Marine B-Chronometer Kaliber 48

Der im Verlauf des 2. Weltkrieges durch Verluste permanent steigende Bedarf an Marinechronometern (Einheitschronometern) konnte aus Kapazitätsgründen (z.B. hatte die Firma Wempe in Hamburg starke Bombenschäden) nicht gedeckt werden.

 

Aus diesem Gunde kam es zu einer Art „Notlösung“, indem man ein Beobachtungsuhrwerk vom Kaliber 48 hilfsweise zu einem Marine B-Chronometer umfunktionierte.

Das Werk wurde unter einem Zifferblatt von 100 mm Durchmesser, wie sie bei den Marine- und Einheitschronometern üblich waren, hier aber exzentrisch angeordnet. Dazu war auch eine speziell umkonstruierte Anzeige für den Ablauf des Federhauses erforderlich.

Das  Werk war ebenfalls wie bei den herkömmlichen Chronometern in einem Messing-, später auch in einem Kunststofftopf untergebracht. Da auch der aus Mahagoni gefertigte Aufbewahrungskasten die selben Abmessungen wie die der  Einheitschronometer (185 x 185 x 180 mm3) hatte, war äußerlich kein sichtbarer Unterschied erkennbar. Mittels einer seitlich am Gehäusetopf befindlichen Krone wurde das B-Chronometer aufgezogen.

Ein wesentlicher Nachteil dieser B-Chronometer war es, dass sie gegen Ende der Gangreserve die  Konstanz des Ganges nicht mehr präzise halten konnten. Auch aus diesem Grunde waren diese „Hilfschronometer“  allenfalls für einen küstennahen Einsatz geeignet und wurden auch so eingesetzt.

 

Parallel zur laufenden Produktion wurde von Seiten der Firma A. Lange & Söhne weiter an der Verbesserung der Gangeigenschaften gearbeitet. 1944 hatte man mit einem doppelten Federhaus und, damit verbunden, hintereinander wirkenden Federn vermutlich die entsprechende Lösung gefunden. Zu einer Serienproduktion ist es dann aber Aufgrund des fortgeschrittenen Kriegsverlaufes nicht mehr gekommen.

 

Insgesamt wurden 246 dieser Beobachtungs-Chronometer und fünf Torpedoboot-Beobachtungs-Chronometer mit dem Kaliber 48 bis zum Kriegsende am 08.05.1945 gefertigt.

Der Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, stellt den derzeitigen Kenntnisstand dar und wird, wenn neue verifizierbare Erkenntnisse vorliegen, entsprechend ergänzt.

Literatur:

  • Marine-Chronometer aus Glashütte, Autor; Christian Schmiedchen; Uhrenjournal für den Sammler; Heft 8/1991
  • Marine-Navigationsuhren und Luftwaffen-B-Uhren: 
    A. Lange & Söhne, Beobachtungsuhr Kaliber 48
    Autor Waldemar Becker Fachzeitschrift Klassik Uhren Heft 4/1998
  • Glashütter Armbanduhren II; Autor: Kurt Herkner; Herkner Verlags GmbH; ISBN 3-924211-06-X

Aktualisiert 28.03.2017

Deutsches Uhrenmuseum Glashütte - Das Bild  mit Video hinterlegt
Deutsches Uhrenmuseum Glashütte - Das Bild mit Video hinterlegt

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