Taschenuhren A. Lange & Söhne 1A - ALS

Erkennungsmerkmale von unterschiedlichen Qualitätsstufen

Obwohl von der Firma keine bezifferten Qualitätseinstufungen bekannt sind, wird in der Praxis von drei Qualitätsstufen ausgegangen.

ALS 1a, 1b und 1c.

Werkansicht TU Lange & Söhne 1A Lepine mit Schwanenhals-Feinregulierung vor 1898 gefertigt
Werkansicht TU Lange & Söhne 1A Lepine mit Schwanenhals-Feinregulierung vor 1898 gefertigt

Ein in der höchsten Qualitätsstufe gefertigtes ALS Taschenuhrwerk

in Funktion.

"Die Marke ALS ist äußerlich durch die Zifferblatt-Aufschrift „A. Lange & Söhne, Glashütte i. Sa.“ kenntlich gemacht. Sie wird teils in 16-steinigen Uhrwerken (Mittelstein in Goldfutter gefaßt), teils in 18- und 20-steinigen Uhrwerken (Rubine zum Teil in Goldfutter und mit Diamantdecke versehen), geliefert. Die Uhren dieser Marke zeichnen sich durch eine sinnvolle Konstruktion und eine meisterhafte Vollendung aus, wie sie nur durch eine handwerksmäßige Nacharbeit aller Teile zu erreichen ist. Die Regulierung ist in Temperaturen (Kälte und Wärme), als auch in 5 Lagen so sorgfältig und gewissenhaft durchgeführt, daß die höchsten Ansprüche an ihre Gangleistungen gestellt werden können."

Textauszug aus einem Verkaufskatalog der Firma aus den 1930er Jahren.

Werkansicht TU A. Lange & Söhne 1A Savonette ohne Schwanenhals-Feinregulierung
Werkansicht TU A. Lange & Söhne 1A Savonette ohne Schwanenhals-Feinregulierung

Zertifizierte TU der Firma A. Lange & Söhne der höchsten Qualitätsstufe

Am 24. Mai 1873, also noch zu Lebzeiten von Ferdinand Adolph Lange, des Begründers der auf einem Verlagssystem beruhenden Glashütter Uhrenindustrie, wurde das Herrentaschenuhrwerk für Sprungdeckel- gehäuse ALS Kaliber 45 mit der Nummer 8760 an die New Yorker Firma „Charles William Schumann“ verkauft. Wie zu dieser Zeit üblich, wurde das 18-karat originale guillochierte Gehäuse mit Münzrand und Saturnbügel aus steuerlichen Gründen erst in den USA gefertigt und das Werk eingeschalt. Das Werk mit Dreiviertelplatine, bimetallischer Kompensationsunruh mit Goldgewichtsschrauben und der Glashütter Ankerhemmung wurde in der höchsten Qualitätsstufe (nach heutiger Lesart mit 1a bezeichnet) mit geschraubt chatonierten Ankerlagersteinen, Breguetspirale mit doppelter Philippscher Endkurve und aus England eingeführten, gefassten Diamantdeckstein noch ohne der erst Jahre später verwendeten „Schwanenhals“ Feinregulierung gefertigt. Bei Einfuhr in die USA war  gesetzlich eine Herkunftssignatur auf dem Werk vorgeschrieben. Ausschließlich aus Gründen der Bekanntheit wählte man dafür „Dresden“ aus.

120 Jahre nach seiner Entstehung - das Taschenuhrwerk in 1a Qualitäi A. Lange & Söhne Nr. 27400 in Funktion

Die Geschichte der Restauration einer Taschenuhr der Firma A. Lange & Söhne, die aufzeigt, was trotzt eines erschreckenden Fundzustandes doch noch möglich ist

Offene 1A Taschenuhr der Firma A. Lange & Söhne Nr. 18411 im 18 Karat Goldgehäuse. Immer wieder kommt es vor, dass alte Uhren in einem bedauernswerten Zustand auftauchen und der Besitzer sich die Frage stellt, was damit zu tun ist. Wenn sich herausstellt, dass das Gehäuse aus Edelmetall ist, wird zu oft an das Verkaufen desselben zum Einschmelzen und an das schnelle Geld gedacht. Dabei ist das durchaus  nicht immer der beste Weg, wie die mit einem Augenzwinkern geschriebene Restaurationsgeschichte  der 1 A ALS 18411 aus der ersten Hälfte der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts eindrucksvoll belegt. Unter Beachtung des maximalen Erhaltes von Originalität wurde vorsichtig nur das ergänzt, was für die Funktionstüchtigkeit der Uhr unbeding erforderlich war. Die Korrosion ist gestopp und ihr "Herz" tickt wieder. Ein beachtenswert schönes Ergebnis.

