu Gesetze, Direktiven, Befehle und Anordnungen. Diese Rechtsetzungen ermächtigen die Besatzungsbehörden zu einschränkenden bzw. fördernden Anweisungen. Der Handlungsspielraum für die deutschen politischen und wirtschaftlichen Institutionen wird dadurch im Wesentlichen bestimmt. Damit werden die Voraussetzungen für eine spezifische gesellschaftliche Entwicklung in der SBZ geschaffen.

Die in diesem Sinne im Aufbau befindlichen und zu entsprechenden Handlungen verpflichteten Deutschen Verwaltungsorgane in der sowjetischen Besatzungszone bekamen dabei in der Folgezeit von der SMAD immer mehr Verantwortung übertragen.

 

  • 2. Die Rechtsgrundlagen der Verstaatlichung

 Die Verstaatlichung der Firma A. Lange & Söhne erfolgte durch Beschluss der Sächsischen Landesregierung vom 3. März 1948 zur Sequestrierung  der Firma auf der Grundlage des Befehles der SMAD Nr. 124 vom 30. Oktober 1945 und der Bestätigung der getroffenen Entscheidungen durch den SMAD, Befehl Nr. 64 vom 17.04.1948.

Diese Entscheidung befindet sich in Übereinstimmung mit den nachfolgend aufgeführten Rechtgrundlagen und dem damals in der SBZ geltenden Recht.

 

Beschlüsse der Alliierten auf den Konferenzen von Teheran, Jalta und Potsdam 

Proklamation Nr. 1 des Alliierten Kontrollrates vom 30. August 1945

Proklamation Nr. 2 vom 20. September 1945

Befehl der SMAD Nr. 17  vom 27. Juli.1945

Befehles der SMAD Nr. 124  vom 30. Oktober 1945

Befehl der SMAD Nr. 138 vom 4. Juni 1947

Volksentscheid in Sachsen vom 30. Juni.1946

Befehl der SMAD Nr. 32  vom 12. Februar.1948

Beschluss der Landesregierung Sachsen vom 3.März 1948

Befehl Nr. 64 der SMAD vom 17. April.1948

Befehl Nr. 76  der SMAD 23.April. 1948

Anordnungen der Deutschen Wirtschaftskommission

Befehl Nr. 183  der SMAD vom 27. November 1948

 

Entscheidend dafür, welches Eigentum schlussendlich enteignet wurde, war nicht, wie gelegentlich publiziert, ausschließlich das, welches 1945/46 listenmäßig erfasst oder aus den verschiedensten Gründen auch wieder gestrichen wurde, sondern das, welches 1948 in den der SMAD von der DWK zur Bestätigung vorgelegten Auflistung enthalten war.

Mit dem SMAD Befehl Nr. 64 vom 17. April 1946 wurden die vorgenannten Listen und damit die Enteignung des darin aufgeführten Eigentums von der Besatzungsmacht bestätigt.

 

  • 3. Neuordnung der Zuständigkeiten

Die unter zentraler Leitung neue von der DWK 1948 festgelegte, unter der Betriebsnummer 37/376/1005 geführte und in ihrem Verzeichnis aller Industriebetriebe dokumentierte Betriebsbezeichnung der ehemaligen Firma A. Lange & Söhne lautete ab dem 20. April 1948 „Lange & Söhne VEB.“

 

Auf Grundlage des Befehls Nr. 76 der SMAD vom 23. April 1948 und im Hinblick auf die angestrebte Zentralisierung der Wirtschaft in der SBZ wurden noch im selben Jahr in der SBZ zentral geleitete Vereinigungen Volkseigener Betriebe VVB (Z) und auf Länderebene vergleichbare VVB (L) geschaffen, denen u.a. auch bisher von Institutionen der DWK zentral geleitete Betriebe zugeordnet wurden.

Dem im Land Sachsen neu gegründeten juristisch selbständigen Betrieb "MECHANIK Vereinigung volkseigener Betriebe der Photo-, Kino- und Büromaschinen-Industrie" wurde neben 36 weiteren Betrieben auch der vorher unter zentraler Verwaltung der DWK stehende und inzwischen auf der Grundlage Beschluss der Landesregierung Sachsen vom 3. März 1948 verstaatlichte Betrieb Lange & Söhne VEB in einer noch näher zu recherchierenden Form im April/Mai 1948 verwaltungstechnisch bzw. mit dem juristisch schwammigen Begriff der „Rechtsträgerschaft“ zugeordnet. Ob damit auch der Verlust der juristischen Selbständigkeit verbunden war, ist Gegenstand derzeitiger Recherchen.

