I. Deutsche Rechenmaschinenfabrik Arthur  Burkhardt 1878 - 1929

[1] Gotthilf Robert Arthur Burkhardt
[1] Gotthilf Robert Arthur Burkhardt

Gotthilf Robert Arthur Burkhardt wurde am 24. Januar 1857 in Apolda (Thüringen) geboren. Er studierte an der Universität Karlsruhe Maschinenbau. Sein Studienkamerad Curt Dietzschold holte ihn 1878 nach Glashütte um gemeinsam an der Verbesserung der von Dietzschold entwickelten Rechenmaschine zu arbeiten. Als Curt Dietzschold 1979 dem Ruf in Österreich die Karlsteiner Uhrmacherschule zu leiten folgte, blieb Arthur Burkhardt in Glashütte um an dem Projekt weiter zu arbeiten.

[1] Der Burkhardt'sche Firmensitz in Glashütte
[1] Der Burkhardt'sche Firmensitz in Glashütte

Bereits kurze Zeit nach dem Weggang von Curt Dietzschold gab Arthur Burkhardt die Weiterentwicklung der Rechenmaschine nach dem System Dietzschold auf und begann mit der Entwicklung einer eigenen Rechenmaschine, die er dann 1880 als sogenanntes Modell A, das auf dem Stufen-Trommelsystem der Maschinen von Leibniz und Colmar aufgebaut war, auf den Markt brachte. [1]

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Das Computer-museum der Fakultät Informatik an der Universität Stuttgart beschreibt das Burkhardtsche Aritometer wie folgt:

"Hersteller: Arthur Burkhardt (Glashütte, Sachsen) Typ: Arithmometer Baujahr: ab 1878 Technik: Staffelwalzenmaschine Schiebereinstellung

Eine Staffelwalzenrechenmaschine, die noch sehr stark an die ursprüng- liche Thomas-de-Colmar-Maschine angelehnt ist. Arthur Burkhardt gilt als Begründer der Rechenmaschinenfabrikation in Deutschland. Er gründete seine Firma in Glashütte in Sachsen unter der Verwendung der Thomas'schen Lizenzen. In Glashütte existierte schon damals und heute wieder eine weltbekannte Uhrenherstellertradition. Funktionell entspricht sie jedoch bereits der Curta oder Alpina oder sonst einer mechanischen Handrechenmaschine: Sie hat ein Einstellwerk, ein Umdrehungszählwerk und einen Akkumulator. Der Akkumulator und das Umdrehungszählwerk sind gegenüber dem Einstellwerk verschiebbar, wo- durch es möglich ist, wie auf dem Papier eine Leiter-Multiplikation oder Division durchzuführen. Aus dieser Konstruktion entstand später die 'Archimedes Euklid'." [3]

Die Rechenmaschine von Arthur Brurkhardt
AJU Nr.10 1880.pdf
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Ein beachtenswerthes Urteil über die Leistungen der Burkhardt'schen Rechenmaschine
Berlin 11. Mai 1880.pdf
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„Burkhardt orientierte sich an der französischen Thomas-Staffelwalzenmaschine, fügte einige Verbesserungen an, erwarb aber für seine Maschinen nie ein Patent. Es entstanden in dieser Zeit aber nur zwei Maschinen für eine preußische Behörde. 1880 heiratete A. Burkhardt Johanna Lousie Lange, Tochter des bis heute berühmten Uhrenfabrkanten (Lange & Söhne) Adolf Ferdinand Lange. Zeitweilig wohnte und arbeitete Burkhardt vor 1885 in Braunschweig. Er beschäftigte sich mit dem Bau einer komplizierten Harfe. Der serienmäßige Bau der Burkhardt- Arithmometer kam erst um 1885 in Gang, weil bis dahin kaum Nachfrage in Deutschland bestand. 1892 lobte der Geheimrat Prof. Reuleaux öffentlich in einer kleinen Broschüre das Burkhardt-Arithmometer und seine Vorteile gegenüber dem französichen Vorbild. Zu diesem Zeitpunkt waren gerade 500 Maschinen in Glashütte fertiggestellt worden." [4]