Offene 1A TU A. Lange & Söhne Nr. 18411 im 18 Karat Goldgehäuse
Eine exhumierte Uhrenleiche.pdf
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Neue Erkenntnisse zur ALS Werkausführung der ersten Qualität (1A)

 

In allen Auflagen des Buches "Die Uhren von A. Lange & Söhne Glashütte Sachsen" von Martin Huber wurde für die erste Qualität der Werkausführungen der Taschenuhren der Firma A. Lange & Söhne die Aussage getroffen:

 

"Das Schwingsystem besteht aus einer Nickelstahl-Kompensationsunruhe in Verbindung mit einer Stahl- spirale mit äußerer und erstaunlicherweise innerer "Philippscher" Endkurve".

 

In meinem Artikel in Klassik Uhren 4/2013 „Erfassung und Dokumentation noch existenter Glashütter Taschenuhren und Werke“ habe ich auf S. 8 diese von Martin Huber gemachte Aussage zitiert. Daraufhin bin ich von einem Uhrmachermeister darauf aufmerksam gemacht worden, dass er aus seiner langjährigen Praxis bei Wartungs-, Reparatur- und Restaurierungsarbeiten diese allgemeingültige Aussage nicht bestätigen kann. Das habe ich zum Anlass genommen, dieser Frage weiter nachzugehen und diesbezügliche Recherchen zu beginnen. Derzeit kann man dazu folgendes sagen. Die von Martin Huber hinsichtlich des Schwingsystems publizierten Aussagen sind so nicht haltbar!

 

Richtig ist, dass es in dem im Buch im Faximile enthaltenen Lange Verkaufskatalog (vermutlich aus dem Jahr 1910) auf Seite 2 im Text darauf verwiesen wurde und auch ein Bild einer Kompensationsunruh mit einer Breguet-Spirale, die eine innere und eine Äußere Phillip’sche Endkurve zeigt, enthalten ist.

 

Als nicht zutreffend hat sich durch bereits erfolgte stichprobenartige Begutachtungen erwiesen, dass:

 

• der Einsatz von Nickelstahl-Unruhen für alle Werkausführungen der ersten Qualität gelten soll.

 

• die verwendeten Breguet-Spiralen bei den Werkausführungen der ersten Qualität alle eine äußere und eine innere Phillip’sche Endkurve haben.

 

Der Einsatz von Nickelstahl-Unruhen konnte erst nach Ihrer Erfindung um 1900 zur Anwendung kommen. Der Firma A. Lange & Söhne hat damit erst 1905 begonnen und nach dem Erwerb der Lizenz 1907 dies verstärkt verwendet.

 

Ein erster Nachweis einer inneren Phillip’schen Endkurve ist bei derzeit 19 überprüften, in der ersten Qualität ausgeführten ALS Taschenuhrwerken incl. 5 sogenannter Ankerchronometer, erst bei zwei Werken gelungen. Der dabei erfasste Fertigungszeitraum reicht von 1871 bis 1917.

 

Eine valide Aussage ab wann und in welchem Umfang bei ALS Werkausführungen innere Phillip’sche Endkurven zum Einsatz gekommen sind, lässt sich aufgrund der geringen Stückzahl dahingehend überprüfter Werke natürlich noch nicht treffen, aber, dass die generelle Aussage von Martin Huber nicht zutreffen kann, ist damit bereits hinreichend bewiesen.

 

 

Technische Merkmale, die eine in der ersten Qualität gefertigte ALS Taschenuhr auszeichnen.

Erste Voraussetzung war, die Rohmaterialien, die zur Fertigung vorgesehen waren, wurden mehrere Monate in den Räumen der Manufaktur gelagert, um im Material vorhandene Spannungen auszugleichen.