 

Unabhängig davon erfolgte auf Weisung der VVB zu einem noch zu ermittelnden Zeitpunkt zum zweiten Mal eine Änderung der Betriebsbezeichnung, jetzt in „Mechanik Lange & Söhne VEB“.

 

Ob die 1951 erfolgte erneute Namensänderung der VVB in "Mechanik VVB der feinmechanischen Industrie" noch vor der Eingliederung der Firma „Mechanik Lange & Söhne VEB“ in die am 01.07. 1951 gegründeten VEB Mechanik Glashütter Uhrenbetriebe noch in irgend einer Art und Weise relevant gewesen ist, ist ebenfalls Gegenstand weiterer Recherchen

 

  • 4. Integration in den Volkseigenen Betrieb „Glashütter Uhrenbetriebe (GUB)“ am 01.07.1951

 Mit dieser Eingliederung in den „VEB Mechanik Glashütter Uhrenbetriebe“ erlischt auch die eigenständige Betriebsbezeichnung der traditionsreichen, ehemaligen Firma A. Lange & Söhne. Die Produktionspalette der Firma von Marinechronometern Kaliber 100, Beobachtungsuhren Kaliber 48, Herrenarmbanduhren der Kaliber 28 und 28.1 sowie die Entwicklung der Stoppuhr Kaliber 65 wurde von den GUB übernommen und weitergeführt.

Näheres dazu findet sich in den Beschreibungen der einzelnen Kaliber.

Zu den Werkbeschreibungen kommem Sie hier

Literatur:

  • Lexikon der Deutschen Uhrenindustrie 1850 - 1980 : Firmenadressen, Fertigungsprogramm, Firmenzeichen, Markennamen, Firmengeschichten; Autor: Hans Heinrich Schmid; Herausgeber: Förderkreis Lebendiges Uhrenindustriemuseum e.V.; ISBN 3927987913
  • Die Uhren von A.Lange & Söhne, Autor Martin Huber, München
  • Die Entwicklung der Glashütter Uhrenindustrie“  Autor Ing. Helmut Klemmer u. Edith Klemmer

    Fachzeitschrift: Uhren und Schmuck 1/1979 bis 4/1980

  • Die Uhrmacher-Woche 1931 Nr. 25 S. 42
  • Deutsche Uhrmacher-Zeitung 1878-1943
  • Deutsche Uhrmacher-Zeitung 1982 Nr. 23 S. 184
  • Deutsche Uhrmacher-Zeitung 1892 Nr.4 S.29-30
  • Deutsche Uhrmacher-Zeitung 1898 Nr. 2 S. 31
  • *Deutsche Uhrmacher-Zeitung 1907 Nr. 9 S.148
  • Zagreb, Agramer Llyod 1899 Nr.34
  • Deutsche Uhrmacher-Zeitung 1893 Nr. 6 S. 42
  • Deutsche Uhrmacher-Zeitung 1995 Nr. 20 S.233
  • Deutsche Uhrmacher-Zeitung 1897  Nr.11 S. 205-206
  • Deutsche Uhrmacher-Zeitung 1897 Nr. 16 S. 314
  • Deutsche Uhrmacher-Zeitung 1927 Nr. 21 S.401
  • [1] Sonderdruck "Grande Complicatio No.42500; Lange Uhren GmbH, Glashütte 2010
  • [2] http://www.watchtime.com/editors/nbuchanan/pre_detail_lg.jpg

 

 

Der Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, stellt den derzeitigen Kenntnisstand dar und wird, wenn neue verifizierbare Erkenntnisse vorliegen, entsprechend ergänzt.

Aktualisiert 21.09.2017

Deutsches Uhrenmuseum Glashütte - Das Bild  mit Video hinterlegt
Deutsches Uhrenmuseum Glashütte - Das Bild mit Video hinterlegt

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