[1] Modell B
[1] Modell B

"Die Maschine (Gesamtmaße: 10.5 cm x 52 cm x 21 cm) hat ein Messingdeckplatte schwarz lackiert und Messing und Stahl Mechanismus, der sowohl schmiegen sich in einer Holzkiste. Sechs (oder acht) Neusilber Hebel bewegen, um Zahlen festlegen. Die Antriebsscheibe ist auf der rechten Seite den Hebel und ein Zusatz-Multiplikations / Subtraktion & Teilung Hebel ihrer linken Seite. Das Betriebskurbel klappt nach unten, so dass der Deckel geschlossen wird. Ganz links ist ein Fach mit einem Schieferabdeckung. Hinter den Hebeln ist ein Wagen mit einem 8 (9) -Fenster Revolution Register und eine 14 (16) -Fenster Ergebnisregister. Beide Register haben Flügelschrauben für die Einstellung Zahlen. Jedes Fenster der Revolution Register zeigt die Ziffern 0 bis 9 in schwarz und 1-8 in rot. Eine Glocke ertönt, wenn die Kurbel zu oft in Subtraktion eingeschaltet wurde und eine negative Zahl ergibt. Es ist speziell für den Einsatz in der Division vorgesehen. Ein Knopf auf der rechten Seite der Maschine macht den Drehregisters und ein anderer Knopf auf der linken Seite löscht das Ergebnisregister. Wenn diese Regler im Einsatz sind, erstrecken Messingstangen aus den Seiten des Wagens. Löcher für Dezimalzeichen sind zwischen den Hebeln und zwischen den Fenstern der Register, aber die Maschine keine Dezimalzeichen. Ein Stück Holz gelenkig an die Rückseite des Gehäuses der Maschine freigegeben wird, so dass das Instrument geneigt in Richtung des Bedieners wird. Eine Jury in der Unterseite des Gehäuses gleitet hinüber zu offenbaren die Messing trat Schlagzeug." [1]

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1902 Das Firmensignet
1902 Das Firmensignet

„1895 verließ ein Burkhardt-Arithmometer mit der Seriennummer 627 die kleine Fabrik. Schon ein paar Jahre zuvor begann die geschäftliche Zusammenarbeit zwischen Arthur Burkhardt und Hugo Bunzel aus Prag. Bunzel sorgte in den kommenden Jahren für steigenden Absatz der Burkhardt-Maschinen im Kaiserreich Österreich-Ungarn. Um 1900 begann für Burkhardt eine Zeit, in der er in Deutschland nur noch wenige Maschinen unter seinem Namen verkaufen konnte. Um so besser lief der Verkauf an Hugo Bunzel, der nach 1900 aber nur noch Rohwerke (Staffelwalzengetriebe und Schlitten) von Burkhardt importierte. Direkte Beweise dafür gibt es bis heute nicht - wohl aber ausreichende Indizien: - Untersuchungen an etlichen Bunzel-Maschinen (Reese/Anthes) - das Fehlen Tausender Burkhardt-Seriennummern, die aber zusammen mit Bunzels Seriennummern eine vollständige Nummernliste ergeben - versteckte Hinweise auf die Identität von Bunzel-Maschinen auf Karteikarten im ehemaligen Trinks- Museum in Braunschweig ("... siehe: Burkhardt") . Arthur Burkhardt unternahm wenig, um seine "Arithmometer" bekannt zu machen.“ [4]

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"1902 richtete er zwar in Berlin einen Generalvertrieb ein, überließ die Arbeit aber Ludwig Spitz. Jetzt bekamen Burkhardts Maschinen ein geschütztes Markenzeichen (Staffelwalze im Querschnitt). Der Verkauf in Deutschland wurde dadurch aber auch nicht besser – aus dieser Zeit gibt es heute kaum gesammelte Maschinen. Burkhardt unternahm offensichtlich zu wenig, um die aufstrebende deutsche Konkurrenz einzuholen: Saxonia (Glashütte), Peerless (im Schwarzwald, XxX (Dresden), Archimedes (Glashütte) und TIM (Berlin) zogen in wenigen Jahren an Burkhardt vorbei. In diesen Rechenmaschinenfabriken produzierten seine ehemaligen Mitarbeiter verbesserte Staffelwalzenmaschinen! Innovationen dürfte Arthur Burkhardt ablehnend gegenüber gestanden haben. Er glaubte, es sei ein Zeichen guter deutscher Kaufmannsart, wenn er Kunden dazu brachte, alte Maschinen zwecks Umbau nach Glashütte zurückzuschicken. Er selbst schrieb: "Hiervon ist, namentlich im Jahre 1912, sehr ausgiebig Gebrauch gemacht worden" (aus der Firmenschrift von 1913). Das Abwandern seiner Mitarbeiter empfand er als unfair. Die neu herausgebrachten Burkhardt-Modelle "G" und "H" fanden kaum Käufer. Seine alten, treuen Kunden ließen sich Kurbeln auf die alten, umständlichen Radlöschungen schrauben, erhielten veränderte Einstellschieber mit kleinen Schaufenstern eingebaut oder komplette neue Schlitten (mit zwei modernen Zughebel-Löschungen, die er von Hugo Bunzel übernommen hatte). Aus diesem Grund finden wir heute manche Burkhardt-Maschinen, deren niedrige Seriennummer nicht zu ihrem Erscheinungsbild passen will. Burkhardt hatte es andererseits auch nicht nötig, seine Maschinen zu verbessern, weil er jährlich hunderte Rohwerke nach Wien liefern konnte. Wahrscheinlich dauerte diese Art der Zusammenarbeit mit Hugo Bunzel bis 1913. Sie praktizierten eine nie publizierte gemeinsame Nummerierung ihrer verkauften Maschinen." [4]