Außer den besser gegen Korrosion geschützten Neusilberwerken, die in der Regel für den Export nach Übersee vorgesehen waren, wurden die Messingwerke, in einem ersten Arbeitsgang versilbert und anschließend vergoldet.

Alle auf der ¾ Platine sichtbaren Zapfenlager, incl. der des Ankerklobens, sind mit geschraubten Goldchatons gefertigt.

Das Federhaus ist bei der verwendeten ¾ Platine separat herausnehmbar.

Um ein perfektes, gleichmäßiges Öffnen und Schließen der Breguetspirale zu erreichen, besteht das Schwingsystem aus einer Kompensationsunruh mit einer Breguet-Spirale aus gehärtetem Stahl.

Die aus Gold gefertigten Gewichte- und Regulierschrauben der Kompensationsunruh dienen der Vergrößerung des Trägheitsmomentes. Da zur Verbesserung der Eigenschaften über die Jahre hinweg mit verschiedenen Zusammensetzungen der Legierungen für die Kompensationsunruh experimentiert wurde, sind diese in ihren Bestandteilen nicht immer identisch. Ab 1905 wurden verstärkt Nickelstahl-Unruhen verwendet.

Die Feder verfügt über eine Malteserstellung und gewährleistet eine Gangdauer von 1,5 Tagen.

Anker und Ankerrad bestehen aus einer gehämmerten, 9-karätigen Goldlegierung, deren Vorteile darin bestehen, dass eine optimalere Ölhaltung erreicht wird, magnetische Beeinflussungen minimiert werden und der Masseschwerpunkt von Anker und Ankerrad optimiert wird.

Um die störende, aber unvermeidliche Reibung zwischen Anker und Ankerrad auf das möglichst niedrigste Niveau zu reduzieren sind die Ankerhebeflächen konvex und konkav geschliffen.

Ab 1869 kommt die patentierte innovative neue Zeigerstellung zum Einsatz, die bewirkt, dass die Zeiger beim Ein- bzw. Ausstellen keinen Sprung machen.

Die Reglage wurde in 5 Lagen und drei Temperaturen durchgeführt.

Die Goldgehäuse sind grundsätzlich in 18-karätigem Gold ausgeführt.

Der Diamantdeckstein ist ein schmückendes Markenzeichen und Qualitätssymbol ohne technische Bedeutung, da man genauso gut Rubine hätte verwenden können.

Der für die Fertigung der Herrentaschenuhren überwiegend zum Einsatz gekommene Werkdurchmesser beträgt 43 mm (19´´´). Bei den Uhren mit mehreren Komplikationen wurde auch ein Werkdurchmesser bis 48 mm verwendet.

Schlagwerksuhren, Taschenchronometer und Tourbillonuhren basieren ebenfalls auf  2/3  bzw. ¾ Platinen.

Verbesserte Rückerfeder ab 1898

Bei Werken mit Rückerfederfeinregulierung ( Schwanenhals) gibt es eine einfache Möglichkeit der Altersbewertung vor und nach 1898. Da die Festklemmvorrichtung für die Mikrometerschraube im Jahr 1898 eingeführt wurde und diese am Fuß des Schwanenhalses einen Einschnitt aufweist, sind Uhren die dieses Merkmal nicht aufweisen vor 1898 gefertigt worden.

Modellbeispiel ALS 1a

Sehr gut erhaltenes Exportmodell der Marke ALS um 1880

Ein Hauptabnehmer für die doch sehr teuren Präzisionsuhrwerke der Firma A. Lange & Söhne war bereits seit den 1860er Jahren der Markt in Übersee. Aufgrund der sehr hohen Steuern für komplette Uhren wurden in der Regel nur Rohwerke an amerikanischen Firmen geliefert. Die Vollendung wurde dann mit eigens für die von Lange & Söhne gelieferten Rohwerke angefertigten Gehäusen durch die Partnerfirmen in den USA vorgenommen. Wegen des langen Seetransportes und der damit verbundnen Korrosionsgefahr, wurden überwiegend Neusilber, so genannte „weiße Werke“ exportiert.

Typisch für diese Uhren ist auch die Verwendung der englischen Zifferblattsignatur „A. Lange & Sons“.

Dieses Werk der Marke ALS wurde in der höchsten von der Firma Lange gefertigten Qualitätsstufe (1A) u.a. mit Glashütter Ankergang, Goldanker und Ankerrad, Kompensationsunruh mit goldenen Gewichtsschrauben zur Reglage, Breguetspirale mit doppelter Philippscher Endkurve, Diamantdeckstein im geschraubten Goldchaton für den Unruhzapfen,  Rubin Lagersteine mit geschraubten Goldchatons auch für den Ankerkloben, angelassenen hoch polierten Werkschrauben und Glashütter Sonnenschliff auf Kron und Sperrad gefertigt.

 

TU A. Lange & Söhne im Goldgenäuse nach Entwurf von Prof. C. Graff

Die hier vorgestellte Savonette der Firma A. Lange & Söhne wurde im Dezember 1885 an die Dresdner Großhandelsfirma Dürrstein & Co. für 386 Mark verkauft. Das 20-steinige Werk in 1A Ausführung wurde in ein Prunkgehäuse mit einem Feingehalt von 750/1000 eingeschalt. Der Entwurf für dieses Gehäuse stammt von dem damaligen Direktor der Königlichen Sächsischen Kunstgewerbeschule zu Dresden, dem 1844 geborenen Herrn Prof. Carl Ludwig Theodor Graff. Der weibliche Kopf im Mittelfeld wurde in verschiedenfarbiger Emaille ausgeführt. Für verschiedene Entwürfe dieser Gehäuse bestand gesetzlicher Musterschutz. Die Punzierung des Feingehaltes (0,750) war zu diesem Zeitpunkt noch freiwillig. Das Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Siberwaren vom 16.07.1884, was zur zusätzlichen Punzierung der Goldwaren mit der stilisierten Reichskrone verpflichtete, wurde erst zum 01.01.1888 rechtskräftig. 

Frühe goldene Savonette  Fa. A. Lange & Söhne Glashütte von 1879

Die hier vorgestellte Savonette der Firma A. Lange & Söhne vom Kaliber 45 (Werkdurchmesser 45 mm) wurde im Jahr 1879 gefertigt und am 11.11.1879 an die Bremer Firma "Goldwaren Wilkens & Danger", Sögestraße 67, verkauft. Da für diese frühe Zeit von der Firma A. Lange & Söhne nur das Werkstattbuch, aber keine Verkaufsunterlagen erhalten  sind, ist der Verkaufspreis der aufwendig mit silbernen Prunkzifferblatt gefertigten Uhr nicht bekannt. Das in der 1. Qualität mit Diamantdeckstein auf der Unruhwelle und Zierschliff auf Platinen und Unruhkloben gefertigte Neusilber-Werk wurde mit 20 Steinen ausgestattet. Die Hemmungspartie umfasst den Glashütter Goldanker, das goldene Hemmungsrad, die Kompensationsunruh mit goldenen Gewichts- und Regulierschrauben und eine gehärtete Breguetspirale. Die später obligatorische Rückerfeinregulierung (Schwanenhals) wurde erst um 1890 eingeführt. Die handgravierte Firmensignatur, die Werknummer 11538, die in geschraubten Goldchatons gefassten Funktionssteine und der Glashütter Sonnenschliff  auf  Kron- und Sperrrad runden das Gesamtbild des Werkes ab. Die aufwendige Ziselierung und Gravur des Gehäuses mit einem Feingehalt von 750/1000 sind dem damaligen Glashütter Graveur Gustav Gessner zuzuschreiben.