[8] Fachzeitschrift "Das Handwerk" Heft 10 Okt. 1951
[8] Fachzeitschrift "Das Handwerk" Heft 10 Okt. 1951

"1909 trat Sohn Erich Burkhardt in die Firma ein, 1913 erhielt er Prokura. Nach dem Tod des Vaters 1918 wurde er neuer Inhaber. Die Rechenmaschinenfabrikation war durch den 1. Weltkrieg unterbrochen worden und kam danach nur langsam wieder in Gang. Finanzielle Nöte (auch Bunzel fiel jetzt aus) zwangen Burkhardt zum Zusammengehen mit "Saxonia", vielleicht sprang auch das Land Sachsen mit Bürgschaften ein. Zwei umfangreiche Patentschriften für einen Burkhardt-Rechenautomaten waren Eigentum des sächsischen Fiskus." [4]

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Die Gabstätte von Arthur Burkhard und seiner Frau Antonie auf dem Glashütter Friedhof.

Foto HGD
Foto HGD

1919- "nahm Erich Burkhardt die Herren Georg Wolf, den jetzigen Inhaber der Firma "Liwos", und den Konstrukteur Paul Straßberger in die Firma auf." [12]

[10]
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"In den Jahren 1919 - 1929 entstanden etwa 800 Maschinen des Typs "Burkhardt E", vereinzelt auch noch das "Modell C". Die hier anzutreffenden Neuerungen stammten entweder von Saxonia oder waren nicht patentwürdig. Von dem großen Automaten "Burkhardt ETZ" ist heute nur ein Exemplar bekannt. Es gehört der Universität Dresden." [4]

Modell "Burkhardt ETZ"
Modell "Burkhardt ETZ"

Im Januar 1920 erfolgte die Vereinigung mit der 1895 gegründeten Rechenmaschinenfabrik "Saxonia" und der 1869 gegründeten Firma R. Mühle und Sohn zu den

„Vereinigte Glashütter Rechenmachinenfabriken, Tachometer- und Feinmechanische Werke Arthur Burkhardt & Cie. – „Saxonia“ Schumann & Cie.- Robert Mühle & Sohn“.

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Literatur:

[1] http://history-computer.com/MechanicalCalculators/19thCentury/Burkhardt.html

[2] Allgemeines Journal der Uhrmacherkunst Nr. 10 vom 06.März 1880 S. 80-82

[3] http://computermuseum.informatik.uni-stuttgart.de/cm002.html

[4] Arthur Burkhardt (Glashütte) - Rechnerlexikon http://www.rechnerlexikon.de/wiki.phtml?title=Arthur_Burkhardt_(GL...2 von 5

[5] Handelszeitung für die gesamte Uhrenindustrie Nr. 08 vom 15. April 1897 S. 21

[6] Allgemeines Journal der Uhrmacherkunst Nr. 50 vom 13. Dez. 1901 S. 404

[7] "Saxonia" Bericht für die alten herren der Schülervereinigung "Saxonia" an der Deutschen Uhrmacherschule zu Glashütte Nr. 1 von 1904 Anzeigeteil

[8] Fachzeitschrift "Das Handwerk" Heft 10 Okt. 1951

[9]  Die Uhrmacher-Woche Nr.31 vom 27. Juli 1918 S. 159

[10] Werbeanzeig Fachzeitschrift "Büroindustrie" 1920

[11] Deutsche Uhrmacher-Zeitung Nr.30 vom 20.07. 1935 S. 388

[12] Die Uhrmacher-Woche Nr.42 vom 13. Okt. 1928 S.683/684

[13] Die Uhrmacherkunst Nr.15 vom 12. Mai 1929 S.295

[14] Die Uhrmacherkunst Nr. 36 vom 06. Sept. 1929 S.747

[15] Allgemeines Journal der Uhrmacherkunst Nr.30 vom 23. Juli 1881 S. 235

[16] Allgemeines Journal der Uhrmacherkunst Nr.2. vom 15. Jan. 1920 S.25

Aktualisiert 15.08.2017

Deutsches Uhrenmuseum Glashütte - Das Bild  mit Video hinterlegt
Deutsches Uhrenmuseum Glashütte - Das Bild mit Video hinterlegt

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