Savonette Taschenuhr A. Lange & Söhne von 1902 in der ersten Qualität

Bei der hier vorgestellten Taschenuhr der Glashütter Firma „A. Lange & Söhne“ handelt es sich um ein in der ersten Qualität (1A) gefertigtes, 20-liniges, graniert versilbertes und vergoldetes, 20-steiniges (19 Rubine & 1 Diamantdeckstein) Pfeilerwerk Kaliber 45 mit ¾ Platine, welches in ein 18-Karat (750/1000) Rotgold-Savonettegehäuse vom Typ "Bassine" aus der firmeneigenen Gehäusefertigung eingeschalt ist. Die Uhr befindet sich nach 113 Jahren noch immer in einem sehr guten Originalzustand und hat auch noch hervorragende Gangwerte für eine manufakturiell gefertigte, mechanische Taschenuhr diesen Alters. Die Rücker-Feinregulierung (Schwanenhals) hat den ab 1898 verwendeten, patentierten, geschlitzten Schraubenfuß. Anker und Ankerrad der Glashütter Hemmung sind aus einer 9%igen Goldlegierung. Die 1902 gefertigte Uhr wurde noch mit der bimetallischen Kompensationsunruh mit goldenen Gewichts- und Regulierschrauben versehen. Der Einsatz von monometallischen Nickelstahlunruhen erfolgte bei A. Lange & Söhne erst ab dem Jahr 1905. Die blau angelassene Breguetspirale hat eine äußere Endkurve.

Offene Herrentaschenuhr Kaliber 43 Marke ALS in 1a Ausführung

Die hier vorgestellte Herrentaschenuhr der Glashütter Firma A. Lange & Söhne mit der Werk- und Gehäusenummer 25696 stammt aus dem Jahr 1887. Das in 1a Qualität gefertigte 19-linige Werk wurde in einem Goldgehäuse der Gehäuseform "Bassine" mit einem Feingehalt von 750/1000 eingeschalt. 1897 war der Einsatz der Rückerfeinregulierung in Form eines Schwanenhalses durchaus noch nicht die Regel. Es handelt sich bei der Uhr um ein sehr frühes Exemplar mit der später regelmäßig verwendeten Feinregulierung. Ab 1898 kam dann die qualitativ verbesserte und patentierte Festklemm-Vorrichtung für die Regulierschraube der Rückerzeiger zum Einsatz. Mit 485,- Mark, was heute  umgerechnet in etwa einen Wert von 5600,- Euro entsprechen würde, war es ein schon recht wertvoller Präzisionszeitmesser der gehobenen Preisklasse, für den es in Deutschland nur eine recht begrenzte Käuferschicht gab.

D.R.G.-M. Nr.89010
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Silberne 1 A Savonette Herrentaschenuhr der Firma A. Lange & Söhne

Die hier vorgestellte, in 1a Qualität gefertigte und sehr gut erhaltene Herrentaschenuhr der Firma A. Lange & Söhne wurde im Mai 1899 an die Bornaer Firma Hugo Gaschmer zum Werksabgabepreis von 296,50 Mark verkauft. Eine Besonderheit ist hierbei, dass das körnig vergoldete, zwanzigsteinige 3/4 Platinenwerk eine Werkverglasung zum Schutz gegen Verschmutzung aufweist. Der Werkdurchmesser beträgt 43 mm (d.h. 19 Linien). Das silberne Savonettegehäuse hat die Gehäuseform "Lucia" und weist einen Feingehalt von 900/1000 auf. Das zweiteilige, weiße Emaillezifferblatt hat zusätzlich zu den schwarzen Stundenziffern, rote Minutenziffern. Die filigran gearbeiteten Goldzeiger der Glashütter Firma Glaeser haben die Form "Louis-XV". Ein Diamantdeckstein auf der Unruhwelle schmückt dieses 116 Jahre alte, fein vollendete Werk.

1924 - offene goldene Herrentaschenuhr der Firma A. Lange & Söhne

Diese 20-steinige, offene, in erster Qualität ausgeführte Goldtaschenuhr Nr. 82860 vom Kaliber 43 in einem Goldgehäuse mit einem Feingehalt von 750/1000 wurde im Februar 1924 von der Danziger Firma „J. Neufeld & Söhne“ bei „A. Lange & Söhne“ bestellt und auch geliefert. Die Uhr ist neben den Diamantdeckstein auf dem Unruhkloben mit allen Merkmalen der 1A Werkausführung fein vollendet und reguliert worden. Wie aus der Gehäusepunzierung hervorgeht, wurde das Gehäuse vom Typ „Royal“ nicht, wie durchaus auch für einen Teil der Lange Uhren üblich, aus der Schweiz zugekauft, sondern mit einem Goldgewicht von 43,20g in der eigenen Gehäuseabteilung der Firma Lange gefertigt. Die durchaus nicht unberechtigte Frage, wie man damals in Zeiten der Inflation ohne Verlust einen solchen Handel realisieren konnte, ist relativ leicht zu beantworten. Die zwei deutschen Firmen wickelten ihr Geschäft nicht in Reichsmark sondern in Schweizer Franken ab. Die Uhr kostete damals 530,- stabile Schweizer Franken. Da vom Datum der Bestellung mehrerer Uhren, dem 19. Februar 1914, bis zum Versand am 29. Februar (Schaltjahr) nur 10 Tage vergingen, darf man davon ausgehen, dass die Firma Lange Uhren auf Lager hatte, was während der Hyperinflation ein nicht unerhebliches geschäftliches Risiko bedeutete. Die Rentenmark, welche die Inflation stoppen sollte, wurde erst im Herbst 1923 eingeführt, was in der Folge auch eine Neubewertung der zu diesem Zeitpunkt vorhandenen Edelmetallbestände zur Folge hatte.

Kennzeichnung der Uhren und Gehäuse

Als Kennzeichnung des Werkes ist neben der Werknummer, der Firmennahme "A. Lange & Söhne" mit der Ortsangabe "Glashütte bei Dresden" in die Platine graviert. Die Zifferblattbeschriftung lautet „A. Lange u. Söhne; Glashütte B. Dresden“ oder „A. Lange u. Söhne; Glashütte in Sachsen“; beides ist möglich.

Firma A.Lange & Söhne Auszug aus ALS
Preisliste 1910.jpg
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Weitere interessante Bilder und Informationen

zu verschiedenen, seltenen, komplizierten Glashütter Präzisionsuhren der Firma  A. Lange & Söhne aus dem 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts können Sie >> hier << einsehen.

 

Die 2. Qualitätsstufe von ALS Taschenuhren

In der 2. Qualitätsstufe, für die sich die Bezeichnung 1b eingebürgert hat, ist der Ankerkloben nicht mehr mit geschraubten Goldchatons ausgestattet und auf den Diamantdeckstein wurde auch verzichtet. Die Werkskennzeichnung auf der Platine ist in Form und Inhalt der Gravur mit der 1a identisch.

Bei diesen Ausführungen werden auch flachere Gehäuse verwendet.

Bei der nächst niedrigen Qualitätsstufe der 1c, wird völlig auf die geschraubten Goldchatons für die Zapfenlager verzichtet und nur bei wenigen Ausführungen ist das Zapfenlager des Minutenrades mit geschraubten Goldchaton gefertigt worden.

Auf die ebenfalls hochqualitative Gehäusefertigung wird noch gesondert eingegangen.

Der Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, stellt den derzeitigen Kenntnisstand dar und wird, wenn neue verifizierbare Erkenntnisse vorliegen entsprechend ergänzt.

Literatur:

  • Lexikon der Deutschen Uhrenindustrie 1850 - 1980 : Firmenadressen, Fertigungsprogramm, Firmenzeichen, Markennamen, Firmengeschichten; Autor: Hans Heinrich Schmid; Herausgeber: Förderkreis Lebendiges Uhrenindustriemuseum e.V.; ISBN 3927987913
  • Die Uhren von A.Lange & Söhne, Autor Martin Huber, München
  • Die Entwicklung der Glashütter Uhrenindustrie“  Autor Ing. Helmut Klemmer u. Edith Klemmer

    Fachzeitschrift: Uhren und Schmuck 1/1979 bis 4/1980

  • A. Lange & Söhne eine Uhrmacher-Dynastie aus Dresden; Autor: Reinhard Meis; Callwey Verlag München 1997
  • Der Beginn einer Tradition-Die ersten 50 Jahre Präzisionsuhren-Herstellung in Glashütte von 1845 bis 1895, Sandsteinverlag; Autor: Herbert Dittrich; Herausgeber:Stiftung Deutsches Uhrenmuseum Glashütte -Nicolas G. Hayek

 

Aktualisiert 28.03.2017

Deutsches Uhrenmuseum Glashütte - Das Bild  mit Video hinterlegt
Deutsches Uhrenmuseum Glashütte - Das Bild mit Video hinterlegt

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Ankergang
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